Antiamerikanismus wird allseitige Triebkraft der Eskalation des Russlandkrieges

Seit meinem letzten thematischen Eintrag vom 4. Dez. gab es vordergründig wenig Bewegung im Russlandkrieg / Russischen Imperiumskrieg, doch das täuscht gewaltig.

Russischer Ukrainekrieg wurde semioffiziell zum vollgültigen NATO-Krieg

Das ist die simple Tat-Sache der Ernennung von Waleri Gerassimow zum Oberbefehlshaber des Ukrainefeldzuges. Gerassimow ist Oberkommandierender der Föderationsarmee in den Rollen des Generalstabschefs und stellvertretendem Verteidigungsministers, er ist Mitglied des Sicherheitsrates und kann in einem „Fall des Falles“ eigenständig einen Nukleareinsatz befehligen.
Die NATO-Propaganda deklariert seine Ernennung zum letzten Anzeichen von militärischer Niederlage und Verzweiflung in der russischen Führung:

Gerassimow löst seinen Vorgänger Sergej Surowikin ab, der nur drei Monate im Amt war. Deswegen wird der Schritt inoffiziell als Akt der Verzweiflung gewertet.

Den Artikel von t-online könnt ihr exemplarisch für die NATO-Propaganda nehmen. Seine Deutung des Vorgangs ist eine unzweideutige Fälschung, nachdem auch die westliche Presse seinerzeit ausführlich berichtet hat, daß Surowikin seine Pläne dem Sicherheitsrat vor seiner Ernennung vorgestellt und sie verteidigt hatte. Er hat nichts getan, was dort nicht abgesegnet worden ist. Ich schrieb dazu am 27. Oktober:

Der verschriene „Hoffnungsträger“ der russischen „Special Military Operation“, die weiterhin kein Krieg sein soll, Sergej Surowikin, ist seit seiner Rolle im Tschetschenienkrieg ab 2004, der „Mann Moskaus“ für russische Antiterrorkriege, die er stets bedenkenlos mit den eigentümlichen Mitteln eines solchen geführt hat – Terroroperationen. Terroroperationen gegen das, was er selbst oder seine vorgesetzten Stellen für Bestandteile eines „Terrorsumpfes“ und deren Reservoire halten wollten.
Unbenommen, daß die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur militärischen Nutzen haben, der ihnen überwiegend durch die Waffenlieferungen der Ramstein-Koalition zukommt. Doch indem sie keine Vorbereitung für eine durchgreifende Bodenoffensive sein können, dafür begannen sie zu früh, sind sie allenfalls ein zweifelhafter Beitrag zu Konsolidierungen einer beiderseits wenig beweglichen Frontlinie. Folglich ist ihr Zweck – objektiv, nur im Detail abhängig vom Willen der Ausführenden – Strafung. Terror gegen eine imaginierte patriarchale Versippung des Feindes, in der die Führungsmanschaft als Despot vorgestellt ist, die Gefolgschaft als Söhne, die sich der von Russland eingeforderten Revolte widersetzen, und deren Gesponse und Nachkommen als die Geiseln, die Väterchen Russland gegen sie nimmt.
Ich habe Verständnis für Kriegsgegner, die vor diesen Tatsachen und Phänomenen die Augen verschließen, um nicht dem Terror ihrer eigenen Herren in die Hand zu spielen, aber ich habe NULL Verständnis für die moralistischen Motive, mit denen das geschieht.

Der Terrorkrieg gegen Infrastruktur und – mittelbar – Zivilbevölkerung ist ohne zählbare Wirkung an sein Ende gekommen, es gibt nur noch vereinzelte Angriffe dieser Art auf Ziele außerhalb des weitläufigen Frontgebietes, die vermutlich auf die militärische Logistik zielen. Surowikins neue Rolle ist somit keine Degradierung – dazu hätte man ihn aus der Kommandolinie des Krieges entfernen müssen – sondern die Ankündigung einer neuen Kriegsphase, in der Gerassimow die strategische Führungsrolle übernimmt, die ihm seiner Position gemäß zukommt.

Plädoyer für Einfrierung des Ukrainekrieges gewann Raum und Einfluss in den USA

Es mag von Nutzen sein, an Bemerkungen des Vorsitzenden des vereinigten Generalstabs der USA – kein militärischer, ein politischer Posten – General Mark A. Milley zu erinnern, der die zugehörige Debatte anstieß, indem er am 16. November, zum Abschluß einer Sitzung der Ramstein-Gruppe, vor der Presse, in direktem Widerspruch zur Verlautbarung des Kriegsministers, von einem „window of opportunity“ für eine Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen Ukraine und RF gesprochen hat, die im Mai letzten Jahres von Boris Johnson unterbunden worden waren, der sich Selensky gegenüber zum obersten Sprecher der NATO-Staaten aufgeworfen hatte. (Dieser Vorgang ist unterdessen in einer Fülle von Darstellungen verschiedener und gegensätzlicher Seiten bestätigt.)

Chairman of the Joint Chief of Staff Mark Milley urged Kyiv and Moscow to find a „political solution“ as the winter months loom, warning that the chances of a total military victory was „unlikely.“

„You want to negotiate from a position of strength. Russia right now is on its back,“ Milley told reporters following the 7th session of the Ukraine Contact Group. „The probability of Russia achieving its strategic objectives of conquering Ukraine…is close to zero.“

But he also warned that Russia’s ability to pull more men into its ranks despite substantial losses and the fact that it still occupies roughly 20 percent of Ukraine meant the war would not end any time soon. 

„Now Ukraine has had great success,“ he continued referring to recent gains in Kharkiv and Kherson. „But Kherson and Kharkiv are relatively small.

„So in terms of probability, the probability of a Ukrainian military victory, defined as kicking the Russians out of all of Ukraine, to include what they claim is Crimea…is not high, militarily,“ he added.

Milley made headlines last week when he suggested peace talks could begin between Kyiv and Moscow after Ukraine’s armed forces saw another major success when Russian withdrew from Kherson. 

Milley and Defense Secretary Lloyd Austin doubled down on these suggestions after the general faced some criticism for allegedly muddling Washington’s position when it comes to U.S. support for Ukraine.

Both security officials pointed out that while there may be some tactical advantages to fighting once the ground has frozen over, winter weather in war typically has a slowing effect.

„President Biden and President Zelenskyy himself has said that at the end of the day it will be a political solution,“ Milley said. „If there’s a slowdown in the actual tactical fighting, if that happens, then that may become a window possibly, it may not, for a political solution, or at least the beginnings of talks to initiate a political solution.“

Milley said that Russia occupies an area of roughly 560 miles in length and 50 miles wide of Ukrainian territory. 

„It’s not a small piece of ground,“ he added. „Kicking the Russians physically out of Ukraine is a very difficult task.“

Fox News

Wie kam es dazu, daß Milley sich von Austin abgesetzt hat, anders, als der Fox-Artikel behauptet?
Eine Teilauskunft gibt ein Artikel vom 12. November:

Chances of peace negotiations between Kyiv and Moscow seem to have once again diminished following Russia’s withdrawal from the southern city of Kherson with a top U.S. official Saturday calling on Ukraine to „liberate“ all its citizens from Russian „barbarity.“ (…)
U.S. Ambassador to the Organization for Security and Cooperation in Europe, Michael Carpenter, backed Zelenskyy’s long-held stance and pointed to new atrocities uncovered in Kherson. (…)
U.K. Defense Secretary Ben Wallace echoed this sentiment and highlighted a concern noted by some defense experts who have warned Russia’s withdrawal from Kherson could be a ploy.

Michael Carpenter in Vertretung des Außenministeriums und der NATO, das UK und – nach allem, was wir aus dem Vorfeld des Vorgangs schließen können – UvdL, die NATO-Führung der EU, stellten sich gegen Milley und die Leute, die er hinter sich gewußt haben muß, bevor er sich derart weit aus dem Fenster lehnte.

Seither hat eine Debatte um Deeskalation des Russlandkrieges in den USA an Breite gewonnen. Wie anders, nachdem die Lage der Demokraten vor den Vorwahlen des kommenden Jahres in den Zwischenwahlen nicht besser geworden ist. Aktuell müssen WH und DoS mit der Möglichkeit rechnen, daß sich in den Häusern in Einzelentscheidungen „Isolationisten“ aus beiden Lagern verbünden. Biden, „Slow Jo“, ist eine militärpolizeilich durchgesetzte Notlösung in der Spaltung zwischen Nationalisten und Internationalisten, Feinden und Proponenten des kriegspolitische Establishment in den Föderationsparteien, was könnte klarere Auskunft über die Aussicht auf eine politische Überbrückung – statt militärischer Niederschlagung – dieser Bruchlinien geben, als die öffentlichen Erwägungen über eine zweite Amtszeit?
Kurzfristig muß ein Jeder damit rechnen, daß WH sich unter Berufung auf die Lage im Kongress der Fraktion, an deren Spitze sich Milley stellte, bedingt anschließt. Eine Art Beweis dafür stellt die Intervention von Condoleezza Rice und Robert Gates vom 7. Januar dar. Das einzig Zählbare an ihr ist freilich der Einleitungssatz:

When it comes to the war in Ukraine, about the only thing that’s certain right now is that the fighting and destruction will continue.

Das ist ein Versprechen niemand von politischem Belang in den USA mißversteht das. Schon erst recht nicht, nachdem die europäisch vernetzte Kagan-Familie und ihr Tross ins selbe Horn stieß. „Wir“, steht da, unsere Leute werden mit allem Mitteln, auch nuklearen, chemischen, bakteriologischen Mitteln, zu verhindern wissen, daß der Russland-Feldzug unterbrochen oder gar abgebrochen wird.
Um das europäische Echo, das die Wortmeldung heute bekam, ins rechte Licht zu rücken, zitiere ich noch ein wenig mehr:

Under current circumstances, any negotiated cease-fire would leave Russian forces in a strong position to resume their invasion whenever they are ready. That is unacceptable.
The only way to avoid such a scenario is for the United States and its allies to urgently provide Ukraine with a dramatic increase in military supplies and capability — sufficient to deter a renewed Russian offensive and to enable Ukraine to push back Russian forces in the east and south. Congress has provided enough money to pay for such reinforcement; what is needed now are decisions by the United States and its allies to provide the Ukrainians the additional military equipment they need — above all, mobile armor. The U.S. agreement Thursday to provide Bradley Fighting Vehicles is commendable, if overdue. Because there are serious logistical challenges associated with sending American Abrams heavy tanks, Germany and other allies should fill this need. NATO members also should provide the Ukrainians with longer-range missiles, advanced drones, significant ammunition stocks (including artillery shells), more reconnaissance and surveillance capability, and other equipment. These capabilities are needed in weeks, not months. (…) It is better to stop (Putin) now, before more is demanded of the United States and NATO as a whole. We have a determined partner in Ukraine that is willing to bear the consequences of war so that we do not have to do so ourselves in the future.
President Volodymyr Zelensky’s speech before Congress last month reminded us of Winston Churchill’s plea in February 1941: “Give us the tools, and we will finish the job.”

NATO übernimmt

Der Russlandkrieg ist ein genuiner NATO-Krieg von Anbeginn an, der militärischen Intervention im Bosnienkrieg 1995, ja, aber das will kaum jemand wahr haben, und in jeder Phase dieses Krieges gab es ein Gezerre um maßgebliche Einfluß auf die NATO-Kriegsführung, wie deutsche Staatsbürger am Besten wissen sollten, die erlebt haben, auf welche Weise Schröder / Fischer / Scharping politische Klasse und Bevölkerung auf den deutschen Eintritt in den Kosovokrieg der NATO einschworen. Dies ist auch eine solche Phase – in fortgeschrittenem Stadium. Die Tagesschau von heute:

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat eine wesentliche Verstärkung der Rüstungsindustrie verlangt. In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte er, man müsse „die Produktion hochfahren, um die Vorräte der Alliierten aufzufüllen und um sicherzustellen, dass wir die Ukraine lange weiter versorgen können“.

In der NATO-Zentrale wird eine Parallele zum Zweiten Weltkrieg gezogen. Amerika sei damals mit weniger als 2000 Flugzeugen in den Krieg hineingegangen und habe bis zu seinem Ende 300.000 gebaut. „So sehen die Veränderungen aus, die wir brauchen“, hieß es in Brüssel.

Stoltenberg wies darauf hin, dass der Krieg „eine enorme Menge Munition“ verbrauche. Bei der NATO hieß es ergänzend, die Ukraine verschieße bis zu 10 .000 Artilleriegeschosse am Tag. Man sorge sich deshalb um den Nachschub bei „kampfentscheidender Munition“. Darunter werden in Brüssel etwa Geschützgranaten vom NATO-Standardkaliber 155 Millimeter, Geschosse für den Raketenwerfer „HIMARS“ sowie für die Flugabwehrsysteme „Gepard“, „IRIS-T“ und „Patriot“ verstanden. Ein NATO-Vertreter folgerte: „Wir brauchen neue Rüstungsfabriken.“

Unverstellt eine Übernahme und Realisierung der Forderung von Rice / Gates eine Woche zuvor.
Der ukrainische Kriegsminister stieß ins selbe Horn, indem er das Offensichtliche aussprach, das die Kriegsfraktion bis gestern noch verleugnet wissen wollte:

Ukrainischer Verteidigungsminister: Sind de facto NATO-Mitglied
Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksyj Resnikow betrachtet sein Land als De-facto-Mitglied der NATO. Das sagte Resnikow laut einem BBC-Bericht. „Wir haben Waffen und das Wissen, wie man sie benutzt“, sagte der Minister demnach zur Begründung. Für kontrovers hält er diese Sichtweise nicht. „Es ist eine Tatsache“, so Resnikow laut BBC. Er hoffe zudem, dass ein Land auch bald förmlich der westlichen Verteidigungsallianz beitreten werde.

Es gibt nicht nur Theorie, auch eine Praxis dazu:

NATO verlegt AWACS-Aufklärungsflugzeuge nach Rumänien
Die NATO will angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine mehrere ihrer normalerweise in Deutschland stationierten AWACS-Aufklärungsflugzeuge nach Rumänien verlegen. Die Maschinen sollen die verstärkte Präsenz des Bündnisses in der Region unterstützen und russische Militäraktivitäten überwachen, teilte die NATO-Kommandobehörde zur Führung von Luftstreitkräften mit. Die AWACS werden den Planungen zufolge am kommenden Dienstag auf dem Luftwaffenstützpunkt Otopeni nahe der rumänischen Hauptstadt Bukarest ankommen und dann mehrere Wochen dort bleiben. Der Flughafen liegt nur etwa 200 Kilometer entfernt von der östlichen Grenze des EU- und NATO-Landes zur Ukraine. Zudem grenzt auch der Norden Rumäniens an das von Russland angegriffene Land.

Mit dieser Maßnahme übernimmt die NATO permanent eine Rolle in der Feuerleitführung der Artillerie, Raketen- und Luftstreitkräfte, die in der Ukraine auf ihrer Seite tätig sind, so weit die etablierten Kommunikationsverbindungen das zulassen. Bis dato haben US-Satelliten, die in Polen stationierten Radartruppen der NATO, die Drohnenbasen der NATO in Ramstein und einer rumänischen Basis, deren Namen ich vergessen habe, solche Aufgaben nur fallweise und regional mit und ohne zeitweise Awaccs-Einsätze übernehmen können.
Die russische Generalität war offenbar vorbereitet:

London: Russland verlegt Schiffe aus Angst vor Angriff
Russland hat nach Einschätzung britischer Militärexperten aus Angst vor einem ukrainischen Angriff mindestens zehn Schiffe seiner Schwarzmeerflotte aus dem Hafen von Noworossijsk auslaufen lassen. Angesichts der Zahl und der Art der Schiffe, sei es wahrscheinlich, dass Russland auf eine spezifische Bedrohung reagiere, die es wahrzunehmen glaube, hieß es in dem täglichen Geheimdienst-Update des Verteidigungsministers.
Noworossijsk ist eine Hafenstadt in der Region Krasnodar auf dem russischen Festland. Dass das Auslaufen der Schiffe am 11. Januar mit einer bevorstehenden russischen Militäroperation zu tun haben könnte, ist nach Einschätzung der Briten unwahrscheinlich. „Die Schwarzmeerflotte ist auf mutmaßliche Bedrohungen durch die Ukraine fixiert und priorisiert weiterhin den Schutz ihrer Kräfte vor Offensiv- oder Patrouille-Einsätzen“, so die Mitteilung weiter.

Provokation eines russischen Nukleareinsatzes gegen deutsche NATO-Basen von Tag zu Tag näher gerückt

Ein RAND-Papier vom 22. Dezember unter dem Titel Responding to a Limited Russian Attack on NATO During the Ukraine War validiert, das sei vorweg und eher als Randnotiz erwähnt, auf mittelbare Weise, was ich hier über die Rolle des Art. 5 in der US-Politik gesagt habe: Es handelt sich um einen mit immensem Aufwand gepflegten Mythos, im Papier ausschließlich verhandelt unter dem Titel „US-Glaubwürdigkeit“ – für die Alliierten, nicht Russland! Das wird so deutlich, wie es wird, weil der Gegenstand Szenarien möglicher Übergriffe sind, mit denen die RF den Art. 5 austesten (wollen) könnte.

Die Szenarien C und D will ich kurz besprechen.

Scenario C
Russia conducts coordinated daytime missile attacks at
three air bases in Poland and Romania that are involved in
arms shipments to Ukraine. Most of these attacks hit the
bases, resulting in a dozen military casualties and some
degradation of operations at these locations, although
operations are largely restored within 48 hours.

Key Considerations
• The scale of the attacks, and the casualties they have
created, would likely require a kinetic response from
the United States or NATO. Non-kinetic actions
could also be part of the response but would not
likely on their own be sufficient to satisfy concerns
about Article 5 credibility or alliance cohesion.
• A clearly less-than-proportional kinetic response
would pose similar, though smaller, risks for U.S.
credibility, although U.S. policymakers could still
pursue that option if they believed that the risks of
Russian misidentification of a larger response as a
possible prelude to general war—a potential trig-
ger for precipitous Russian escalation—were suf-
ficiently high.
• (…) The United States might have an inter-
est in differentiating between the NATO-Russia–
related and Ukraine war–related dimensions of the
conflict, and seeking dialogue on the latter while
responding harshly for the attack on the alliance
could help it further that objective.
• That said, Russian attacks that generate NATO
military and civilian casualties would likely limit
the scope for diplomatic initiatives. Political pres-
sures from affected countries in particular would
be likely to drive stronger responses and create
pressures for consensus on such options to pre-
serve alliance cohesion.
• U.S. or NATO responses will, however, need to
avoid creating the impression in Moscow that any
U.S. or NATO kinetic or non-kinetic strikes could
be a prelude to a larger-scale military campaign
against Russia. To that end, the United States should
consider avoiding targeting command and control
nodes, bomber bases, or early warning radars.

Den letzten Satz habe ich hervor gehoben, weil er durch die Blume plädiert, eine Antwort der NATO solle unterhalb einer „Proportionalitätsschwelle“ angesiedelt bleiben. Die polnischen und rumänischen Luftwaffenbasen sind „command and control nodes“ der NATO im Russlandkrieg – sie sind direkt in ukrainische Gefechte involviert, nachrichtentechnisch und als Stützpunkte für die Wartung / Reparatur / Aufmunitionierung der verbliebenen ukrainischen Luftwaffe und ihres aktuellen oder künftigen Entsatzes durch NATO-Streitkräfte unter ukrainischen Hoheitszeichen.

Scenario D
Russia conducts missile attacks on six key air and sea ports
throughout Europe used by the U.S. military, including
Ramstein Air Base and the port of Rotterdam. Although
the military effects of the strikes are limited and most
affected areas are able to resume at least limited operations
within hours, there are roughly 200 military and civil-
ian casualties … Moscow announces that the attacks were under-
taken in response to continued attacks on what it refers to
as its own territory—including territory within Ukraine’s
1991 borders—using weapons and targeting information
provided by NATO forces. Russia declares that it reserves
the right to use all instruments of its military power to
defend its sovereignty. This Move would qualify as a less-
restrained attack on our scale.

Aus den „Considerations“, überwiegend redundantes Blabla, übernehme ich nur die letzten beiden:

• The pronounced role of nuclear weapons in Rus-
sian doctrine highlights the importance of avoiding
potential Russian nuclear tripwires in U.S. or NATO
proportional responses that would inevitably involve
strikes against militarily significant targets. There-
fore, strikes against assets involved in command and
control should be given the closest scrutiny.
• As in Scenario C, U.S. or NATO responses will need
to avoid creating the impression in Moscow that
any U.S. or NATO kinetic or non-kinetic strikes
are a prelude to a larger-scale military campaign
against Russia. To that end, the United States should
consider avoiding targeting command and control
nodes or early warning radars. But walking this line
will be even harder in Scenario D given the larger
scale and greater military effects of this Move
1.

Es sollte nun klar werden, das ganze öffentliche Papier ist dazu geeignet – und also wohl auch dazu da – die russischen Streitkräfte passiv von Scharmützeln mit der NATO abzuhalten. ‚Das führt zu nichts!‚ ist die Botschaft, ‚eure Eskalationsdominanz wird uns nicht in der Fortsetzung des Auszehrungskrieges behindern‘.
Umgekehrt lautet sie also: Geht entweder sofort nuklear zur Sache – oder laßt es bleiben und versucht weiter euer „Glück“ auf ukrainischem Territorium.
Die Szenarien sind auf Irrealität getrimmt! Auf die Haltbarkeit des Mythos von einer unhintergehbaren Schwelle, jenseits derer die USA präemtive Nuklearschläge erwägen oder in die Wege leiten werden.
Solch eine Schwelle gibt es nicht, sollte das Papier einem unverstellten Verstand hinreichend deutlich machen.
Wenn einer das aber gelten läßt, dann sind und bleiben russische Nuklearschläge auf Ramstein, Wiesbaden und (max. zusätzlich) Wilhelmshafen, die ich seit Kriegsbeginn vor einem Jahr zur logischen Konsequenz des angelsächsischen Krieges gegen die EU ernannt habe, der im Russlandkrieg der NATO inbegriffen sei, genau diejenige Option, die den Russlandkrieg auf europäischem Territorium abbrechen könnte. Die Briten und Amerikaner bieten der RF diese Option geradezu an, schrieb ich schon damals, namentlich zur Konstruktion der „Ramstein-Gruppe“, weil sie ein angelsächsisches Teilziel des Russlandkrieges erfüllt, wenngleich mit Risiken und Nebenwirkungen, die man idealiter auch in London und Washington zu vermeiden trachten wird. Doch andererseits setzt man dort darauf, daß die „Risiken und Nebenwirkungen“ der RF über lange Zeit und mehrere Eskalationsstufe hinweg gewichtiger erscheinen müßten, als den USA – Konsequenzen hinsichtlich vorder- und zentralasiatischen, sowie fernöstlichen Territorien. Auch darüber habe ich schon gefühlte 100 Mal mehr oder minder ausführlich geschrieben.

Die Rolle der NATO im angelsächsischen Krieg gegen die deutsche Mittelmacht – nun verändert

Für die vergangene Phase war die Sprengung von Nordstream ikonographisch, geplant und initiiert von der britischen Militäraristokratie, vorbereitet von einem NATO-Konvoi, ausgelöst möglicherweise von einem Polen, Ukrainer oder Norweger für ein paar Dollar mehr. Kein Weg mehr zurück oder in die hinteren Reihen der NATO-Speerspitze gegen Russland für die politische Klasse Deutschlands!

Die neue Phase hat Stoltenberg in der heute veröffentlichten Richtlinie hinreichend gekennzeichnet:
Die NATO erfülle entweder die Kriegsziele und die Kriegsführungsrichtlinien der maßgeblich, aber beileibe nicht ausschließlich, angelsächsischen Internationalisten in den Imperiumseliten, auf eine Weise, welche von der Washingtoner Führung absehbar nicht zu erwarten ist, oder … Oder Europa bliebe auf dem oben skizzierten Szenario hocken, das mit einer nuklearen Vernichtung Deutschlands enden werde. Die NATO unternimmt es, mit ihrer hybriden Eskalationsdominianz (beispielsweise irregulären nuklearen, chemischen, biologischen Attacken, konventionelle Zuspitzungen um Kaliningrad, Armenien, Georgien herum) und mit Hilfe ihrer Handlungsbevollmächtigten an der Spitze der EU.Kommission, die europäischen NATO-Länder zu einer „Flucht nach vorn“ zu zwingen.

Der Lohn, der den Europäern dabei in Aussicht gestellt wird, geht vollständig auf in der Aussicht auf eine militärisch herbei genötigte Einheit des Imperiums unter „spiritueller“ NATO-Führung und daraus resultierender Entwertung nationaler Strategien in der Imperiumspolitik, namentlich in USA und UK, aber auch in sekundären Staatswesen, wie Polen, dem Baltikum, der Türkei, nicht zu vergessen die taktisch und strategisch relevanten ehemaligen „Windschattengebiete“, die skandinavischen Länder und die Schwarzmeeranrainer Rumänien und Bulgarien, in denen die NATO-Militärherrschaft noch immer lästige Rücksichten zu nehmen hat.
Wer diese Aussage nüchtern mit dem vergleicht, was UvdL, Borell, Bebé, Habbe, halbherzig neuerdings auch Merz, und andere Imperiumskrieger seit letztem März ablassen, wird hoffentlich erkennen: Es ist pi mal Daumen dasselbe – bekleidet in dümmlich priesterliche Phrasen, von den Protagonisten so oft wiederholt, daß sie sie kraft ihrer Ämter persönlich kaufen und glauben müssen. So läuft die Sache nämlich „psychisch“ ab, da ist kein anderes Geheimnis dabei, als das, was es bei einem beliebigen Betriebsvorstand zu lösen gibt, der im Falle konfligierender Zwecke und Ziele entweder aufgeben, oder „mit dem Kopf durch die Wand“ muß – in der mehr oder minder begründeten Hoffnung, daß an jener Stelle eine Tür sei oder materialisiere.

Nun habe ich meine Überschrift nicht eingelöst, aber ich muß für heute pausieren.


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Eine Antwort zu Antiamerikanismus wird allseitige Triebkraft der Eskalation des Russlandkrieges

  1. tgarner9 schreibt:

    @ https://overton-magazin.de/hintergrund/wirtschaft/politischer-aktivismus-und-militaerischer-realismus-ein-offensichtlich-unloesbarer-widerspruch/
    Ein politischer / Verwaltungsoffizier a.D., der dermaßen außer Touch ist, daß er von den Leo-Einsätzen in Afghanistan und Syrien nicht weiß, ist kein Informant oder Berater.

    … alle militärischen Fachleute in den USA und grundsätzlich auch in Deutschland sich darüber einig [sind], dass die Ukraine … im besten Fall ein Patt auf dem Gefechtsfeld halten kann.
    

    Ich ahne nicht, woher Hübschen solch Wissen zugeflogen sein soll, aber die Lagebeurteilung ist evident, sie bedarf keines „Fachmannes“. Allerdings steht anstelle der Punkte, die ich gesetzt habe

    … über einen sehr begrenzten verbleibenden Zeitraum … 
    

    … und damit wird’s häßlich. Jedes 6-jährige ist imstande, zu fragen, „Hängt das nicht von den Russen ab? Davon, was sie einzusetzen und an Verlusten zu dulden willens sind?“ Mit dem logischen Fehler lügt der greise Oberst sich und sein Publikum darüber hinweg, daß die wesentlichste parametrische Variable des russischen Ukrainekrieges darin besteht, das Land nicht erobern und besetzen zu wollen, weil dies die erklärten Kriegsziele nicht nur verfehlte, sondern zu großen Teilen vereitelte. Ich bin zu müde, das im Einzelnen aufzuzählen, es kann sich jeder rasch selbst vorlegen.
    Teilweise folgt daraus, teilweise ist es diesem Umstand beigeordnet, daß der Kreml die (Rest-)Ukraine auch nicht zerstören will. Bislang jedenfalls nicht.
    Daß die Besetzung der Ukraine für Russland nicht in Frage kommen kann und ihre nachhaltige Zerstörung einer militärpolitischen Niederlage gleich käme, ist der Hebel für die NATO-Strategie des Krieges gegen Russland „bis zum letzten Ukrainer“, nicht allein gegenüber den Russen, auch gegenüber den ukrainischen Söldnern, die sich andernfalls in bewaffneten Scharen davon machen würden.

    Daß Hübschen diese elementaren Kriegsbedingungen und -umstände verleugnet, oder sich tatsächlich nicht vorlegt, ist Angelpunkt des restilichen BS und Irrlichterei:

    [Es für einen NATO-Bündnisfall] ausreichen würde, wenn es z.B. bei einem russischen Angriff auf einen westlichen Panzertransport beim Passieren der polnisch-ukrainischen Grenze zu Schäden auf der polnischen Seite käme.
    

    BS, obwohl formell korrekt. Aber die genannten Umstände und Kriegsziele verböten der NATO, den bequemen Auszehrungskrieg gegen Russland irgendwelcher mehr oder auch weniger läppischer Übergriffe auf NATO-Territorium wegen zu gefährden. Wem das Argument nicht ausreicht, kann sich anhand eines RAND-Papiers vom Dezember mit dem Titel „Responding to a Limited Russian Attack on NATO During the Ukraine War“ davon überzeugen – es ist zwar keine amerikanische Regierungsquelle, referenziert aber die bei den Fachleuten unterstellten regierungsamtlichen Kriterien und Maßstäbe für die Kriegsführung. Selbst im Falle konventioneller russischer Angriffe auf 6 (!) NATO-Ziele, darunter Ramstein Base und Rotterdam, empfielt RAND eine Antwort der NATO deutlich unterhalb der Proportionalitätsschwelle.

    Aber dann kommt bei Hübschen doch ein Zählbares:

    Es entzieht sich meiner Vorstellungskraft, dass Moskau weiterhin tatenlos zusieht, wie die ukrainische Armee mit schweren westlichen Waffen aufgerüstet wird. 
    

    Ja, genau. Das geht den NATO-Strategen und taktischen Führungskräften genauso. Sie WETTEN darauf, daß „den Russen“ der Faden reißt und sie der Scheiße mit Nuklearangriffen auf Ramstein und Wiesbaden einen definitiven HALT setzen, dann haben SIE – zumindest die bis dato Einflußreichsten unter ihnen – alle ihre militärpolitischen Ziele erreicht.
    Und die nachgeordneten Leute – das französische Oberkommando voran, vll auch UvdL, aber bei der bin ich mir nicht so sicher – halten diese Wette auf der Gegenseite. Sie setzen darauf, daß sich der Kreml im Fall des Falles an das „kleinere Übel“ hält, die Ukraine komplett platt macht und sie – die zweite Reihe meine ich – bei der nachfolgenden Runde (die NATO wird solche Teilniederlage nicht kassieren) ein größeres und längeres Wort mitzusprechen haben werden. In der Tat wäre ein Angriff auf Kaliningrad riskanter, als die Wette auf eine nukleare Teilzerstörung Deutschlands oder Polens es ist.

    Bleibt die Frage, wie ein solcher Transport innerhalb der Ukraine bis zu der mehrere Hundert Kilometer entfernten Front ablaufen soll.
    

    Ja, genau. Bis dahin setzt die 2. Reihe mit ihrer Wette darauf, daß all das Gerät, daß sie ihren Sklaven aus dem Kreuz leiern, von den Russen mehr oder minder zeitnah verschrottet wird, von der taktischen Irrelevanz des Zeuges abgesehen.

    Ihr wollt und könnt das alles nicht glauben? Schaut euch doch nur mal genauer um! Komplementäre Wetten dieser Art laufen in eurer verschissenen Gesellschaft auf jedem Schiff, vom Fischtrawler im Sturm, bis zur Chefetage transnationaler „Global“-Player im Kampf um Märkte und Marktanteile, und Leichen setzt es dabei nicht zu knapp, in Summe im selben Zeitraum wahrscheinlich weit, weit mehr, als bislang im Ukrainekrieg angefallen sind, nur sieht man sie nicht und redet nicht über sie.

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