Worum es der Russischen Föderation geopolitisch zu tun sein muß

Lest mal sorgfältig dies:

Die Recherche, die nötig wäre, um Reichweite und Virulenz der Bewegung, die da stattfindet, beurteilen zu können, habe ich nicht geleistet und werde das auch nicht mehr tun. Es geht mich nichts mehr an. Deshalb nur das rohe Schema:

Kasachstan ist ökonomisch das entwickeltste Land Zentralasiens und Mitglied der GUS, der SCO und der EEU. Darüber hinaus pflegt Kasachstans Regierung seit langem kooperative Beziehungen zur NATO, zur US-Ölindustie und, vermittelt über Letztere, zum CIA, sowie enge Kontakte zu türkischen Organen, die der Pflege der gemeinsamen Traditionen der Turkvölker dienen sollen. Das „besondere Verhältnis“, das die RF zum NATO-Mitglied Türkei pflegt, ist sehr maßgeblich Rücksichten auf Kasachstan, nachgeordnet auch Azerbeidschan geschuldet.

Wenn ihr jetzt einen Blick auf die Karte werft, seht ihr, daß das Kaspische Meer eine Schlüsselrolle im regionalen Verkehr spielt, umso mehr, als der Iran seit Jahrzehnten der westlichen Sanktionspolitik unterliegt. Die Beziehungen zwischen der RF und Kasachstan sind wesentlich bestimmt durch die Schlüsselrolle, die beide Länder im Ost-West-Verkehr der Region spielen, weil Turkmenistan sich seit seiner Unabhängigkeit vom Westen isoliert hatte. Der weitaus größte Teil der Exporteinnahmen des turkmenischen Staates stammt seit 2010 aus dem Gasexport nach China, der über die kasachisch-chinesische Pipeline verläuft.
Jetzt soll endlich die seit langer Zeit anvisierte transkaspische Pipeline nach Azerbaidschan fertig gestellt werden, parrallel hat Turkmenistan ein Abkommen mit Azerbaidschan zur gemeinsamen Ausbeutung eines bedeutenden Ölfeldes im Kaspischen Meer geschlossen. Bislang wurde ein großer Teil des in Turkmenistan geförderten Öls in eigenen Raffinerien für den regionalen Export verarbeitet, jetzt ist eine Ausweitung des Ölexports nach Westen zu erwarten.

Geopolitisch findet mit der intensivierten Einbindung Turkmenistan eine deutliche Verkehrs- und Kräfteverschiebung innerhalb der SCO und dem Verband kaspischer Anrainerstaaten statt, weg von der RF, hin zur Türkei, Georgien und von Georgien via Ukraine Richtung Westen, namentlich über Polen in die baltischen und skandinavischen Länder. Kasachstans geopolitischer „Orbit“ verschiebt sich nach Osten, Richtung China, UND Westen, Richtung NATO-Territorium. Im Maße, wie diese Bewegung Kraft und Geschwindigkeit bekommt, wird die Bedeutung der RF für China gemindert und damit auch das Interesse an Kooperationsfeldern, die über russischen Rohstoff- und Rüstungsexport hinaus gehen.
Das weitaus „Gefährlichste“ für Moskau und den Kreml an dieser Entwicklung ist die in der gleichen Bewegung geminderte Bedeutung der Föderationsregierung für die Mitgliedstaaten und Nachbarn, darunter auch Weißrussland.

Die Territorien Georgiens und der Ukraine, die in der aktuellen Auseinandersetzung mit der NATO und dem zerfallenden US-Imperium eine Schlüsselrolle spielen, sind aus russischer Sicht weniger für das Verhältnis zur EU von Belang, als für das Verhältnis der EEU zu Zentralasien, China, Iran, Pakistan und Indien.

Ich wiederhole, das sind „unzureichende Bemerkungen“.

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