Zur Revitalisierung der Rolle des Antiamerikanismus in der Demokratischen Öffentlichkeit

Der Aufhänger

Antiamerikanismus war seit 1945 (fast) immer eine Waffe … der US-Föderationsregierung!

Die Ausnahme ist derart bezeichnend, das ich sie hier scheinbar OT zum Thema machen möchte. Zum Schlüsselpunkt des Interface zum Artikel werde ich zum Schluss kommen.

Ab etwa 1990 begann ein Häuflein Leute, die sich als Kommunisten verstanden, sich über der Beobachtung zusammen zu finden, daß „Wende“ und „Wiedervereinigung“ nicht verfehlen konnte, die Ansprüche UND die Rolle der deutschen *Nation* im Gefüge der imperialistischen Welt deutlich zu verändern. Den entscheidenden Schub für einen organisatorischen Zusammenschluß lieferte die Initiative der Regierung Kohl zur Zerlegung Jugoslaviens, die mit der Unterstützung kroatischer Separatisten begann, und vor der Förderung alter und neuer Bünde in der Tradition der „Ustascha“ nicht halt machte, ganz so, wie Briten, Polen, Balten und eine Traditionslinie amerikanischer und canadischer Faschisten das später mit der Bandera – Tradition in der Ukraine hielten. Ja, die Briten mischten in Kroatien auch mit, aber ihr zunächst bestimmendes Motiv war, die Initiative der Deutschen zu kontern, die ihren Ausgangspunkt auf Regierungsebene hatte, anders, als zunächst im UK.
Die „Antideutschen“ wurden geboren und ihr politisch aktivster Vorkämpfer wurde, die Personalie ist hier unmöglich auszulassen, zunächst Jürgen Elsässer.
Doch Elsässer hatte keine bestimmende Rolle in der ideologischen und politischen Einbettung dieser „Bewegung“ in die Landschaft der veröffentlichten Meinung in Deutschland, diese Rolle übernahm ab etwa 1993 öffentlich die Redaktion der „Konkret“. Von da an wurden die „Antideutschen“ zu einem „linken“ Ableger einer institutionell weit höher und breiter angelegten Bewegung von Leuten, die sehr viel später von Rechtsnationalisten weltweit „Ziocons“ getauft wurden. „Antideutsch“ zu sein wurde bei den „Antideutschen“ zur untergeordneten Abteilung eines zionistisch motivierten und legitimierten Pro-Amerikanismus.
Ich will vorweg nehmen, daß der Russlandkrieg im Begriff ist, die letzten Reste der ohnehin schon unbedeutend gewordenen Sonderrolle der Zionisten in den Imperiumskriegen seit 1991 abzuwickeln, also bitte keine falsche Aufregung …
Lesern, denen die das Nötigste über das „Project for a New American Century“ (PNAC) und dessen Rolle beim US-Staatsstreich 9/11 wissen, werden den Zusammenhang erkennen. Die Formierung des PNAC begann ebenfalls etwa 1993 und seine erste politische Tat war der Staatsstreich in Israel 1995, dem Jitzchak Rabin zum Opfer gebracht wurde, der israelische Partner von US-Präsident Clinton in dessen Bemühungen, als nahöstlicher Friedensstifter in die Annalen der US-Geschichte einzugehen, was der schon durch den Irakkrieg Bush sen. arg geschwächten nuklear bewaffneten Regionalmacht Israels aus zionistischer Sicht „den Rest“ gegeben hätte.
Abgesehen von dieser Episode haben CIA und diverse unter ihrem Einfluss handelnde Stiftungen und Vereine seit etwa 1953 kaum eine Gelegenheit ausgelassen, „linken“ und kulturnationalistischen Antiamerikanismus in Europa zu finanzieren und zu instrumentalisieren.
Wie auch sonst! Antiamerikanismus ist ein unverzichtbares Accessoire einer Indienstnahme kapitalistischer Souveräne auf dem Wege der Entfaltung eines „amerikanischen“, eines auf, neben Waffen und Kriegen, bis zur Schaffung des „Euro“ auf dem singulären Weltgeld Dollar gegründeten Weltmarktes und dessen nomineller Vollendung mit dem Abtritt des „Realsozialismus“ von der Bühne der Territorialherrschaften gewesen.

Die praktische Rolle des Zionismus in dieser Geschichte steht in scharfem Gegensatz zur Rolle seiner Vertreter in der Öffentlichkeit, und das liegt an der ikonographischen Rolle des Ersten Irakkrieges. Aus Sicht der „Ziocons“ lag sein systemischer Fehler oder Mangel darin, daß der Irak nicht entstaatlicht und Saddam am Leben gelassen worden ist. Die Massenschlachtung auf dem „Highway to Death“, die ihn vorübergehend abschloss, setzte den Territorialherren abseits der USA Schranken für die Betätigung nationaler Interessen auf dem von ideologischen Schranken entfesselten Weltmarkt, aber die Erhaltung der irakischen Staatsraison unter Führung Saddams bekräftigte die Entgrenzung dieser Konkurrenz, und das setzte der Rolle Israels als „imperialistischer Kettenhund der USA“ im Nahen Osten ein systemisches Ende. So wurde die israelische Staatsraison und der Nahe Osten zum Brennpunkt für Erscheinungsformen des Grundwiderspruchs von „Hegemonialität“. Schmutzig hingesagt verlangt ein „Hegemon“ eine singuläre Position ein – „es kann nur einen geben“ – und bekennt zugleich, sie nicht zu haben, ja, nicht einmal zu wollen, sondern „primus inter pares“ statt Souverän bleiben zu müssen. Eine amerikanische Föderationsregierung kann „Weltherrschaft“ nicht einmal anstrengen, geschweige ausfüllen, selbst und erst recht nicht, falls die Souveräne Russlands, Chinas, des UK und Frankreichs ihr diese Rolle andienen täten (ich erwähne mit Absicht die traditionellen „Nuklearmächte“). Sie würde in den Konflikten der „Satrapen“ untereinander untergehen.
(Das ist, wenn man es genau nimmt, bereits geschehen – in der Art und Weise der Ablösung Donald Trumps. Seither steht die Föderationsregierung der USA keiner bürgerlichen Nation mehr vor, wie zahlreiche ihrer Innen- und Parteipolitiker mitzuteilen nicht müde werden. Die amerikanische Nation müsse recht eigentlich aus den Trümmern erst wieder aufgebaut werden)

Jetzt werden viele von euch sagen, das sei völlig daneben, es sei von amerikanischer „Interessenpolitik“ die Rede, nicht von Hegemonie.
Ihr irrt euch, aber das zu begründen sprengte den Rahmen dieses Postings endgültig. Stattdessen verweise ich euch auf eine Grundsatzbemerkung Bidens vom März.

“We are at an inflection point..in the world. It occurs every 3 or 4 generations…60m people died between 1900-1946..and now is the time when things are shifting, there’s gonna be a New World Order out there, and we’ve gotta lead it..”

„Biden verkündet Beschluß der Imperiumssoldateska zum Endkampf … gegen die ‚Westliche Eigentumsordnung‘“ habe ich das Zitat seinerzeit überschrieben. Die „Remarks by National Security Advisor Jake Sullivan on the Administration’s National Security Strategy“, die Florian Rötzer oben mit einer beiläufigen Bemerkung zitiert, sind eine Grundsatzrede zu dieser Bemerkung. Sie knüpft an dem „Inflection Point“ an, verlegt aber den historischen Bezug:

„Seventy-five years ago, in the summer of 1947, President Truman was flying home to Independence, Missouri on a C-54 transport plane nicknamed called the “Scared Cow” – I sort of wish that’s what they still called Air Force One.
He’s sitting on the “Scared Cow,” and nations in Europe are rebuilding from the rubble of the war, the Iron Curtain was falling, and people everywhere were reckoning with the horrors of the Holocaust.
It was what President Biden would call an inflection point.
The post-war world – and America’s role in leading it – was only beginning to take shape.“

Das, und die Einbettung des Russlandkrieges in die dort vorgestellte Strategie, wäre das Thema eines Artikels gewesen, der die Bemerkungen Austins und Milleys während der Videokonferenz in Ramstein ins rechte Licht hätte rücken können. Und mit ein wenig Mühe und Wahrhaftigkeit wäre dann zutage getreten, wie wenig „amerikanisch“ der Russlandkrieg ist, und welche horrende Gemeinheit eine bis zur Verleugnung verniedlichende Darstellung der selbständigen Rolle der NATO im Russland- UND Chinakrieg.

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Eine Antwort zu Zur Revitalisierung der Rolle des Antiamerikanismus in der Demokratischen Öffentlichkeit

  1. tgarner9 schreibt:

    Okay, zwei Stränge aus der Austin / Milley Pressekonferenz will ich in Hinsicht auf obenstehendes hervor heben, einen hier, einen in einem Folgeposting.

    Austin zum politischen Ziel und Inhalt aus Sicht der USA:

    „And the free citizens of Ukraine have an inalienable right to govern themselves and to choose their own future. They underpin — these are bedrock principles, and they underpin the rules-based international order that makes us all more secure. This Contact Group will stay true to those values regardless of the outcome of any individual battle, and we will not waver in our support for Ukraine’s right to defend itself from Russia’s imperial ambitions.“

    Der letzte Satz definiert die Schranke des amerikanischen Engagements inmitten seiner Entgrenzung: Auch wenn die Schlacht in der Ukraine verloren gehe, würden die USA den Weltkrieg um die „Regelbasierte Weltordnung“ fortsetzen … an anderen Schauplätzen!
    Wer diese „Deutung“ für irre hält, könnte die Gesamtheit der Aussagen der Beiden auf der Pressekonferenz darauf begutachten, wie – genau – die „tapferen Ukrainer“ darin vorkommen. Milley spezifiziert das ein wenig deutlicher:

    „And our end state is equally clear — it is to ensure that Ukraine remains a free, independent, sovereign nation. And the ways and means that we are doing that is through security force assistance, with lethal and non-lethal aid, in order to enable Ukraine to fight for themselves.
    Ukraine is not asking for soldiers from any other country. The Ukrainians are willing to fight for themselves. All they ask for is the means to do it. And as President Biden has said and many other national leaders have said, we will do as much as we can for as long as we can and we will do as much as it takes for as long as it takes.“

    Die Ukrainer „wollten“ keine Söldner- und Interventionsarmeen und dabei solle und werde es bleiben, dafür stehe Jo Biden. Wir wissen, daß dies eine Halbwahrheit ist. Ich halte es nicht für übertrieben, die Zahl der ausländischen Söldner, der NATO-„Beratern“ und der unter Kontrakten von Privatarmeen in der Ukraine kämpfenden „Special Forces“ aus aller Welt in der Größenordnung von mindestens 10k anzusiedeln, aber das ändert nichts. Im Pentagon und bei der NATO weiß man genau, daß die russische Armee die Ukraine binnen Tagen überrollte, würde der Kreml es darauf anlegen, und der andere oben angekündigte Strang, das Thema „Nachschubprobleme“, stellt klar, daß die Ramstein-Kontaktgruppe von 50 Staaten dem rein gar nichts entgegen zu setzen hätte.

    Aber jetzt haltet das Obige mal gegen das inhäerente, das institutionelle Kriegsziel der NATO, die entgegen ihren weitgreifenden Ambitionen noch immer ein europäisches Verteidigungsbündnis ist und dies bleiben wird – darauf gebe ich euch Brief und Siegel – solange die NATO-Mitgliedschaft Frankreichs und die unter Hollande etablierte, von Macron befestigte präsidentielle Polizeiherrschaft Frankreichs Bestand haben.
    Für die NATO wäre der Verlust der Ukraine keine verlorene Schlacht, sondern ein verlorener Krieg, ihr erster. Er machte die NATO zu einer auswärtigen Streitmacht in einem amerikanischen Weltkrieg, den zu führen nicht mal die Eliten des UK Lust haben, und – dies ist der entscheidende Punkt – bis auf weiteres vollkommen fiktional wäre. Dieser Weltkrieg, von dem Sullivan spricht, ist nichts als eine Metapher für den Kampf der US-Föderationsregierung, wenigstens auf militärischer Ebene – im scharfen Unterschied zur ökonomischen – die Stellung zurück bzw. neu zu erlangen, die sie 1947, nach den Massakern von Hiroshima und Nagasaki hat beanspruchen können, weil sie ihr durch die kapitalistische Staatsraison der Siegerstaaten und den Restbeständen des britischen und französischen Kolonialismus, und der Deindustrialisierung der „Alten Welt“ auch einfach zufiel.
    Das wissen auch Austin und Milley, und deshalb lassen sie die NATO auf dieser Pressekonferenz nahezu komplett außen vor, obwohl es die Militärhierarchie der NATO ist, welche die Kriegsbeteiligung „des Westens“ steuert und koordiniert.
    Milley akzentuiert das am Schluß mehr, als anderen Teilnehmern recht ist, deshalb wird er abgewürgt:

    „And — and by the way, it’s — it was important to all the 50 members that were on the — that were in that meeting today and their chiefs of defense. And this is — I mean, the utility of this — this Ukraine Defense Contact Group, I — I just can’t — I — I can’t overemphasize how — how useful this is, because it helps us to address current near-term problems and mobilize resources much faster than we otherwise would be able to. And again, I — I don’t want to over — I don’t want to exaggerate this point, but I — I have to tell you that I — I remain impressed by the commitment of the — of the members of the group. And for the most part, these are ministers of defense that show up to every meeting, and not — not surrogates, so… (CROSSTALK)“

    Das praktische Resultat dieses Ringens in der NATO und um sie kommt in den Abschnitten, in denen es um den kommenden ukrainischen Winterkrieg geht, recht gut zur Geltung. Alle wollen, daß die Ukraine bis zur letzten Ressource weitermacht, aber wenn die ukrainische Führung das durchsetzt, wird der Krieg für die NATO verloren gehen, während die USA nur eine Schlacht verlören, was ihre Position innerhalb des Westens stärkte. Der „Kompromiss“ ist ein Maximum an ukrainischen Verlusten, das die Fortführung des Krieges nach einem Waffenstillstand an irgend einer Kampflinie noch erlaubte, in Verbindung mit einem Optimum an Schaden für die RF, der vielleicht für Gegner der aktuellen Kreml-Linie einen Putsch unter teilweiser Aufgabe von Kriegszielen und ukrainischen Territorien zur Option machen könnte.

    Wer in Deutschland auf so einen „Kompromiss“ Lebensführung und Dasein verwettet, hat nurmehr Matsch inne Birne.
    Zum 2. Strang heut abend, oder so.

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