Das TomGard’sche Gespenst einer britischen Fregatte entschwunden – Kurznachrichten von der Ukrainischen Front

Vor 10 Tagen schrieb ich den Eintrag Biden deeskaliert Russlandkrieg, NATO eskaliert ihn und die Briten werden (denke ich) den Schießkrieg beginnen.

Jetzt ist der Schießkrieg abgesagt:

„A stage of combat coordination of divisions, combat crews, squads at motorized units… has been completed. More than 10,000 military servicemen… will march to their permanent deployment from the territory of the combined arms‘ area of drills,“ Interfax quoted the army as saying Saturday.

Interfax, via Press.tv

Parrallel:

On Wednesday, head of office of Presidency Ukraine, Andriy Yermak, said “all parties within the contact group agreed to return to full compliance with the ceasefire in Donbass and the Ukrainian Armed Forces have pledged to strictly respect it.

Meldung von gestern

Ergänzend, ebenfalls von gestern: Zelensky ready to negotiate with Putin, Ukraine to fulfill Minsk agreements – Yermak. Dem Text nach ist das eine Rückkehr zu der blockierten Situation vom letzten Jahr. Aber damit konfrontiert das Präsidialamt die Linie des neuen Kriegsministers Olexij Resnikow und des Opportunisten Kuleba (Außenamt und Nat. Sicherheitsrat), die „Minsk2“ öffentlich (Resnikow auch schriftlich) für obsolet erklärt hatten.
An einer Mitteilung von RT zum selben Thema ist v.a. ein Zitat von Interesse:

“We passed these steps (i.e ein „10-Punkte-Plan“ zur Reaktivierung des Minsk2-Prozesses) on to President Biden, Russia, France, and Germany,” (Zelensky)

Sollte das stimmen, hat das ukrainische Präsidialamt Parlament und Ministerium grob umgangen, in der Absicht, das „Normandie-Format“ zu deblockieren. Die Außenministerien hatten sich bislang strikt geweigert, mit einer anderen „Agenda“ aufzutreten, als dem Mantra des russischen Rückzugs von der ukrainischen Grenze und der Demobilisierung mehr oder minder fiktiver russischer Hilfskräfte in den „Volksrepubliken“. Jetzt gibt es immerhin einen neuen Text zu besprechen, selbst wenn der die alten Blockaden der Ukraine nur umformuliert hätte.

Am Tag zuvor hatte sich auch auf internationaler Bühne etwas getan.

Mein Urteil zu dem Artikel von Thomas Harding müßte ich natürlich erklären, aber das würde ein ewig langer Text zu der sehr speziellen Rolle, die Hamish de Bretton-Gordon 2018 sowohl in der Skripal-Affäre wie im parallel laufenden False-Flag-Angriff auf Syrien (Douma) gespielt hatte, welch letzteren Trump in eine Reality TV-Show eines NATO Überfalls mit Cruise Missiles überleitete, der bemessen war, möglichst geringfügige Schäden anzurichten. Ich kann euch diese Kenntnisse nicht ersetzen. Wenn dieser Mann von einem taktischen Gleichgewicht redet, das von westlicher Seite tunlichst nicht gebrochen werden sollte, ist das gleichbedeutend mit einem Befehl des MI6 an alle professionellen Provokateure, die Füße still zu halten.

Der Abrundung halber erwähne ich noch einen Artikel von Nikola Micovic für „Asia Times“, der offensichtlich asiatischem Buisiness-Publikum durch die Blume versichern sollte, sie brauchten für ihre Transport – Routen und Finanzquellen nicht zu fürchten. (Lustig: „Gipshaxn“ des Artikels ebenfalls die Douma-False-Flag – mittels ostentativer Nichterwähnung …)

Die allegorische „Britische Fregatte vor der Kertsch-Brücke“, die ursprünglich in meinem eingangs zitierten Eintrag figurierte, war ohnehin eine Dummheit, die darin gründete, daß ich eine deutliche Kehrtwende in der britischen Außenpolitik im Frühjahr krankheitsbedingt nicht mitgekriegt hatte:
UK to shift foreign policy focus following review, v.16.März.
Ausgerechnet der erzmilitante Dominic Raab mußte da, offenbar auf Weisung, zurück nehmen, was er noch Wochen zuvor überlaut hinaus getönt hatte, eine „führende Rolle“ des UK beim atlantischen Containment Chinas. Die Motive sind angesichts der katastrophalen ökonomischen Kennzahlen des UK offenkundig.

Und diese Wende ist scheint nicht nur nachhaltig, sondern nur der Anfang einer großen Säuberung, wenn man sich an die Hinweise der Financial Times hält:

Der Artikel wurde mehrfach gespiegelt, ihre findet ihn unschwer ohne Paywall im Netz. Nach meiner Lesart kündigt er – nachdem Raab „nach oben“ geschasst wurde – nicht nur ein schnelles Ende der Johnson’schen Kanzlerschaft an, sondern auch einen erklärten Willen des außenpolitischen britischen Establishments, MI6, MI5, Freischärler-Truppen des britischen Militärs incl. der Chemie- und Biowaffenfabrik Porton Down wieder unter Kontrolle zu bekommen und der Phase des britischen Terrorismus auf europäischem Boden, die 2013 begonnen hat und bis zur Navalny-Affäre andauerte, ein mindestens vorläufiges Ende zu setzen.

Wenn ihr euch fragt, „Woher kommts“, es seien doch pi mal Daumen dieselben Figuren und Traditionen, könnte ein Artikel Andrew R. Marshall für den Atlantic Council ein Ausgangspunkt für Überlegungen und weitere Nachforschungen sein. Ich will dazu erstmal nicht mehr sagen, als daß er eindrucksvoll bestätigt, was ich im letzten Eintrag schrieb: Der Kreml sucht das Weiße Haus an der Nase seines Hegemonialanspruches zu packen. In dieser Lage steht das UK im transatlantischen Verhältnis halt zwei Ränge unterhalb der EU – erst recht mit dem laufenden Nordirland-Konflikt, dagegen hilft kein „Novichok“.

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2 Antworten zu Das TomGard’sche Gespenst einer britischen Fregatte entschwunden – Kurznachrichten von der Ukrainischen Front

  1. tgarner9 schreibt:

    Wie die Zahl „4000 Amerikaner“ zustande kommt, die lt Herrn Putin in der Ukraine stehen:

    Ihr müßt zugeben, im Kreml hat man Humor, gelle?

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  2. tgarner9 schreibt:

    Weil das jetzt so viel gelesen wird …
    Der russische Angriff vom 24.2.’22 ist nicht „provoziert“ gewesen, dazu habe ich andernorts genug geschrieben.
    Gleichwohl war der Kreml im Anschluss an die Deeskalationsbewegungen, von denen im Eintrag die Rede ist, hinsichtlich der Ukrainepolitik (ungeachtet der ultimativen Forderungen an USA und NATO auf strategischer Ebene) selbst einen Schritt zurück getreten und hatte Minsk2 und dem „Normanie-Format“ noch eine „Chance“ gegeben. Das endete am 10.2. in Berlin „ohne Ergebnis“, weil die ukrainische Seite nicht einen Millimeter von ihrer Blockadehaltung abrückte.
    https://www.rnd.de/politik/ukraine-konflikt-normandie-gespraeche-enden-ohne-ergebnis-UWPYGAS4PZAWXDGC4HBGGSW4DU.html
    Es ist ziemlich klar zu sehen, wer das so entschieden hat. Es war erstens das amerikanische Außenministerium. Blinken hat in dieser Phase in seiner Kriegsrhetorik das Minsk-Abkommen im Unterschied zu Biden beiseite gestellt, aber das habe ich nicht dokumentiert.
    Denn zweitens bin ich überzeugt, die entscheidende Stimme, die einen russischen Angriff unbedingt wollte, kam aus der NATO. Stoltenberg hatte am 16. Jan. in einem Interview klar gestellt, allein Russland, nicht die Ukraine habe „sich zu bewegen“, namentlich hinsichtlich Minsk2.

    Angesichts späterer Äußerungen Zelinskys, der sich von der NATO „enttäuscht“, „allein gelassen“, nahezu verraten erklärte, ist es plausibel, daß ihm aus NATO – Kreisen eine robustere Unterstützung im Falle eines russischen Angriffes zugesagt wurde, als tatsächlich erfolgt ist – aber das bleibt natürlich Spekulation.
    Noch spekulativer, aber kaum weniger plausibel ist, daß die russischen Behauptungen stimmen, und eine False-Flag-Operation in Verbindung mit einem Angriff der Fascho-Brigaden auf Luhansk in Vorbereitung war, mit welcher die NATO hoffen konnte, das russische Schlachtfeld zu begrenzen. Unter diesen Umständen wäre eine robustere Beteiligung von NATO-Ressourcen und selbst Streitkräften zumindest auf politischer Ebene kein derartiger „non-starter“ gewesen, wie er es nach dem russischen Angriff auf breitester Front gewesen ist.
    Soviel zur Chronologie, hoffentlich, ohne damit Schuldfragen bedient zu haben …

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