Hans Møller Kristensen erklärt die Nuklear-Doktrin der NATO im Russlandkrieg

Informiert euch, wer das ist.
Darin ist folgendes gelogen:

In 2005 he discovered a draft document on a Pentagon website that proposed a change in U.S. nuclear doctrine to include the possibility of a preemptive nuclear strike. Even though Secretary Rumsfeld had not approved the change, its publication provoked a reaction from some members of Congress.

In den Monaten nach 9/11 hat Präsident Bush jr. mehrfach erklärt, im amerikanischen Weltkrieg, den er „War on Terror“ taufte, gelte eine nukleare Erstschlagsdoktrin der USA. Das Weiße Haus, das Pentagon, das Außenministerium, die zuständigen Generäle und Ausschussmitglieder des Kongresses haben sich seither unentwegt darauf bezogen, nämlich in der Formel „All Options on the Table“, besonders oft im Krieg gegen den Iran, den die USA in der Tat nur nuklear führen könnten, wenn sie vom hybriden zum offenen Krieg übergingen, und dies wurde von allen, die es anging, namentlich den Regierungen Deutschlands, in offiziellen Stellungnahmen, als Wink mit der „ultimaten Waffe“ aufgenommen.
Selbstredend hat es auch eine besiegelte Ermächtigung des Pentagon zu einem nuklearen Ersteinsatz gegeben, weil die US-Kommandolinie dies erforderlich macht, aber sie wurde in der Tat nie in der Form einer „Doktrin“ veröffentlicht. Wäre auch überflüssig gewesen, es galten die diversen, vom Congress ratifizierten Kriegserklärungen des „War on Terror“, die ich aus dem Gedächtnis nicht nennen kann, und bis auf den Tag nominell gelten. Obama hat sie nicht offiziell zurück nehmen lassen, auch nicht Trump, obwohl dessen außenpolitische Leitlinien und Deklarationen diesen Krieg für beendet erklärt haben. Zu Regierung Biden vermerkt die Wiki korrekt:

In 2022, US President Joe Biden announced that the United States would use nuclear weapons as a first strike in „extreme circumstance“

Diesen Hintergrund muß man kennen, will man wissen, wie die nukleare Doktrin der NATO beschaffen ist, die es offiziell nicht geben kann, aber geben muß, weil und solange die NATO bekennend Kriegspartei auf der Grundlage „nuklearer Abschreckung“ ist. Denn es ist mindestens zweifelhaft, ob dafür die ebenfalls inoffizielle britische Erstschlagsdoktrin hinreicht. Gemäß einer offiziellen russischen Stellungnahme, tut sie das nicht.

Damit zum Interview, das „DerStandard“ mit Kristensen geführt hat. Nach Vorstehendem könnte die Behauptung meines Titels klar werden, denke ich, deshalb verliere ich keine weiteren Worte, hebe aber ein paar Aussagen hervor:

Russland folgt eigentlich einer klar definierten Nukleardoktrin, in der steht, unter welchen Bedingungen das Land auf den Einsatz von Atomwaffen zurückgreifen könnte. Der Krieg in der Ukraine entspricht diesen nicht, erklärt Rüstungsexperte Hans Møller Kristensen. Allerdings spricht die russische Führung so, als ob es so wäre. Der Experte erläutert im Gespräch mit dem STANDARD, ob sich Russlands Präsident Wladimir Putin über die Doktrin hinwegsetzen könnte – und wie der Westen damit umgehen würde.

STANDARD: Wäre ein Einsatz russischer Atomwaffen im Krieg gegen die Ukraine von der russischen Nukleardoktrin gedeckt?

Kristensen: Der Krieg in der Ukraine entspricht nicht den Bedingungen für einen Atomwaffeneinsatz, die in der russischen Nukleardoktrin stehen. Aber die russische Führung redet so, als ob es so wäre. Zunächst warnten die Russen vor dem Einsatz von Atomwaffen, falls die Nato direkt in den Krieg verwickelt würde (…)

STANDARD: Kann sich Putin über die Nukleardoktrin hinwegsetzen?

Kristensen: Ja, das kann er. Wir dürfen nicht glauben, die festgeschriebenen Szenarien der Doktrin wären die einzig möglichen, die einen Einsatz von Nuklearwaffen nach sich ziehen. Die Doktrin hat einen deklaratorischen Charakter. Wir nennen das „nuclear talk“.

STANDARD: Nach der Annexion weiterer ukrainischer Gebiete und herben Rückschlägen seiner Armee hat Putin erneut mit Atomwaffen gedroht. Blufft er, oder macht er Ernst?

Kristensen: Das ist unmöglich vorauszusagen. Die Militäroffensive der Ukraine zur Befreiung besetzter Gebiete bedroht nicht die staatliche Existenz Russlands. Putin stellt das aber genau so dar, um einen möglichen Einsatz von Atomwaffen zu rechtfertigen.

STANDARD: Die USA warnen Russland im Fall eines Atomwaffeneinsatzes vor „schrecklichen Konsequenzen“, ohne diese genau zu benennen.

Kristensen: Zunächst: Nach einem Atomwaffeneinsatz wäre Putins Russland der absolute Paria der internationalen Gemeinschaft. Auch wichtige Partner wie China und Indien könnten sich von Putin abwenden. Zudem: Wenn Moskau nicht weiß, wie die USA und der Westen genau auf den russischen Einsatz von Atomwaffen reagieren, ist es schwieriger für den Kreml, sich vorzubereiten.

STANDARD: Wie könnten die USA und die Nato auf einen russischen Atomschlag in der Ukraine reagieren?

Kristensen: Der Westen könnte eine maximale Verschärfung der bestehenden Sanktionen beschließen, die zu einem politischen, finanziellen, wirtschaftlichen und kulturellen Lockdown Russlands führen würde. Zudem ist es möglich, dass die USA begrenzt militärisch antworten (…)

STANDARD: Und wie wahrscheinlich wäre eine nukleare Antwort der USA und der Nato auf einen Einsatz russischer Atomwaffen in der Ukraine?

Kristensen: Ich glaube nicht, dass die USA und die Nato mit dem Einsatz von Nuklearwaffen reagieren würden. Der Westen will das nukleare Tabu bewahren.

Fazit in meinen Worten: Die Nato hat sich den „War on Terror“ in der von Pepe Escobar kolportierten Fassung, „War on Terra“, unwidersprochen angeeignet.

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2 Antworten zu Hans Møller Kristensen erklärt die Nuklear-Doktrin der NATO im Russlandkrieg

    • tgarner9 schreibt:

      Aus dem Strang dazu:

      „(Für den westlichen Zugang zu den Bodenschätzen) muss Russland in der gegenwärtigen Form verschwinden, ob durch Aushungern, Farbrevolution, inneren Zerfall oder Führungswechsel, oder sogar durch einen nuklearen Enthauptungsschlag mit anschließender Abwehr möglichst vieler Zweitschlagwaffen, ist optional.“

      So? Und wer sichert in solchen Szenarien den Abtransport der Rohstoffe nach Westen, bzw. – dies ist das realistischere Motiv – eine Unterbindung des Abtransportes nach China und dessen südostasiatische Partner?

      Dein Konstrukt, noname, ist eine Bebilderung des katholisch-christlichen Bildes von den Mächten des Lichts und der Finsternis, und ich zeige Dir, wie und warum.

      Fast alle Leute wollen glauben, die Idee der (oder hinter der) Eurasischen Union, bzw. des Konzepts „Eurasien“, sei gegen „den US-Imperialismus“ oder gar eine „westliche Kultur“ von Herrschaft und Ausbeutung gerichtet. Sie meinen, sie könnten sich dazu auf die Friedmans, Kagans, Brzezińskis und Co berufen, und auch auf die russische Nomenklatura, in der man diese Vorstellung gern teilt.
      Doch die faktische Kehrseite „Eurasiens“ und der EEU ist, daß sie ein Bollwerk der Russischen Föderation gegen eine „Chinesifizierung“ Zentralasiens und damit auch Russlands darstellt und darstellen soll.

      Weshalb, glaubst Du, hat Putin persönlich sich nach dem Putsch von 9/11 umgehend an die Seite von Bush jr gestellt und der NATO freizügig die Aufmarschrouten zum AfPak-Krieg geöffnet? Und steht bis auf den Tag hinter der offiziellen Verschwörungstheorie zu 9/11?

      Ein bißchen Geschichte schadet hier nicht. In der Phase der sowjetisch-amerikanischen Kriegsdiplomatie, die unter Chruschtschow begann, stellte man im US-Außenministerium und WH rasch fest, daß „die Russen“, also die sowjetischen Eliten gemäß der patriotischen Seite der Sowjetherrschaft, einen derartigen Horror vor der Kultur und dem Potential des chinesischen Despotismus hatten, daß sie sich, anekdotisch zugespitzt, im Zweifel lieber den USA ergeben, als „den Chinesen“ ausgeliefert hätten. Das war die Grundlage für die Entente Nixons mit der chinesischen Führung.

      Das Motiv ist bis heute wirksam. Wäre die EEU das, als was die russische Diplomatie sie gern hinstellt, hätte der Kreml im Frühjahr das Evakuierungsangebot an die „russische“ Bevölkerung der Ukraine konsequent um die komplette Schließung der Grenzen ergänzt und militärische Übergriffe der ukrainischen NATO-Söldner allenfalls mit konzentrierten Vernichtungsschlägen gegen die Einkreisungstruppen um die „Volksrepubliken“ beantwortet. Wie irre ist es bitte, auf das Heranrücken der NATO an russische Staatsgrenzen mit der Ausdehnung dieser Grenzen in Richtung der polnischen, rumänischen, slovakischen, bulgarischen NATO-Bastionen zu antworten?
      Die Existenz der russischen Föderationsregierung in ihrer traditionellen Gestalt hängt am „Bollwerk gegen China“, und deshalb ist sie verdammt, „europäisch“ sein zu wollen und zu bleiben, und in dieser Gestalt cum grano salis eine Provinz des Imperium gewordenen „westlichen“ Imperialismus. Das ganze hirnrissige Gequatsche Putins von „russischer Welt“ etc.pp. hat diesen Gehalt, keinen anderen.

      Der russische Idealismus der „multipolaren Weltordnung“, die seit der Abdankung der SU existiert, nämlich in Gestalt der entfesselten kapitalistisch / imperialistischen Konkurrenz auf dem vollendeten Weltmarkt und um ihn, ist nicht weniger gegen China, als gegen die USA und deren Verbündete gerichtet.

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