Knappe Bemerkungen zur Frontlage des Russlandkrieges der NATO in der Ukraine

Seit Monaten versorgen die deutschen Massenmedien die Bevölkerung überwiegend mit disparaten und kontingenten Verlautbarungen des britischen MI6 zur Kriegslage, ergänzt um Mitteilungen des Neocon-Thinktanks ISW. Dies allein ist praktisch als ein Beweis dafür zu nehmen, daß dieser Krieg von der NATO und der ihre militärischen Ränge dominierenden britischen und amerikanischen Generalität sowohl militärisch als auch politisch geführt wird.
In einem merklichen, wenngleich bedingten Kontrast dazu hat die Leitpresse der imperialen Welt heute Stellungnahmen der Direktorin of National Intelligence, Avril Haines, zur aktuellen Kriegslage veröffentlicht.

Der Posten des DNI ist in der US-Föderation auf Kabinettsebene angesiedelt, d.h. Haines ist dem Außenminister Antony Blinken und dem Kriegsminister Austin gleichrangig. Zur Klärung des Vorganges ist es nötig, wenigstens die Eckdaten der Karriere von Haines und der administrativen Rollen zu kennen, die sie in der Vergangenheit eingenommen hat. Ich hebe nur den einen Punkt hervor, daß Obama Antony Blinken 2015 aus der Rolle des stellvertretenden Sicherheitsberaters des Präsidenten entlassen und durch Avril Haines ersetzt hat. Ihre Hauptaufgabe in dieser Funktion ist es gewesen, als ein Korrektiv zum bekannt rücksichtslosen und blutrünstigen John Brennan in den präsidentialen Einzelentscheidungen zur Führung des weltweiten Drohnenkrieges zu fungieren, nachdem sich auch in der institutionellen Welt „des Westens“ zunehmend Empörung über die vielen Tausend zivilen Opfer desselben, darunter viele hundert Kinder, breit gemacht hatte. Nach dem Ende der Amtszeit Obamas hat Haines in verschiedenen Instituten gearbeitet, die dafür bekannt sind, dem kriegerischen Lobbyismus der Neocons und Libdems entgegen zu arbeiten. Indem Sleepy Joe, der ihre Rolle bestens kennt, sie zu Beginn des Jahres aus dem Privatstand reaktiviert und unter Umgehung des Establishment in die Position des präsidentiellen Geheimdienstkoordinators und –kontrolleurs berufen hat, hat er bewiesen, daß er gewisse lichte Momente in seinem Tran hat – bzw. Jake Sullivan ihn dazu überzeugen kann.

Bevor ich auf einige Details der Haines’schen Aussagen zu sprechen komme, ein grundsätzliches Wort zur laufenden Kriegsphase.
Ich unterstelle als bekannt, daß General Mark A. Milley, in der Rolle des CJCS ebenfalls ein Präsidentenberater, im vergangenen Monat mehrfach, und zwar unter Mißachtung institutioneller Schranken seiner Position, die ihn nominell „den Kopf“ hätte kosten können, dazu aufgerufen hat, ein durch die Kriegserfolge der NATO-Truppen in der Ukraine geöffnetes „diplomatisches Fenster“ zu nutzen, womit er sich gegen das gesamte Establishment der NATO-Kriegsherren gestellt hat, einschließlich des ihm nominell übergeordneten Jake Sullivan in der Rolle des Präsidentenführung, von Stoltenberg und den Generälen, die er repräsentiert, zu schweigen.
Der eingangs verlinkte Reuters-Artikel, dessen genaue Lektüre zwingende Voraussetzung für ein Verständnis dieses Postings ist, stellt jetzt öffentliche Äußerungen Haines und der notorischen Kriegshetzerin Victoria Nuland – in stellvertretender Rolle für Blinken – gegeneinander. Doch die Zitate Nulands verraten, die Initiative Milley’s, weit entfernt, ihn zu isolieren, hat im WH Resonanz gefunden, obwohl sie dort zunächst unter Verweis auf die Leitlinie der NATO, es obläge allein dem ukrainischen Präsidenten, über die Aufnahme von Waffenstillstandsgesprächen zu entscheiden, brüsk zurück gewiesen worden war.
Die eigentliche Nachricht liegt präzise hierin:

U.S. President Joe Biden said on Thursday he was prepared to speak to Putin if the Russian leader was interested in ending the war. But the idea died quickly when the Kremlin said the West must recognize Moscow’s declared annexation of four Ukrainian regions.
This reaction from Russia, Nuland said, showed “how not serious they are.”

Das zu erkennen, bedarf eines genauen Wissens der Vorgeschichte, das ich hier nur summarisch vorstellen kann:
Der übergeordnete strategische Zweck, den die NATO mit der Fortsetzung des Krieges gegen die ukrainischen „Volksrepubliken“, auf dem Niveau des „Low Intensity Warfare“, nach Abschluß des von Obama erzwungenen MinskII-Vertrages verfolgt und erfüllt hat, ist es gewesen, der Russischen Föderation ein Simulacrum eines Territorialkrieges mit der NATO aufzuhalsen, indem sie ihr de facto diese Volksrepubliken als ein Kondominium aufgehalst hat!
Nehmt diese Begriffsbestimmungen gefälligst ernst! Schaut sie nach! Und wenn ihr das getan habt, und die Behauptungen, die ich damit aufgestellt habe, verständlicherweise nicht anhand der vergangenen Geschehnisse überprüfen könnt (die waren größtenteils in meinem alten Blog dokumentiert, der bei blog.de gecancelt wurde), dann nehmt sie als eine hypothetischen Grundlage für stimmige Erklärungen aktueller Phänomene, um zu prüfen, ob das passen kann, oder nicht kann, Sakraheini! So geht nämlich denken. Und der erste Punkt, den ihr sofort erkennen könnt, ist der Umstand, daß sich die RF von der NATO-Strategie präzise bei der Nase ihrer allrussisch-föderalistischen Staatsraison hat fassen lassen, dokumentiert in allen Kriegsbegründungen Putins abseits der Berufung auf taktische Zwangslagen im unerklärten NATO-Krieg gegen Russland und dem Gelaber über „historische Bewegungen“ zu einer „neuen Weltordnung“.
That said, repräsentiert die Annexion der vier ukrainischen Oblaste in Kombination mit dem Rückzug von Cherson plus der Errichtung von Grabenfronten innerhalb der unvollständig militärisch kontrollierten neurussischen Gebiete ein zur ehemaligen NATO-Strategie spiegelbildliches Strategem.
So, wie die NATO ab 2015 der Ukraine Teile der Oblaste Luhansk und Donezk territorial an den Hals gehängt hat, hängt die RF jetzt den USA (die der Kreml irrtümlicherweise für die oberste Adresse der NATO halten will), Teile der neurussischen Territorien Luhansk, Donezk, Saporoshje und Cherson taktisch und strategisch an den Hals. Deshalb, und insofern, erklärten Putin / Lavrov eine vorbehaltlichen Anerkennung der Annexionen zur obligatorischen Grundlage für Waffenstillstandsverhandlungen.
Und nach der Seite der russischen Staatsraison gibt es keinen anderen Weg. Die von Nuland und Stoltenberg gesetzte Alternative, Rückzug der russischen Streitkräfte auf die Positionen vor dem 24. Feb. oder – vielleicht als möglicher Kompromiß – auf die Grenzen der in MinskII definierten und militärtaktisch – im Unterschied zu „völkerrechtlich“ – anerkannten „Volksrepubliken“, repräsentierte eine Kapitulation.

Die Verlautbarungen von Haines – ich werde, entgegen dem Plan, erst im Falle möglicher Kommentare auf die Einzelheiten eingehen – sind jetzt gleichsam eine „zivile“ Fassung der Aufrufe von CSJS Milley, weil sie dem Publikum die Deutung nahe legen, die Russische Föderation habe die Eskalationsdominanz im Ukrainekrieg teils verloren, teils zeitweise aufgegeben.

Einfrierung des Krieges JETZT oder nukleare Vernichtung Deutschlands

Vor diesem Hintergrund sind der soeben von G7 und EU beschlossene „Preisdeckel“ für russisches Rohöl und die vor einigen Tagen im Europäischen Parlament abgesegnete Deklaration der RF zum „Terrorstaat“ nicht so leicht und weitgehend symbolisch zu nehmen, wie es den beteiligten Parlamentariern und Ministerialbeamten ganz offenkundig schmackhaft gemacht worden ist. Bei einer Fortsetzung des Auszehrungskrieges an der ukrainischen Front machen sie einen nuklearen Befreiungsschlag der RF praktisch obligatorisch. Und, wie ich wiederholt begründet habe (wenngleich natürlich unzureichend, bün isch Gott? ja! Doch nicht so, wie ihr zu denken pflegt), liegen die unter der Bedingung des angelsächsischen Krieges gegen die vorgeblich „deutsche“ EU gleichsam „natürlichen“ Ziele eines solchen Befreiungsschlages in Wiesbaden und Ramstein, umso mehr, als dies eine Art „Racheschach“ gegen das Kaliningrader Territorium zumindest erschwert, anders, als Ziele in der Ukraine, namentlich im Grenzbereich zu Polen.

Die Briten haben es unter der Administration Johnson auf ein solches „outcome“ praktisch angelegt und mit der Sprengung von Nord Stream noch gleichsam eine „Versicherung“ für den Fall eingebaut, daß dies Kalkül nicht aufgeht. Die aktuellen Zuspitzungen auf diplomatischer Ebene – von beiden Seiten! – haben gewiß auch darin einen Grund, daß Rishi Sunak und seine Gefolgschaft sich dazu erst noch zu stellen und (mittelbar) zu erklären haben. Und dies ist selbstredend nur eines von verschiedenen dynamischen Momenten auf den Schlachtfeldern, die diplomatischen eingeschlossen, mit denen der Leser das Motto meiner Überschrift zweifelhaft stellen kann. Wozu er das tun sollte, ist freilich eine ganz andere Frage …

Werbung
Dieser Beitrag wurde unter Imperium, Ukraine abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Knappe Bemerkungen zur Frontlage des Russlandkrieges der NATO in der Ukraine

  1. Uwe F. schreibt:

    Hm. Ein „nuklearer Befreiungsschlag“, am wirkungsvollsten plaziert in „Wiesbaden und Ramstein“ (= nukleare Vernichtung Deutschlands), ist doch das Todesurteil für die ausführende RF. Dann fliegen umgehend entsprechende Sprengköpfe Richtung Osten und ruinieren größere Teile Russlands – wenn da überhaupt noch etwas übrigbleibt. Der Nato-Krieg gegen Russland ist nicht auf ein potentielles Auslöschen von Mitteleuropa gemünzt, auch nicht als Kollateralschaden, sondern will die RF treffen. Auch nicht im Sinn eines physischen Auslöschens sondern durch Rückführung auf den Status einer Regionalmacht mit begrenzten Gewaltmitteln und unbedeutender Ökonomie (nicht einmal die vorhandenen Rohstoffe soll dem Kreml als Reichtumsquelle dienen). Dazu passt sowohl der Proxy-Krieg als auch die zermürbende Verlaufsform der militärischen Auseinandersetzung.

    „So, wie die NATO ab 2015 der Ukraine Teile der Oblaste Luhansk und Donezk territorial an den Hals gehängt hat, hängt die RF jetzt den USA (die der Kreml irrtümlicherweise für die oberste Adresse der NATO halten will), Teile der neurussischen Territorien Luhansk, Donezk, Saporoshje und Cherson taktisch und strategisch an den Hals. Deshalb, und insofern, erklärten Putin / Lavrov eine vorbehaltlichen Anerkennung der Annexionen zur obligatorischen Grundlage für Waffenstillstandsverhandlungen.“ Ja natürlich. Sofern die „Sonderoperation“ nicht noch wesentliche Fortschritte macht, sind die Oblasten samt Krim das Faustpfand (und das bislang überhaupt als Ertrag anzusehende Ergebnis der ganzen Gewaltchose) für Verhandlungen. Wenn Nato, EU und Kiew das strikt zurückweisen gehts halt erst mal munter weiter. Der Proxy kriegt seine Waffen und die RF wird sich Neues einfallen lassen. Ob das Zerstören von Versorgungseinrichtungen ausreicht ist nicht hinlänglich bekannt: Die Restbevölkerung der Ukraine geht jedenfalls nicht auf die Straße und rebelliert gegen ihre kriegslüsterne Obrigkeit.

    Gefällt mir

    • tgarner9 schreibt:

      Dann fliegen umgehend entsprechende Sprengköpfe Richtung Osten und ruinieren größere Teile Russlands

      Erstens: Woher willst Du das wissen? WessenSprengköpfe denn bitte? Die französischen fallen aus, das hat Macron sicherheitsnadelhalber bereits vor Wochen erklärt: Es bleibe bei der „strategischen Reserve“ der Force de Frappe gegenüber der NATO. Britische? Laß mich laut und schmutzig lachen! Peskow hat das UK schon anläßlich der Rhetoriken zur Navalny – Affäre daran erinnert, daß die britische Insel binnen 10 Min mit zwei Sprengköpfen erledigt ist. Bleiben amerikanische. Ernsthaft? Du hältst die Pentagon – Leute für domesitzierte Ratten?
      Mit einem „Racheschach“ müßte der Kreml freilich rechnen. Und? Moskau hat schon ganz anderes willentlich weggesteckt!

      Zweitens: Nein, der Preis wäre das Ende aller bedingten Allianzen mit China, aber darum, daß die für die RF mehr als nur ein einziges zweischneidiges Schwert darstellen, so, wie die BRI mit Rücksicht auf NATO und US derzeit läuft, geht der russische Imperiumskrieg zum wesentlichen Teil – er wäre sonst nicht begonnen worden, wir haben uns darüber schon kurz ausgetauscht.

      Der Proxy kriegt seine Waffen und die RF wird sich Neues einfallen lassen.

      Welch Vertrauen in die heilige (Leidens-) Macht Mütterchen Russlands. Apostolisch?

      China müßte seine derzeitige Position drastisch ändern, um irgend etwas an den Gleichungen des angelsächsischen Doppelkrieges zu ändern.

      Gefällt mir

  2. Uwe F. schreibt:

    Ohne jetzt Belege ranschaffen zu müssen: Schon die alte Debatte um die nukleare Erstschlagsdoktrin, die Reagan-Aktivitäten rund um SDI, die Planung und strategische Neuausrichtung von Raketenabwehrsystemen unter Clinton ff, die gigantischen Haushaltsmittel der USA für militärische Aufrüstung, das Trump-Update u.a. mit dem Ziel, die nukleare Pattsituation zugunsten der eigenen Kriegsfähigkeit zu umgehen (beispielsweise die Planungen der Missile Defence Agency, Stichwort Multi-Objective Kill Vehicles) usw summieren sich zu einer veritablen Zerstörungskraft, das sein Maß seit jeher am Entwicklungsstand der noch vorhandenen russischen Atomgroßmacht nimmt und zwar genau mit diesem Ziel, die russischen Fähigkeiten zu übertrumpfen bzw zu relativieren. Das trifft auch auf die Hyperschallraketen zu. So ein bis an die Zähne bewaffneter Militärpotentat lässt sich durch Nichts in seiner Vorwärtsstrategie aufhalten (auser natürlich durch den eigenen Untergang). Ein nuklearer Befreiungsschlag der Russen ist eben schon längst eingepreist und mit der passenden Antwort versehen. Die lautet: Da ist nichts mit Befreiung, „wir ersticken auch euer neuestes Potential im Keim“. Naja, das meinte ich mit Respons im Falle einer nuklearen Auseinandersetzung. Ich stimme dir zu, dass europäisches Nuklearwaffenpotential da nur als integriertes System vorgesehen ist.

    Die Leidensmacht Russlands sehe ich überhaupt nicht als unerschöpflich. Ob die ganzen Spekulationen mit multipolarer Welt, China-Russland-Achse, globale Zweiteilung durch Blockbildung usw den Nato-Krieg stoppen wage ich zu bezweifeln. Im aktuellen Drehbuch steht jedenfalls x-fach bestätigt die Fortsetzung des Dramas und da muss Russland mitspielen (ansonsten können sie gleich einpacken). Wann denen die Luft ausgeht lässt sich derzeit einfach nicht genau datieren. Der europäische Part ist aus US-Sicht ähnlich gelagert: Mitspielen solange benötigt. Dann mal sehen, welche neue Rolllen zu besetzen sind. (Sorry, ist etwas prosaisch ausgefallen, aber apostolisch ist das nicht gemeint)

    Gefällt mir

    • tgarner9 schreibt:

      „… summieren sich zu einer veritablen Zerstörungskraft, das sein Maß seit jeher am Entwicklungsstand der noch vorhandenen russischen Atomgroßmacht nimmt … So ein bis an die Zähne bewaffneter Militärpotentat lässt sich durch Nichts in seiner Vorwärtsstrategie aufhalten … Ein nuklearer Befreiungsschlag der Russen ist eben schon längst eingepreist und mit der passenden Antwort versehen. Die lautet: Da ist nichts mit Befreiung, „wir ersticken auch euer neuestes Potential im Keim“.

      Du enttäuscht mich nicht, Uwe, das ist nicht prosaisch, vielmehr überaus poetisch, eben just der Stoff, aus dem Mythen gemacht sind.
      Das Mass, von dem Du sprichst, v.a. aber die dazugehörigen Maßstäbe, die hättest Du in der Tat zu rechtfertigen, und zwar mit dem Köpfchen – nicht mit billig zu habenden Zitaten oder einem Deuten auf ein „Unerhörtes“, ja recht eigentlich Unermessliches, weil tat-sächlich Unbemessnes. „Unbemessen“ waren schon die alten Potentiale, von denen seither pi mal Daumen die Hälfte abgewrackt ist. Von einem „mehrfachen wechselseitigen Vernichtungspotential“ war davor die Rede. War es 20-fach? Ich erinnere mich nicht mehr genau. Das gab es u.a. deshalb, weil niemand der Beteiligten was von einem „nuklearen Winter“ wissen wollte – v.a. nicht die amerikanischen Prinzipalen, die ernsthaft glaubten, ihr Dasein im Zweifel in Saus und Braus in Bunkern unter steter Zufuhr weiblich orientalischen Frischfleisches beschließen zu können. Ja, ich weiß, ein paar solcher Zombies haben jetzt Kinder und Enkel in der Administration hinterlassen – aber das ist eine Marginalie.
      Denn das US-Nuklearpotential ist mit Ausnahme der U-Boot-Waffe eingestandenermaßen zum überwiegende Teil obsolet und zunehmend eine Gefahr für die eigenen Abschussbasen – die immer wieder hinaus geschobene Modernisierung hat begonnen, steckt aber fast ausschließlich in der Planungsphase.
      Es ist einfach sachlich falsch, was Du behauptest, Uwe, das US-Nuklearpotential besteht aus strategischer Sicht derzeit A) aus neuartigen taktischen Waffen und B) aus dem Zweitschlagspotential, das es braucht, um einen Nuklearangriff auf US-Kernterritorien abzuschrecken (also analog zum französischen und britischen Potential), und dazu, wiederhole ich, gehört Germany nicht. DAS hättest Du anzugreifen, statt von mythologischer Zerstörungsmacht zu raunen. Und Du könntest beispielsweise damit beginnen, indem Du erklärst, warum der Russlandkrieg von Ramstein und Wiesbaden aus geführt und koordiniert wird, und NICHT von Mons / Brüssel. Hm?
      Auf der Gegenseite haben wir ungefähr dasselbe, mit dem überwiegend ästhetischen Unterschied, daß die russischen „Awangards“ schon in Washington einschlagen könnten, während die „Minutemans“ noch nach Moskau unterwegs sind, was sicherlich für den einen oder anderen Russen ein vorgekosteter Genuss ist …

      (Anmerkung an die Mitleser: Auch mein Folgeeintrag ist Gegenstand in diesem Wortwechsel.)

      Gefällt mir

    • tgarner9 schreibt:

      PS.: Daß ein russischer „Befreiungsschlag“ den NATO-Krieg nach allem, was man wissen kann, nicht stoppen wird, wollte ich gar nicht bestritten haben oder bestreiten, Uwe. Aber es würde ihn gewiß militärisch abbrechen und auf die miltärpolitische Ebene an anderen Schauplätzen, im Süden Russlands, verlagern. Und das ist u.a. genau das, was die NATO will: Es gäbe ihren „indopazifischen“ Ambitionen einen gewaltigen Schub, nicht zuletzt deshalb, weil ihre Militärherrschaft über das Territorium West- und Mitteleuropas PLUS Nordafrika hermetisch würde. Letzteres hat aber Russland längst nicht mehr zu interessieren.

      Gefällt mir

  3. Uwe F. schreibt:

    Ganz kurz: Es geht mE nicht um Zerstörungsmacht sondern Zerstörungswillen. Der x-fache Overkill ist dafür vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß, sie haben es aber trotzdem bis zu diesem Punkt getrieben und jetzt, das entnehme ich deinen Ausführungen, durch taktische Atomwaffen und Zweitschlagskonzept abgelöst. Wer es damit zu tun kriegt hat selbstredend nichts zu lachen, egal ob Ramstein, Wiesbaden oder sonst wo.

    Gefällt mir

    • tgarner9 schreibt:

      Anhand Deines Postings zum neuen Eintrag werde ich morgen einige Sachen zu klären versuchen. Hier nur der eine Punkt: Den Kriegswillen für die Kriegführungsmacht einzusetzen, ist für ein Kaliber, wie das US-Militär und die Ökonomie, die es versorgt, ein taugliches Maß in Vorkriegszeiten. In denen bilden Mythos und Wirk-lich-Keit zwei Seiten ein und derselben Handlungsebene. Das endet, sobald konkrete strategische und taktische Planungen für einen Übergang zum Waffengang auf den Tisch kommen (also über theoretische Planspiele hinaus gehen). Der russische Waffengang hat dafür in diesem Jahr die beste Illustration geliefert – ironischerweis zur eingestandenen Überraschung der zuständigen amerkanischen Beamtenschaft (militärisch wie nicht-militärisch).

      Gefällt mir

      • Uwe F. schreibt:

        Seh ich auch so. „Mythos und Wirk-lich-Keit zwei Seiten ein und derselben Handlungsebene“ übersetze ich mal mit „was sie sagen und propagieren“ und „was sie machen“. Das eine ist Begleitmusik (kann auch raffiniert komponiert sein), das andere ist das Schaffen von Realitäten und daraus folgenden weiteren Handlungen (kann auch notwendige Folgen sein). Gutes Beispiel ist der so genannte Sachzwang. Da ist ein Sachverhalt in der Welt von dem man nicht wissen will, wie er dahin kommt, sondern ausschließlich festhält, dass er da ist und zu Handlungen nötigt. Der russische Einmarsch hat viel, viel Sachzwänge in die Welt gesetzt, u.a. dass Vorkriegszeiten enden. Gibt man deshalb den Mythos seiner eigenen Bewaffnung gleich auf und bereinigt sein Handeln um eine nicht ganz unwichtige ideologische Komponente?
        Wenn du keine Lust/Zeit hast darauf einzugehen, geschenkt. Ich spinnisiere nur noch mal ein bißchen weiter, was mir aus deinen Erklärungen in der ersten Draufsicht so aufstößt.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..