Zum Großen Amerikanisch-Russischen Theater um Syrien

Wer folgt dem POTUS in der Rolle des „HERRN der HEERSCHAREN“ (HdH)?

Spätestens, seit Merkel auf dem kürzlichen NATO-Gipfel die Beteiligung des imperialen Kriegsbündnisses an der „Operation Inherent Resolve“ duldete, nachdem sie sich erst wenige Tage zuvor anläßlich eines Treffens mit dem NATO-Generalsekretär unmißverständlich gegen diesen Schritt ausgesprochen hatte (ich berichtete darüber), sollte klar sein, daß die Befehlszentrale der Internationalisten (die ehemalige „Killary-Fraktion) ihre Heimat in Brüssel gefunden hat.

Und spätestens, seit Frankreichs neuer Präsident Macron unbehelligt seine Amtsgeschäfte fortführt, nachdem er sich gegenüber Washington in die Brust warf, anläßlich einer wohlfeilen Wiederholung der „chemischen“ False-Flag-Angriffe in Syrien „notfalls auch allein“ gegen Damaskus Krieg zu führen, ungeachtet der russischen Präsenz im Lande, statt daß er zur Prüfung seines Geisteszustandes in eine Klinik eingeliefert worden wäre, sollte klar sein, wen die Puppenspieler der Internationalisten zum HdH erwählt haben. Emmanuel soll und wird voraussichtlich die politische Repräsentation der Brüsseler Kriegsherren übernehmen 1.

NATO im Krieg Israels gegen Syrien, Libanon, Iran

(Gegen-)Angriffe auf Truppen, Einrichtungen oder Flieger der OIR-Koalitionäre, theoretisch eingeschlossen auch die offiziellen Söldnertruppen, die der Kreml anläßlich des kürzlichen Abschusses einer syrischen SU-22 ausdrücklich nicht mehr ausschließen wollte, können jetzt zu Angriffen auf die NATO erklärt werden, falls das erwünscht ist. Doch falls aus irgend welchen Gründen oder Rücksichten unerwünscht, kann dieser Schritt auch entfallen. Auf diese Weise hat das NATO-Hauptquartier auf dem syrischen und irakischen Kriegsschauplatz maximale Handlungsfreiheit gegenüber allen lokalen Playern, mit einer berüchtigten Ausnahme, Israel, weil dies eine Nuklearmacht außerhalb der NATO-Hierarchie ist.

Im Verhältnis der OIR (und jetzt der NATO) zu Russland ist die Lage andererseits unverändert. Der Kreml hat seit dem Beginn des Syrienkrieges im Jahr 2010 wiederholt klar gestellt, ihm sei ‚das Hemd näher, als die Hose‘, nämlich ein taugliches Arbeitsverhältnis zum NATO-Staat Türkei bedeutsamer, als Einfluß in den Staaten der Levante und des Golfs. Selbst noch die Übernahme der Krim in die Russische Föderation, eine nominell überflüssige Eskalation – der Kreml hätte es, wie Putin ursprünglich angekündigt hatte, dabei belassen können, der Krim ihren Autonomiestatus militärisch zu garantieren – verdeutlichte diese Präferenz (Blickpunkt Bosborus).

Putin hatte anläßlich des Abschusses eines russischen Fliegers durch einen türkischen NATO-Flieger die nukleare Option vorgezeigt und die „Rote Linie“ einer taktischen nuklearen Vergeltung um die russischen Truppen in der Levante gezogen. Die russische Reaktion auf den amerikanischen Cruise-Missile-Überfall auf einen syrischen Fliegerhorst, der auch russische Truppen beherbergte, stellte jedoch klar, die außerhalb der Basen in Tartus und Latakia dislozierten russischen Truppen bewegen sich auch außerhalb des Schutzes dieser Linie. Die zählbare Veränderung des NATO-Beitritts zur OIR im Hinblick auf Russland charakterisierte Debka wie folgt:

DEBKAfile’s military sources add: An American attack on Syria, whether preemptive or punitive, may be launched from the aircraft carrier USS George H.W. Bush in the eastern Mediterranean. It was from the decks of this vessel that US Navy fighter jets took off on June 18 to down a Syrian SU-22 fighter bomber over eastern Syrian. A repetition of a US carrier-based attack on Syria would challenge the warning Moscow issued to Washington on June 24 after the Syrian warplane was shot down.

Schon die beiden US-Zerstörer, welche die erwähnten 60 Cruise Missiles auf eine syrische Basis gefeuert haben, lagen in der erweiterten Hoheitszone des NATO-Staates Griechenland, vor Kreta. Ein russischer Vergeltungsschlag gegen sie, der, so viel wir wissen können, nicht erwogen worden ist, hätte gleichwohl unterhalb der Schwelle eines Angriffs auf die NATO bleiben können. Das ist jetzt ausgeschlossen.

Daß und warum die NATO Israels Krieg führt, habe ich oft genug dargestellt und begründet. Die europäische „Hausmacht“ der Zionisten war bis zum Brexit London. Frankreich ist seit der Gründung Israels die zweite zionistische Vertretung in Europa gewesen, doch die Loyalität der französischen Eliten war angesichts der französischen Eigeninteressen im MENA und der Konkurrenz zu den Briten auf diesem Feld nie unumstritten. Ich erinnere nur an den (inoffiziellen) israelischen Angriff auf eine franzöische UNIFIL-Basis vor einigen Jahren, dem einige französische Soldaten zum Opfer fielen. Die israelische Presse rechtfertigte ihn mit Absprachen zwischen Hezbollah und dem seinerzeitigen franzöischen UNIFIL-Oberkommando, die im Aufgabenspektrum des Einsatzauftrages lagen.
Die zionistisch gesteuerten Terroranschläge auf Charlie Hebdo und einen jüdischen Markt waren eine „Nagelprobe“ auf die französische Loyalität, namentlich in der Person des Ministerpräsidenten Valls. Ihr Ergebnis schien mir nicht eindeutig, Hollande stellte Valls und seinen Kumpanen Laurent Fabius („Bashar Assad hat kein Recht auf dieser Erde zu wandeln“) außenpolitisch wiederholt ins Abseits. Vielleicht irre ich mich, oder vielleicht hat dieser Nagel in den nachfolgenden Anschlägen auf Paris, eine ziemlich eindeutige LIHOP-Operation, einen „Kopf“ erhalten. Fakt ist, daß Macron mit seiner Ankündigung eines möglichen Alleinganges gegen Damaskus Paris Zuständigkeit auf die syrische Südfront ausgedehnt hat, in der Frankreich bislang gegenüber dem UK unterrepräsentiert blieb.

Präemptivschlag oder Vergeltung gegen die angekündigte neue False-Flag-Operation?

Vgl.:
U.S. says it saw preparations for possible Syria chemical attack (Reuters)
White House Says It Will Fake „Chemical Weapon Attack“ In Syria (MoonofAlabama)
US may preempt an Assad chemical strike in Syria (Debka)
Chemiewaffen: USA warnen syrische Regierung vor Vergeltungsschlag (Pany für Telepolis)

Die russische Reaktion war zunächst „Moscow alarmed …„, doch während ich an diesem Eintrag schrieb, wurde sie in die „Dritte Reihe“ herunter gestuft, zugunsten der diplomatisch irrelevanten Reaktion von Konstantin Kosachev, dem Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses des Moskauer Föderationsrates.
RT rückte derweil dies in den Vordergrund:
To avoid endless war in Syria, US deconflicts with Russia – Pentagon

Bernard, von MoonofAlabama, fragte mit Fug nach dem Inhalt und der Relevanz des Gespräches zwischen Tillerson und Lavrov am Vorabend der Ankündigung der False- Flag, das Lavrov angeblich zu einer Bekräftigung der Vergeltungsdrohung gegen amerikanische Übergriffe auf syrische Truppen genutzt hatte. Doch folgende „Idee“ seines Lesers „Dario“ lag ihm anscheinend völlig fern:

Don’t you think that if the Americans really intended to make a false flag, they would never issue this warning? For me, looks like the White House, knowing of the possibility of a Pentagon faction to provoke a false flag, issued this warning as an alert to Russians and Syrians and as a vaccin, to avoid this operation.
just impressions, ideas, ideas …

Nun, Dario, „verhindern“ geht nicht, diesem Manöver war Nikki Haley bereits zuvor gekommen, indem sie ankündigte, die USA würden Damaskus auch für Massaker Al Nusras zur Verantwortung ziehen. Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, sondern als eine Mahnung der Internationalisten, britische und französische Regierung eingeschlossen, daß es bei dem bisherigen, ausschlaggebenden Gewicht des Massaker-Marketing in der Ausnutzung von False-Flag-Operationen bleiben werde. Doch die Pentagon – Fraktion, die einer Ausweitung amerikanischen Engagements im MENA entgegen steht, könnte mit Zustimmung aus Moskau einen militärisch relativ unbedeutenden Präventivschlag ausführen, welcher der False-Flag-Operation zuvor kommt, mit dem Ziel, sie politisch zu erübrigen. Das könnte geschehen, wenn der Schlag gegen syrische Verteidiger an der Südfront geführt würde – dies hat Bernard richtig –  an der auf der Basis eines russisch-israelischen „Deconflicting“ – Abkommens keine russischen Flieger und Special Forces operieren.

Russische Exit-Strategie?

Ich erinnere an die symbolische Karte von Debka, die ich kürzlich verlinkt habe, sie soll indizieren, daß der Kreml sein Engagement zugunsten Israels selbst noch von der syrischen Hauptstadt abgezogen habe. Natürlich ist das eine Psy-Op, so weit geht man in der russischen Militärführung mit Sicherheit nicht. Aber sie enthält auch das (zionistische) Angebot, die US- und andere NATO-Truppen zur Befriedung der russischen Generäle auf dem südsyrischen Theater am Katzentisch zu belassen und der Russischen Föderation in Zusammenarbeit mit Israel eine Exit-Strategie vom syrischen Kriegsschauplatz zu erleichtern.

Dies passt zu einer möglichen Exit-Strategie zugunsten Erdogans in Nordsyrien, zu der es seit Wochen nicht nur Gerüchte, auch handfeste Anzeichen gibt. ANF stellte den vorgeblichen Plan heute unter Berufung auf eine informierte Quelle in Damaskus vor. Die Darstellung entspricht Berichten und Behauptungen in Almasdarnews (1, 2), deren Redaktion nicht gerade für „Kurdenfreundlichkeit“ bekannt ist, ist jedoch ausführlicher. Demnach gedenkt die Türkei mit Duldung Damaskus und Moskaus, und unter dem Beifall iranischer Extremisten, einen Korridor von der türkischen Exklave Bab-Jarabulus nach Idleb zu besetzen, zu Lasten des Kanton Afrin, der vollständig von türkischen Truppen und Proxies eingekesselt werden soll. Die ehemals „Killary“, dem KSA und letztlich Tel Aviv verpflichteten Söldner Al Nusras würden danach unter einigen Bauernopfern in die Reihen der türkischen Söldner aufgenommen, was das russische „Terrorismus-Problem“ offiziell erübrigen könnte. Inoffiziell würde der Kreml fortan zu Lasten der Internationalisten in der NATO die Türkei in die Pflicht nehmen, den Re-Export kaukasischer und uigurischer Söldner in den Kaukasus und Zentralasien zu vereiteln.
Das russische „Gebot“ gegenüber OIR-Truppen und – Fliegern, den militärischen Hoheitsanspruch des Kremls auf die Gebiete westlich des Euphrat zu achten, spielt der OIR-Führung in die Hände, sich gegenüber der türkischen Offensive auf Afrin für unzuständig zu erklären. AMN berichtet, US-Einheiten hätten ostentativ Patroillen an der Grenze bei Tel Abyad verstärkt, an der in den vergangenen Wochen ebenfalls türkische Truppen zusammen gezogen worden seien. Offenbar gedenkt man die in Kobane und Manbij isolierten Sozialrevolutionäre zu nötigen, die Vernichtung Afrins hin zu nehmen, um unter amerikanischer Deckung wenigstens diesen einen Kanton vor direkten oder mittelbaren türkischen Invasionen und Besatzungsregimes zu bewahren.


  1. Eine Anekdote dazu. Tomasz Konicz, in den vergangenen Jahren geradezu pathologisch agierender „antideutscher“ Propagandist der Killary-Fraktion für Telepolis, war nach der Inauguration Trumps in der Versenkung verschwunden. Nun meldete er sich zurück – mit einem bedingten Plädoyer für eine „deutsch-französische Achse“ in Europa, sofern sie denn ein Containment der hegemonialen „Barbarei“ des deutschen Imperialismus leisten könnte, vor der er bis dato unentwegt für den Fall eines wirsamen deutsch-französischen Zusammenschluß gewarnt hat. Konicz gibt sich mit Rücksicht auf sein Geschwätz von gestern als „Zweifler“ gegenüber „Hoffnungen“,  welche die Internationalisten nach dem Verlust des Weißen Hauses in Macrons Dienste setzen. Sein „Artikel“ ist die grausam verkürzte Klippschüler-Version eines Artikels des Atlantic-Brücken-Fellow Darrell Delamaide. Konicz zitiert ihn, läßt seine Schlußwendung freilich vornehm beiseite:
    Macron clearly has the ambition to correct the imbalance in Europe, but Merkel will find it easy to mollify him. Titles, for instance, matter a lot to the French. Macron at 39 may already be experiencing his Alexander the Great moment with no worlds left to conquer and would no doubt love to be called the first president of Europe.
    The ultimate irony would be if Macron were smart enough to meet Merkel’s Bismarck and raise her his Napoleon, to end up exerting French dominance in a unified Europe.
    Er hat immer noch feuchte Träume, der Tomasz. 
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Resultat des stalinistischen Irrsinns in Rojava: Syrische, türkische & russische Faschisten verbünden sich zum Genozid

Quelle: ANF und andere

Weil die Typen die Hoffnung auf amerikanisch-europäische Entlohnung für Söldnerdienst der Selbstgewißheit eigener Stärken und Schwächen vorgezogen haben, erhalten sie nun ihren verdienten Lohn: Jetzt dürfen sie Peitschen gegen ihre ehemaligen Parteigänger schwingen, sie in die Unterwerfung unter die türkische Kurdenmafia in einem NATO-Klientenstaat zwischen Euphrat und iranischer Grenze zu prügeln, der, falls alles nach Plan verläuft, Anfang nächsten Jahres eine bürokratische Wirklichkeit erhalten soll. Tatsächlich wird nur eine neue Failed-State-Provinz nach AFPAK-Muster entstehen, die tägliche Blutopfer fordert – der erwünschte Nebeneffekt für die zionistischen Rassisten, welche einen Teil der Fäden ziehen.

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Nicht nur im MENA

B-52, B-2 und B-1 an einer beispiellosen Drohung mit Blockade Kaliningrads beteiligt.

Welche Art von Lieferungen über den „iranisch-syrischen Korridor“ erwartet ihr im Verein mit den zionistischen Maultrommeln und den zu ihren Sprechpuppen herab gesetzten PYD-lern, die sich nun zu „Kurden“ herauf und herab gesetzt haben? Hexensalben? Teufelskrallen? Voodoo-Priester?

Upon receipt of this ultimatum[angeblich der SAA und Hezbollah gegenüber US-Proxies in Daraa, sich entweder zurück zu ziehen, oder sich der Feuerkraft russischer Mi-25 gegenüber zu sehen], DEBKAfile’s military and intelligence sources report that the rebels holed up in Daraa turned to the Jordanian high command for instructions …  The Jordanians referred the query to the US command in Syria and Iraq and it was passed on to Washington.
But Sunday afternoon, there was no reply.
Once the rebels abandon Daraa to the Syrian and Hizballah armies, the battle for the entire region of southern Syria will be lost. Unless they are stopped, those armies will be able to go forward under Iranian direction and capture Quneitra just a few kilometers from Israel’s Golan border …

 

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‚Im MENA wird es überall und immer zuerst um die Juden gehen‘, höhnen die Ziocons

Ich gedenke, die hier begonnene Geschichte des türkischen Staatsstreichs, der mit Hilfe der Hauptmacht der NATO ausgeführt wurde und einen Brennpunkt der künftigen Weltkriegsgeschichte setzen wird, fortzusetzen, aber erstens habe ich sie ungeschickt angesetzt – ich hätte wahrscheinlich besser mit der „Operation Orchard“ begonnen, statt mit dem Gaza-Massaker – und zweitens ist eh völlig wurscht, was ich schreibe und ob überhaupt.

Das kann man von Brookings gewiß nicht sagen, gelle? Unter dem programmatischen Einleitungssatz

Fifty years on, the legacy of the 1967 War has been an omnipresent element of governance and conflict in the Middle East.

folgt die Aussage, die ich in meinem Titel kolportiert habe. Etwas weniger kolportagehaft lautet sie: Der Krieg, den Trump im MENA führen will, muß und wird ein Krieg gegen die ‚Resistance‘ werden, welche in der Eigenschaft und Rolle des judenvernichtenden Reiches des Bösen die Nachfolge der militärisch geschlagenen Vorgänger, des Nationalsozialismus, des Sowjetsystems und des arabischen Nationalismus, angetreten hat. Das ist natürlich an historischer Absurdität nicht zu überbieten und das soll jeder Leser wissen. Vermittelt über die Platitude, Geschichte werde von den militärischen Siegern geschrieben, soll das Narrativ dem Publikum die Siegesgewißheit der Ziocons – und ihrer internationalen Gefolgschaft – mit dem Gewicht der seit 9/11 eingefahrenen Siege unter die Nase reiben und damit die Tilgung des Schandfleckes dieser Bilanz auf die Tagesordnung setzen, der Niederlage gegen die un-heimliche Allianz zwischen Hezbollah und Neocons im Libanonkrieg 2006.

Erdogan, um das vorab einfach kurz zu schließen, hat bis ca. Mai 2011 versucht, die türkische „Politik der guten Nachbarschaft“ gegen den Angriff Clintons und ihrer Spießgesellen zu verteidigen. Als er sah, daß er sich damit unter die künftigen Verlierer reihen würde, hat er die Seite der Sieger gewählt, wozu gewisse Ermutigungen aus Moskau nicht unerheblich beigetragen haben werden.

Das ist auch Hauptthema des Staatsstreiches gewesen. Ein Punkt dabei: Erdogan ist überzeugt, daß nichts und niemand den zionistischen Plan eines „New Middle East“, bestehend aus in ethnisch-religiöse Fürstentümer (principalities) zerschlagenen Staaten, dauerhaft vereiteln kann. Folglich will er mittun – vor allem bei der Gestaltung der oder des künfigen „Kurdistans“.

Die Zionisten und ihre Gefolgschaften sind, um dies auch wieder hinzusagen, weder „Juden“ noch „Judenfreunde“. Vielmehr ist die atomar bewaffnete zionistische Militäraristokratie zu einer entscheidend wirksamen  Avantgarde einer Imperiumsfraktion geworden, die so viel wie möglich vom Bestand der Herrschaft der „abendländischen Kultur“ aus dem unabwendbaren Zerfall des amerikanischen Imperiums retten wollen. Es sind Rassisten von ähnlichem Zuschnitt, wie die Nazis welche waren – White Suprematists.

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Ein letztes Mal: Syrien

Am 27. Mai „meldete“ Debka, die SDF habe ISIL in „Geheimverhandlungen“ freien Abzug nach Deir Ezzor zugesichert, zur Verstärkung der Front gegen Damaskus. Am 28. folgte ein Artikel, der nahe legte, James Mattis selbst sei mit der SDF im Bunde einer Konspiration gegen Trumps Vorgabe, ISIL nicht länger zu benutzen, sondern zu vernichten, was den Kreml bewogen hätte, mit Luftschlägen gegen diese Machenschaft vorzugehen.
Nun sehen wir seit zwei Tagen eine schwere „ISIL“-Offensive gegen Deir Ezzor, aber nicht aus nordwestlicher Richtung, von Raqqa kommend, sondern von südlicher und südwestlicher Richtung aus Mayadeen und Arak (AMN). Erinnert euch an die gezielten Falschmeldungen (verschiedener Quellen), die vor etwa 10 Tagen behaupteten, die syrischen „Iraner“ würden aus dem Gebiet Al Suweida / Badia (Brennpunkt al Tanf) demobilisiert, um sie an der irakischen Grenze südlich Deir Ezzor (Abu Kamal) gegen ISIL einzusetzen.

Gestern kündigte ein hoher Repräsentant der irakischen „Iraner“ (PMU) an, die Einheiten, die aktuell das syrische Grenzgebiet östlich Al Qaim von Daeshianern säubern, würden amerikanische „Warnungen“, die syrische Grenze nicht zu überschreiten, ignorieren, zumindest in Fällen, da sie von dort beschossen würden. Wir dürfen die „Warnungen“ getrost für robust halten. Andererseits meldete OIR für den 4. Juni Angriffe  auf Ölfeldinstallationen, die, bis auf eine Ausnahme, die längst nicht mehr arbeiten sollte, alle jenseits des östlichen Euphrat-Ufers, also hinter den zerstörten Brücken von Deir Ezzor, liegen. Angriffe auf „tactical units“ in diesem Raum wurden nicht gemeldet.

In Summe erweist sich Debkas Behauptung, das zwischen CENTCOM und EUCOM geteilte US-Oberkommando im Raum MENA schütze abermals, wie zur Zeit der Obama-Administration, entgegen Anweisungen aus dem Weißen Haus die ISIL-Söldner, um sie gegen die syrischen Verteidiger zu lenken, als mindestens teilweise korrekt. Während die russische Luftwaffe mit mehr oder weniger durchgreifendem Erfolg gegen die Söldner vorgegangen ist, welche die US-Luftwaffe aus Raqqa in Richtung Deir Ezzor abziehen läßt, ist sie gegen die aus dem Irak und der amerikanischen „no fly-“ und  „deescalation-zone“ im syrischen Osten mobilisierten Söldner machtlos.

Zugleich reklamierten „jordanische“ US-Söldner (Osoud al-Sharqiyah) den Abschuß einer syrischen MIG21 nur 60 km westlich Damaskus. Das zeigt die Ausdehnung der von den USA verhängten „No fly“ drastisch an.
Fars-News meldete derweil den Aufbau einer 2. US-Basis, neben Al Tanf, 60 km weiter östlich am syrisch / irakischen Grenzverlauf. Ich halte das für eine Falschmeldung, die dazu gedacht ist, weniger minderbemittelten Lesern deutlich zu machen, was „Sache“ ist.  Im angegebenen Gebiet gibt es nichts, als Wüstenpisten, und dort hätte eine Basis keinerlei militärischen Wert. Man beachte in diesem Zusammenhang, daß die US-Luftwaffe mit Sicherheit die Basis Haditha nutzt, die sie vor ein paar Jahren technisch rekonstruiert hat, wenngleich sie offiziell unter irakischem Oberbefehl blieb. Sie liegt nur zwischen 100 und 300 km von den kritischen syrischen Grenzabschnitten entfernt.

Von TASS kommt derweil nichts als offensive Desinformation. Vielleicht ist das der Grund, warum AMN und Al Manar (französisch, wesentlich ausführlicher und noch markiger) titeln: Zero hour approaches as Syrian Army, Hezbollah begin important Daraa offensive. Die dort angekündigte Operation zur Eroberung des Grenzübergangs nach Jordanien wäre ein Bruch der Astana-Vereinbarung und da niemand sonst Andeutungen in diese Richtung macht (auch Debka nicht), muß man annehmen, es handelt sich um eine drastische „diplomatische“ Warnung an Moskau von Seiten der „Iraner“, die syrische Luftwaffe eingeschlossen. Vielleicht ist sie der Grund, warum TASS binnen zwei Tagen zig Artikel gegen eine eventuelle, neue „chemical“-false-flag veröffentlicht hat. Ich kann nicht recht glauben, daß die französischen Drohungen, im Falle eines erneuten „syrischen“ „Chemiewaffeneinsatzes“ aus eigener Machtvollkommenheit zu intervenieren,  eine solche Wirkung hatten. Eher dürfte man in Moskau fürchten, daß die syrische Luftwaffe unter der Deckung der zahlreichen False-Flag-Operationen einmal wirklich gebunkerte VX- oder Sarin-Vorräte einsetzen könnte, um die Gegner der Imperiumspolitik des Kreml in den Reihen der russischen Armee auf ihre Seite zu ziehen.

Ich mag nicht mehr. Dies war mein letzter Eintrag zum militärischen und militärpolitischen Geschehen in und um Syrien.

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Wird Erdogan Killary’s Nachfolger in Nagorny-Karabach in den Sattel heben?

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Zwischenspiel – Zensur und Fake News

Seit ich – vor Tagen schon – dies von den Barflies und ihrer internationalen Gemeinde begeistert begrüßte Stück von Bernard (Moonofalabama) las, habe ich einen Ohrwurm. Diesen.

The U.S. military dropped leaflets to Syrian troops to order them to stay away from their own border. Who the f*** do those U.S. troops think they are? What is there justification to be there in the first place? Large Iraq and Syrian government forces are now moving towards al-Tanf from the two sides of the border to evict the occupiers. Iraq, Syria, Iran and Russia have agreed that no U.S. position will be tolerated there. U.S. and other foreign troops will either move out voluntary from al-Tanf or they will be removed by force.
Highway 1 and its branch to Damascus is the most important economic lifeline between Syria … and Iraq and beyond in the east. Whoever controls it, controls major parts of commerce between those countries.

Wie wahnsinnig kann man werden? Ich sollte vielleicht ein Irrenhaus besuchen, um – meine Frau ausgenommen – wieder mal mit halbwegs oder wenigstens zu einem Viertel vernünftigen Leuten zu reden …
Damit spiele ich nicht auf Bernards Staats- und Souveränitätsideale an, sowas bin ich seit 50 Jahren gewohnt (jawohl, ich begann mir das Zeug mit 12 Jahren aus dem Kopf zu schlagen). Aber

… from their own border …

What the heck?! Die syrische Armee kontrolliert schon seit Jahren keinen einzigen Meter der ehemaligen Republikgrenzen. Das Gebiet der ehemaligen Westgrenze wird von der Hezbollah und den kurdischen Selbstverteidigungskräften kontrolliert. Der Rest ist Imperiums-frontier, einschließlich der Küste, die von der russischen Marine kontrolliert wird und der Nordgrenze, die, wenn auch mittelbar, von der US-Armee beherrscht wird.

What is their justification to be there …?

?? Lebt Bernard im Perry Rhodan – Universum von 1963, in dem der „Großadministrator“ mit arkonidischen Wunderwaffen und Mutanten an der Hand Gehorsam von den Mächten fordern konnte? Leider nein (das wäre ja immerhin noch 0,1% Realitätssinn), denn:

Large Iraq and Syrian government forces are now moving towards al-Tanf from the two sides of the border to evict the occupiers.

Das ist (und blieb) eine weit bescheuertere Phantasie, als die des werten „Handgranaten-Herbert“, Gott hab ihn selig.

Iraq, Syria, Iran and Russia have agreed that no U.S. position will be tolerated there.

Natürlich frei erfunden.

… they will be removed by force.

Vom Kristallprinz Atlan auf der Brücke der Imperator, Flaggschiff der Imperiums-Klasse?

Highway 1 and its branch to Damascus is the most important economic lifeline …

Offenbar nicht, sie ist seit Jahren dicht.

Whoever controls it, controls major parts of commerce between those countries.

Das ist unter dem Niveau eines 11jährigen. Entweder es gibt einen Handel, der von Geld regiert wird, nichts sonst, oder es gibt keinen. Wenn ein irakisch-syrischer Handelsverkehr blockiert werden soll, so ist das ebenso gut von der irakischen wie syrischen Seite zu machen. Dazu braucht man nicht einmal Bodenkräfte. Soll Moskau im Auftrag des „Großadministrators“ die vereinigten NATO-Luftwaffen „grounden“?

Warum ich mich mit der Scheiße aufhalte? Weil die „Iraner“ – die Anführungszeichen sollen anzeigen, es handelt sich um Iraner im selben Sinne, wie einst die „Parther“ der „Partherkriege“ Parther waren – denselben Aberwitz treiben, den zu übersetzen mich noch mehr Zeit kosten täte.
Die Haschd- oder Al Sadr-Brigaden haben nicht die geringste Lust, Anbar zu erobern und zu besetzen, dazu müssen keine „Amerikaner“ (oder andere Briten) irgend etwas tun. Die Haschd leben nämlich am Rande dieser Wüstenei, die niemand „kontrollieren“ kann, der nicht die Loyalität lokaler Autoritäten besitzt.

Ich habe oben schon die wiederholte Warnung des Oberkommandos OIR an die syrische Seite verlinkt, sich in gebührendem Abstand – nämlich 50 km – von SEINER „deeskalation-zone“ zu halten. Der Artikel bestätigt in vollem Umfang, was ich zu dem Schauplatz am 23. Mai schrieb. Doch einen Tag später gab Reuters eine neue „Nachricht“ aus, die der eigentliche Grund für diesen Eintrag ist: Syrian rebels say Russian jets halt advance on desert outpost.

Western-backed Syrian rebels said on Wednesday that Russian jets attacked them as they tried to advance against Iran-backed militias …
„A sortie of Russian jets bombed us to repel our advance after we broke the first lines of defence of the Iranian militia and took over advanced positions near the Zaza checkpoint,“ Saad al Haj, a spokesman for Jaish Osoud al-Sharqiya … told Reuters. … Haj said none of their fighters were killed.

Jetzt kommt der eigentliche Hammer:

The [rebels] identified [the jets] as Russian because they flew in formation and at higher altitude than Syrian jets.

Der ganze Subsch ist mit 99,9% Wahrscheinlichkeit frei erfunden, jedenfalls keine „Nachricht“ im konventionellen Sinne, und wer immer bei Thompson Reuters noch bis zwei zählen kann weiß das.

Obendrein scheint die Welt auf den Kopf gestellt: Reuters macht Propaganda für Bernard und „die Iraner“??
Natürlich nicht. Die kriegen nur, was sie verdienen. Die Sache sieht aus, als verarschten Trump und seine Spießgesellen in den Teilstreitkräften die wahnsinnigen Heerscharen beider Seiten, einschließlich in den eigenen Teilstreitkräften und unter den russischen prä- oder Postfaschos, um Ruhe in den Karton zu kriegen.

Die einzig zählbare Nachricht der letzten Tage besteht darin, daß das russische Hauptquartier mit einer Serie von Luftschlägen den Auftrag von Trump ausführt, den Mattis in der großen Konferenz mit Dunford und McGurk verkündet hat, nämlich das „ISIS“ diesmal nicht für künftige Söldnerdienste geschont, sondern bis auf den letzten Mann gekillt werden soll. Die russischen Luftstreitkräfte sprangen ein, als die amerikanischen bei der Blockade Raqqas wieder „versagten„, wie in den Tagen, als Dunford, Breedlove und Lloyd J. Austin III. als Centcom-Commander in der Nachfolge Mattis bei der Bekämpfung der „ISIL“ versagten, sie auf Raqqa, Deir Ezzor und Palmyra lenkten und den Nachschub aus dem KSA / Jordanien aus der Luft gegen irakische Streitkräfte deckten.

Als eine kleine Mahnung an Macron und Konsorten ließ Putin zwei „Kalibr“ vom getauchten U-Boot aus abfeuern, dessen Nuklearsprengköpfe die NATO seit dem Abschuß eines russischen Fliegers durch die türkische Luftwaffe daran gemahnt, was letztlich zählt im Kriege.

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Weitere Zensurgeschichten – zum vorgeblichen Putschversuch in der Türkei

MIHOP wird zu LIHOP

Susanne Güsten, freie Journalistin in der Türkei, hat einen Bericht zum kürzlich veröffentlichten Entwurf des Abschlussberichtes geschrieben, den eine amtliche Untersuchungskommission zum „versuchten Putsch“ vom Juli ’16 vorgelegt hat, den die Regierung Teilen der Armee (v.a. der Luftwaffe) und der Anstiftung durch Fetullah Gülen und seine „Terrororganisation“ zur Last legt. Der Artikel erschien unter den Titeln Wurde der Putsch von Erdogan kontrolliert? und, noch entschiedener, Die kontrollierte Verschwörungin der Augsburger Allgemeinen und im Tagesspiegel. Güsten zählt zur journalistischen Prominenz, sie schreibt u.a. für den Deutschlandfunk, die „Zeit“ und die New York Times. Doch FaZ, Spon und Welt blieben zu dem Thema stumm und überboten so noch die Zensur der türkischen Behörden, wie man Güstens Bericht und einem Hürriet-Artikel entnehmen kann.
Güsten beschränkt sich bemerkenswert wortkarg auf einige Statements zur seinerzeitigen Untätigkeit des türkischen Geheimdienstes MIT, der, eigener Auskunft zufolge, länger als 24 Std. von den angeblichen Putschplänen wußte und den blutigen Unruhen vom 15. und 16. hätte vorbeugen können.

Der Artikel ist hinsichtlich der Abläufe und ihrer Implikationen grob unvollständig und irreführend mittels Auslassung. Zum Beispiel:

  • Der MIT hatte seinerzeit angegeben, dem Generalstab am 15. um 16:00 eine offizielle Warnung zugestellt zu haben. Die (türkische) Quelle dieser Aussage ist aus dem Netz gesäubert. Jetzt will Hakan Fidan zwischen 17:30 und 19:30 mit dem später verhafteten Generalstabschef konferiert, und erst dann eine Warnung heraus gegeben haben.
  • Erdogan und Premier Yilderim haben seinerzeit behauptet,  erst durch private Mitteilungen resp. die Presse vom „Putsch“ erfahren zu haben.
  • Ein Kernstück des angeblichen Putschversuches soll – logischerweise – die Festsetzung oder Eliminierung Erdogans gewesen sein. Der 15. war ein Freitag und Erdogan hatte sich in Wochenendurlaub nach Marmara begeben, wo er in einem Hotel residierte. Eine denkbar ungünstige Gelegenheit für die Aktion. Falls sie aber für den 15., oder, wie jetzt nachträglich behauptet wird, ursprünglich erst für den anbrechenden Samstag geplant war, hätten die Putschisten bereits eine Einsatzgruppe vor Ort haben müssen. Stattdessen sollen die Angreifer erst nach 22:00, als Erdogan bereits auf dem Rückflug war, in Marmara angeklopft haben.
  • Die türkische Regierung hat seinerzeit über Presseleaks detaillierte Beschuldigungen gegen die NATO erhoben, den angeblichen Putsch nicht nur geduldet, sondern unterstützt und bei der Vorbereitung geholfen zu haben. Wie man einem Dementi am Ende eines Aviationist-Artikels noch entnehmen kann, hat dazu ursprünglich die Behauptung gezählt, Flieger der Putschisten seien von einem US-Tankflugzeug aufgetankt worden.

Der letzte Punkt gibt mir einen Übergang zu Gerrit  Wustmanns ausführlichem und meinungsstarken Artikel Türkei: Wann wusste Erdogan vom Putsch? Auch dort fehlt jeder Hinweis auf die ehemaligen, und via Inkriminierung Gülens weiterhin aktuellen türkischen Beschuldigungen der USA. Angesichts des minimalen Informationsgehaltes zwischen all der Propaganda in Wustmanns Machwerk fiel etlichen Lesern auf, das breite internationale Interesse an einer Kampagne, die Zweifel an der türkischen Version der Ereignisse sät, stehe wohl in reziprokem Verhältnis zum Interesse an deren Aufklärung. Geheimdienstler, Diplomaten, Ermittler, Anwälte und Gerichte, die Asylanträge angeblicher Putschisten bearbeitet haben, bestens aufgestellt, zur Klärung der Sachverhalte beizutragen, unterlassen das ostentativ. Umso deutlicher machen Politiker und Medien dem Publikum,  die Alternative könnte in einer neuen „Flutung“ mit Flüchtlingen aus der Türkei bestehen 1.
Aber ach, nämliche kritischen Leser verfielen dem inquisitorischen Fehler, anzunehmen, die Propaganda ziele darauf, die türkischen Regierung zum Sündenbock für einen westlichen Regime-Change-Versuch zu machen.
Das ist alles andere, als neu. Bereits vor fast einem Jahr schrieb ich dazu:

Beachtenswert: Rainer Hermann erklärt den Putsch

Hermann – lest bitte unter seinem Profil, wen ihr vor euch habt – erklärt die Meuterei nahezu unumwunden zur LIHOP.
Ich will auch auf den US-Außenminister verweisen:

QUESTION: Given the closeness of military ties between Turkey and the United States as NATO members, how could this happen without any hints to people in the United States?
SECRETARY KERRY: Well, not very hard, frankly. If you’re planning a coup, you don’t exactly advertise it to your partners in NATO. So it surprised everybody, including the people in Turkey.

Inzwischen wurde bekannt, daß von der NATO-Basis Incirlik aus gestartete Kampfhubschrauber und -flugzeuge an der Meuterei beteiligt waren und der Kommandant der Basis verhaftet wurde. Der Luftraum wurde auch für NATO-Flieger gesperrt, Incirlik von der Außenwelt abgeschnitten und zeitweise von der Energieversorgung getrennt.
Das lenkt den analytischen Blick auf die prominentesten Lücken in der Darstellung Hermanns, die dem Elitepöbel auffallen müssen und folglich sollen (Hermann ist kein Journalist. Leute, die nicht (vorbehaltlich, versteht sich) unterstellen, daß er ein „informeller Mitarbeiter“ des BND ist, können Rosen züchten, aber nicht politische Urteile fällen.) Er verschweigt nicht nur die Verhaftung des Incirlik-Chefs, sondern auch des Kommandeurs der 2. Armee, welche die Truppen in den Grenzgebieten nach Syrien, zum Irak und Iran stellen. Ich habe das Rumpfskelett der Meuterei hier skizziert:
http://www.heise.de/forum/p-28910718/
Folgerung: Selbstverständlich hätten die genannten Generäle genau das getan, was Kerry maliziös ins Reich der Fabel stellte, sie hätten bei ihren NATO-Kontakten vorgefühlt, ob die türkische Armeeführung, falls sie sich nach der Ermordung Erdogans und vielleicht Hakan Fidans zumindest partiell hinter die Ziele der Meuterer stellte, auf Anerkennung aus Washington rechnen könne.
Die Analyse muß daher davon ausgehen, daß die NATO-Führung maßgeblich an einer LIHOP-Operation beteiligt war.

Indem Hermann einerseits die Beschuldigungen der Gülen – Bewegung klar zurück weist, andererseits die Indizien für eine Beteiligung der NATO und des State Department an der Machtergreifung bedeutungsschwer verschweigt, und drittens unkt, die anstehenden Säuberungen würden eine „allgemeine Unzufriedenheit“ unter den bewaffneten Kräften der Türkei nicht abstellen, bietet er die deutsch geführte EU als Adresse für die Unterstützung von Widerständen gegen den türkischen Islamofaschismus an.

Natürlich nicht deshalb, weil die Bundesregierung der Neuformierung der Türkei im Rahmen der künftigen Kriegspolitik der Killary-Administration wehren will – das kann sie nicht. Aber Einfluß nehmen zu können kann sie immerhin hoffen.

Drei Tage später:

Zu Frage der Inszenierung und der NATO-Beteiligung
Der MIT hat mitgeteilt, den Generalstab um 16:00 Uhr „gewarnt“ zu haben. Die Putschhandlungen im engeren Sinne begannen nicht vor 20:00 Uhr, die Scheinangriffe auf Erdogan und die MIT-Zentrale mehr als 2 Std. später. Selbst wenn wir dem MIT glauben, daß seine „Warnung“ zum frühest möglichen Zeitpunkt kam, hätte er den angeblichen „Putschversuch“ einfach unterbinden können, indem er ihn an die breite Öffentlichkeit brachte, wie Erdogan es ca. 7-8 Stunden später via CNN tat.
Die mediengesteuerte Reaktion scheint ziemlich unisono so zu sein, wie ein User das in einem anderen Thread vorführte:

Selbstverständlich hat ein echter Putschversuch stattgefunden (…) Es ist davon auszugehen, dass Erdogan frühzeitig gewarnt wurde. Erst ab hier beginnt dann die Inszenierung. Die Putschisten, die es zweifellos gab, hat man ins offene Messer laufen lassen.

Es ist so weit Leute. Die demokratische Öffentlichkeit, und an ihr das Publikum, setzt den menschlichen Verstand unter das Niveau von Ringeltauben herab. Die können tatsächlich bis zwei zählen, eine Mehrheit der Menschen kann das nicht mehr, weil sie das moralische Urteil an die Stelle von Fakten setzen. So wird „es gab Leute, die zu einem Putsch bereit waren und ihn planten“ = „es gab einen Putschversuch“.

Die LIHOP, „let it happen on purpose“, deren Erdogan damals mit einer gewissen Vorsicht, jetzt mit größerem Nachdruck aber zugleich taktischer Dosierung verdächtigt wird, war schon wenige Tage nach den Ereignissen als MIHOP, „make it happen on purpose“, kenntlich, an der so gewiß, wie das unter den gegebenen Umständen nur sein kann, die NATO-Führung maßgeblich beteiligt war. Über die konkreten Gründe dieser Allianz konnten die meisten Normalsterblichen im letzten Jahr allerdings nur spekulieren. Das ist jetzt anders.

Die Geschichte beginnt mit der Mavi Marmara – Affäre

Oder nein, denn fast alle wahren Geschichten im Nahen Osten beginnen in Israel, und die vorliegende sollte man daher mit der Operation Cast Lead beginnen lassen.
Das biblische Massaker 2, bei dem es der israelischen Armee mit ihrer großartigen Aufklärung, die sie mehrfach befähigt hat, ihre Feinde punktgenau zu hellfirern und die sich auf tausende Informanten stützt, die mit Folter- und Todesdrohungen gegen Angehörige zu Spitzeldiensten erpresst werden, gelang, über 900 Zivilisten zu meucheln, darunter mehr als die Hälfte Frauen, Kinder, Greise, während maximal vielleicht 300 Hamas-Kämpfer getötet wurden (der Rest waren Polizeikräfte), war seit dem Sommer 2008, als der Wahlsieg Obamas kaum mehr in Zweifel stand, minutiös vorbereitet worden und wurde pünktlich kurz vor seiner Inauguration ausgeklinkt. Obamas lange angekündigte „Politikwende“, insbesondere gegenüber der sog. „Islamischen Welt“, war mit dieser „Nummer“ entwertet, bevor sie mit der Kairo – Rede überhaupt begonnen war.

Das analytische Problem des Vorgangs liegt in einem scheinbaren Widerspruch. Obama erwies sich gegenüber dieser Demontage aller möglichen Versuche, die mit der israelischen Invasion der Westbank zum Scheitern gebrachte „Road Map“ Bushs unter den Voraussetzungen einer veränderten Regionalpolitik neu aufzugreifen, völlig machtlos. Wozu hielt man die Nummer in Tel Aviv dann für nützlich, vielleicht gar nötig? Die Ohnmacht amerikanischer Einsprüche gegenüber beliebigen militärischen Schlächtereien der IDF im Inneren und an den Grenzen war doch erst 2006, mit dem Libanonkrieg, demonstriert und befestigt worden.
Die Antwort lautet: Sag das den Arabern! Politiker im MENA außerhalb Israels leiden unter einer deformation professionelle, die sie kaum überwinden können, sie müssen zumindest zum Teil unter dem Wahn handeln, ihr Verhältnis zu Washington könne einen Unterschied machen, könnte die Israel-Politik Washingtons im Sinne unabhängiger arabischer Interessen zumindest modifizieren.
So wahnhaft die Vorstellung ist, bleibt sie doch geeignet, den Zionisten Schwierigkeiten in den Weg zu legen und die Verfolgung ihrer Anliegen zu komplizieren, mindestens zu verzögern. In Tel Aviv wußte man sich des Widerstandes des Rackets im State Department und namentlich Killary „we came, we saw, he died“ Clintons gegen jegliche „Zumutungen“ für die Zionisten gewiß, aber um den o.a möglichen Schwierigkeiten vorzubeugen, und Killary mehr Handlungsspielräume und -freiheiten zu geben, war es nützlich, die „arabische Welt“ mit Operation Cast Lead nachhaltig zu entmutigen, auf Veränderungen zu setzen. Ihnen sollte der „Realismus“ einer Akkomodierung an die Vorhaben und Aktionen Killarys nahe gelegt werden, gegenüber der Versuchung, Obamas angekündigte „Wende“ für bare Münze zu nehmen. Wer sich an die „Obamania“ noch erinnert, wird nachvollziehen können, daß man für diesen Zweck in Tel Aviv sicherheitsnadelhalber zu drastischen Maßnahmen griff.
Und das galt ganz besonders in Richtung Syrien und Türkei.
Denn Bush junior hatte gleich zwei wirksame Titel und Hebel genutzt, Tel Aviv, gegen den Widerstand Condolezza Rice, zu „geheimen“ Friedensgesprächen mit Bashar al Assad zu verpflichten.

Der erste Titel waren die militärischen Schwierigkeiten des Irakkrieges. Sie schlossen aus, ihn auf Syrien auszuweiten, im Gegenteil, die Bush-Administration, namentlich der CIA, knüpfte kollegiale Beziehungen mit den echten „Schlächtern aus Damaskus“,  den Geheimdiensten der syrischen Luftwaffe und Präsidialgarde, mit ihren zu Recht berüchtigten Foltermethoden 3. Scheinverhandlungen mit Syrien waren ein Dienst, den Pentagon und CIA der zionistischen Militäraristokratie sehr wohl zumuten konnten.

Der zweite Titel war der dauerhafte Widerstand des NATO-Patners Türkei gegen den Irakkrieg. Ankara hatte sich mit der von den USA gewährten militärischen Hoheit über die kurdischen Provinzen des Irak nicht abfinden lassen. Die Gründe bzw. Motive dafür kenne ich nicht, sie sind an dieser Stelle auch kaum von Belang. Aber die Entscheidung der Bush-Administration, die syrisch-israelischen Gespräche der Vermittlung des türkischen Staatspräsidenten Gül anheim zu stellen, sind angesichts der damaligen „Null Probleme mit den Nachbarn“-Strategie Erdogans / Davutoglus als eine Konzession an türkische Regionalinteressen kenntlich.
Es blieben natürlich Scheingespräche, in denen Al Assad und Olmert nichts weiter austauschten, als die Unvereinbarkeit ihrer Standpunkte und Ansprüche, namentlich den Golan betreffend. Doch die Tatsache, daß diese Gespräche unter türkischer Vermittlung stattfanden, und deshalb in der arabischen Welt alles andere, als „geheim“ blieben, war ein Datum an sich selbst, eines von der Art der „Komplikationen und Verzögerungen“ aus Sicht der Zionisten, von denen ich oben sprach. Sie härteten den arabischen und internationalen Widerstand gegen die Annexion des Golan unter amerikanischer Führung.
Das letzte Gespräch zwischen Olmert und Assad fand vor der „Operation Cast Lead“ statt, der die Einmauerung des gewaltigsten KZ der Geschichte folgen sollte. Danach war Olmert für Assad „nicht mehr zu sprechen“ (Gül und Assad).

In diesen Zusammenhang muß man die Affäre Mavi Marmara im Mai 2010 stellen und dabei beachten, daß die gesamte politische Welt, namentlich auch in Deutschland, sich bereits seit Mitte 2009 auf den von Killary deutlich angekündigten Syrien-Krieg vorbereitete. Bassma Kodmani wurde zu dieser Zeit rekrutiert und nahm z.B. im Herbst 2009 an einer Konferenz unter Schirmherrschaft der Körber Stiftung, Richard von Weizäckers und Volker Perthes in Beirut zu den „Folgen künftiger Umwälzungen im Nahen Osten“ teil. Ein iranischer Diplomat war ebenfalls anwesend, jedoch kein Syrer und kein Israeli, dafür Türken, Jordanier und ein britischer Vertreter Saudi Arabiens 4.
Man erkennt hoffentlich, die „Gaza-Flotte“ war ein Versuch Erdogans, Israels Methoden auf niedrigem Niveau zu übernehmen, die diplomatische und weitere Öffentlichkeit gegen Killary’s Pläne zu mobilisieren und sich damit echten oder vermeintlichen „Legionen“ Obamas anzudienen.
Doch die NATO-Generäle, im Bunde mit Killary,  hatten Erdoans Volte bereits frühzeitig eingepreist. Sie konterten, indem sie spätestens ab Mitte 2010 den Überfall auf Libyen vorbereiteten. Im September 2010 veröffentlichte die franzöische und britische Luftwaffe auf einer gemeinsamen Website den Plan für ein Manöver „Southern Mistral“, das im Februar 2011 stattfinden sollte, und wie ein Ei dem anderen den tatsächlichen Operationen gegen Libyen ähnelte, die im März 2011 begannen, nachdem rituelle Protestdemonstrationen zum 18. Februar in Bengazi mittels Snipern, die auf Polizisten und Demonstranten schossen, zum „Aufstand“ ausgeweitet worden war. Man beachte, daß „Southern Mistral“ vorbereitet wurde, bevor der „arabische Frühling“ in Tunesien begann, zu schweigen von den Aufständen in Kairo, die unter massiver und lange vorbereiteter Assistenz diverser NGO’s begannen, die sich in Serbien die ersten Lorbeeren im Dienst amerikanischer und europäischer Interessenten verdient hatten.
Die zionistischen Interessen verschwanden hinter dem Vordergrund dieser „epochalen Ereignisse“.

Ich mache hier eine Pause und schreibe morgen weiter.


  1. Ohne mich mit Nachweisen aufzuhalten, will ich daran erinnern, daß auch in dieser Erpressung die NATO eine maßgebliche Rolle spielt und spielte. Bevor es zur „Flüchtlingsvereinbarung“ mit der Türkei kam, wurde dem Publikum in zahlreichen Artikeln erzählt, die türkische Küste sei unmöglich zu kontrollieren und die NATO machtlos gegen das Geschick der Schlepper und die Ungunst der Wasser- und Witterungserhältnisse. Nach dem „Deal“ … ging beides wie geschmiert. Tatsächlich betätigten sich in einigen Fällen Einheiten der NATO-Marine als Schlepper, indem sie aufgebrachte Flüchtlinge nach Griechenland expedierten und griechische Aktivisten, die versuchten, Flüchtlingsboote zurück in die Türkei zu schleppen, verhaften ließen. 
  2. Um die Grausamkeit ist es mir bei dieser Wortwahl schon auch zu tun, aber in erster Linie geht es mir um die militärische Nutzlosigkeit. 
  3. Diese unumstrittene Tatsache wirft ein hübsches Licht auf den sogenannten „Shiite Crescent“, denn die amerikanische Armee und die diversen „Dienste“ hatten gegen den wirksamen irakischen Widerstand gegen die Besatzung einen sunnitischen Terrorismus aufgebaut und gewähren lassen, der die Reihen der !Al Qaida“ auffüllte. Auch dies ist nicht umstritten. Die syrische Assistenz für die USA richtete sich daher, gemäß der „Logik“ der Hegemonialmacht, gegen den angeblichen „Patron in Teheran“. 
  4. Einen ausführlichen Bericht zu dem, was mir über diese Konferenz bekannt wurde (von 2012), werde ich gelegentlich aus meinem Archiv klauben 
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Zensurgeschichten

Automaticc hatte Jana’s Beschwerde über die kürzliche Suspendierung ihres Blogs binnen 36 Std mit folgendem Text beantwortet:

Thank you for getting in touch. Your site was flagged by our automated anti-spam controls. We have reviewed your site and have removed the suspension notice. We greatly apologize for this error and any inconvenience it may have caused.

Ich habe den Kernsatz des Textbausteins über Google genau genau fünf Mal wiedergefunden, das erste Mal im Jahr 2013. Zwei dieser Betroffenen kehrten WordPress darauf den Rücken.

Ich nehme der Fa. Automaticc, die WordPress betreibt, ganz allgemein gesprochen, das Bekenntnis zur Freiheit des Wortes und den Stolz auf den Aktivismus in dieser Richtung ab. Das ist eine Geschäftsgrundlage und schließt, wie immer, nicht aus, daß Automaticc begründetete und – berechtigte Einsprüche gegen Veröffentlichungen kennt. Aber warum mutet die Fa. ihren Mitarbeitern keine händige Kontrolle der anscheinend seltenen, angeblich automatischen Blog-Suspendierungen zu?

Sicher, die Recherche nur nach jenem Textbaustein ist völlig unzureichend – und ich habe keine Lust, mehr zu investieren – und in den USA wie Europa sind Gesetzesvorlagen unterwegs, die Automaticc unter hohen Geldstrafen zur automatischen Suspendierung von Blogs zwingen wollen, siehe z.B. hier. Doch ein Programm, das (noch) unzuverlässig arbeitet, sollte bei der vorliegenden Masse an Content mehr Fehler produzieren.

Ich schließe daher vorläufig: Entweder das Programm arbeitet zuverlässig (und ich kann im Fall des Wolfsmilchblog keine Fehlerquelle identifizieren) oder es gibt normalerweise eine Kontrolle vor Blog-Suspendierungen, im Unterschied zu Suspendierungen einzelner Einträge.

Vor der Suspendierung verzeichnete das Blog auffällig viele Zugriffe aus dem UK auf die Archive mit Einträgen zur Führung der LIFG durch den MI6 im Libyenkrieg 2011, die auch Hinweise und Spuren auf die geheimdienstliche Führung zumindest der prominenten LIFG-Angehörigen in der Al Qaida enhielten, die zu dieser Zeit mindestens seit 1995, also vor 9/11, andauerte.
Die Referenzen unverdächtiger Quellen, die ich damals benutzt habe, die halbwegs für Originale gelten können,  sind längst aus dem Netz gelöscht. Indirekte, z.B. Artikel von Global Research und anderen „üblichen Verdächtigen“ von einiger Prominenz, gibt es noch. Der Anlaß für die Zugriffe war natürlich #manchesterarena und die Blog-Suspendierung kann ein perfekter Zufall 1 sein. Oder eben nicht. Dann wurde mit der „automatischen Spam-Kontrolle“ vielleicht ein Suspendierungs-Befehl aus dem UK maskiert, den der diensttuende Mitarbeiter von Automaticc nicht ignorieren konnte, bis der Abteilungsleiter anders entschied.

Den ausführlichsten und besten meiner damaligen Einträge zu dem Thema gibt es nicht mehr. Er wurde irgend wann im Laufe des Jahres 2012 vom damaligen Blogbetreiber stillschweigend gelöscht, ein unübliches Verfahren. In anderen Fällen waren Einträge gesperrt worden, unter der schriftlichen Mahnung, spezifische Behauptungen entweder zu unterlassen oder eine Sperrung zu kassieren.

Wie gesagt, either way ist perfectly possible, aber der Vorfall gab mir Stoff, darüber nachzudenken, in welche Sachverhalte ich angesichts der flächendeckenden Geschichtsfälschungen – mit und ohne Zensuranstrengungen – die seit ein paar Jahren unterwegs sind, noch Arbeit investieren will.


  1. By the way. Ich hätte an der Stelle lieber das Wort kontingent benutzt,  „(einander) berührend, benachbart, zusammen gelagert“, zu Kontiguität. Doch es ist derart außer Gebrauch gefallen, daß Wörterbücher das englische Synonym „contiguous“ schon falsch mit „zusammenhängend“ („continuous“) übersetzen. Dies „außer Gebrauch fallen“ gehört ebenfalls in den (begrifflichen!) Bereich der Zensur, wenn auch einen Randbezirk. Punkte in einer Häufigkeitsverteilung sind „kontingent“, nämlich einfach deshalb, weil ein oder mehrere Gründe für das ermittelte (zeitliche, räumliche, kausale, sprachliche, referentielle, whatsoever) Zusammentreffen logisch gesprochen für jeden einzelnen Punkt ermittelt gehörte. Dies induktive Verfahren läßt sich in wohl bestimmbaren Fällen deduktiv ersetzen, bzw. deduktiv abkürzen. Die positivistische Wissenschaft bestimmt hingegen vermittels der theologisch motivierten Ermächtigung des Kausalitätsprinzipes eine Gleichwertigkeit der Annahmen, eine Häufung gehe auf einen „tieferen Zusammenhang“ zurück oder sei zufällig. In der Tat ist nur mit dieser theologischen Intervention die Vorstellung haltbar, eine Häufigkeitsverteilung könne dem Beweis einer Überlegung, eines Schlusses dienen. Tatsächlich illustriert eine Statistik nur eine Überlegung, einen Schluss, aber insoweit sie das in einem von der zugrundeliegenden Schlussweise unangetasteten Material tut, stellt sie Überlegungen ggf. neues Material zur Verfügung, dessen Kontingenz oder Notwendigkeit zu bestimmen, ergänzender Überlegungen bedarf, welche voran gegangene Schlüsse und Urteile entweder befestigen oder schwächen können.
    Die Angelegenheit macht indes theologische Fortschritte. Spezifisch Interessierten (mit entsprechenden Vorkenntnissen) empfehle ich dazu eine schreiende Zumutung. Ein gewisser Adi Ophir liefert da das rhetorische Instrumentarium, Begriffe vermittels ihrer über den Diskursbegriff Foucaults geordneten Ideengeschichte restlos in Ideologemen aufgehen zu lassen, eine Konsequenz des Diskursbegriffes, den seine Adepten meist nicht ziehen wollten. Im Resultat werden Geltung und Performanz von Begriffen identisch und bilden den eigentümlichen, vom Autor affirmirten Autoritätsbereich eines jeweils militärisch herrschenden geistlichen, moralischen, politischen Klerus
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Dasselbe immer besser machen – je älter du wirst


Daran soll ich mir ein Beispiel nehmen

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