Kurzkommentar zur Deutung der taktischen Merkel’schen Halbsätze zu Minsk 2 – updated

Thema Minsk 2

Daß Kujat die allgegenwärtige Deutung der taktischen Merkelschen Halbsätze dazu akzeptiert und übernimmt, hat mich einigermaßen verblüfft, unterstellt sie doch, „die Russen“ hätten sich auf die denkbar dümmste Weise über’s Ohr balbieren lassen.
Haben sie nicht.
Warum nicht, dazu müßte ich eine Broschüre über die Kämpfe im Zeitraum zwischen Minsk 1 und 2 schreiben, aber ich verkürze das jetzt strategisch auf wenige Mitteilungen.
Das Normandie-Format, unter dessen Patronage die Verhandlungen der „trilateralen Kontaktgruppe“ gestanden hatten, war Merkel und Hollande gleichsam von Obama „geschenkt“ worden, das US-Außenministerium unter Kerry, und wohl auch das Pentagon, waren militant gegen eine „Europäisierung“ des Krieges, aber auch große Teile der EU-Kommission Barroso II waren dagegen, namentlich diejenigen, die den Euromaidan provoziert und zum Teil mitorganisiert hatten, prominent Barroso selbst, Baroness Ashton und Stefan Füle. Die britische Regierung Cameron, Hauptarchitekt des Libyenkrieges und Co-Architekt des Syrienkrieges, natürlich sowieso und an erster Stelle, einschließlich Beteiligung britischer Spezialtruppen an den vom „Rechten Sektor“ und seinen übrigen Verbündeten unterhaltenen Kämpfen.
Während der Verhandlungen zum Minsk 1 Protokoll und danach war die Kommission Barroso noch im Amt und über die Ablösung von Füle und Ashton war noch nicht entschieden. Der Kern der Verhandlungen in Minsk fand bis Ende November in Brüssel statt, an erster Stelle in Gestalt britischer und polnischer Erpressungsmanöver, Radislav Sikorski ins Amt des Außenbeauftragten zu hieven, der persönlich an der Sammlung und Ausbildung militanter Maidan-Kämpfer in Polen, Litauen und der Ukraine selbst seit Frühjahr 2013 beteiligt gewesen ist und – gemessen an einer Aussage von ihm, die Vorwissen verriet – auch an der politischen Vorbereitung und Deckung des Abschusses von MH17 durch NATO-Jäger beteiligt gewesen ist. (Falls ihr Letzteres für absurd erklärt, bedenkt, daß die „Europäisieung“ des Krieges, von der ich berichte, Russland ein starkes Motiv gab, diesen Kriegsakt mittelbar verdecken zu helfen!)
Sikorski wurde in Kampfabstimmungen abgewiesen, Juncker, Merkel und Hollande im Rücken, setzte die junge italienische Außenministerin Frederica Mogherini als Nachfolgerin Baroness „Gosh“ Ashtons durch, deren erste Amtshandlung darin bestanden hat, mit expliziten Ansagen zu Ausgleich und Entspannung nach Moskau zu reisen.
Kurzum, Merkel und Hollande hatten bereits „geliefert“, als die Russen Minsk2 unterschrieben, natürlich im vollen Bewußtsein, daß namentlich Briten, Polen, Litauer, die notorische US-Kriegsfraktion und ihre Verbündeten und Kreaturen in der Ukraine alles tun würden, den „Minsk2 – Prozess“ zu torpedieren, weshalb Poroschenko am Tag der Unterzeichnung derart besoffen war, daß er kaum gehen konnte. Nicht, weil er den Inhalt ablehnte, sondern weil der Vertrag ihn in eine unhaltbare Position zwischen den Fronten setzte, was er schon am Folgetag (oder einen Tag später) im Parlament mit der Ansage quittierte, Minsk 2 sei für ihn in der vorliegenden Form Null und Nichtig.

Diesen Teil habe ich nur zum besseren allgemeinen Verständnis der Geschichte geschrieben. Was die Merkelschen Halbsätze und deren Deutung anbelangt, hätte es eigentlich gereicht, auf die Vorgänge vor und nach der Wahl Selensky’s zu verweisen, von dem bis 2020 iwie noch jeder gewußt hat, daß er eine Kreatur der zwei mächtigsten Oligarchen der Süd- und Ostukraine gewesen ist, die der geschäftsschädigenden Lage um die „Volksrepubliken“ OHNE Waffengang ein Ende setzen sollte.

Und dies ohne bewaffnete Intervention der Faschisten auch hätte tun können, darüber weiß zum Beispiel Gwendolyn Sasse bestens Bescheid, ist sie doch Mitautorin einer Studie, die vor Selenskys Wahl die „politische Stimmung“ im Lande soziokulturell begutachtet hat. Ergebnis: Die Herrschaft der Ukrofaschos und ihrer auswärtigen Gönner hatte ihre Ablehnung in der Bevölkerung der Süd- und Ostukraine merklich zermürbt. Die Leute waren bereit, eine „ukrainische“, de facto faschistisch-polnisch-galizische Oberhoheit über das Land zu akzeptieren – die Schweinepriester nennen das „ukrainische Identität annehmen“ – falls Minsk 2 umgesetzt und eine gewisse Föderalisierung in Kulturpolitik und Verwandtem gewährt würde.

Theoretisch – oder „strukturell“, wie gern gesagt wird – ist diese Lage ein Erfolg für die NATO und gute Ausgangsposition für weitere Fortschritte in der NATO-Eingliederung gewesen – aber natürlich langfristiger.
Die Ukrofaschos setzten sich an die Speerspitze des Widerstandes dagegen, indem sie Selensky die physische Eliminierung und dem Land den Bürgerkrieg verhießen, sollte Selensky „rote Linien“ überschreiten.

Man kann sehr deutlich sagen, auf welche auswärtige Macht die Ukrofaschos in erster Instanz setzten und setzen konnte: Das UK, das ein Jahr zuvor mit „Novichok“ aus Porton Down die EU militärisch auf einen dezidiert antirussische Kurs gezwungen hatte, was möglich war, weil die EU-Führung sich andernfalls mit Trump gegen die amerikanischen Internationalisten und die NATO-Führung hätte positionieren müssen.

update auf den Einwand, das bleibe Spekulation:

Nein, darauf bestehe ich aus methodischen Gründen:
Die Schilderung der Geschehnisse mit ihren faktisch überprüfbaren „Realitätsankern“ beweisen, „Zeitgewinn“ ist der gemeinsame Nenner der Minsk2- Unterzeichner gewesen. Aber gab es auch einen Gegenstand, einen „Stoff“ dazu?

Ja, das ist einfach die allgemeine Gemeinsamkeit des Interesses, das im Vertragsinhalt zum Ausdruck kommt: Die Ukraine SOLLE, unter allen damals in Betracht gekommenen Umständen, die Souveränität über die Territorien der Volksrepubliken zurück erhalten / gewinnen.

Es gibt genau einen Akteur, der das über all die Jahre militärisch unterbunden hat. Nein, nicht die Ukronazis, die waren nur Söldner. Es war die NATO, die dazu allerdings die Kollusion mit dem IWF benötigt hat, der die Kriegskredite für die Söldner und deren oligarchische Führungsfiguren geliefert hat, die sich rd. die Hälfte davon in private Taschen steckte.

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