Ein „Trump“ ohne Trump ist nicht zu haben

„Wir brauchen einen Wechsel in der US-Außenpolitik“, von Jeffrey D. Sachs ist wertvoll, weil seine intellektuelle Physiognomie, Statur, seine Biographie und professorale Verankerung, daher seine Unabhängigkeit von politischen und corporativen Interessen (im engen Sinn), ablenkende und irreführende Debatten über eine „Agenda“, die er verfolge, erübrigen kann. Lest bitte seinen (englischen) Wiki-Eintrag hinreichend genau, ich vergeude meine Zeit nicht damit, seinen Inhalt auseinander zu legen.

Ich gedenke auch nicht, die Behauptung zu belegen, Sachs Vorstellungen von einer „nachhaltigen“ US-Politik entsprächen im Grundsatz denen von Donald Trump, wenn man die Idiosynkrasien Trumps und dessen Vorstellungen von militärischer Selbstbehauptung amerikanischer Exzeptionalität beiseite läßt. Zahlreiche Einträge und Bemerkungen in meinen Blogs mögen bei der Aufklärung helfen, v.a. wenn man die Veröffentlichungen des „Gegenstandpunktes“ zu Trump daneben stellt und beides miteinander ergänzt.

Sollte ich Sachs intellektuelle Physiognomie in einem Satz charakterisieren, so sagte ich, der Mann lebt unbeirrt seinen Traum von gewaltfreiem Geld in Gestalt der Fetischisierung der Substanz der Form allen Reichtums im Imperialismus, der Kreditform; er ist eine kosmopolitische Charaktermaske des Weltgeldes, im Unterschied zu Charaktermasken des Dollar oder „linken“ und „rechten“ Fanatikern des „Goldes“ und anderer angeblicher „realer Werte“. Natürlich weiß auch er, daß in jedem einzelnen Geldverhältnis gleich ein Bündel von Gewaltverhältnissen „hockt“, aber er stellt sich dagegen halt einfach global auf den Standpunkt der herrschenden Klasse, daß all die unaufheblichen Gegensätze, von denen diese Gewaltverhältnisse künden, im gemeinsamen Interesse aller Akteure an Geldzirkulation und Kapitalakkumulation aufgehoben nicht etwa erscheinen, sondern seien – bzw. aufgehoben werden könnten. Das ist sein Ideal. Und dies Ideal, genauer die Substanz davon, teilt er mit Trump, der es freilich, erfahrener „Pragmatiker“, der er vor seinem Eintritt in die Politik war, bezogen auf die Amerikanische Föderation teilen will, versehen mit möglichst nicht abzulehnenden „Angeboten“ an auswärtige Player, am amerikanischen Traum teilzuhaben, wie weiland in Trumps Jugendzeit.

So teilt Sachs in seinem Artikel eine Menge über die unwiderrufliche Zerlegung des ehemaligen Imperiumszentrums mit, die von Nationalisten und Putinisten grob verkannt wird, wenn sie die Bewegung, deren Resultat sie ist, unter Titel wie „Agonie des US-Hegemons“ oder „Ablösung / Revolutionierung der unipolaren Weltordnung“ fassen.
Was sie freilich damit nicht verkennen, sind die unvermeidlich horrenden, katastrophischen, „weltenvernichtenden“ Begleiterscheinungen und Folgen dieser Bewegung, die Sachs nicht wahr haben will.

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