Archiv zum Thema Antiamerikanismus – Frühjahr ’22

(aus TG’s „Journal“)

5. März 2022

(Björn Hendrig) Das ist derart kindisch, daß nichts Richtiges mehr ‚dran ist. Björn bemüht eine Comic-Welt, um die in höchstens drei Sätzen auszudrückende Weisheit los zu werden, daß ein Plebs keinen guten Grund hat, sich für Ziele und Zwecke in Staatenhändeln rekrutieren zu lassen oder gar stark zu machen. Das weiß der Plebs, das muß man ihm nicht sagen, just dies Wissen radikalisiert die patriotischen Feindseligkeiten aus dem Volk, bestialisiert sie, indem ein Untertan und Sklave sich gezwungen sieht, es mit seinen (Feld-)Herren zu halten, wenn es um und an’s Leben geht, weil ihm das als bessere Chance erscheint, vielleicht zu denen zu zählen, die iwie davon kommen werden, wenigstens mit dem nackten Leben, vielleicht gar unter Erhalt der einen oder anderen Bequemlichkeit, in der er sich als Untertan und Sklave eingerichtet hatte. Solch Einrichtung, Einhausung in das subalterne Dasein macht Sklaverei aller historischen Formen haltbar, „viable“, wie es treffend aus der Herrenperspektive heißt.

Zur Märchenwelt habe ich in den letzten 15 Jahren genug geschrieben, ich bin es leid, daher im Telegrammstil.

Die RF ist halt keine „Weltmacht“, sie ist eine Regionalmacht mit der Besonderheit, über eine nukleare Bewaffnung zu verfügen, die es erlaubte, die Weltmacht USA zu vernichten. Von der Vernichtung des Weltmachtzentrums USA könnte die RF freilich unter keinen Umständen profitieren. Warum nicht?
Nun, in Bearbeitung von Björns Märchenwelt reicht an dem Punkt, was ich schon sagte. Darum! Sie ist halt keine Weltmacht.

Na gut, ein kleiner Tip: Die RF hat selbstredend jetzt und in Zukunft harte Konflikte und Gegensätze mit der Expansion der chinesischen Weltmacht auszutragen, und das kann sie unmöglich aus eigener Kraft leisten.

Das sieht auf Seiten der USA anders aus. Zwar ist der Befund, es sei im wohlverstandenen Interesse der USA, wenn die RF ohne nukleare Katastrophe in den USA und anderswo vernichtet werde, unter den amerikanischen und europäischen Eliten, und nicht allein entlang ihrer geographischen Verortung, umstritten, aber just diese Strittigkeit bildet eine ideelle und ideologische Kampflinie, entlang derer unversöhnliche Gegensätze zwischen imperialen Eliten seit nun bald dreißig Jahren ausgetragen werden.

Warum ist das so? Trivial. Die Unversöhnlichkeit dieser Gegensätze gilt halt untereinander, nicht im gemeinsamen Verhältnis zu Dritten, das jeweils andere Gegenstände hat, als der Gegensatz der Beteiligten untereinander. Die Gegensätze zu Dritten sind mit denen untereinander vermittelt, aber diese Vermittlung schwindet in dem Moment, da es den Beteiligten so vorkommt, als ginge es im Verhältnis zum Dritten iwie um’s „Ganze“ oder „Prinzip“ der gemeinsamen Herrschaft, oder die eine oder andere Partei das Nötige unternimmt, den Gegensatz zum Dritten dergestalt „existentiell“ zuzuspitzen.

Diese Partei ist im Moment eine Vierte, behaupte ich, ihr Name ist NATO, aber das soll im Folgenden so wenig eine Rolle spielen, als sie in Björn Hendrigs Märchenwelt hat. Deren überirdischer Charakter ist immerhin nicht schlecht damit indiziert, daß Björn die NATO nicht kennen will, vere?

Statt immerhin zu versuchen, diese Verhältnisse ansatzweise zu beleuchten, legt Björn Hendrig, im vollen Gegensatz zu seiner am Schluß verkündeten Generalbotschaft, die ich im ersten Absatz skizziert habe, seinem Publikum ans Herz, für ein märchenhaftes Weltmachtdilemma Verständnis zu haben. Die RF müsse Zumutungen der Gegenseite entweder dulden oder zu unterbinden trachten. Sie habe zwischen solchen Optionen zu wählen.
Diese Verständnissinnigkeit – es ist eine, wenn die Sache nicht wenigstens ansatzweise am selben Ort aufgelöst wird – ist fatal für sein gesamtes Geschmier. Es wirft das Publikum auf die ideellen und ideologischen Ebenen / Welten zurück, bevor diese ansatzweise dekonstruiert sind.

Nein, die RF „muß“ nichts, weil sie nicht kann. Mit einer Ausnahme, auf die ich gleich komme.
Die RF kann die Folgen und Erscheinungsweisen der oben überabstrakt umschriebene Feindschaft „des Westens“ unmöglich unterbinden, was ausgerechnet ihr Imperiumskrieg in der Ukraine bestens zutage brachte. Das beste Resultat, das sie von diesem Krieg erwarten könnte, wäre, die RF näher an die NATO zu rücken, anstatt zu dulden, daß die NATO der RF näher auf die Pelle rückt, wofür sie einen irrsinnigen Preis zahlt. Es tut nichts zur Sache, daß die Verantwortlichen diese Schäden offenkundig aus einem Wolkenkuckucksheim heraus kalkuliert haben, sie waren allenfalls absurd.

Natürlich ist dieser Irrsinn ein klares, unumgehbares Indiz dafür, daß das „Ganze“ und das „Prinzip“, um das es der russischen Seite in ihrem Imperiumskrieg geht, bei der NATO und deren Zumutungen keinen Gegenstand hat. Gegenstand des russischen Krieges ist das Binnenverhältnis der RF zu ihrem Territorium, sie rechtfertigt mit diesem Krieg offenkundig ihr Dasein „als“ Zentralmacht, und Putin hat dafür zu oft das Bild einer „Russischen Welt“ bemüht, als daß sich irgend jemand, der seinen Verstand noch beisammen hat, darüber was vormachen kann.

So viel Verstand findet sich unter’m Plebs allemal – zumal der eine oder andere Europäische Nationalist mit „abweichender Meinung“ nicht müde wird, ihm das vorzubuchstabieren, zumindest in der Schulhofbebilderung, „Putin“, oder auch die RF insgesamt, sei vom Westen zu weit „in die Enge getrieben“ worden.
Aber der Umgang mit dieser Weisheit ist halt ein anderer, als Björn wünscht. Er lautet: Wenn diese Typen solche Verlierer sind, dann gehören sie dafür gelyncht, daß sie es an uns auslassen.

Björns Weltmachtmärchen schreitet dagegen null ein. Es wäre ein Einschreiten, wenngleich keines, das sonderlich Erfolg verspricht, wenn er wenigstens die einzige Wahrheit aussprechen täte, die das Märchen hat und die schon erwähnt war.
Ja, die RF kann „den Westen“ vernichten. Es reichte für diesen Zweck voraussichtlich hin, Brüssel, London und Washington in einem Überraschungsangriff von der Landkarte zu tilgen. Im Gegenzug hätte Russland auf Moskau und St. Petersburg zu verzichten, aber dann wäre auch Ruhe. Die Herren wollen nicht sterben, das ist schließlich Sache der Sklaven, zumal der entbehrlichen. Auf beiden Seiten.

Dann müßte die RF das im Sinne der Selbsterhaltung halt tun, und nicht lassen.

ergänzender Kommentar:

Ich habe diesen Eintrag schnell und mit viel Widerwillen im Hintergrund ‚runtergeschrieben. Jetzt fällt mir auf, daß gutwillige Leser denken könnten, er stehe im Widerspruch zu dem, was ich in https://tgsrevue.home.blog/2022/03/01/false-flag-angriff-auf-charkiw-ruckt-russischen-nukleareinsatz-schlagartig-naher/ schrieb. Da berufe ich mich doch auch auf eine Zwangslage, die der, die Björn Hendrig konstruiert hat, zumindest sehr ähnlich sieht.

Ja, ähnlich, aber ihr Gegenstand ist die Dynamik, die entstanden ist, nachdem die russische Armee die Kampfhandlungen i.e.S. begonnen hat, also die Ebene militärischer „Logik“. Hendrig schrieb über die allgemeinere, politische, bzw. militärpolitische Ebene.
Gemäß dieser Differenz sind auch die Subjekte verschieden, In diesem Eintrag spreche ich, gemäß Hendrigs Ansatz, vom russischen Staatswesen, der RF, als dem Subjekt ihrer Machtentfaltung. Im voran gegangenen Eintrag nannte ich das Subjekt „russische Militäraristokratie“. Der Militärherrschaft, zu der die RF mit der Entscheidung für Kampfhandlungen übergegangen ist, habe ich einen eigenen Eintrag gewidmet.

Theoretisch gibt es für ein Staatswesen jederzeit die Option,von der Dynamik des Krieges politisch zurück zu treten, doch praktisch wird sie nicht selten versperrt – vom Feind, falls er unerfüllbare Bedingungen stellt. Darum dreht sich derzeit ein wachsender Teil der politischen Debatten im Westen; Wie weit kann man mit avisierten oder unausgesprochenen Forderungen gehen, ohne das Risiko, daß das russische Militär seine strategischen Waffen in Marsch setzt, unkalkulierbar werden zu lassen.
Solche „Kalkulierbarkeit“ ist ohnehin ein Thema für sich, sei’s drum. All das war hier nicht Thema, sollte es jedenfalls nicht sein, aber ich habe mit meinen Elipsen die Ebenen nicht eben durchschaubar gemacht,
Gegenstand war vielmehr die abstrakte Ebene, die Björn für seine Märchenstunde gewählt hatte, die des allgemeinsten, und vermittels solcher Allgemeinheit auch obersten Staatszweckes, das ist der Selbstzweck der „Souveränität“.
Und um die, das habe ich hoffentlich in der Summe der unvollständigen Kommentare ‚rübergebracht, geht es im russischen Imperiumskrieg nicht wirklich, vielmehr rein ideell.

Solche Idealität ist allerdings immer Bestandteil souveräner Entscheidungen. Eine militärische Beanspruchung von Souveränität verrät an sich selbst schon ihre Idealität, bei anderen Staatsakten ist das nicht so kenntlich und erfordert nähere Analysen. Dieser Umstand verschaffte der Hendrig’schen Methodik einst nicht unerhebliche Attraktion für ein inzwischen alt gewordenes Publikum, und vielleicht dem einen oder anderen nachgewachsenen. Eine Ideologiekritik, die auf sie baut, ist nie falsch, ist „immer richtig“. Der Erklärungshorizont des Zusammenhangs zwischen Realität und Idealität, Ideologie und Ideologisiertem ist freilich größer oder kleiner, je nach Relevanz und Spezifität dessen, was vorgebracht ist. Er kann auch gegen Null gehen, und das scheint mir hier der Fall zu sein.

„Der Staat, der Krieg und die Moral“ (Decker) (12. März)

Der Artikel ist lehrreich daneben und sein Auftakt bildet schon den Kardinalfehler ab:

(Die Welt) erlebt, wie Staaten für ihre Selbsterhaltung – wer dieses „Selbst“ ist und was dazu gehört, definieren sie selbst – in großem Stil über Leichen gehen. Und die Menschen, welt- und vor allem europaweit, reagieren: mit bedingungsloser Selbstverpflichtung zu moralischer Parteinahme. Geht’s noch?

Der Ukrainekrieg hat schon in seinem „heißen“ Auftakt 2014 für die EU-Staaten, und für Deutschland ganz besonders, die Schwelle überschritten, vor der man noch mit Fug behaupten könnte, „ein Staat“, eine oder mehrere Staatswesen also, führe mit Hilfe williger Soldaten und Hilfskräfte Krieg. Hinter dieser Schwelle führen Nationen Krieg. Der Unterschied ist vielfältig, aber der, um den es im Zusammenhang mit Deckers Artikel geht, ist das Ausmaß, in dem ein Staatswesen auf das Mittun seiner Bevölkerung angewiesen ist und bauen muß, seine Kriegsgründe und -ziele zu formulieren und/oder zu wählen.

Der Übergang mag 2014 für betroffene Staatsbürger nicht sonderlich offenkundig gewesen sein, jetzt ist er es. Die übergeordnete Leistung der Staatsmoral von Bürgern im Kriegsfall ist es, ihr Mittun, ohne das keine Nation Krieg zu führen vermag, zum Opfergang umzudeuten, und dafür ist es belanglos, wessen Opfer diese Leute zu sein wünschen – Opfer einer fremden oder der eigenen Regierung.
Aus der Opferrolle heraus werden sie im nächsten fälligen Übergang radikal gegen … naja, ich sage der Kürze halber mal „echte“ Kriegsgegner, das sind nämlich genau die Staatsfeinde, deren Abwesenheit Decker implizit vermisst. Über ihren Kriegdienst an den Werkbänken hinaus werden sie zu den Häschern und Bütteln, die ein Staatswesen benötigt, eine Nation auf die Kriegführung zuzurichten. Auf diesen Zusammenhang hatte ich schon mal konkreter verwiesen.

(13. März)

Der Vorgang, um den es geht, ist in meinem Tweet (thread) zureichend beschrieben:

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„Tagesschau“ nach langer Bedenkzeit (9:50):

Ukraine meldet ersten Angriff nahe Lwiw
Die russischen Truppen weiten ihre Offensive in der Ukraine offenbar aus. Erstmals meldete das ukrainische Militär auch einen Angriff nahe der Stadt Lwiw. Diese liegt nahe der polnischen Grenze – viele Flüchtlinge versuchen über diese Ro
ute nach Polen zu gelangen.

Darunter, als handele es sich um einen zweiten, unabhängigen Vorgang:

Ukrainische Behörden: Tote und Verletzte auf Militärstützpunkt
Acht Raketen seien auf den 30 Kilometer nordwestlich von Lwiw gelegenen Truppenübungsplatz Jaworiw abgefeuert worden … starben bei dem Angriff mindestens neun Menschen (!), 57 weitere wurden verletzt. Seit 2015 entsenden die USA regelmäßig Ausbilder auf den Platz, um das ukrainische Militär zu schulen, die Anlage war auch Schauplatz internationaler NATO-Übungen. Er ist auch als Internationales Zentrum für Friedenssicherung und Sicherheit in Jaworiw bekannt.

Die „auchs“ habe ich hervor gehoben, weil sie auf exakt pennälerhafte Weise trotzig darauf bestehen, etwas Unerwünschtes, für grenzwertig verboten Erachtetes, nebenher unterzubringen.
Das ist umso erhellender, als diese „verschwitzte“ Spur propagandistischer Berichterstattung in der US-Presse und zionistischen Presse fehlt, dort steht Klartext, zumindest für jeden, der den illustren Namen der NATO-Basis googlen mag.

In Ergänzung meiner unzureichenden Bemerkungen zu „Nation“ und ihrer Rolle in der Kriegführung im letzten Eintrag:

Ich kann euch nicht hindern, solche und andere Vorgänge idealistisch zum Indiz eines „Mangels“ zu verklären, zum „Mangel an deutscher Souveränität“ nämlich. Schon deshalb nicht, weil das zur Repräsentanz und Führung der deutschen Nation ermächtigte Personal diesen Idealismus in seinem Handeln verwirklicht, es zumindest versucht, und dafür ist dieser Tagesschau-Artikel ein Beispiel.
Deshalb zeigt er zugleich, an welcher und wessen Souveränität dieser Idealismus Maß nimmt: An der Souveränität der NATO: und vielleicht derjenigen Staatsführungen der NATO-Länder, die mittels einer entsprechend machtvollen Nuklearmacht Souveränität in, weil im Zweifelsfall auch gegen NATO beanspruchen kann, und das sind genau zwei: Washington und London.
Wobei die Souveränität Washingtons gegenüber der Londons nachhaltig geschwächt ist. Die nuklearen Schlüssel Washingtons liegen in der Hand der Vizepräsidentin Harris und des Generalstabschefs, weil der amtliche Inhaber ihrer nach Belieben „aus gesundheitlichen Gründen“ entledigt werden kann, und die obersten Instanzen der US-Souveränität, WH, DoS und DoD sind offenkundig untereinander tief gespalten. Deutschland ist halt keine mächtige Nuklearmacht, so what?

Neben dieser Trivialität erzählt der berichtete Vorgang Wichtigeres, nämlich davon, daß der laufende Krieg die Deutsche Nation verändert, und zwar unabhängig vom Wollen, Handeln, Wirken ihrer Staatsführung. Was die „Tagesschau“ pennälerhaft vorzeigt, ist die alte, die im laufenden Krieg obsolet gemachte Staatsraison Deutschlands innerhalb der NATO. Sagen wir der Kürze halber: ihre Bremserrolle aus Sicht Londons.

Von der soll die deutsche Staatsführung souverän Abschied nehmen, das kann nur sie, und, wenn wir den Kriegsfall ernst nehmen, muss sie das tun, will sie die Souveränität erhalten, die sie tatsächlich hat, im Unterschied zur fiktiven, an London und Washington bemessenen Souveränität. Die materielle Quelle der Souveränität eines Staatswesens liegt halt nur einerseits in seinem Vermögen, zu töten und zu vernichten, also Verstöße gegen sein tatsächliches oder beanspruchtes, auch auswärts beanspruchtes, Gewaltmonopol zu ahnden. Maßgeblicher liegt sie in der Kommandomacht über nationale Leistungen und Anstrengungen. Und die haben jetzt anderen Zielen und Zwecken zu gelten, als vor dem 24. Februar, das ist das simple Geheimnis der angelsächsischen Unterwerfung Deutschlands vermittels des Sanktionsregimes gegen Moskau.

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