Historisches

Ware und Geld, Historisches. Aristoteles

(ca. 1999) Dargestellt werden populäre Irrtümer über die „Natur“ resp. den Begriff des Geldes, die überwiegend auch den Lehrmeinungen zugrunde liegen oder in ihnen enthalten sind.

„In Pit’s Artikel kommen auf bemerkenswerte Weise Leistung und Grenzen geschichtlicher Forschung für die Kapitalanalyse zum Ausdruck.
Über den gerechten Tausch schrieb Aristoteles im 4. Jahrhundert v. Chr.:

Vorausgesetzt, „a sei ein Haus, b zehn Minen, c ein Bett. a ist nun ½ b, wenn das Haus fünf Minen wert oder ihnen gleich ist. Das Bett sei 1/10 b. So sieht man dann, wieviel Betten dem Haus gleich sind, nämlich fünf. Daß in dieser Weise der Austausch vor sich ging, bevor das Geld aufkam, ist klar. Denn es macht nichts, ob man fünf Betten für ein Haus gibt oder den Geldwert der fünf Betten.“( …)

Aristoteles kam durch die Berechnung der Geldwerte eines Hauses und einer Polsterliege zur Gleichwertigkeit von einem Haus und fünf Polsterliegen als Waren, obwohl er gleichzeitig zugab, daß es Warentausch und Warenwert ohne Geld und vor dem Geld gab. Er stellt das Frühere (Warenwert) als Folge des Späteren (Geldwert) hin. So wird weder klar, wie der Warentausch vor sich ging, bevor es Geld gab, noch wie und warum das Geld aufkam. Die Natur des Geldes ist aus dem Warentausch zu erklären, nicht umgekehrt.

Pit zieht aus Aristoteles elementarer historischer Betrachtung des Geldphänomens einen Schluß, der auf die Umkehrung des Weges hinausläuft, den Marx in der Analyse der Ware beschritt. Ich erinnere: Marx leitete erst aus der Ware selbst den Warenwert ab, fand als Konsequenz des Warenwertes dessen Wertform und darin die Geldform als konkrete Gestalt der allgemeinen Wertform. Darauf zeigte er, daß der Austausch als Bewegung der Wertform erklärbar ist, sowie die Notwendigkeit der Geldform als Konsequenz dieser Bewegung. Diese Notwendigkeit war zu erklären, weil die Natur des Geldes vor der Betrachtung des Austausches erkannt war. Aus dem derart als Bewegungsform des Warenwertes erkannten Austausch konnte er darauf die verschiedenen Geldfunktionen ableiten – Maß der Werte, Maßstab der Preise, Zirkulationsmittel, Rechengeld, Zahlungsmittel – und daraus die Erklärung für die verschiedenen und wechselnden historischen Geldformen liefern: Metallgeld, Barrengeld, Münze, Wechsel, Note.
Freilich sind die Funktionen des Geldes auch im historischen Austausch zu beobachten. Heißt das nun, der analytische Weg sei gleichgültig, der Wert sei ebensogut aus dem Austausch abzuleiten, als umgekehrt? Hat Pit mit seiner Kritik an Aristoteles und dem Schluß daraus recht?

Aristoteles beschreibt den Vorgang des Austausches in seiner empirisch – logischen Manier in Gestalt einer Formel. In dieser Formel findet er den Warenwert in Gestalt der Mine genauso als Gattungsbegriff vor, wie etwa die Fläche im Verhältnis verschiedener Äcker. Man kann ihn ebensogut als numerischen Unterschied des Gleichen ausdrücken – ein Acker hat die halbe Fläche eines anderen – wie als Identität des Verschiedenen: ein ar ist x ha oder y qm, also ist x ha = 1/x mal y qm. Über den Gattungsbegriff der Mine hat Aristoteles die Funktion des Rechengeldes dargestellt.

Daraus schließt er, auch bevor man in Minen rechnete, sei der Austausch als berechenbarer und berechneter Vorgang vonstatten gegangen. Sein Schluß lautet: Es tut nichts zur Sache, daß es einst kein Geld gab, denn ein Wertverhältnis der Dinge läßt sich ebensogut als ihre eignes numerisches Verhältnis darstellen, wie über ihr Verhältnis zu einem Dritten. Abstrakt ausgedrückt: der historische Unterschied ist formell, der Inhalt des Austauschvorganges war stets derselbe. Aristoteles stellt also mitnichten „das Frühere (Warenwert) als Folge des Späteren (Geldwert) hin„, wie Pit ihm vorwirft. Das täte er nur, wenn er gleich Pit wüßte, daß im Ausdruck 1 Haus = 5 Minen der Geldwert etwas anderes darstellt, als der Warenwert, nämlich ein bestimmtes Quantum abstrakter Arbeit (Äquivalentform), während das Haus nur seine abstrakte Gleichheit mit diesem Quantum darstellt (relative Wertform). Denn in diesem ideellen Ausdruck muß, bei historischer Betrachtung, in der Tat das Maß das erste, das Gemessene das zweite sein, ganz wie man einen Acker nur in Metern messen kann, wenn man zuvor ein Meter hergestellt hat. Genau an diesem Punkt leistet sich Aristoteles einen Syllogismus:
Denn es macht nichts, ob man fünf Betten für ein Haus gibt oder den Geldwert der fünf Betten.‘
Das macht in der Tat keinen Unterschied in der logisch-mathematischen Betrachtung, sehr wohl aber in der historischen, für die das Argument taugen soll. Im einen Fall hat ein Haus den Besitzer gewechselt, im anderen nicht, was für die unbehaust Gebliebenen eine gewisse Unbequemlichkeit bedeutet …
Diesen Syllogismus gibt Aristoteles allerdings an gleicher Stelle auf und schließt, die Gleichsetzung der Produkte als Werte sei „nur Notbehelf für das praktische Bedürfnis„. Offenbar vorzuglich Bedürfnis der der Geldbesitzer … Modern würde man sagen: Alles nur Kredit.

Pit’s Irrtum könnte belanglos erscheinen, wollte er doch sagen, die Sache sei andersherum darzustellen, als Aristoteles es tue und nun hat er in Aristoteles gar einen Kronzeugen, denn der zieht den Schluß, der historische – in seiner Darstellung bloß formell erscheinende – Unterschied zwischen Produktentausch und Waren- bzw. Geldzirkulation gehe auf ein praktisches Problem des Austausches zurück. Der Schein trügt, wie ich zu zeigen beabsichtige.
Pit geht anschließend in medias res eines Frauenkaufes. Ich zitiere die Überlieferung, die Odyssee, auf die er sich bezieht, vollständig (nach der Voss’schen Übertragung):

Vor (Telemachos) ging mit brennenden Fackeln die tüchtige Alte Eurykleia, die Tochter Ops, des Sohnes Peisenors, welche vordem Laertes mit seinem Gute gekauft, in jungfräulicher Blüte, für zwanzig Rinder; er ehrte sie im hohen Palast, gleich seiner edlen Gemahlin, aber berührte sie nie, aus Furcht vor dem Zorne der Gattin. ( …) Sie hat (Telemachos) unter den Mägden am liebsten und pflegt ihn, als er ein Kind war.

Zwanzig Rinder für eine Frau waren jedenfalls ein märchenhaft hoher Preis„, schreibt Pit und beschreibt den Vorgang nach dem Muster des Produktentausches, das Marx so vorstellt:

Im unmittelbaren Produktenaustausch ist jede Ware unmittelbar Tauschmittel für ihren Besitzer, Äquivalent für ihren Nichtbesitzer, jedoch nur soweit sie Gebrauchswert für ihn. … (K I, S. 103)

Pit:

„Der Besitz eines fremden Gebrauchsmittels war für beide Parteien Zweck des Tausches. Aber jede Seite erreichte ihren Zweck nur, indem sie ein geeignetes Tauschmittel in der passenden Menge anbot.“

So weit, so gut. Doch dann wiederholt er den Syllogismus Aristoteles:

Als Tauschmittel erfüllten die Ochsen (?) wie die Braut im direkten Tausch die Funktion von Geld, ohne schon Geld zu sein. Das Tauschmittel war noch kein Geld, weil es noch nicht an eine bestimmte Warenart gebunden war, sondern in jede Warengestalt schlüpfen mußte, die getauscht wurde.

Aus dem Götterhimmel der Kategorien läßt Pit den Wert in Gestalt der Tauschmittel zur Erde herab und in die Dinge hinein, ebenso wie der Aristotelische Gattungsbegriff des Wertes. Es ist aber wiederum nicht dasselbe, ob Laertes „Eurikleia, die Tochter Ops, des Sohnes Peisenors„, hat, oder nicht hat, und ob Op zwanzig Rinder, die über die Zeit ganze Heerscharen ernährt haben, hat, oder nicht hat.
Hätte Op für Laertes Rinder Geld gegeben, und dieser sich dafür eine Frau kaufen können, hätte er diese vermutlich vögeln können, ohne die Eifersucht der Gattin fürchten zu müssen, weil die zweifelhafte Willigkeit von Sklavinnen und Mägden ihr dazu kaum Anlaß gegeben haben dürfte. Abstrakt gesagt:

… Der Tauschartikel erhält also noch keine von seinem eignen Gebrauchswert oder dem individuellen Bedürfnis der Austauscher unabhängige Wertform. (K I, ebenda)

Im Tausch Frau gegen Rinder ist jedes nur besonderes Äquivalent für das andere – es „schlüpft“ nicht in die Rolle eines Geldes, das fehle. Genau davon zeugt der „märchenhaft hohe Preis“ für eine Jungfrau von Stand. Pit setzte seine Vorstellung von einem gebührlichen Preis einer Mätresse in das historische Beispiel ein. Vom Text der Odyssee, die von dem individuellen Bedürfnis berichtet, das in diesem Frauenkauf realisiert werden sollte, sowie dessen Schicksal und Bedeutung, läßt er sich darin so wenig beirren, wie ein Viehhändler von Nöten seiner Kunden.

Die zwanzig Rinder waren der Preis nicht für ein Objekt männlicher Begierde, das den Namen Eurykleia trug, sondern für das Recht des noblen Patriarchen Laertes, die Jungfrau mit dem Rang ihres Stammbaumes zu vögeln. Obendrein behandelt Pits Darstellung diesen Kontrakt als realisiert, obwohl er scheiterte. Die Odyssee berichtet von einer historischen Trennung von „Tauschwert“ und „Gebrauchswert“ und zwar mit der ausdrücklichen Betonung, daß Laertes deren Identität auflöst, indem er Eurykleia nicht als die Magd behandelt, die er in der Tat über Preis gekauft hätte, sondern als die Gattin, die er nicht bekam. Das ist in jeder denkbaren Hinsicht das glatte Gegenteil der Betrachtungsweise, die Pit als die höhere Wahrheit des Berichteten vorstellig macht:

„Solange nur einige, bekannte (?) Arbeitsprodukte innerhalb einer Gemeinschaft getauscht wurden, wußten alle Beteiligten, wieviel Arbeitszeit und damit wieviel Wert in jeder Ware steckte. ( … ) Die verkaufte Braut war wie das Vieh nicht einfach nur Naturprodukt, sondern ebenso Produkt menschlicher Arbeit.“

Diese Darstellung ist mehr als ärgerlich. Indem Pit den Arbeitswert wie ein Kaninchen aus dem Hut zaubert, diskreditiert er den Begriff auch gutwilligen Zusschauern, falls sie nicht vollkommen hingerissen sein sollten. Er stellt den Arbeitswert allen Ernstes als etwas vor, woran man gefälligst zu glauben hat, weil man es – unter heutigen Verhältnissen – schlechterdings nicht besser wissen kann. Welche Sorte Varietepublikum sich diese Zumutung gefallen läßt, ist bekannt. Nicht mit einem Sterbenswörtchen ist je in alten Überlieferungen das Argument zu finden, die Arbeitszeit, die ein Produkt seine Hersteller gekostet habe, gehöre mit Fug und Recht als Äquivalent seiner verschiedenen Tauschwerte anerkannt. Das wäre auch in jeder denkbaren Hinsicht absurd, ich erspare mir die einfach zu ersinnenden Argumente hierfür. Denn entscheidend ist, daß die Arbeitszeit, wie Marx sie faßt (Daseinsweise abstrakter Arbeit) eben nicht Wertäquivalent, sondern Warenwerte Daseinsweise abstrakter Arbeit und nur in dieser Gestalt Maß der Werte werden können. Die abstrakte Arbeit ist nicht Maß des Wertes, wie er in der Ware als Einheit von Gebrauchsgegenstand und Wert auftritt, sondern nimmt in der besonderen Wertform eines allgemeinen Äquivalentes eine Gestalt an, in der es Maßstab gesellschaftlicher Tauschverhältnisse wird. Ist ein Geld (eine Geldware) noch nicht Äquivalent in dem allgmein bestimmenden Umfang, den ihm die kapitalistische Freiheit des Privateigentums einräumt, gibt es kein inneres Maß, das den Händewechsel von Produkten vermittelt, sondern cum grano salis nur das den Produkten äußerliche Maß, auf das sich die Kontraktierenden einigen. Zwar bekommt ein Äquivalent auch in dieser äußerlichen Form des Wertmaßes selbständige Form, nämlich die Gestalt des Produktes, das die Tauschenden eingangs zum Zwecke des Austausches, daher Tauschmittel in der Hand halten, doch ausgangs des Händewechsels geht die Äquivalentform in der Zirkulationsfunktion unter, anders als im Fall des Geldes, das sie behält.
Aristoteles „verführerisch einfache“ Darstellung ist in der Tat die ultima ratio der Wertanalyse vom Standpunkt der Zirkulation. Marx Analyse gilt indes der Produktionsweise, dessen Produkt die gesellschaftliche Universalität der Warenform ist.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich werfe Pit keine „Unterschlagung“ des zuletzt zitierten Marx’schen Schlusses vor. Vom Standpunkt des Austausches her – Pit’s Interesse – ist der nämlich partout nicht zu ziehen. Er ist nur zu ziehen, wenn man die Identität von Gebrauchsmittel und Tauschmittel festhält – was dem Aristoteles als logischer Irrsinn erschien –  den Gebrauchswert eines Produktes also gegen sein Dasein als Nichtgebrauchswert in der Hand des Besitzers, das es erst zum Tauschmittel macht, festhält. Daher ist, um dahin zu kommen, entweder der Vorgang des Tausches, der Nichtgebrauchsmittel per Händewechsel in Gebrauchsmittel überführt, zunächst zu ignorieren. Dies geschieht in der Marx’schen Wertanalyse, indem er das Verhältnis der Waren unabhängig von dem der Warenbesitzer untersucht. Oder aber man unterstellt mit dem Austausch von vornherein den Produktionszusammenhang, zu dem er heutzutag gehört. Das aber ist keine Er- sondern Verklärung.

Auch abseits der historischen Betrachtung ist die Abstraktheit des Wertes vom Standpunkt der Zirkulation, dieser vom Gesamtprozeß der Produktion abgetrennten Sphäre, unkenntlich, weil eine Allgemeinheit der Wertform auf dieser Ebene nicht darstellbar ist:

Sehn wir näher zu, so gilt jedem Warenbesitzer jede fremde Ware als besondres Äquivalent seiner Ware, seine Ware daher als allgemeines Äquivalent aller andren Waren. Da aber alle Warenbesitzer dasselbe tun, ist keine Ware allgemeines Äquivalent. (KI, S. 102)

Findet aber ein Historiker weit verbreitete Äquivalentformen bereits vor, stellt sich dass einer praktischen Vernunft – aber beileibe nicht dem Verstand der Beteiligten und Betroffenen – wie folgt dar:

„Also kam man überein, beim Tausch gegenseitig eine Sache zu nehmen und zu geben, die selbst nützlich und im täglichen Verkehr handlich war, wie Eisen, Silber usw.“ (Aristoteles)

Dieser Vorgang bedarf keiner besonderen Übereinkunft. Die Warenbesitzer und -produzenten fanden dann halt in der Zirkuationssphäre Gebrauchswerte, die sich nach praktischen Kriterien zum Tauschmittel eigneten, vor. Pit weist darauf hin, wie sich das in den alten griechischen Geldnamen ausdrückt:

Ein „Obolos“ war eine Stange oder Pfeilspitze aus Eisen, sechs davon konnte man in einer Hand halten und hießen „Drachme“.

Doch damit ist noch lange nicht gesagt, daß die Betroffenen über solch Tauschmittel im Umfang ihrer Tauschbedürfnisse und -zwecke verfügt haben. Der „Obolos“ ist bis heute sprichwörtlich für den Ausschluß, der droht, wenn einer sich einem Zwang zur Geldbeschaffung nicht ausreichend gefügt hat. Der große Logiker Aristoteles springt hier von der Besonderheit der Äquivalente im Produktentausch, die er vorfindet, zu einer Allgemeinheit von Äquivalentformen (Plural!),  und dies hat, wie Pit vorzuhalten ist, mit Dialektik gerade soviel zu tun, als Trugschlüsse gern mit ihr geadelt werden.
Trugschlüsse, wie die Historisierung, die Pit nun mit Aristoteles Fehlschluß vornimmt:

„Ein gefragtes Gebrauchsmittel für die einen war ein günstiges Tauschmittel für die andern. Solche gefragten Warenarten mußten sich zu besonderen (?) Geldwaren (?) entwickeln, die sich jeder zu verschaffen suchte, um sie als Tauschmittel zu benutzen.“

Falsch, wie Pit allein schon am inkonsequenten Plural hätte erkennen können. Vor allem aber kann eine Pfeilspitze nur entweder ein gefragtes Gebrauchsmittel, oder ein Tauschmittel sein, man kann nicht gleichzeitig den Pfeil verkaufen und den Eber, den man damit zu schießen gedenkt. Marx Argument, das Pit zur Stütze heranzieht, bricht unter ihm zusammen:

„Der Gebrauchswert der Geldware verdoppelt (sic) sich. Neben ihrem besonderen Gebrauchswert als Ware, wie Gold z. B. zum … Rohmaterial von Luxuswaren usw. dient, erhält sie einen formalen Gebrauchswert, der aus ihren spezifischen gesellschaftlichen Funktionen entspringt.“

Diese gesellschaftliche Funktion muß schon da sein, um sich dem besonderen Gebrauchswert zuzugesellen. Sie „entspringt“ ihm weder logisch noch historisch. Wird Gold als Schmuck verwandt, fällt es physisch aus der Zirkulation heraus, wird Schatz. Den Widerspruch formuliert Pit so:

„Indem eine besondere Ware zur Geldware wird, die viele fremde Kaufwünsche auf sich zieht, wird sie vom individuellen Tauschmittel zum allgemeinen Tauschmittel.“

Die Geldware soll nun als Geld gekauft sein. Nur dann handelt es sich um Produktentausch, nämlich den individuellen Tausch von etwa Lebensmitteln, Kleidung, Sieben und Zelten gegen das Gold der Schürfer. Die Zirkulationsfunktion des Geldes liegt jenseits dieses Produktentausches, ihm voraus gesetzt.

Die Widersprüche deuten immerhin an, was historisch tat-sächlich zugrunde liegen muß. Nämlich ein Kunststück, das Menschen instand setzt, gleichsam zu „kaufen“ („verschaffen“), ohne zu verkaufen, und damit in ihrem gesellschaftliches Dasein der Zirkulationsphäre eine Selbständigkeit zu geben, die sie aus sich heraus nicht erhalten kann. Die Abhängigkeit der Tauschenden vom Austausch, die Pit darin zum Ausdruck bringt, daß ein Gebrauchsmittel die exklusive Funktion eines Tauschmittels erhalten haben soll, ist aus der Tauscherei selbst nicht zu erklären.

Anhand der Händler, den Agenten dieser selbständigen Sphäre, hätte Pit auf diesen Gedanken kommen können.
Bei Homer wird von phönizischen Kauffahrern erzählt, die trotz einer Aufforderung, ihren Handel zu beschleunigen, einen ganzen Sommer brauchten, um eine einzige Schiffsladung in Waren für die Rückfahrt zu tauschen.
Aber wie alle bürgerlichen Interpreten seit Aristoteles macht Pit daraus den platten Widersinn zirkulärer Erklärung fortgeschrittener Tauschverhältnisse aus dem Fortschritt der Tauschbeziehungen:

„Beim Tauschhandel muß jeder Warenbesitzer für sein Nichtgebrauchsmittel einen passenden Gegenüber finden, der es als Gebrauchswert ansieht, damit sich das Nichtgebrauchsmittel in ein Tauschmittel verwandeln kann. Diese Suche nach passenden Interessenten wurde um so länger, je mehr sich die Zahl der Warenarten auf dem Markt vermehrte.“

Die Geschichte der „Erzschinder„, die zur Besänftigung der Wut über ihr Handelsmonopol auch „unzähliges Spielzeug“ nach Sidon fuhren, erzählt das Gegenteil dessen, was sie Pit zufolge erzählen soll. Nämlich vom relativen Mangel an Nichtgebrauchsmitteln in sidonischem Besitz gegenüber den Gebrauchsmitteln, welche die Phönizier anschleppten. Über einen gebrauchswertseitig passenden Reichtum hat man in Sidon offenbar verfügt, sonst hätten sich die Herren Händler mit dem Raub und der Geiselnahme begnügt, von der Homer hier eigentlich berichtet, und wären hohnlachend abgesegelt (Odyssee 15, 424ff). Eine Art Besessenheit zu unterstellen, mit der sonst vernünftige Leute im Schweiße ihres Angesichtes laufend „Nichtgebrauchsmittel“ herstellen um sich hernach auf die entbehrungsreiche, öde, obendrein gefahrvolle Suche nach passenden Gebrauchsmitteln zu begeben – darauf verfällt nur jemand, dem nicht am Nutzen von Gebrauchsmitteln, sondern am Nutzen der Tauscherei liegt.

Wie Engels dem gemeinplätzigen Fehler, Ware und Wert aus dem Austausch zu erklären (statt umgekehrt) Vorschub leistete

(Auszug aus meinen Kapital-Kommentaren)

„Der mittelalterliche Bauer produzierte das Zinskorn für den Feudalherrn, das Zehntkorn für den Pfaffen. Aber weder Zinskorn noch Zehntkorn wurden dadurch Ware, daß sie für andre produziert waren. Um Ware zu werden, muß das Produkt dem andern, dem es als Gebrauchswert dient, durch den Austausch übertragen werden.“ (Engels kommentierender Einschub in KI, Kap.1)

Das ist ein Irrtum 1. Zins und Zehnt wurden für Pfaff und Fürst persönlich produziert, sie sind das Produkt unmittelbar gesellschaftlicher Arbeit, gleich Produkten familiärer Arbeitsteilung.

„Gebrauchsgegenstände werden überhaupt nur Waren, weil sie Produkte voneinander unabhängig betriebner Privatarbeiten sind.“ (S. 87)

Man könnte einwenden:

„.. die Privatarbeiten betätigen sich in derTat erst als Glieder der gesellschaftlichen Gesamtarbeit durch die Beziehungen, worin der Austausch die Arbeitsprodukte und vermittelst derselben die Produzenten versetzt. (S. 87)

Der Hund liegt im Nebensatz begraben, im Verhältnis der Produzenten.
Nehmen wir an, Pfaff und Fürst verhandelten ein Teil des Korns. Wären das gelegentliche Überschüsse, könnte dies Korn nur in Poren der Gesamtproduktion fallen, weil es zuschüssigen Bedarf einmalig oder sporadisch deckt. Wird der Verkauf aber zur Regel, so handelt es sich um eine Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land, in der die Käufer und Verkäufer vermittels der Produkte zu Privat­produzenten in einem beide umfassenden Arbeitszusam­menhang werden. Fürst und Pfaff, die Produzenten wurden, sind de facto Junker, Landeigentümer. Ihr Produktionsmittel sind nicht länger die Landsassen, sondern der Boden selbst, der das Handels­produkt abzuwerfen hat. Das Verhältnis der Sassen zum Landeigen­tümer wird hiernach entweder sklavisch, worin die Sassen Arbeitsmittel des Landherrn sind, oder sie werden durch ein Landproletariat ersetzt. Die Alternative ist, den Sassen zum Pächter zu machen, wobei Natural­lieferungen Teil der Pacht bleiben können, in diesem Fall werden die Bauern selbst zu Privatproduzenten auf fremdem Grund (vgl. Gr S.164). Die Überlegung zeigt hinreichend, es ist ein Fehler, dem Bildungsprozeß der Waren nolens volens die Form zuzurechnen, welche das Verhältnis der gesellschaftlichen Arbeitsprozesse zueinander nur exekutiert. In der Rohfassung des Textes „Zur Kritik der pol. Ök.“ widmet Marx dem Thema ein eigenes Kapitel, „Erscheinung des Appropriationsgesetzes in der einfachen Zirkulation“ in dem es hervorgehoben heißt:

„Der Entstehungsprozeß der Waren, also auch ihr ursprünglicher Aneignungsprozeß liegt … jenseits der Zirkulation.“ („Grundrisse“, S. 902.)

Engels unscheinbarer Fehler leistet dem Mißverständnis Vorschub, der Wert sei aus dem Austausch abgeleitet. Damit fördert er historisierende „Sündenfall“ – Ideologien über die Warenproduk­tion. Die falsche Zusammenfügung von Produktionsverhält­nissen und Zirkulation gab zudem notorisch dem politischen Willen Anhalt, Warenzirkulation zum willkürlich gehandhabten Mittel einer sozialistischen Arbeitsteilung zu machen. Eine Folgerung der Marx’schen Diagnose lautet dagegen:

Was vom Geld zirkuliert wird, sind nicht die Waren, sondern die Eigentumstitel an denselben“ (Grundrisse, S.109).

Daher zerlegt die Vermittlung durch Geldverhältnisse den gebrauchswertseitigen Zusammenhang der Produktion.
Den Beitrag des theoretischen Irrtums sollte man allerdings nicht überschätzen. Lenin hat Marx keineswegs mißver­standen (vgl. etwa „Über ‚linke‘ Kinderei und Kleinbürgerlichkeit“, „Zur Agrarfrage“ u.a.). Sinen politischen Willen an seinen Berufungsinstanzen zu blamieren, ist ein unfruchtbares Geschäft.

Ich füge noch zwei abgebrochene Versuche an, die Fehler und Irrtümer zum Marx’schen Fetischbegriff gleichsam über’s Knie einiger Oberflächenerscheinungen herunter zu brechen, um auf einige Argumente zurück zu kommen:

Crashkurs „Geld“ (2011)

Mancher wird sich fragen, wie ich in einem „Crashkurs“ irgendwelche Klarheit über den Geldbegriff schaffen können will, nachdem der Streit um ihn seit Jahrhunderten Bibliotheken gefüllt hat.
Das geht, behaupte ich, weil der Streit auf wenigen ebenso einfachen wie zweckmäßigen Irrtümern beruht. Die Irrenden starren fasziniert und absorbiert darauf, was „Geld“ ihrem der Erfahrung und Anschauung entnommenen Vorurteil nach leisten  soll – nämlich Tausch und Arbeitsteilung vermitteln. So  unterstellen sie jeder weiteren Befassung mit Geldverhältnissen einen Begriff, der  so falsch ist, wie das Vorurteil über deren Leistung:

(1) Hinter dem Schein der Vermittlung von Tausch und Arbeitsteilung steht die Wahrheit, daß eine bewaffnete Macht einem Gemeinwesen die Geldschöpfung und Geldvermehrung zur Bedingung dafür macht, daß die ihm angehörigen Menschen physisch überleben. Geldschöpfung und -vermehrung wird mit unentwegten mörderischen Drohungen erzwungen.
Deshalb weiß das auch ein jeder, der dieser mörderischen Drohung regelmäßig ausgesetzt wird. Nur unter Leuten, die tat-sächlich imstande sind, sich einzubilden, ihnen stünde ein Geld gleichsam „von Natur aus“ zu, weil sie nicht bedroht sind, weil sie stattdessen ein Geld besitzen, daß sich auf wundersame Weise ohne ihr Zutun vermehren kann, können sich welche finden, die ihr Dasein zum „lebendigen Beweis“ nehmen, hinter der Drohung, der die minder Bemittelten unterliegen, müsse noch etwas anderes „stecken“, als rohe, brutale, mörderische Sklaverei. Alle anderen, die ähnlichen Einbildungen frönen, tun dies

(2) … aus berechnender Zurückweisung der mörderischen Tat-Sachen, denen sie unterliegen, an denen sie aber

(3) mit derselben Gewaltsamkeit zugleich auch beteiligt werden.

Merke: Es handelt sich um einen echten Wahn, nämlich eine idée fixe, die der Betreffende seiner Wahrnehmung, seinen Vorstellungen und Reflexionen zur Voraussetzung und Bedingung macht.
Diese, wenn man so will, „psychologisch“ zu nennende Diagnose ist ganz unberührt davon, daß der Wahn einem berechnenden Interesse entstammt. Kurzbegründung dafür in Fußnote (1).

Bevor ich etwas dazu sage, wie das an der Oberfläche ausschaut, will ich noch ein paar methodische und historische Sätz‘ einschieben.
Die spezifische Formgestalt eines Wahnes, der aus berechnenden Interessen heraus zweckmäßig gepflegt wird, nannte Marx den Fetisch von Ware und Geld. In seiner Ableitung des Geldes, bzw. des Kapitals, erscheint der Fetisch als ein Resultat der Analyse. Das geht ja auch nicht anders, gelle? Doch wenn man unterstellt, die Ableitung stimme, dann ist das Resultat etwas, das in der Genealogie der Sache – also des Geldes, Kapitals und allgemeiner: des Privateigentums; irgendwoher „kommt“ das ja auf die Welt, nicht wahr? – am Ursprung liegt. Oder, um zwei andere Metaphern zu bemühen, in der Anatomie der Sache ist sie ein Bauelement des gesamten Bewegungsapparates, in ihrer Physiologie ein essentieller Bestandteil der Biochemie.
Deshalb beginnt meine Darstellung mit dem Fetisch, was mir die Aufgabe auferlegt, meinen Geldbegriff konsistent auf diesem Fundament aufzubauen.
Eine Ableitung, wie Marx sie ablieferte, ist der einzige Weg zu einem Beweis, will ich hinzufügen, ich beanspruche also nicht, hier etwas zu beweisen, sondern ich werde allenfalls präzise Zusammenhänge aufzeigen.

Dreieinhalb Gründe, neben dem Fetisch selbst, die beteiligt sind, wenn Marx Fetischbegriff anders verstanden wird, als ich ihn verstehe, will ich anführen.

  • Weil der Ableitungscharakter der Marx’schen Darstellung nicht begriffen wurde und
  • weil in der Biographie des bürgerlichen Menschen die fetischisierten Vorstellungen über Geschäft und Gewalt als Resultat der Sozialisation erscheinen, und
  • weil es spezifische Vorurteile über den „philosophischen Materialismus“ des Herrn Marx gibt, was wiederum daran liegt, das der christlich / theologische Dualismus von Geist und Materie ein noch grundlegenderer Wahn ist, indem er der Verhimmelung /Naturalisierung von Herrschaft dient

werden der Fetisch von Ware und Geld nebst den davon abgeleiteten Fetischisierungen gewöhnlich als historische Accessoires eines von ihnen unabhängigen iwie „materiellen“ Zusammenhangs verstanden, der nicht einfach in zweckmäßiger Gewaltausübung aufgeht.
Das korrespondiert einem grob unzureichenden Begriff von Ideologie bzw. dem berüchtigten „notwendig falschen Bewußtsein“. Es wird gern als „bloßes“ Bewußtsein, oder gleich als ein Komplex „irrtümlicher Gedanken“, Täuschungen verstanden, und nicht als das („materielle“) Da-Sein, von dem es das Be-wust-sein der handelnden Individuen ist.

Letzterer Fehler ist für die ebenfalls unverzichtbare Moralität des Bürgers besonders nützlich, weil die Subjekte ihre sehr bewußte Beteiligung am Gewaltsystem mit ihm entschuldigen oder verleugnen können.
Nach diesen Vorbereitungen nun der letzte Punkt zum Fetisch:

(4) An der Oberfläche des bürgerlichen Bewußtseins erscheint der Fetisch von Ware und Geld nebst den von ihm abgeleiteten Fetischisierungen als Argument und Berufungsinstanz aller  Idealismen des Rechts.

Rechtsidealismen sind Parteinahmen für eine Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit und Wohltätigkeit unwidersprechlicher, d.h. final vernichtender Gewaltausübung gegen jedes gesellschaftliche Interesse, dessen Verfolgung sich nicht von vorn herein an einem höheren, absoluten Maßstab relativiert versteht. So vielfältig die Berufungsinstanzen des Rechtsbewußtseins auftreten, so einfältig ist ihr „Argument“: Wenn das jeder täte, wo kämen wir da hin! Sowohl das „Jeder“ wie das „Wir“ machen sich da unmittelbar ALS Erfindungen geltend. Erfindungen, die „gute Gründe“ für das Zuschlagen einer möglichst unwidersprechlichen Macht vorstellen sollen. Die Autorität, die solcher Erfindungsreichtum beansprucht und beanspruchen kann, liegt schlicht im gesellschaftlichen Dasein des Interesses, das in dieser Form gegen ein anderes Interesse mobilisiert wird. Die Erscheinung ist zirkulär: Die übergeordnete Gewaltausübung, die mit dem einfältigen Argument legitimiert werden soll, ist bereits mehr oder minder unwidersprechlich im Dasein der Interessen legitimiert, die auf diese Weise verfochten werden. Das, nichts anderes und nichts weiter, ist die Erscheinungs- und Bewegungsform einer Fetischisierung.
Nicht anders in der Darstellung von Marx: Wenn er erklärt, das „Geheimnis“ des Geldfetischs liege im Warenfetisch, nachdem er erklärt hat, daß und wie die Ware dingliche Erscheinungsform des Produktionsverhältnisses von Privateigentümern ist, dann ist folglich dies Privateigentum, und damit die Herrschaft, die es gegen alle Anfechtungen garantiert und aufrecht hält, der Gegenstand und Inhalt des Fetischs.

Material der fetischisierenden Erfindungen sind im scheinbar einfachsten Fall religiöse „Eingebungen“ und Visionen. Ich sage „scheinbar“, weil das genealogisch tatsächlich die komplexesten Formen sind. Sie erscheinen bereits in zusammengesetzten Gestaltungen, gefügt aus Bestandteilen der Mythologien der Gemeinwesen, die in der Sozialisation der Individuen wirksam werdend gleichsam „durch sie hindurch“ an der Oberfläche eines Bewußtseins auftauchen (2).

„Einfacher“ sind Ideologien aufgebaut, aus denen die erfundene „Substanz“ bzw., präziser gesagt, die (gesellschaftlichen) Institute der Berufungsinstanzen meist leicht heraus zu popeln sind, weil sie allesamt dem Reich des Absoluten angehören:
das Wahre, das Gute, das Schöne, das Menschliche; und alles in einem: Die Natur.

(1) Ihr Gegenstand ist in Wahrheit nicht das Individualbewußtsein, in dem in der Form des Wahnes nur erscheint, was dem Inhalt nach die Mythologie des Privateigentums ist. Diese Mythologie ist ein im Kernbestand mitsamt seinen Widersprüchen konsistentes System von Vorstellungen, unter denen Mitglieder eines Gemeinwesens ihr Dasein kommunizieren und also abwickeln.

(2) In diesem Sinne handelt es sich übrigens tatsächlich um „Geist“ im altvorderen philosophischen Sinne, nur daß es sich dem Begriff nach um Gespenster der Herrschaft und Sklaverei handelt, denen ein Gemeinwesen seine Glieder unterwirft, angefangen mit der Sklaverei der Weiber in Patriarchaten

„Kann menschliches Leben entwertet werden, wie eine Währung?“ Nein. Menschenleben SIND DIE Währung!

von TomGard @ 2013-09-06
Ich danke Ramzy Baroud für die Erinnerung an einen Aufschluß, den ich viel zu selten in den Vordergrund gestellt habe. Und wenn ich es einmal tat, umging ich in vorauseilendem Gehorsam die erforderlichen Schlüsselbegriffe:
Bezahlte, respektive unbezahlte Arbeitszeit.

Menschenleben sind im Maße des Umfangs, in welchem sie obligatorisch an einen kapitalistischen Markt angeschlossen sind, Produkt bezahlter Arbeitskraft, gesellschaftlich ausgedrückt und objektiviert in bezahlter Arbeitszeit.

Bezahlte Arbeitszeit wiederum gibt es in genau dem Umfang, in dem Kapitale darauf rechnen, sich mit der Aneignung ihres Produktes zugleich das Produkt  unbezahlter  Arbeitszeit aneignen zu können.

Dies Kapitalverhältnis von bezahlter zu unbezahlter Arbeitszeit,bestimmt auf einem kapitalistischen Markt die Bewegung jedes einzelnen Geldverhältnisses, und daher die Summe aller Geldverhältnisse, die wiederum in Währungsverhältnissen zur Erscheinung kommen.

Ein „Währungsverhältnis“ ist der Wechsel der Tauschwertverhältnisse eines Produktes nach Zeit oder Ort, also entweder auf demselben, oder einem durch irgend welche äußeren Schranken von ihm abgetrennten Markt
Daraus folgt in der Tat:

  1. Sehen wir von im letzten Punkt unbestimmt gelassenen Marktschranken ab, sind Menschenleben alleinige Währung im Kapitalismus, da Gestalt und Umfang ihres unbezahlten Arbeitsproduktes die Währungsverhältnisse aller Waren bestimmt.
  2. Die Marktschranken sind in einem vollendeten Weltmarkt 1 identisch mit der Bestimmungs- und Kommandomacht militärischer Souveräne, ideelleMaßstäbe des Marktgeschehens und daher Bestimmungsgrößen der Währungsverhältnisse gegen den materiellen Maßstab aufrecht zu erhalten oder durchzusetzen, der oben bestimmt ward.
  3. Wenn Souveräne ideelle Maßstäbe im Marktgeschehen geltend machen, ist das Resultat die Schaffung einer Reihe von Weltmarktreservaten für Menschenleben, in denen das militärische Herrschaftsverhältnis an jeweils spezifischer Stelle und jeweils spezifischem Umfang in das ökonomische Herrschaftsverhältnis des Kapitals eintritt

Es sollte sich von selbst verstehen, daß ab Punkt 3 die Analyse und Darstellung der Geschichte der Währung „Menschenleben“ keine schematische Darstellung mehr zuläßt. Die Erinnerung, daß die von Ramzy Baroud wahr genommene Deprezierungsbewegung der ideellen Wertmaßstäbe an zuständiger Stelle, nämlich an den Höfen der militärischen Herrschaften auf dem Globus, die o.a. Grundlage hat, soll für den Moment mit einer einzigen Ergänzung reichen:
Die Territorialität von Herrschaft war zu allen Zeiten und an allen Orten der Geschichte der Ausbeutungsgesellschaften ein Fetisch. Es ging und geht stets ausschließlich um die Herrschaft einer Klasse von Menschen über eine andere Klasse.
Deshalb behält die ideelle Bewertung von Menschenleben, vorgenommen von den Organen des militärischen Gewaltsystems einer Klassenherrschaft, das Primat gegenüber den materiellen Wertverhältnissen, in denen Menschenleben innerhalb des gewalttätig betreuten Kapitalverhältnisses (oder einem historischen Vorgänger) stehen. So weitgreifend auf dem imperial durchgesetzten und bewirtschafteten Weltmarkt die politischen Herrschaftsverhältnisse vom ökonomischen Herrschaftsverhältnis in Dienst genommen scheinen, der gemeinsame Zweck der Geschäfte und der zugehörigen militärischen Herrschaft bleibt das zugrundeliegende Klassenverhältnis.
Indem, und insofern die Deprezierung der Währung „Menschenleben“ in massenhaftem Mord, Totschlag, Verhungerung und Verderben von Menschenleben zur Erscheinung kommt, handelt es sich um den Ausschluß der Betroffenen aus den Klassenherrschaften 2, ihre Bestimmung zu Ungeziefer, zu einem schädlichen, daher notzuschlachtenden Viehzeug.


  1. Der vollendete Weltmarkt ist die das Marktgeschehen bestimmende Asymptote aller kapitalistischen Märkte, seit auf der Grundlage kapitalistischen (nicht kolonialistischen!) Reichtums errichtete Nationen um Einflußsphären gegeneinander konkurrieren. Also nicht erst seit ein konkurrierendes Staatsmodell der Weltmarktentwicklung von seinen Eliten abgewickelt wurde und darauf fast alle Eliten des Globus die sog. „Globalisierung“ ausriefen. 
  2. Gemäß der Dynamik eines von konkurrierenden Souveränen beherrschten Weltmarktes ergeht dieses Urteil in erster Instanz nicht gegen Angehörige ausgebeuteten Klassen, sondern gegen Ausbeuter, gegen nationale Eliten, die sich der in Anmerkung (1) angedeuteten geschichtlichen Bewegung widersetzen. Indem es mit zunehmender Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegen Angehörige der ausgebeuteten Klassen vollstreckt wird, handelt es sich um eine ideelle Antizipation der materiellen Deprezierung des Menschenlebens.