Vergebens, bürgerlichen Subjekten den eigenen Krieg erklären zu wollen; dazu schwätzen kann ich immerhin.

Um potentiell nahrhaft schwätzen zu können, hätte ich das Metainstitut Nation zu erklären, dachte ich ursprünglich, aber das wäre ein Irrweg auf der Grundlage der Art und Weise, wie die Erklärung für mich persönlich funzt.

Krieg ist ein Institut, Frieden ist es nicht!

Das sollte schon an der Formalität der Friedensbestimmung auffallen, „Friede“ ist die Abwesenheit von Krieg und hat somit keine anderen Bestimmungen, als die des Kriegszustandes. Der bürgerliche Verstand dreht die Sach auf den Kopf, indem er Krieg zu einer Abweichung von einem Friedens(zu)stand erklärt, an dem er interessiert ist. „Hört doch mit dem Frieden auf, kommen doch nur Kriege ‚raus“, haben ich und meinesgleichen deshalb vor 40 Jahren der „Friedensbewegung“ entgegen gehalten, die im Wesentlichen aus auf von der Regierung befürworteten Pfaden wandernden Kerzenhaltern bestand …

Die elementare Auflösung obiger Antithese von Realität und Wahn ist die banale Tat-Sache, daß alle Gesellschaften in allen erdenklichen Formationen im Friedensstand die Zweckbestimmung der Reproduktion ihres Personals und ihres funktionellen Zusammenhanges zukommt – das ist ausnahmsweise „von Natur aus“ so – die im Kriegsfall einem oder mehreren Kriegszwecken untergeordnet wird.
Solche Kriegszwecke mögen ebenfalls eine gesellschaftliche Reproduktion zum Gegenstand haben, wie das beispielsweise bei Territoiralkämpfen tribaler Jäger-Sammler – Gesellschaften der Fall ist, aber dann ist die Reproduktion negativer Gegenstand, es geht um eine Schranke oder ein Hindernis derselben, die zu Lasten der Reproduktion des Friedensstandes beseitigt werden soll oder muß.

Soweit klar? Gut, dann will ich euch mit Blick auf das Folgende strategisch darauf aufmerksam machen, daß der letzte Absatz die Elementarform einer dialektischen Darstellung hat. „Dialektik“ ist keine zivilisatorische Erfindung, sondern die Elementarform einer Erklärung eines Zusammenhanges, die schon homo erectus gelernt haben muß, anders sind seine Leistungen nicht erklärlich. Denn jeder beliebige Zusammenhang, nicht nur der zwischen „Krieg und Friede“, birgt antagonistische Gegensätze. Richtig, zähle ich eins und eins zusammen, macht das „zwei“, aber was ist das für „zwei was“? Ein „eins was“ kann ich zu einem anderen „eins was“ nur dann addieren, wenn die beiden zugleich identisch und nicht identisch sind. Deshalb erschafft „zählen“ schon im Hirn von Vögeln – beispielsweise – eine Art von Gattungsbegriff des Menschen oder anderer Tiere. Nach der Addition ist jedes einzelne „eins was“ mindestens „zwei“, nämlich erstens ein Individuum – das bleibt es! – und zweitens ein Gattungsexemplar.
Mit Addition und Substraktion kann sich beispielsweise ein Rabe zwischen Artgenossen, Beutetieren, Feinden und gleichgültigen Reviergenossen bewegen, aber er lernt nicht selten viel mehr, nämlich zwischen bewaffneten und unbewaffneten Gattungsexemplaren des Menschen unterscheiden, und dann ist es mit Addition und Substraktion nicht länger getan. Er beginnt zu multiplizieren.
Anders, als die verfickte, zerstörerische bürgerliche Elementarschulbildung will – zumindest zu meiner Zeit war das so – ist Multiplikation kein Algorithmus auf der Grundlage von Addition und Substraktion, sie erschafft bzw. reflektiert eine neue geistige Dimension, nämlich die Reflexion von Unterschieden zwischen Gattungsindividuen ineinander.
Der Rabe zählt drei Menschen auf einem Hochsitz, von denen zweie Flinten tragen. Machen sich zwei Flintenträger von dannen, verhält sich der Rabe so, als sei der verbliebene Mensch ein gleichgültiger Reviergenosse. Andersrum, andersrum. Der Rabe reflektiert die Individualeigenschaften der fremden Subjekte in ihren Gattungsbegriff und umgekehrt, was einen neuen Gattungsbegriff erschafft, den des Jägers. Und jetzt erzähle ich euch, was der Unfug dieses Exkurses hier zu suchen hat:

Das bürgerliche Herumirren zwischen „Ursachen“ und „Gründen“ für „Kriege“

„Winetou und Old Shatterhand“ werden wohl weiterhin im TV wiederholt, so werden die Meisten von euch wissen, der Apache, Komanche, Osage, Sioux etc. „gräbt“ das Kriegsbeil aus oder gräbt es ein. Ein ebenso simples wie schönes Bild für einen multivektoriellen Zusammenhang. Ein „Kriegsbeil“ ist sowohl individueller Besitz, wie tribales Eigentum. Wird es individuell ausgegraben, erschafft dies mindestens einen Fall von Blutrache, gemäß einem tribalen Palaver eventuell einen Kriegsfall – oder eben nicht. Der Stammesmensch tritt in dem Bild unmittelbar als ein Individuum auf und zugleich ist das Individuum mehr oder weniger Stammesmensch. Das „mehr oder weniger“ hängt an der Stellung der Sippe des Individuums, die ggf. von Blutrache betroffen wäre, im Tribus, aber das ist eine neue Dimension, die für meinen Belang nicht zählt. Worauf ich hinaus will, ist die „dialektische“ Identität der Individuen: Sie sind Stammesmenschen in und vermittels ihres individuellen Handelns und der darin zur Geltung kommenden Eigenheiten, wie ebenso umgekehrt Individuen gemäß und vermittels der Modalitäten ihres Stammeslebens.

Diesen simple Identität von Individuen und gesellschaftlicher Daseinsweise kriegt der bürgerliche Verstand nicht mehr auf die Reihe, was im Kriegsfall besonders deutlich hervor tritt.

In erster Instanz darin, daß gemäß des interessierten Dogmas vom Krieg „als“ Abweichung von einem Friedens(zu)stand fast jeder bürgerliche Mensch „Krieg“ für eine Art von „Naturkatastrophe“ ansieht, selbst wenn er selbst mit plausiblen Argumenten behauptet, das sei nicht der Fall, ganz im Gegentum, für ihn sei „die Gesellschaft“ oder gar ein oder „das“ „System“ schuld, ursächlich oder vielleicht meint, mehr oder minder präzise gesellschaftliche Gründe für den Kriegsfall angeben zu können.
Natürlich hätte ich das am Einzelfall nachzuweisen, insbesondere bei den Deckers, Dittmanns, Henles und so zu, wozu ich weder Lust noch Zeit habe. Denn ich kann mein Urteil methodisch begründen:

Der Übergang, den ein Individuum, eine Gruppe von Verschworenen, „eine Gesellschaft“, „ein System“, „ein Volk“ – was ihr wollt – vom Frieden zum Krieg macht, enthält antagonistische Gegensätze, es ist eine Absage an die vorgängige Verfassung von „Staat“, „Gesellschaft“, „Nation“, was immer ihr für Namen vergeben wollt, nicht zu vergessen an die Friedensverfasstheit der Individuen. Eine Erklärung dieses Übergangs, muß ihn auch erklären, statt mit Hilfe von Motiven, die in Krieg wie Frieden eine Rolle haben, über ihn ‚drüber zu bügeln und diese Operation für eine Erklärung auszugeben. Was bei letzterer Operation heraus kommt, ist die hinterfotzig pfäffische Verkleidung einer Antwort auf eine Schuldfrage. Bzw. eine Distinktion, ein Händewaschen in der Unschuld.

Noch am Nächsten an der Wahrheit – die in diesem Abschnitt noch nicht ernsthaft eine Rolle spielen kann und soll – sind tatsächlich jene Modelle, welche die Schuldfrage bei verschworenen Individuen verorten, sei es „Putin“, „Biden“ oder auch NATO (das Personal) oder „das Pentagon“. Ja, das ist schlicht so. Verschwörer machen den Übergang und geben das initiale Kommando. Aber das erklärt nichts.

Eines zeigt sich aber vielleicht schon umrissweise, und mit diesem Vorgriff schließe ich einstweilen:
Wer immer diesen Übergang macht, sei er Kommandeur, Schweinepriester oder Pöbel, ist Kombattant. Im Falle tribaler Kriege entscheidet ein Palaver über die Rücknahme des Übergangs, ein Angebot an den Feind, das Beil wieder einzugraben. Der Stammesmensch, der sich nicht daran halten will, wird von den eigenen Leuten entweder verbannt oder, zur Untermauerung des Angebots, auch gekillt. In „zivilisierten“ Gesellschaften gibt es keinen Übergang zum Frieden. Ist der Übergang zum Krieg einmal gemacht, heißt es Krieg, Bürgerkrieg, oder Niederlage / Vernichtung. Für fast alle bürgerlichen Intellektuellen heißt das, sie mutieren mehr oder minder unversehens von Pfaffen zu Dompfaffen – keine „Menschen“ mehr im Sinne ihres Gattungslebens.

PS.: Anläßlich der Verweise auf andere Einträge, die Google unten liefert, noch eine Bemerkung:
Der Krieg, den der Pöbel in bürgerlichen Gesellschaften führt, ist ein anderer, als der Krieg ihrer Kommandeure. Und der Krieg der Kommandeure nicht selten ein anderer Krieg, als der, den Politiker und Vertreter des Standes der Eigentümer führen oder zu führen meinen. Überhaupt schraubt ein Krieg die Klassenunterschiede in irgend einem Ausmaß auf vorbürgerliche Standesunterschiede zurück … nur noch hingesagt haben will.

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