Türkei

April/03/2016
Turkey has two demands from US for support in Manbij operation: Sources

Turkey has demanded Syrian Arab tribes to leave Kurdish-led forces in northern Syria fighting the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) and asked the U.S. to increase its air strikes for groups Turkey supports, in exchange for helping the U.S.-led anti-ISIL coalition during an assault on the jihadist group in the Manbij region.

Turkish President Recep Tayyip Erdoğan negotiated hard terms with U.S. President Barack Obama and U.S. Vice President Joe Biden last week in Washington …The U.S. has asked for Turkey’s support to take back Manbij  …  Turkey in return put forth two demands. Erdoğan first demanded that the Syrian Arab tribes to be included in the Manbij operation leave the Syrian Democratic Forces … Turkey also demanded the U.S. increase its support for the groups Turkey supports at Marea.

Kommentar:

Erdogan reklamiert Einladung des State Dep. zur Invasion Syriens

– im Rahmen einer „Operation zur Befreiung von Manbij vom IS“. Ich halte das für Propaganda, aber es bleibt an ihr festzuhalten, daß Erdogan sich nunmehr offiziell weigert, die Unterstützung für Al Nusra und IS einzustellen, so lange die USA die syrischen Kurden vor einem Massenmord schützen. Erdogan verlangt nach eigenen Angaben Isolierung der Kurden von ihren arabischen Verbündeten und Auflösung der SDF unter amerikanischem Druck. Übrigens kann er das tun, weil Moskau signalisiert hat, es werde einem kurdischen Genozid auch auf syrischem Territorium nicht wehren, so lange er keinem Angriff auf Damaskus parallel läuft. Woher ich das weiß? Das bleibt – ausnahmsweise – mein Geheimnis.

Was, gemessen an russischen Interessen, wäre „dumm“ daran,

– der Türkei einen gesichtswahrenden Weg aus der Scheiße zu lassen, in die Killary Erdogan geritten hat? Killary hat Erdo gesagt: „In spätestens einem dreiviertel Jahr ist Assad erledigt“. Zu diesem Zeitpunkt war die PYD eine einflußreiche Untergrundkraft in Syrien, hart bedrängt von syrischen Geheimdiensten, hatte die Mehrheit der syrischen Kurden keine vollen Bürgerrechte, die Assad ihnen erst im Frühjahr 2012 einräumte.

„Inherent Resolve“ und die türkischen Forderungen 4.4.’16

Vor wenigen Stunden erschien beim RFEL-Ableger Rudaw.net ein Artikel von Paul Iddon, einem der entschiedensten Gegner einer Entstaatlichung oder Zerlegung Syriens auf Seiten der Amerikaner. Die Aussage zusammen gefasst: Gemessen an der strategischen und taktischen Aufstellung von „Inherent Resolve“ sind die türkischen Forderungen nicht allein indiskutabel, sie sind schlicht absurd.
http://rudaw.net/english/middleeast/syria/040420161

Wenn wir das als gegeben nehmen – ich habe gestern schon hinreichend dafür argumentiert – ist die eigentliche Frage an den Vorgang, warum er das Licht der Öffentlichkeit erblickte.

Natürlich kann Iddon die Frage nicht stellen, denn sie enthält implizit den Verdacht, State Department und NATO arbeiteten „Inherent Resolve“ frontal entgegen, und die Öffentlichkeit der türkischen Forderungen sei in Wahrheit eine vorbereitende Maßnahme für einen türkischen Einmarsch in das umstrittene Gebiet.
Damit sind auch diese Postings:
http://www.heise.de/forum/p-28433089/ ff
von berufener Stelle gestützt.

Ein weiteres aktuelles Thema bei Rudaw: Welcher Art ist die russische Unterstützung für die syrischen Kurden, und wie weit geht sie.
http://rudaw.net/english/world/020420161
Zusammengefaßt: Die Ziele der PYD und ihrer arabischen Verbündeten, fixiert in der Ausrufung einer Föderation Rojava, sind für den Kreml Verhandlungsmasse, nichts weiter.
Wenn man sich dann fragt, Verhandlungsmasse wofür, ist die Antwort angesichts der Kräfteverhältnisse vor Ort und international völlig klar: Die Türkei soll ihre Angriffe auf das syrische „Hauptland“ über die Provinz Idleb, und natürlich erst recht im Norden Latakias einstellen, damit die Provinz Hama und die Orontes – Ebene am Fuß des Alavitengebirges für die geschwächte syrische Armee haltbar werden. Eine türkisch-russische Waffenstillstandslinie könnte dann etwa zwischen Darkush – Kilis- Adana hinauf nach Azaz verlaufen, wonach der Kanton Afrin eine türkische, keine syrische Enklave wäre.

Kehren wir von da zum Artikel von Paul Iddon zurück, ist sein „Vorschlag“, die USA möge der Türkei Garantien verschaffen, daß eine Offensive der SDF auf Manbij nicht zu einer Verbindung der Kantone Afrin und Kobani führen werde, der die Albernheit der türkischen Vorschläge toppt, weil die Türkei dafür keine anderen Garantien braucht, als sie bereits hat (1) eine Einstimmung auf eine Einigung zwischen dem Kreml und der jetzt freizügig über Washington gebietenden Kriegsfraktion. Die Türkei soll im Bezirk Aleppo auf Kosten der Kurden befriedet werden.
Den deutlichsten öffentlichen Hinweis auf eine russische Intrige gegen Rojava und speziell Afrin gab kürzlich MK Bhadrakumar, der für die A-times regelmäßig Erkenntnisse aus seinen diplomatischen Kanälen zum Besten gibt:

It shouldn’t be really so very difficult to understand Turkey’s core interests in northern Syria. Are they any less legitimate or vital than Russia’s in Ukraine or the US’ in Mexico? Simply demonizing Erdogan will not do. What we witness here is the efficacy of a multipolar world order.

http://atimes.com/2016/03/turkish-military-denies-coup-attempt-against-erdogan-what-next/
Für die „multipolare Weltordnung“ sind ein paar tausend tote Kurden, 100 bis 200 tausend Vertriebene doch bittschön ein kleines Opferl, gelle?

(1) Ich meine die Freiheit zur Syrienintervention mittels Artilleriefeuer und Grenzüberschreitungen mit schwerem Gerät und Spezialeinheiten, welche die NATO der Türkei verschafft hat

Richtigstellung (15.5.)

Bekannt ist, dass Russland der syrischen Armee Unterstützung bei der Aleppo-Offensive versprochen hat

Diese von syrischer Seite lancierte Behauptung hat das russische DoD ausdrücklich dementiert.

Den Halbwahrheiten und Teillügen widme ich mich heut nachmittag, wenn ich Zeit finde. Vorab meine Meinung:

Ich bin ziemlich zuversichtlich, daß die NATO den Plan, die Türkei die Bevölkerung des Kantons Afrin wegbomben und ein Gebiet von der doppelten Größe des Saarlandes annektieren zu lassen (Erdogans „Flüchtlingsstadt“), ad acta gelegt hat. Zur Gesichtswahrung und als militärdiplomatische Maßnahme gegen die Genfer Verhandlungen wird die türkische Armee einen weniger als 30 km breiten Streifen zwischen Azaz und Jarabulus besetzen, unter Aussparung von Al Bab und Manbij, um allzu blutige Szenarien zu vermeiden.

Das ist bzw. wäre eine große Erleichterung für die Kurden, aber ein katastrophaler Schwenk für die Bevölkerung von Damaskus.
Die TP – Leser kennen Pany ja als eifrigen Leser von „Moonofalabama“ und dürfen sich nun fragen, warum er ihnen dies vorenthält:

Nach Informationen von „Janes“ hat der CIA bereits zur Jahreswende 2000 Tonnen Waffen und Munition zur Südfront, nach Jordanien verschiffen lassen. Hinzu kommen die angekündigten bzw. schon gelieferten Tonnagen, die Saudi Arabien dorthin schaffen wollte.
Etwa zeitgleich gaben Samia Nakhoul und Bassma Kodmani die Propagandalinie für „Plan B“ aus:
http://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-syria-insight-idUSKCN0X50O0

Bisher sind alle Südfront-Offensiven kläglich an der SAA, aber auch der ansässigen Bevölkerung gescheitert. Die Angreifer können nur hoffen, daß es diesmal anders ausgehen kann, wenn es saudische, qatarische, türkische, britische, israelische, evtl. französische Luftunterstützung gibt. Die Briten stehen dazu schon in Amman bereit.
In Summe läuft es darauf hinaus, die syrische Luftwaffe und die Regierung aus Damaskus heraus zu bomben.

Re: Richtigstellung

„Vergeltungsschläge“ gehören seit Ronald Reagans „Feldzug gegen das Reich des Bösen“ der Vergangenheit an, sie sind nur dann eine Drohung, wenn den Kriegsbeteiligten am Bestand der Souveränität des Gegners liegt.

Es hat schon zweieinhalb Offensiven an der Südfront gegeben – ohne „Vergeltung“. Israel bombardiert in Syrien seit mindestens drei Jahren – ohne „Vergeltung“ und ohne auch nur einen Kratzer an seinen Maschinen.

Russlands Feldzug in Syrien basierte auf Obamas Interesse an ihm und dem russischen Vertrauen darauf, daß Obama sich gegen Israel, die Türkei, die NATO, und weite Teile des Pentagons und der US-Geheimdienste mit der Absicht durchsetzen könnte, eine Entstaatlichung Syriens nicht zuzulassen.
An dem Krieg zwischen den imperialen Eliten, die auf den meisten anderen Politik- und Schlachtfeldern, Ausnahme Iran, gemeinsam gegen Russland stehen, hat Russland keinen Anteil. Es kann sich da nicht einmischen, selbst wenn es wollte, ohne die feindlichen Kräfte auf dem syrischen UND anderen Feldern GEGEN sich zu EINIGEN. Die Damaszener hätten nur geringe Chancen, dieses Jahr zu überleben, wenn Russland sich an der Südfront militärisch gegen die Angreifer aufstellte, denn dann handelte es nicht länger in der Rolle einer Regionalmacht, die ihm eine kleine Hälfte der Eliten in Washington und Boston zuzugestehen bereit ist, sondern mit der Anmaßung einer Weltmacht. Das würde ganz Syrien zum Massengrab bestimmen.

Re: Richtigstellung

Klaus-Peter_II schrieb am 15.04.2016 16:22:

Hat sich die NATO gegen die türk. Lobbyarbeit, endlich die Unterstützung von YPG/Js und SDF einzustellen, entschieden?

Nein. Der Widerstand des innenpolitischen Gegners und innerhalb des eigenen Lagers läßt die „große“ Variante zu einem unkalkulierbaren Risiko werden.

Es ist ja doch immer wieder spannend, wie du eine „bluttriefende“ These verwirfst und an der nächsten, nicht minder blutigen, festhälst, bis wohl auch diese kippt.

Da ist nie eine „These“ gekippt, mein Lieber. Ich kann nicht hellsehen und habe nie beansprucht, es zu können, ich kann nur Positionen, taktische und strategische Hauptlinien und ihre dynamischen Triebkräfte identifizieren. Du wirst mir nicht vorhalten, daß ich nicht vorher sah, daß Dempsey dem israelischen Libanonfeldzug Truppen entgegen stellte, nicht wahr? Du wirst mir auch nicht vorhalten, daß ich nicht vorher sah, daß die Kriegsfraktion, namentlich im Umkreis des Atlantic Council, also der NATO, nach Clintons Abgang deren Allianz mit Erdogan cancelte und Hof und Ford den Friedensschluß ihrer Proxies mit der PYD diktierte, nicht wahr? Gleichwohl gibt es den türkischen „Separatkrieg“ gegen die Kurden, den ich damals ankündigte, nur halt anders, als erwartet. Du wirst mir auch nicht vorhalten, daß ich die Vereitelung der Al Ghouta – False – Flag nicht aus den Gedärmen einer von meiner Katze geschlachteten Ratte las, so wenig wie die Entscheidung Obamas, die russische Luftwaffe gegen den Verrat der eigenen Generäle im Rahmen von „Inherent Resolve“ mobilisieren zu wollen, und diese Kooperation nach der „Nummer“ in der Ukraine bei Fortbestand der Sanktionen auch zu erhalten.
Mitte 2013 schrieb ich: „Israel wird diesen Krieg entscheiden müssen, ob es will oder nicht“. Dabei ist es geblieben, nur daß die Regierung Netanyahu sich unterdes dazu bekannt hat, indem sie weitere Teile des Golan und ein drusisches Protektorat beanspruchte und täglich versichert, daß es für Israel keine „Lösung“ des Syrienkonfliktes ohne Vernichtung der Hezbollah geben kann.

Nicht mal als geschmäcklerischen Vorwurf der „Schwarzseherei“ lasse ich Deine Stichelei gelten, denn das Finale steht halt noch aus, und bis dato hat es einige Millionen MEHR Opfer gegeben – Tote, Versehrte, Vertriebene – als ich je „schwarz“ sah!

Anti-Erdoganism wird zunehmend zur billigen Maskerade (14.5.)

Als die AKP den False-Flag-Angriff von Suruc auf jugendliche Parteigänger kurdischer Selbstverwaltung Kobanis ausführen ließ – es kann nahezu als gesichert gelten, daß es einer war:
https://www.rt.com/news/343002-ankara-wiretaps-isis-border/
– da hatte diese strategische Initiative ein doppeltes Ziel.

1) Erdogan die Führerherrschaft nach hitleristischem Vorbild verschaffen („a unique turkish model of presidencial rule“ heißt das beim Atlantic Council jetzt:
http://www.atlanticcouncil.org/events/webcasts/turkey-s-syria-predicament )

2) Die türkische „Kurdenfrage“ nach Syrien und in den Irak „exportieren“.

Punkt 1 ist simpel. Die urbanen, „westlichen“ Türken würden sich mit iener islamofaschistischen Diktatur schwer tun, wie an den diversen Unruhen der voran gegangenen Jahre zu sehen, aber sie sind in einer mörderischen Polizeistaatstradition Kummer gewohnt und die AKP erwartete sich sicher zu Recht, daß sie letztlich ins innere oder äußere Exil gehen werden oder sich um ein paar Lira winselnd unterwerfen. Der Strategiewechsel der großen Mehrheit der Kurdenorganisationen und ihrer Anhänger, sich mit den zersplitterten und gedemütigten säkularen und linken Türken zusammen zu tun, machte der AKP einen Strich durch diese Rechnung, repräsentiert im Sprung der HDP über die 10%-Hürde in den Juni-Wahlen. Also tat die türkische Regierung, was alle türkischen Regierungen bislang getan haben, mißliebige Bevölkerung blutig und grausam in die Submission zu terrorisieren und zu foltern.
Hinsichtlich der HDP ging die Rechnung einigermaßen auf, sowohl zu den Neuwahlen, wie seither.

Doch, Punkt 2, die um diesen Preis militärisch aufgemachte „Kurdenfrage“ läßt sich innerhalb der Türkei nicht lösen. Eine türkische Regierung kann heute noch weniger darauf zählen, die kurdische Bevölkerung zur Hälfte abschlachten, zur Hälfte ins westliche Ausland treiben zu können, als das Ende des letzten Jhd. möglich war. Folglich hat die AKP, als sie den Kurdenkrieg neu begonnen hat, mit allem was sie hat, gepokert, hat die Souveränität und Territorialität der Türkei auf einen Ausgang des Syrienkrieges gesetzt, der ihr eine regionale „Lösung der Kurdenfrage“ erlauben werde.

Das tat sie gewiß nicht ganz leichtfertig, wie man einigermaßen an diesem Artikel (Referenzen zur Quelle sucht bitte selbst) ermessen kann, der 12 Tage vor dem Eingreifen der russischen Luftwaffe erschienen ist:
http://warontherocks.com/2015/08/the-trouble-with-turkeys-favorite-syrian-islamists/
Unter Führung der NATO-Generäle hatte „Operation Inherent Resolve“ genau nichts gegen „IS“ getan, außer sie gegen die syrischen Truppen zu lenken, und jetzt machte sich die US-Luftwaffe bereit, den türkischen Proxies den Weg nach Aleppo und Kobani frei zu bomben. Zwei Wochen nach dem russischen Eingreifen hielt man diese Option am Atlantic Council noch nicht für vereitelt.
http://www.atlanticcouncil.org/blogs/syriasource/syria-the-right-salafis-can-make-all-the-difference
Vergleicht das mit der jetzigen Lage.
Hätten die türkischen Proxies die YPG’s, die damals noch in informellen, lokalen Bündnissen mit arabischen Milizen kämpften, wie gewünscht schwächen können, hätte die Endlösung der Kurdenfrage in der Schaffung eines kurdischen Proxiestaates der Türkei unter der Herrschaft einer Mafia bestanden, die mit den Ölressourcen Süd- und Westkurdistans alle Mittel der durch die Kriegskoalition erzwungenen Staatsbildung in der Hand gehalten hätte. Der kurdische Widerstand innerhalb der Türkei hätte mit SS-Methoden erfolgreich bekämpft werden können, da dem unbeugsamen Teil der Bevölkerung der Weg nach Süden geöffnet worden wäre.

Vergleicht diesen Plan mit der beim Atlantic Council mehrfach zitierten, düsteren Lagebeschreibung im MEI vom Februar:
http://www.mei.edu/content/article/turkey-running-out-options-syria

The shifting parameters in Syria have constrained Turkey’s room to maneuver and there is little reason to think that future will be less bleak for Ankara. Many in the ruling Justice and Development Party (AKP) circles quietly accept that they are running out of creative ideas in Syria. Some prominent pro-government columnists have recently taken the risk to voice these concerns and call on the government to change course in Syria. Whether President Recep Tayyip Erdogan will heed these calls remains to be seen.

Die Antwort bestand in der demonstrativen Entfernung des Gatekeepers Davutoglu aus dem türkischen Führerhauptquartier, einem ostentativen „Abbruch aller Brücken“ mit der noch regierenden Administration in Washington, ein Zug, der selbst der Führung des Atlantic Council ein wenig zu weit ging:
http://www.atlanticcouncil.org/blogs/new-atlanticist/a-steady-march-to-authoritarianism-in-turkey
Andererseits, wenn man Aaron Stein auf der o.zit. Veranstaltung gehört hat, ist nicht zu verkennen, daß der Mann innerlich jubelt, weil jetzt zumindest auf der Propagandaebene der Diplomatie Obama frontal gegen die NATO steht: Entweder eine „türkische Lösung“ des Syrienkrieges wird noch in diesem Jahr durchgesetzt, oder Erdogan treibt den NATO-Partner noch vor dem „rettenden“ Amtsantritt Killarys in eine staatsgefährdende Krise. Und die NATO-Führung gedenkt, auf dem irakischen Schauplatz wiederum genau nichts gegen diese von ihr selbst und Erdogan geschaffene „Zwangslage“ zu tun:
https://www.washingtonpost.com/world/middle_east/the-war-against-the-islamic-state-hits-hurdles-just-as-the-us-military-gears-up/2016/05/08/013897f8-10ac-11e6-a9b5-bf703a5a7191_story.html

Mindestens 1000 Mann haben die türkischen „Sicherheitskräfte“ im Kurdenkrieg verloren, die Verwundeten nicht gezählt, das dürften nicht weniger, als 4000 sein. Die türkische Armee wirbt mit einem kürzlich aufgestockten Blutgeld schon in Kaffeehäusern um Söldner für den Kurdenkrieg, bislang mit geringem Erfolg, glaubt man ANF:
http://anfenglish.com/news/akp-looking-for-mercenaries-in-coffee-houses

Der IS hat sicherlich nicht aus eigenem Antrieb von Jarabulus aus aussichtslose taktische Scharmützel mit den Verteidigern Kobanis begonnen. Offenbar geht es darum, die SDF entgegen amerikanischen Vorgaben über die türkische „Rote Linie“ zu locken:
http://anfenglish.com/kurdistan/ypg-13-gang-members-killed-in-jarablus

Als Verzweiflungsakt kann man es wohl bezeichnen, daß Barzani vor zwei Tagen 300 Jesidenführern vor die Wahl zu stellen versuchte, entweder selbst militärisch gegen die PKK-Kämpfer – gemeint sind nicht nur Türken und Syrer, sonder auch Iraker! – vorzugehen, oder eine Offensive der barzanitreuen Peshmerga zu gewärtigen:
http://anfenglish.com/kurdistan/barzani-pressures-ezidis-to-fight-against-the-pkk

Derweil stemmt sich Erdogan daheim vergeblich gegen eine Revolte der säkularen Faschisten von der MHP gegen ihre von der AKP korrumpierte Führung:
http://www.reuters.com/article/us-turkey-politics-nationalists-idUSKCN0Y41T4
http://www.hurriyetdailynews.com/court-rulings-on-congress-worsen-split-in-turkeys-mhp.aspx?pageID=238&nID=99171&NewsCatID=338
Dieser Vorgang ist überhaupt nicht überzubewerten. Wenn die MHP aus der Marginalisierung der HDP und der polizeistaatlichen Entfernung von Erdogan-Kritikern aus der CHP die Konsequenz zieht, sich wieder allein aufzustellen und zu proflilieren, werden den „grünen“ Faschisten der AKP die Leut links und rechts von der Fahne gehen.

Ich weiß nicht, wie gefährlich die Lage für Erdogan und die Einheit des türkischen Staatswesens insgesamt ist. Doch wenn man beim Atlantic Council von einer „zunehmenden Polarisierung“ spricht, erlaube ich mir, zu schließen, entweder weiß man es dort auch nicht, oder man versucht den Umstand zu nutzen, daß die Leuts im Weißen Haus und im Pentagon es noch weniger wissen. Die Typen können genauso wenig türkisch lesen und verstehen, wie du und ich. Sie pokern alle und im MENA – ja, auch Libyen gehört zu diesem Schauplatz, was ich hier freilich nicht begründe – fallen diesem Spiel schätzungsweise täglich mindestens 1000, vielleicht 2000 Menschen zum Opfer, Tote, Verstümmelte, Traumatisierte, Verwaiste, Entwurzelte und Vertriebene.

Es hat schon was Nettes (23.5.)

wenn die Türkei-Geschäfte einem nachwachsenden oder naiven Publikum vorführen, welchen Belang und Stellenwert „Werte“ in der imperialistischen Politik nicht haben.

Um so widerlicher und bescheuerter ist es, wenn Propagandisten diese Demonstration benutzen, die Ideologien „demokratischer Werte“ antithetisch neu ins Recht zu setzen, statt sie zu deren Dekonstruktion zu nutzen.

Denn es ist durchaus nicht wahr, daß diese Werte nichts gelten täten. „Demokratie“, um es ganz knapp über’s Knie zu brechen, das ist im gegebenen Zusammenhang das Ideal imperialistischer Herrschaft, nämlich der gefestigte, im Wesentlichen unangefochtene Anschluß einer Nation und ihres Territoriums an den Weltmarkt, der von den führenden Metropolen desselben unter der militärischen Führungsmacht der USA beherrscht wird, um eine möglichst unbehinderte Konkurrenz transnationaler Kapitale auf ihm stattfinden zu lassen.
Schon dieser simplen, schwerlich rational anfechtbaren Definition ist der Rattenschwanz an Widersprüchen anzusehen, die solch ein Weltmarkt birgt und nach sich zieht, und das wäre das Thema hier, am Beispiel der Türkei.

Die erste und allgemeinste Konsequenz folgt ohne weiteres Argument: Wenn eine Nation von diesem Ideal abweicht, die schon einmal in seine Domäne integriert gewesen ist – und das ist im Falle der Türkei trotz Kurdenkrieg mit offiziellen 40.000 Opfern der Fall gewesen – so besteht die logische und unvermeidliche Konsequenz eben nicht darin, diese Nation – anders, als vielleicht ihre Führung, ihr „Regime“ – aus dem Club der Betreuer des Weltmarktes und vom Weltmarkt selbst auszuschließen, sondern, im Gegenteil, ihren Wiederanschluß , bzw. die Festigung ihres Anschlusses zu betreiben – und so geschieht es vor unseren Augen.

Den ersten und allgemeinsten Grund für das Ausscheren der Türkei aus dem Club der Demokratien findet man bestimmt nicht im Syrienkrieg, vielmehr ist der Syrienkrieg ein Symptom solch eines allgemeineren Grundes, andernfalls wäre der Syrienkrieg nicht begonnen, oder jedenfalls nicht auf eine Weise geführt worden, welche die Position der Türkei in der Region schwächte.

Es ist hier nicht der Platz, den Grund, den ich im Auge habe, korrekt und vollständig anzugeben, daher behelfe ich mich mit der Ursache, die – wie fast immer in dieser Domäne – auf dem Feld der sog. „Geopolitik“ sichtbar wird.
Zur veranschaulichenden Einführung mag eine Auseinandersetzung dienen, die vor drei Tagen im UK stattfand und von RT so berichtet wird:
https://www.rt.com/uk/344006-cameron-turkey-3000-eu/
Penny Mordaunt, leitende Ministerin für die Streitkräfte am MoD, hatte mit Horrorszenarien einer für die kommenden 8 Jahre zu erwartenden Aufnahme der Türkei in die EU für den „Brexit“ geworben und wurde von ihrem Dienstherrn Cameron öffentlich furios zurecht gewiesen: Die Türkei werde „allenfalls um das Jahr 3000 herum“ EU-Mitglied werden, polterte der, wenn man die bisherige Entwicklung zur Grundlage nehme.

Nun, das weiß Penny Mordaunt eigentlich auch, schließlich ist dasselbe in konzilianteren Worten alle zwei Wochen aus dem EU-Rat zu vernehmen, zuletzt von Juncker persönlich, dennoch log sie nicht, denn wenn auch eine vollgültige EU-Mitgliedschaft der Türkei völlig außerhalb aktueller Debatten und Projekte steht, ein weitergehender Anschluß des Landes an die EU ist doch in vollem Gange, wie man an den Verhandlungen zur Visa-Freiheit sieht, die nicht zufällig eine Parallele zum Verhältnis EU – Ukraine aufweisen. Penny Mordaunt sitzt an der richtigen Stelle, zu ermessen, wie gewichtig die geo- und mithin militärpolitischen Motive eines Anschlusses gegenüber den im eigentlichen Sinne ökonomischen Zielen und Zwecken der EU im Falle der Türkei zu Buche schlagen.

Schaut euch doch nur das Mittelmeer an! Es trennt nicht nur die europäischen Kernländer von Afrika und dem Nahen Osten, sondern via Bosporus auch Russland und via türkischer und levantinischer Küste auch Zentralasien mitsamt China. Doch die europäischen Kernländer sind außerstande, das Mittelmeer militärisch zu beherrschen und zu kontrollieren.

Das leistet vielmehr die NATO und damit deren Führungsmacht USA. Doch wie sie das tut und leistet, braucht da schon einen näheren Blick.
Bis zum „War on Terra“ ab 9/11 teilten sich Amerkaner, Briten und Franzosen die Herrschaft über das Mittelmeer gemäß dem Gewicht ihrer Marinestreitkräfte. Dabei fungiert das UK als größte US-Marine- und Luftwaffenbasis, im Verein mit dem Marinestützpunkten Gibraltar und Rota (Spanien) und Neapel. Dabei ist bereits Neapel, sind noch mehr der Marinestützpunkt Souda Bay auf Kreta, auch der künftige Marinestützpunkt Montenegro und die anderen Kontrakt-Stückpunkte im östlichen Mittelmeer, in ihrem Wert durch die „deutsche Landbarriere“ gemindert und kompromittiert, wie die USA anläßlich des deutschen Widerstandes gegen den Irakkrieg erfahren mußten. Exakt deshalb gab es die amerikanischen False-Flag-Angriffe auf Spanien und das UK, um zu verhindern, daß ausgehend von deutschem Einfluß und Erpressungsmacht in der EU die amerikanische Marinemacht im Mittelmeer zusehens entwertet werden könnte, die umso wichtiger war, als der Irakkrieg absehbar die Levante, und von dort aus die weitere östliche Mittelmeerregion beunruhigen und letztlich aufmischen mußte. Auch aufmischen sollte – das hat mit Israel zu tun und ist deshalb ein Thema, das ich hier nicht weiter verfolge. Es wäre zu dieser Zeit ein schwerer Fehler gewesen, Deutschland direkt anzugreifen, also kreiste man es mit Blickpunkt Mittelmeer, ein, wie das halt immer so geht, einschließlich mittels eines kühlen „Regime Change“ in Frankreich.
Ein Eckstein dieser Strategie blieb jedoch gleichsam unbesetzt. Die Türkei hielt sich hinsichtlich des Irakkrieges an der deutschen Seite und betrieb in der Folge eine vorsichtige, teilweise verdeckte Annäherung an Russland und den Iran.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Der Deutsche Imperialismus in und vermittels der EU ist auf die NATO-Herrschaft über das Mittelmeer angewiesen, da er an seiner eignen militärischen Machtlosigkeit mangels atomarer Bewaffnung nichts Substanzielles „drehen“ kann, aber sein Betätigungsfeld hängt maßgeblich daran, ob er vom amerikanischen Imperialismus als ein Verbündeter angesehen und benutzt wird, oder die EU-Staaten im US-Imperialismus „bloß“ als „NATO-Territories“ figurieren, in der Tradition der ehemaligen Herrschaft der USA über das imperialistische Lager gegen die SU.
Das ist und bleibt ein wesentlicher Teil des strategischen Spannungsfeldes, in dem sich die türkische Politik seit 9/11 bewegt und auf dem Erdogan als ein reinrassiger Opportunist agiert. Dazu qualifiziert ihn besonders sein unbedingter persönlicher Wille, „unterm Strich“ kein Opportunist gewesen zu sein, gewiß ein Hauptmotiv der Errichtung einer Führerdiktatur in der Türkei.

Vor dem Syrienkrieg folgte die Türkei einer außenpolitischen Linie, welche auf eine Minimierung aller nachbarschaftlichen Probleme zielte und die maßgeblich ein gewisser Professor(!) Davutoglu mitgeprägt hatte. Deshalb leistete die Türkei in den ersten Wochen nach dem 19. Feb. 2011 dem Libyenkrieg, der spätestens durch voran gegangene, zunächst vereitelte Versuche, in Syrien eine „Revolution“ anzustiften, als Auftakt eines MENA-Krieges kenntlich war, hinhaltenden Widerstand, bis Killary Erdogan überzeugte, daß sie sich durch nichts und niemanden würde aufhalten lassen, schon gar nicht Obama! Dann trat Erdogan „die Flucht nach vorn“ an.

Die Schäden und Einbußen, welche die Türkei, dies kapitalistische Land, durch den MENA-Krieg erlitten hat, „gehen auf keine Kuhhaut“, v.a., wenn man die Potentiale mitrechnet, die mit ihm vernichtet wurden, z.B. auch die Chancen und Gelegenheiten der Kooperation mit Ägypten, die gern als Erstes vergessen werden.

Was für eine dämliche Gesinnungshuberei!

Im Minimum könnte selbst ein verhetzter antideutscher NATO-Troll erkennen, daß Erdogan ein Modernisierer ist, ganz ähnlich, wie auch die deutschen Nationalsozialisten Modernisierer waren. Die Rolle des Modernisierers ist zugleich die einzige Eigenschaft, die erlauben könnte, Erdogan eine entfernte Verwandschaft mit Putin anzudichten, wenn man das unbedingt will. „Einzig“, weil die beiden gleichsam aus verschiedenen und vielfach diametral entgegen gesetzten Zweigen der imperialen Welt gewachsen sind. Der Troll könnte immerhin mitbekommen, daß Putin einer Föderationsregierung vorsteht, während Erdogan ein halb dutzend Städte, hunderte Dörfer und Siedlungen in Schutt und Asche legt, eine halbe Million seiner Bürger entwurzelt und etliche zehntausende von ihnen tötet, invalidisiert, verletzt, um nicht zuzulassen, daß die Imperiumsgrenze, die gemessen an einigen Parametern mitten durch das Land hindurch verläuft, einer Föderalisierung Anlaß oder Nahrung gibt.

Russland ist eine Regionalmacht, die Türkei soll nach dem Willen der AKP-Führung erst eine werden. Dieses Ziel ist für eine türkische Regierung alternativlos, es ist Grundlage ihres politökonomischen Daseinszwecks und damit ihrer Staatsraison spätestens seit dem Libyenkrieg Killary Clintons, etwas genauer genommen mit der Amtsübernahme Obamas.
Im Herbst 2008, noch vor der Wahl, hat eine parteiübergreifende außenpolitische Elite im amerikanischen Kongress unter Obamas Führung ein Papier verabschiedet, das die Reintegration des Iran in die imperiale Welt – statt atomarer Enthauptung und Zerlegung – zu einem Eckstein der künftigen Außenpolitik bestimmte. Bis dahin hatte für jeden in der Region zu gelten, daß im Falle des absehbaren Scheiterns der amerikanischen und britischen Bemühungen, Aufstände, Unruhen und Regime Change im Iran zu stiften, die atomare Enthauptung nebst „heißer“ Zerlegung des Iran nur eine Frage des Termins sein könnte.
Der amerikanische Kurswechsel hat im MENA die „New World Order“, die Bush senior mit der Schlachtung 20.000 geschlagener, fliehender, wehrloser Soldaten und Zivilisten auf dem „Highway to Death“ schuf (und dabei ganz nebenher nicht nur den Nahen Osten, sondern mindestens die Hälfte der Alten Welt mit Nanopartikeln aus Depleted Uranium atomar verseuchte) umgestoßen. Diese NWO bestand darin, in der Region keine Regionalmacht mehr anzuerkennen und zuzulassen, auch nicht Israel. Deshalb war ihr die künftige Vernichtung des Iran gleichsam „einbeschrieben“ und das KSA, Israel Syrien und die Türkei waren auf der Grundlage der saftig klar gestellten militärischen US-Oberhoheit im Verhältnis zu einander gleichgestellte Gouvernements des Imperiums. Dieser Grundzug bestimmte Rivalität und mehr oder minder erzwungene Ausgleichsbestrebungen zwischen ihnen. Die Türkei lieferte sich Scharmützel mit Syrien, bis die Angelegenheit der Hoheit über die Wasser des Euphrat und die gemeinsame Deckelung kurdischen Separatismus geklärt waren, dann begann die Phase einer „wunderbaren Freundschaft“, die auch die syrische Militärdespotie in die imperiale Welt eingliederte.

Eine von Bush senior wahrscheinlich nicht beabsichtigte Nebenwirkung: Die EU wurde durch diese MENA – Strategie als imperiales Machtzentrum („Metropole“) enorm aufgewertet. Die Gründe mag sich der Leser selbst überlegen, ich habe hier nur beschränkten Raum. Nur einen Hinweis will ich los werden. Die damals wie heute gängige Beurteilung der Jugoslawienkriege als antirussische Strategie ist nur die halbe Wahrheit. Sie gilt gewiß für die NATO-Strategie, auch für die Militärstrategie des Imperiums im Allgemeinen, aber schon nicht mehr für die politökonomische Strategie der Briten und derjenigen Kräfte, die sich parallel zu den Jugoslawienkriegen unter dem Label PNAC zu sammeln begannen. Für sie dienten die Jugoslawienkriege v.a. dem Containment deutsch dominierter Großmachtambitionen in der EU.

Der amerikanische Strategiewechsel hat nicht nur die Kalküle der oben genannten MENA -Staaten, sondern auch der EU und Russlands auf eine neue Grundlage gestellt und den Einfluß der EU in der Region wieder geschwächt. Auf diese neue „Lebenslinie“ setzte Killary, indem sie einer britisch-französischen Allianz mit den Neocons die Gelegenheit gab, den überregionalen Plänen der Obama-Administration („pacific pivot“) den Libyenkrieg entgegen zu setzen, in den der Syrienkrieg von Beginn an eingepreist war. Beide Kriege waren und sind in erster Linie gegen die Garantiemacht des EURO, gegen Deutschland gerichtet. Für Libyen bedürfen halbwegs informierte Leser wohl keine Erklärung, für Syrien ist weniger bekannt, daß Deutschland zusammen mit Russland die Entschuldung Syriens ermöglicht hat und zusammen mit Italien die mittelfristige Angliederung Syriens an die EU betrieb. Der Syrienkrieg setzte der friedlichen deutsch-russischen Konkurrenz um maßgeblichen Einfluß in und auf Syrien – auf unterschiedlichen Feldern betrieben – ein Ende, und Russland … war’s im Wesentliche zufrieden. Über die dahinter stehenden russischen Kalküle, die Kohlenwasserstoffmärkte betreffend, habe ich oft genug geschrieben. Ihr Gewicht gab den Ausschlag in der russischen Bewertung eines russischen UND deutschen Kontrollverlustes in der Levante und gab den Anlaß für eine wirtschaftspolitische Offensive Russlands gegenüber und mit der Türkei.
Alle genannten Player hatten die Aufgabe, sich entlang der zwei konfligierenden amerikanischen Entscheidungen – Aufwertung des Iran und militärische Offensive zur zerlegenden Neusortierung der Region – neu zu sortieren.

Der Beginn des Ukrainekrieges stellte dann klar, daß die US-Kriegsfraktion entschlossen war, die EU und Russland auch auf dem europäischen Kontinent militärisch anzugreifen. Spätestens dieser Krieg hat jeder beliebigen türkischen Regierung die unabweisbare Aufgabe gestellt, sich als Regionalmacht aufzustellen, statt weiter zwischen den Fronten Nahost (gegliedert zwischen Israel und den Golfstaaten), Iran, Russland und EU zu lavieren. Sehr merklich wurde das daran, daß Erdogan noch im letzten Jahr für seine Pläne, eine Präsidialdiktatur zu errichten, die dem türkischen Staat maximale Handlungsfreiheit in den Provinzen einräumt, viel Zustimmung unter Parteigängern und Funktionären der CHP und MHP fand. Die Radikalisierung dieser Pläne, ihr Übergang zum Islamofaschismus, ist freilich ein eigenes Thema.

Heute hat mein „Freund“ Wladimir van Wilgenburg auf ARAnews die Anekdote zum Politikum erhoben, daß ein Bulldozer der SDF von einer amerikanischen TOW zerlegt wurde. Er zog nicht in Betracht, ließ also nicht gelten, das Teil sei auf irgendwelchen Umwegen an die feuernde Bande Islamisten gelangt, die es je nach Bedarf und Lage mal mit IS, mal mit Nusra bzw. Jaish al Fatah hält, sondern bestand auf einer „Zusicherung“, von der er wissen will, nach der US-Berater ihren Schützlingen bei Strafe verbieten, mit den von ihnen gelieferten MODERNEN Waffen aufeinander zu feuern.
Im Raum Azaz und Manbij kämpfen buchstäblich die Proxies zweier amerikanischer Fraktionen gegeneinander, heißt das aus berufenem Munde, nicht etwa türkische Proxies gegen amerikanische.
Wie könnte Erdogan da irgendwelche Vorentscheidungen treffen, wie symbolisch immer, die voraussichtlich erst einige Zeit nach Amtsübernahme Killaries validiert werden?

Wenn es dabei bleibt, daß der Iran Regionalmachtstatus in Konkurrenz zu China und Russland erhält, wird man im Iran darauf sehen müssen, das Land regional besser zu vernetzen. Das ist jetzt schon an diversen diplomatischen und ökonomischen Initiativen und Avancen zu erkennen. Gespräche und Konferenzen, wie sie zwischen Azerbaidschan und Iran anläßlich der Eskalation des Karabach-Konfliktes stattgefunden haben, wären vor drei Jahren ausgeschlossen gewesen, da standen sich Iran und Azerbaidschan in einem undeklarierten Kleinkrieg gegenüber. Die zahlreichen Gipfeltreffen mit großem Troß aus Bankern und Geschäftsleuten zwischen Iran und der Türkei, trotz des Proxiekrieges, in dem man auf syrischem Boden an gegnerischen Fronten steht, sprechen eine noch deutlichere Sprache. Plötzlich ist eine Pipeline von Kurdistan an den persischen Golf im Bau, die vor zwei Jahren außer Betracht stand, und die kaspischen Anrainer Azerbaidschan und Turkmenistan dürften auch die Option eines Zugangs zum indischen Ozean und Diversifizierung ihrer Geschäfte erhalten – Blickpunkt Indien – unter Umgehung Afghanistans. Für alle Beteiligten entsteht der Anreiz und die Möglichkeit, die Geschäfte so gut als möglich in der Region zu halten, um die jeweiligen Binnenmärkte zu stärken, statt im Kampf um überregionale Marktanteile auf europäische Kapitale und Gläubiger zu setzen. Die Bereitschaft Erdogans, die EU mit dem Reizthema Visafreiheit zu erpressen, statt die Türkei damit erpressen zu lassen, zeugt ebenfalls davon, daß er auf eine Position der Stärke pocht, die in der Zukunft der Regionalmärkte liegt, wenn es bei der Iran- und Zentralasienpolitik bleibt, die Obama eingerührt hat.

Das ist jetzt nur ein oberflächlicher Ausschnitt, aber mehr krieg ich auf engem Raum nicht hin, zumal ich für mich selbst noch nicht alles ausformuliert habe, was mich zu dem Urteil brachte.

franziska (1) schrieb am 14.06.2016 16:19:

Kann es sein, dass der Kampf der zwei US-Linien sich „transatlantisch“ fortsetzt?

Ich wüßte nicht, wie es anders sein könnte, und deshalb ist diese Frage:

Hingegen müsste aber deutlicher gesagt werden, wessen Interessen genau durch die aggressive Regime change- und Zerlegungs- Politik befördert, und wessen Pläne durchkreuzt werden.

nicht immer beantwortbar. Der Libyenkrieg und der Umsturz in Tunesien hat deutsche Bemühungen, gestützt auf italienische Verbindungen mehr Einfluß gegenüber Frankreich und dem UK in Nordafrika zu gewinnen, schwer zurück geworfen, das war z.B. am Malikrieg zu sehen, oder auch am Schicksal von Desertec. Aber das sehe ich im Wesentlichen als „Mitnahmeeffekte“. Viel bedeutsamer scheint mir, daß das Projekt „Afrikanische Union“ m.W. „tot“ ist und das verschafft dem Africom mehr Bewegungsfreiheit auf dem afrikanischen Kontinent, weil die Aussicht afrikanischer Staaten, sich gemeinsam gegenüber der EU positionieren, zu können, damit entfällt.

Ich frage mich, ob es eben auch ausserhalb der NATO überzeugte (nicht bloss bestochene, oder erpresste, wie das oft vermutet wird) Parteigänger der Kriegsfraktion in EU-Staaten gibt

Außerhalb der NATO-Organisationsstrukturen, meinst Du? Wie sollte es die nicht geben, die europäischen Regierungen sind bislang zu einer einheitlichen Außenpolitik außerstande, also ist jeder Entscheider in Europa, ob geschäftlich oder politisch, darauf verwiesen, daß die maßgeblichen Richtungsvorgaben weiterhin aus Washington kommen werden.

Die Schwierigkeit einer Begründung

besteht für mich u.a. darin, wenigstens im Resultat darlegen zu müssen, was „Geld“, „Kredit“, „Kreditzeichen“, „Staatskredit“ und „Weltgeld“ ist. Jetzt ist mir ein Weg eingefallen, diesen Zusammenhang immerhin zu versinnbildlichen.

Der € ist als eine Konkurrenz europäischen (deutschen) Staatskredits gegenüber der Weltgeld-Rolle des Dollar gedacht, und ist es auch. Doch in der Rolle des Weltgeldes ist Staatskredit nicht nur Kreditzeichen, wie die Gold-Fetischisten und Anhänger eines „Vollgeldes“ glauben wollen, es ist die „Substanz“, um die es geht, und daher ist der € nicht bloß Konkurrenz, sondern Schwester des Dollar und der Weltmarkt „gehört“ beiden Erscheinungsformen des Weltgeldes zusammen.

Unter der Bedingung der geo- und militärpolitisch zentrierten Offensive der Neocons gegen alle aktuellen und zukünftigen Konkurrenten amerikanischer Hegemonialmacht war der € gleichsam „große“ Schwester und „nachhaltige“ Gestalt des Weltgeldes. Der Dollarkredit wanderte außerhalb des Bereiches ökonomischer Soft Power (IT-Technologie) überwiegend in Aufwände, die einen Abzug von der Akkumulation der Kapitale darstellen, Militärausgaben und Hilfsstoffe der Ausbeutung von Arbeitskraft („Rohstoffe“, insbes. Energie-Rohstoffe). Perspektivischer Fluchtpunkt dieser US-Politik war, daß die USA das dollarbasierte Weltwährungssystem und damit den Kapitalismus selbst aufgeben, über den Zeitpunkt dafür autonom bestimmen, und es durch eine Militärökonomie ersetzen.

Der „pacific pivot“ gibt diese Perspektive nicht auf, verlegt aber ihren Fluchtpunkt weit nach vorn. Die Militärpolitik der Neocons hätte die US-Macht im Falle einer Aufgabe des Dollar auf die Basis der Beherrschung des amerikanischen Kontinents (Nord und Süd) gestellt, ergänzt um die Erpressung strategischer Lieferungen mittels ultimaten militärischen Drohungen. Der „pacific pivot“ nimmt diese Blockbildung auf der Grundlage des fortbestehenden Dollar-Kredits vorweg, aber wesentlich anspruchsvoller und „optimistischer“ (Japan und Australien in der Rolle amerikanischer Provinzstaaten). Prinzipiell betrachtet liegt darin die Drohung, Europa von Asien abzukoppeln, aber eben nicht mehr, wie in den Brzezinski-Doktrinen, auf der Basis mittelbarer und direkter Beherrschung des „zentralasiatischen Lochs“ (daher der Verzicht auf die direkte Herrschaft über die maritimen „Füße“ Zentralasiens, Pakistan und Iran), sondern auf der Grundlage maritimer Herrschaft über den Pazifik (und der amerikanischen Ostküsten sowieso). In diesem Konzept ist das „Teile und Herrsche“ größer gedacht, die vorgesehenen Einheiten sollen größer sein bzw. werden („Russland ist eine Regionalmacht, die sich überschätzt“). Das setzt selbst ein vereintes Europa im Extremfall zum „primus inter pares“ neben der US-Weltherrschaft herab und damit die „nachhaltige große Schwester“ zum „kleinen Bruder“, optimalerweise neben einem weiteren „kleinen Bruder“, China.

Wie gesagt, eine Versinnbildlichung.

franziska (1) schrieb am 16.06.2016 11:55:

… nichts näherliegend, als sie allesamt mal vor sich hinzulegen und sorgfältig gegeneinander abzuwägen, ja überhaupt erst einmal ihr logisches Verhältnis zueinander sich klarzumachen: Weches sind die grundlegenderen, welches die abgeleiteten Positionen, welche widersprechen oder ergänzen sich (fakultativ)

Naheliegend würde ich das nicht nennen, weil ein logische Verhältnis – so es eines gibt – der genannten Erscheinungsformen eine Wurzel in einer nicht nur hinreichenden, sondern mehr oder minder vollständigen „Kritik der politischen Ökonomie des Imperialismus“ haben müßte, deren Teil diese Erscheinungsformen wären, falls die Prämisse (daß es eine „Logik“ gibt) stimmt.

könnte man sagen, die Erklärungen reichen von willensunabhängigen „objektiven“ Zwängen und Antrieben auf der einen Seite bis hin zu völlig frei gewählten und mehr oder weniger stur durchgehaltenen ideologischen Entwürfen und Entschlüssen auf der andern

Das bestreite ich, und zwar u.a. deshalb – sorry, don’t want to resist – weil ich die Unterstellung, es gebe eine Logik und ein logisches Verhältnis der Vorstellungen, Ideologien, Weltbilder, teile. Willkür und oder die Unterstellung rein willkürlicher Motive hat darin keinen Platz, im Minimum erfordert die „Logik“ eine Scheidung von „Gut“ und „Böse“, den herrschaftlich abgeleiteten Verabsolutierungen von „nützlich“ und „schädlich“. Andernfalls wäre nicht einmal der Zustand von Herr-Schaft, ihr historisches Kontinuum, Grundlage jener „Logik“.
Diese „Lücke“ in Deinen Gedanken wird in Punkt 5 prominent, mitsamt ihrem mutmaßlichen Grund: Du möchtest Herr-Schaft offenbar gern durch etwas benevolentes ersetzen, etwas, das leistet, woran sie Deiner Ansicht nach „scheitert“. Ziehe mal in Betracht, daß sie nicht „scheitert“, weil sie die Zwecke und Aufgaben, die Du ihr stellst, nicht hat, daß ihr kanibalisches Moment final sein könnte!

Ich bin nicht sicher, wie gut ich verstehe, was Du in den Thesen 1 bis 4 sagen willst, gebe Dir aber unter dieser Einschränkung folgendes zu bedenken:

Der Klassengegensatz, dem sich die bürgerliche Staatssouveränität – eine poltische Macht oberhalb der ökonomischen Mächte – verdankt, ist antagonistisch, absolut unversönlich, und deshalb sind es die Gegensätze innerhalb der Kapitalistenklasse nicht! Sie erscheinen zwar so – „es kann nur einen geben“, gilt in der Konkurrenz um Eigentumsanteile, egal, wie gequantelt sie sind – sind es aber nicht gegenüber den Ausgebeuteten. In der internationalen Konkurrenz entfällt vom Standpunkt der Souveräne der Klassengegensatz. Seine gewaltsame Versöhnung im Staatsinteresse ist dieser Konkurrenz voraus gesetzt, obwohl die Voraussetzung freilich ein praktisches Ideal ist – bei den konkreten Streitpunkten spielt er ja eine indirekte Rolle, weil die gewaltsame Versöhnung in unterschiedlichen Staaten anders gehandhabt wird.

Daher – dies nun mein Schluß und meine Behauptung – ist der Gegensatz zwischen Souveränen – abermals gilt, „es kann nur einen geben“ – im Unterschied zu den Gegensätzen der kapitalistischen Konkurrenz, formeller Natur. Das ist das volle Gegenteil einer Relativierung! Man kann sich der Sache auch gleichsam „von unten“ nähern, und konstatieren, die politische Souveränität ist von vornherein formeller Natur, sie beansprucht und behauptet ein Eigentum an etwas, das sie nicht besitzt, über das sie nicht verfügt, und verfügt zugleich über Besitzstände, an denen sie kein Eigentum hat. Dasselbe kommt im internnationalen Verkehr nur zur Erscheinung.
Da diese formelle Souveränität aber zugleich notwendig im Klassengegensatz gründet, ist sie tatsächlich Selbstzweck. Es gibt keine „gewaltsame Versöhnung“ auf höherer gesellschaftlicher Ebene (auch eine „Sorge um den Bestand des Planeten“ gibt sowas nicht her), sondern nur restlose Vernichtung des einen Anspruches gegen den anderen. Sie ist in der geschichtlichen Entwicklung stets nur aufgeschoben.
Man könnte sagen, dies ist das einzige, was Fundamentalisten aller religiösen Couleur wirklich begriffen haben, wie ideologisch auch immer die Form, in welche sie den Begriff kleiden. Wie auch anders, der Begriff ist älter, als „die Apokalypse“, es ist das Alpha zum Omega, nämlich Noah auf seiner Arche …

Im Hinblick auf 5. will ich Dich daher nur an den „Club of Rome“ mahnen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Club_of_Rome

Der hat es zur Religionsstiftung eben nicht gebracht! Logischerweise nicht, denn seine Basis ist nicht „der Mensch“, sondern, „die Nationen“, auch wenn er das mit der Territorialität des Planeten bebildert.

Umgekehrt.
Willst Du „den Planeten retten“, dann ziehe in Betracht, daß man ihn den Subjekten zurück erstatten könnte und vielleicht sollte, die ihn bevölkern, bewohnen und bebauen – jedem einzelnen von ihnen!

(Antwort auf Nachfrage nach dem Obama-Programm)

Dieses Papier war gemeint:
http://bipartisanpolicy.org/wp-content/uploads/sites/default/files/us%20policy%20toward%20iranian%20nuclear%20development.pdf
Die Ag-Friedensforschung (Mellenthin) hat das damals als Kriegsprogramm verstanden und verkauft, und im weiten Sinne ist das natürlich korrekt. Liest man es jedoch genauer und hält es gegen Geschehnisse von 2007 bis Sommer 2008 ist es eine klare Abstandnahme von einer „militärischen Lösung“, mit den notwendigen Konzessionen und Angeboten an republikanische Parteigänger derselben.

Ein paar Antworten

1) Ein internes Memorandum einer abweichenden Partei zur Syrienpolitik des Weißen Hauses und State Department wurde mit Getöse (NYT, WSJ, Reuters) durch die Medien gezogen. Es plädiert für Luftangriffe auf die politischen und militärischen Kommandozentren in Damaskus.
http://www.moonofalabama.org/2016/06/know-nothing-diplomats-prepare-for-hillarys-war-on-syria.html
Ich verlinke den MoA-Eintrag der Verweise wegen, die er (und die Kommentatoren) beibringen, nicht, weil ich mit der Darstellung einverstanden wäre. Bernards Getobere über „Know nothing, stupid, dishonest ‚diplomats'“ fällt voll auf sein Unwissen, seine Dummheit zurück, was selbst ein mäßig unbedarfter Leser daran erkennen kann, daß er zum x-ten Mal eine „russische Wunderwaffen“-Suada bemüht, die Kriegsfraktion zu blamieren. Wenn Pepe Escobar so etwas tut – ich erwähne das, weil es weiter unten noch eine Rolle spielen wird – ist das eine andere „Nummer“, denn der pflegt kenntlich ironisch daran zu erinnern, das russische Militär sei jetzt und künftig imstande, Russland und Partner, denen gegenüber es bi- oder multilaterale (CSTO) Beistandsverpflichtungen hat, unterhalb der atomaren Schwelle wirksam gegen Angriffe der NATO zu verteidigen (Belarus, Kasachstan, Armenien, Turkmenistan. Südossetien). Syrien zählt nicht zu diesen Partnern, die Ernennung der Militärbasen Tartus und Latakia zu exteritorialem russischen Gebiet ändert daran nichts!
Bei einem israelischen oder amerikanischen Angriff auf Damaskus bekämen Lavrov und Putin alle Mühe, unter Mienen von Erschrecken, Betroffenheit und Abscheu das fette Grinsen zu verstecken, das sie anfallen würde, weil es ihnen gleich auf einem Dutzend regionalpolitischen Feldern in die Hände spielte. Ich will darunter nur den einen Punkt nennen, der aktuell zu den meist diskutierten zählt: Rojava. Ein Angriff auf Damaskus beendete abrupt die kurdisch-amerikanische Zusammenarbeit, ohne der Türkei wirksam in die Hände zu spielen, weil die russische Präsenz in Latakia erhalten bliebe und aufgewertet würde und der Iran kaum eine andere Wahl hätte, internen Widerständen schiitischer Islamofaschisten zuwider Rojava zu stützen.
Denn ein Angriff auf Damaskus wäre in erster Linie gleichbedeutend mit der Kündigung aller Vereinbarungen mit dem Iran und damit dem Eckstein der amerikanischen Außenpolitik der vergangenen 8 Jahre, vergleiche diese Debatte:
http://www.heise.de/forum/p-28757177/
Daran kann auch der Türkei nicht gelegen sein – dafür unten gleich ein aktuelles Symptom! – und deshalb ist diese Aussage:

The situation in Syria could rapidly change in favor of the Syrian government should Turkey change its bifurcating policies

gleich mehrfacher Bullshit. Die Türkei wird ihre Syrienpolitik schon deshalb nicht ändern, weil es sie gegen die NATO-Generäle stellte, die ihre Regionalpolitik bislang gegen Washington deckte, und wenn sie es täte, rückte zwar eine syrische Rückeroberung der Provinz Idleb in den Bereich des theoretisch Möglichen, bliebe aber weiterhin ein Fernziel gemessen an der Amtsübernahme Killary’s.
Was soll die Psy-Op unter diesen Umständen bewirken?
Sie bestätigt m.E. klar und deutlich, was ich hier ff schrieb:
http://www.heise.de/forum/p-28768697/
Die Chaosfraktion will verhindern, daß in Syrien irgendeine Art Vorentscheidung vor Killary’s Amtsübernahme fällt, es soll freies Spielfeld der Chaosfraktion bleiben und das zielt aktuell v.a. auf Rojava, das ist mein nächster Punkt.

2) Federal plan for northern Syria advances with U.S.-backed forces
http://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-syria-federalism-idUSKCN0Z21FN

Noch vor der Amtsübernahme Killary’s will das Centcom nach der Darstellung Tom Perry’s eine Semi-Staatlichkeit Rojavas vollendet sehen. Nach dem Prinzip „You buy in it, you own it“ wäre damit ein Keil zwischen Pentagon-Führung und NATO-Führung getrieben, den Killary nicht mehr zwanglos „ziehen“ kann. Über Damaskus wäre keine Vorentscheidung gefällt, es bliebe dabei, daß die führenden Kräfte in Rojava keine Eigenstaatlichkeit wollen (die im Übrigen nicht viabel wäre), sondern Syrien gern zum Bundesstaat gewandelt sähen, die türkische Absicht, Rojava blutig zu „barzanisieren“ und in Aleppo ein exteritoriales türkisches Gouvernement zu errichten, wäre allerdings abschließend vereitelt.
Darauf reagierte Erdogan mit den von Pany berichteten Abstrichen von seiner bisherigen Haltung, aber das ist in erster Linie türkische Innenpolitik, gedacht zur Besänftigung der wachsenden Zahl von Kritikern der türkischen Syrienstrategie innerhalb der AKP, der Armee und Zivilgesellschaft, einschließlich großen Teilen der Klein- und Großbourgeoisie, denen unentwegt Felle schwimmen. Eine Art Beweis liefert der nächste Punkt:

3) Vorbereitungen für den Kriegsfall im Schwarzen Meer
Bereits vor 7 Tagen blies „USA today“ einen Routinevorgang zum großen Politikum auf:
http://www.usatoday.com/story/news/2016/06/10/russia-vows-response-us-naval-ships-entry-into-black-sea/85686822/
Die USS Porter war ins Schwarze Meer eingefahren und hatte vor Varna geankert. Das 9000 t – Schiff erfüllt die Bedingungen des Vertrages von Montreux, ein Routinevorgang also, wäre die USS Porter nicht erst kürzlich zum Aegis-Träger ausgebaut worden:
https://en.wikipedia.org/wiki/USS_Porter_(DDG-78)
Nach der Indienstnahme der Aegis-Bodenstation in Rumänien gehört die USS Porter daher in deren Drohpotential, das nach Putins kürzlicher Erklärung Rumänien „ins Fadenkreuz russischer Verteidigungsmaßnahmen“ rückte. Die Reaktion des russischen Außenministeriums war daher erwartbar, sie war knapp und ebenfalls Routine, kenntlich daran, daß sie nicht einmal den Namen des Schiffes und den Zusammenhang mit Aegis nannte:
http://sputniknews.com/world/20160610/1041111937/russia-us-black-sea.html
Für die Gegenseite des politischen Spektrums leistete Sott.net, wie immer in solchen Fällen, seinen Beitrag zur imperialen Agenda, und blies den Vorgang ohne ein Wort zu Aegis, dafür mit einem „Red Herring“ zur Präsenz der US-Trägerverbände im Mittelmeer auf, die, wie wir wissen, direkt mit dem russischen Syrienkommando zusammen arbeiten:
https://www.sott.net/article/319948-US-muscle-flexing-in-Black-Sea-Mediterranean-will-see-Russian-response

Fünf Tage später erschien bei Newsweek dies:
http://europe.newsweek.com/nato-strengthen-black-sea-despite-russia-warning-470717?rm=eu

NATO is looking to further reinforce the Black Sea region despite Russia’s warning it is prepared to neutralize any perceived threats to its security there … According to NATO Secretary General Jens Stoltenberg the alliance is looking to strengthen its Black Sea assets …“We are looking into how we can increase our presence in the Black Sea region,” Stoltenberg said at a press conference before a meeting of defense ministers in Brussels Tuesday. “We have already increased our presence with more air-policing, with assurance measures, with more naval presence and more exercises.
“But we are also looking into what more we can do. And we are discussing and addressing an offer from Romania that they can provide the framework, the headquarters for a brigade which can then organize and facilitate NATO activities in the region, including exercises and also assurance measures.”

Bulgarien bot augenblicklich seinen Premierminister auf, klar zu stellen, daß es sich um eine einseitige Initiative des NATO-Marinekommandos handelte, die nicht mit Bulgarien abgesprochen war und auf entschiedenen bulgarischen Widerstand treffen werde:
https://www.dailystar.com.lb/News/World/2016/Jun-16/357301-bulgaria-says-will-not-join-any-nato-black-sea-fleet-after-russian-warning.ashx
http://edesknews.com/bulgaria-refused-to-join-the-nato-fleet-in-the-black-sea/
Schon nahe am Rand einer militärischen Drohung fiel die russische Reaktion aus:
http://sputniknews.com/politics/20160616/1041440573/nato-black-sea-russia.html
Die Antwort des NATO – Oberkommandos: Mobilisierung Erdogans gegen den bulgarischen Widerstand, sodaß die Aegis-Marinepräsenz unter möglicher Kündigung des Montreux-Vertrages dennoch zu einem Hauptthema der Warschauer Natoratstagung im Juli wird:
http://www.hurriyetdailynews.com/erdogan-will-go-to-nato-warsaw-summit-with-critical-messages-on-black-sea-syria.aspx?pageID=238&nID=100583&NewsCatID=510

In diesem Zusammenhang ist zu beachten, daß die NATO vor wenigen Tagen erst den „Cyberspace“ zum Verteidigungsraum der Allianz ernannt hat, so daß die Option geschaffen wurde, auf Electronic Warfare-Angriffe, wie Russland sie angeblich 2014 zur Abschreckung gegen die USS Donald Cook im Schwarzen Meer ausführte
http://www.heise.de/tp/artikel/41/41562/1.html
den NATO-Bündnisfall nach Art.5 einzufordern.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-06/cyberwar-nato-jens-stoltenberg-operationsgebiet
Dann können wir getrost darauf wetten, daß dies spätestens im kommenden Jahr geschieht, denn selbstverständlich hat Putin mit seiner „Fadenkreuz“-Bemerkung nicht auf einen möglichen konventionellen oder atomaren Angriff auf Aegis-Stationen mittels Iskander-Kurzstreckenraketen angespielt, wie vielerorts kolportiert wurde, sondern auf einen möglichen EW-Angriff, der die NATO-Installationen und assistierende Aegis – Einheiten der NATO im Schwarzen Meer neutralisieren könnte, ohne einem US-Marine die Haut zu schürfen.

Als ich gestern schrieb, die amerikanische Unterwerfung der EU sei mit dem Putsch in der Ukraine „unumkehrbar“ geworden, weil der das Schwarze Meer zum amerikanischen Seegebiet bestimmte
http://www.heise.de/forum/p-28767595/
kannte ich diese Entwicklung noch nicht.

„Russen bombardieren Pentagon-Proxies (New Syrian Army)“

http://www.dailystar.com.lb/News/Middle-East/2016/Jun-17/357501-two-us-backed-fighters-killed-in-syria-raids-activists.ashx

Über die „NSA“, die seit März dieses Jahres als US-Gatekeeper auf der syrischen Seite des irakisch-syrischen Grenzübergangs al Tanf, inmitten einer Wüste firmiert, wäre einiges zu schreiben, aber ich will mich darauf beschränken, daß die von AP und Reuters promotete „Meldung“, angeblich autorisiert von einem „hohen Pentagon Beamten“, alle Kennzeichen eines Hoaxes hat. Der Vorgang, um den es gehen soll, wurde vom SOHR, das sich mit voreiligen Schuldzuweisungen an die russische Seite nie zurück hält, ohne eine solche gemeldet:
Unidentified warplanes target the border area with Iraq al-Tanf during Syrian and Iraqi factions meeting
http://www.syriahr.com/en/2016/06/17/47701
Kein Wunder, denn die angegebenen Details schließen praktisch aus, daß ein Luftangriff überhaupt stattgefunden hat. Selbst die improvisiert zu Kampfbombern umfunktionierten MIG 21 der syrischen Luftwaffe würden ein besseres Resultat erziehlen, als in zwei Angriffswellen auf ein Terrorcamp zwei Zielpersonen zu töten und ein paar Fahrzeuge zu zerstören und zu beschädigen. Die Schadensangabe dient den Überbringern der „Nachricht“ offenbar dazu, bei Bedarf von dem Hoax zurück zu treten und ihn auf untergeordnete Informanten zu schieben.

Natürlich wäre die Sache unter normalen Umständen nicht der Rede wert, aber die Hoax- Kampagne figurierte als eine direkte Antwort auf Lavrovs gestern auf dem Petersburger Forum vorgetragene Beschuldigung, „einige Kräfte“ in den USA würden Al Nusra decken, schützen und verschonen, um Al Qaida weiterhin als Proxie-Truppe nutzen zu können. Wenn Gewährsleute der AP, Reuters etx im Pentagon dagegen nichts weiter aufzubieten haben, als diesen offenkundigen Quatsch, dann steht es wohl ziemlich schlecht um sie, und deshalb berichte ich das.

Killary läßt grüßen

(25.6.) Rötzer berichtet über die Abschaffung der freien Presse und die drakonische Verfolgung aller Regimekritiker in der Türkei, um seinem Publikum am Ende eine von einem bekennenden Propagandaorgan der Regierung veröffentlichte „Umfrage“, die von einer bekennenden Werbefirma erstellt wurde („Objektive Research Center“), als die „Objektive Wahrheit“ zu verkaufen. „Die Türken wollen es doch nicht anders„.

Mehr wäre zu dem Machwerk nicht zu sagen, falls man keine Hinweise will, warum – möglicherweise – ein Rötzer sowas tut. Dazu zitiere ich mich erstmal selbst:
http://www.heise.de/forum/p-28791329/

Damit zu Steinmeiers Vorstoß in der BamS. Daß es sich um ein reines Propagandamanöver handelt, zeigt schon der Veröffentlichungsort. Die eigentliche „action“ fand in Petersburg statt, nachdem „Politico“ und Reuters Ende letzten Monats Drohungen anläßlich der bevorstehenden Teilnahme Junckers am Petersburger Forum veröffentlicht hatten. Junckers Reaktion: Er vereinbarte promt einen persönlichen Gesprächstermin mit Putin, der zum Zeitpunkte der transatlantischen Angriffe nicht auf seinem Programm gestanden hatte.
Nimmt man beide Vorgänge zusammen, könnte man spekulieren, daß Juncker in Petersburg eine Frist erhalten hat, zumindest ein „Kerneuropa“ – Deutschland, Frankreich, Italien und evtl. die Niederlande – auf einen gemeinsamen Kurs in der NATO gegen die Eskalationspläne derselben zu vergattern. Steinmeier eröffnete mit dem Interview eine Initiative zur Aufhetzung eines breiten Publikums gegen die NATO, zu Lasten der AfD und zugleich auf der Basis einiger Politisierungs- und Mobilisierungseffekte, die AfD erzielt hat. Das ist in internen transatlantischen Konsultationen zugleich als innenpolitische Initiative gegen die rechtsnationalen Populisten Europas und damit letztlich zugunsten des transatlantischen Verhältnisses zu verkaufen.
Rötzers Artikel fügt sich ziemlich nahtlos in diese Strategie.

Das war beklagenswert daneben. Einer der Gründe ist, daß einer der schlauesten deutschsprachigen politischen Analytiker – meiner einer nämlich – keinen Zugang zu „must read“-Quellen wie „Foreign Affairs“, FT, Le Monde etx hat, weil Hartz das nunmal nicht hergibt. So verpasste ich das hier:
https://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Interviews/2016/160615_BM_ForeignAffairs.html
Steinmeiers Namensartikel, der das berufene US-Publikum von einer breiten Offensive der deutschen Imperiumspolitik in Kenntnis setzt, zu welcher der oben thematisierte Vorstoß in der BamS folglich zu zählen ist. Nicht die Defensive, die ich dahinter wähnte.

Was gleich Anlaß zu einer aktuellen Nebenbemerkung gibt. So selbstverständlich antizipierte die deutsche Regierung die Schwächung der transatlantischen Mafia des UK in der EU durch das Referendumsergebnis. Unter Tomasz Konicz:

Mit dem Sieg des Brexit-Lagers ist die deutsch dominierte EU in der gegenwärtigen Form de facto am Ende.

schrieb ich gestern „Nachrichten aus dem Paralleluniversum, kT“. Da kannte ich Steinmeiers Artikel noch nicht, mußte ich auch nicht, denn der antideutsch verhetzte Irrsinn einer solchen – übrigens lupenrein, wenngleich negativ, nationalistisch motivierten – Aussage ist für jedermann kenntlich. Wenn der einzige konsequent agierende Feind deutscher Dominanz in der EU sich aus dem Feld nimmt, soll das Ende dieser Dominanz eingeleitet sein? Konicz „Teaser“ täuschte die Leser obendrein, im Text redet er partiell korrekt von einem „übrig gebliebenen“ Deutschland. Egal, meine Nebenbemerkung gilt der Frage: Warum halten Rötzer und seine Geldgeber an solch einem Irrsinn fest, noch dazu in prominenter Rolle?

In Verbindung mit dem vorliegenden Artikel gibt Steinmeier eine Teilantwort, die ich – natürlich! – bei Strafe nicht zitieren darf. Er verteidigt und rühmt die deutsche Umarmungsstrategie gegenüber der Türkei, entgegen dem scheinbar prämodernen Kurs des Landes, der so etwas nominell verböte, indem er sie als schadensbegrenzendes und potentiell heilendes Verfahren ausgibt, das die Distanzierung des Weißen Hauses – im Unterschied zum State Department – von Erdogan und die gegen die Türkei gerichtete Syrien- und Irakstrategie des CENTCOM ergänze.
Rötzers „die Türken wollen es doch so“ geht in die entgegen gesetzte Richtung. Immer noch dasselbe „Drama“, Killary vs. Obama.

Wenn es nur darum ginge, daß ein Journalist oder ein Presseorgan sich in voraus eilendem Gehorsam dem künftigen Herren und Auftraggeber andient, wäre die Geschichte trivial, aber es geht nun mal um viel Blut.

How US gave Fallujah’s Sunnis into Iranian hands
DEBKAfile Exclusive Report June 20
Kein Medienorgan, außer DEBKA, berichte über die Massaker an der sunnitischen Bevölkerung Fallujahs, welche die iranischen Milizen auf Befehl der Kommandeure der Revolutionsgarden anrichteten. Es gebe kaum einen Unterschied zwischen der Barbarei der schiitischen Horden und ISIS, schreibt Debka, ja, oftmals seien die Verbrechen der Schiiten „scheußlicher“ und „wilder“, besonders, was Vergewaltigung und Ermordung von Kindern und Frauen, die „Exekution“ von Kindern und Greisen mit Bajonetten und im Kugelhagel angehe.

Das ist kein schlechter Scherz, sondern die Erklärung für eine laufende Kampagne, die freilich unauffälliger vorgeht.
https://www.washingtonpost.com/world/middle_east/we-are-desperate-for-iraqis-fleeing-fallujah-its-one-nightmare-to-another/2016/06/21/d603dd28-36a2-11e6-af02-1df55f0c77ff_story.html
http://www.jpost.com/Middle-East/ISIS-Threat/After-Obama-touts-military-gains-US-officials-warn-campaign-against-ISIS-could-backfire-457470
http://www.jpost.com/Jerusalem-Report/LIVING-IN-A-POST-AMERICAN-MIDDLE-EAST-457453
Reuters, AP, dpa, APA berichten unter Berufung auf die obligatorische SOHR und einen „Aktivisten“ aus Afrin, in und um Al Bab habe Daesh 900 Zivilisten, überwiegend Kurden, entführt, dreihundert davon „nach Raqqa“, und Al Bab werde zur „Festung“ ausgebaut.
Tatsächlich führt ISIS mit türkischer Billigung, wenn nicht im türkischen Auftrag, eine klassische ethnische Säuberung durch, wie ARAnews bereits vor einigen Tagen nach Gesprächen mit Bewohnern des Kreises Manbij meldete:
http://aranews.net/2016/06/life-isis-civilians-speak/
Ermordung der männlichen Bevölkerung, systematische Vergewaltigung der Frauen und Mädchen nebst anschließender Zerstörung der Häuser.

Von der bevorstehenden Reaktivierung der militärischen Zusammenarbeit zwischen Türkei und Israel hat Thomas Pany hier berichtet, auch die Initiative von 50 „Dissidenten“ am State Department, die für Luftangriffe auf Damaskus und die Stellungen der Syrischen Armee plädierten, unterstelle ich als bekannt. Inzwischen hat Kerry einen offiziellen Gesprächstermin mit den Dissidenten vereinbart, als handele es sich nicht um Beamte, um Subalterne eines weisungsgebundenen Ministeriums der von Obama geführten Regierung, sondern um politische Akteure.

Unterdessen wird der politische Handlungsspielraum der Türken und der mit ihnen verbündeten NATO-Offiziere enger. Südkurdistan wird gemäß einem vor zwei Tagen in Teheran geschlossenen Vertrag die über die Türkei exportierte Ölmenge zugunsten der iranischen Pipeline halbieren:
http://anfenglish.com/kurdistan/southern-kurdistan-s-oil-to-flow-to-iran-instead-of-turkey
Nach der Grenzöffnung zwischen West- und Südkurdistan wird die UN im kommenden Monat zusätzlich 1400 Tonnen Hilfslieferungen nach Qamishli fliegen, die, im Unterschied zu früheren, von der syrischen Regierung organisierten Hilfsflügen, an die kurdische Stadtverwaltung übergeben werden, damit die Lieferungen nicht zu Plünderungen und Erpressungen mittels überhöhter Preise mißbraucht werden.
http://rudaw.net/english/middleeast/syria/230620162

Parallel dazu hat die Türkei nach Angaben von ANF in den letzten Tagen Artillerieangriffe auf kurdische Stellungen um Kobane wieder aufgenommen, die für einige Monate eingestellt waren. Während der kurdische Innenminister verkündete, der „Antiterrorkampf“ in den Städten Anatoliens sei „im Wesentlichen abgeschlossen“, hat die Armee unter der Deckung der von Rötzer berichteten Ermächtigung zu Kriegsverbrechen und ethnischen Säuberungen eine großräumige Operation im Landbezirk Diyarbakir begonnen:
http://anfenglish.com/kurdistan/39-villages-placed-under-curfew-amid-an-expanding-military-operation
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird in den 39 abgeriegelten Orten dasselbe geschehen, wie in den Städten: symbolische Massaker, flächige Zerstörung von Wohnraum. Die von Flüchtlingen aus den Städten aufgestockte Bevölkerung wird aus der Provinz vertrieben. Aber wohin?
Der Weg nach Westen dürfte versperrt oder erheblich erschwert sein. Ein Teil wird versuchen, in den nordöstlichen Provinzen Unterschlupf zu finden, dem Rest bleibt der Weg nach Osten und Süden, über die irakische Grenze.

Im Minimum ist zu konstatieren, daß die Türkei, Israel und Saudi Arabien den Druck in Richtung auf eine Invasion Syriens, gedeckt von den Luftwaffen einer „Koalition der Willigen“ gegen das Weiße Haus, systematisch verstärken. Dann darf man auch unterstellen, daß der Kampagne ein konkretes Ziel, ein planmäßiges Szenario zugrunde liegt, auch wenn darüber derzeit zwischen den Aspiranten noch verhandelt werden dürfte, weil es an einer Führung fehlt. Über diese Führung werden in zwei Wochen in Warschau Vorentscheidungen fallen und darum geht es in der aktuellen Phase des Dramas „Killary vs. Obama“, in das sich Rötzers Artikel inseriert. Mit wieviel Absicht und Kalkül das geschieht – eher weniger, darf man vermuten – ist dabei nicht von Belang.

Zum türkischen Staatsstreich

Ein Aufstand aus den Reihen der mittleren und höheren Offiziersränge gegen Regierung, Militärführung und eine Bevölkerungshälfte konnte nur Erfolg haben, wenn er die Generalität genötigt hätte, den revoltierenden Truppenteilen Zugeständnisse zu machen. Dazu hätte man Fidan Hakan, Erdogan, Yilderim und ein paar andere unbedingt töten müssen, um die Türkei führungslos zu machen, die Militärführung zu einer übergangsweisen Machtübernahme und Vermittlung einer zivilen „Regierung der nationalen Einheit“ zu zwingen. Die Aufständischen hätten sich dann in der Hoffnung auf Solidarität aus den unbeteiligten Truppenteilen der Gnade und Milde der Militärführung ergeben müssen. Ein höchst idealistisches Unterfangen.

Dilettantismus und Verrat wurden zu einer Inszenierung genutzt, deren erstes Opfer die Gendamerieführung wurde, die einem sofortigen Gegenangriff zum Opfer fiel. Die Aufständischen scheinen über die nötigen Kräfte verfügt zu haben, die Führungsfiguren der AKP und des MIT, ihre engste Gefolgschaft und ihre Hauptquartiere auszuschalten, aber sie wurden nicht auf dieses Ziel konzentriert.

Vgl. a.:
http://www.bbc.com/news/world-europe-36814044
Why did Turkish coup plot fail? By Paul Kirby

Beachtenswert: Rainer Hermann erklärt den Putsch

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/tuerkei/militaerische-hintergruende-zum-putschversuch-14343716.html

Hermann – lest bitte unter seinem Profil, wen ihr vor euch habt – erklärt die Meuterei nahezu unumwunden zur LIHOP.

Ich will auch auf den US-Außenminister verweisen:

QUESTION: Given the closeness of military ties between Turkey and the United States as NATO members, how could this happen without any hints to people in the United States?

SECRETARY KERRY: Well, not very hard, frankly. If you’re planning a coup, you don’t exactly advertise it to your partners in NATO. So it surprised everybody, including the people in Turkey.

Inzwischen wurde bekannt, daß von der NATO-Basis Incirlik aus gestartete Kampfhubschrauber und -flugzeuge an der Meuterei beteiligt waren und der Kommandant der Basis verhaftet wurde. Der Luftraum wurde auch für NATO-Flieger gesperrt, Incirlik von der Außenwelt abgeschnitten und zeitweise von der Energieversorgung getrennt.
Das lenkt den analytischen Blick auf die prominentesten Lücken in der Darstellung Hermanns, die dem Elitepöbel auffallen müssen und folglich sollen (Hermann ist kein Journalist. Leute, die nicht (vorbehaltlich, versteht sich) unterstellen, daß er einer der wichtigsten „informellen Mitarbeiter“ des BND ist, können Rosen züchten, aber nicht politische Urteile fällen.) Er verschweigt nicht nur die Verhaftung des Incirlik-Chefs, sondern auch des Kommandeurs der 2. Armee, welche die Truppen in den Grenzgebieten nach Syrien, zum Irak und Iran stellen. Ich habe das Rumpfskelett der Meuterei hier skizziert:
http://www.heise.de/forum/p-28910718/
Folgerung: Selbstverständlich haben die genannten Generäle genau das getan, was Kerry maliziös ins Reich der Fabel stellte, sie haben bei ihren NATO-Kontakten vorgefühlt, ob die türkische Armeeführung, falls sie sich nach der Ermordung Erdogans und vielleicht Hakan Fidans zumindest partiell hinter die Ziele der Meuterer stellte, auf Anerkennung aus Washington rechnen könne.
Die Analyse muß daher davon ausgehen, daß die NATO-Führung maßgeblich an der LIHOP-Operation beteiligt war.

Indem Hermann einerseits die Beschuldigungen der Gülen – Bewegung klar zurück weist, andererseits die Indizien für eine Beteiligung der NATO und des State Department an der Machtergreifung bedeutungsschwer verschweigt, und drittens unkt, die anstehenden Säuberungen würden eine „allgemeine Unzufriedenheit“ unter den bewaffneten Kräften der Türkei nicht abstellen, bietet er die deutsch geführte EU als Adresse für die Unterstützung von Widerständen gegen den türkischen Islamofaschismus an.

Natürlich nicht deshalb, weil die Bundesregierung der Neuformierung der Türkei im Rahmen der künftigen Kriegspolitik der Killary-Administration wehren will – das kann sie nicht. Aber Einfluß nehmen zu können kann sie immerhin hoffen.

Neuer Mitleser schrieb am 17.07.2016 12:42:

Der Nutzen davon will mir zwar noch nicht so richtig einleuchten …

In erster Instanz wundert mich das. Die Meuterer haben sich zwar sehr undeutlich geäußert, weil sie mit Blick auf die Akzeptanz des Krieges gegen die kurdische Bevölkerung (gegen die in ihr verbreiteten Demokratievorstellungen und gegen ihre tribalen Autoritäten) auf der türkischen „Straße“ eine konkrete Distanzierung vom Kurdenkrieg vermieden haben, aber daß zumindest die verschwiegenen, hohen Verluste der Armee eine prominente, vielleicht die entscheidende Rolle sowohl für die Meuterer, wie ihre Gegner spielte, legen eigentlich alle Kommentare auf die eine oder andere Weise nahe. Das „Zauberwort“ dieses Motives ist buchstäblich in aller Munde: Stabilität. Nachdem der Kurdenkrieg nun einmal begonnen und geführt wurde, wie es geschah, und weil er den Rückhalt der Straße hat, muß er aus Sicht der Interessenten an türkischer Staatssouveränität unter allen Umständen bis zum bitteren Ende, notfalls „bis zum letzten Kurden“ geführt werden. Ein Rücktritt vom Genozid, der die türkische Staatssouveränität nicht beschädigte, minderte, beschränkte, oder, bei der denkbarst optimistischen Deutung, auf Jahre verunsicherte, ist nicht länger erhältlich.

Und das paßt in keine imperiale Agenda, weder in die der Fraktion, die Killary auf den Schild hebt, noch die ihrer Gegner.
Wenn man sich mal für einen Moment in von außen induzierten die Drangsale eines Erdogan hinein versetzt, könnte einem der Kerl glatt leid tun. Von der Ägais-Küste abgesehen stehen alle Territorien, an welche die Türkei grenzt, kriegerisch in Frage. Soeben hat die Kriegsfraktion in den USA demonstriert, daß sie trotz der bitteren Schlappe, die sie letztes Jahr bei dem Versuch erlitt, eine „Farbenrevolution“ in Armenien zu stiften, und obwohl der Versuch, den Karabach-Krieg neu zu beleben, von China und dem Iran gestützten Widerständen innerhalb Azerbaidschans zum Scheitern gebracht wurde, nicht nachzulassen gedenkt, Armenien zum Kriegsgebiet zu machen.
https://www.rt.com/news/351668-yerevan-police-gunmen-hostage/
Und der amerikanische Kongress hat vor wenigen Tagen mit der Entscheidung, einen großen Deal Boeings mit dem Iran zu stoppen, deutlich gemacht, daß er Killary’s angekündigter Reeskalation des Irankrieges nichts in den Weg stellen will, sondern „mit allem zu rechnen“ gedenkt. Susan Rice hat vor einigen Wochen „starken Hoffnungen“ Ausdruck verliehen, daß der Ukrainekrieg noch in Obamas Amtszeit verläßlich eingefroren werden könne. Mit anderen Worten: Das Weiße Haus (Susan ist Obamas „Sicherheitsberaterin“, geht davon aus, daß eine Wiederaufnahme des Schieß- und Proxykrieges in der Ukraine zu den ersten Projekten Killary’s bzw. ihrer Hinterleute zählt.

So wollen halt alle westlichen Mächte UND Russland UND der Iran „stabile Verhältnisse“ in der Türkei, weil sie nur unter dieser Voraussetzung halbwegs verläßliche Kalkulations-, einschließlich Erpressungsgrundlagen haben werden.

Antwort auf Es spielt keine Rolle, ob der Putsch inszeniert oder echt war

Dies Fehlurteil „lebt“ von einer Unterstellung

genau einer Unterstellung, die in diesem Absatz enthalten ist:

Erschreckend ist vor allem, wie alle anderen Abgeordneten der AKP wie Sektierer hinter ihrem Guru hinterherlaufen. Da ist keiner, der Grenzen setzt. Der dem Machtstreben des Despoten etwas entgegensetzt und ihn in die Schranken weist.

Es gab in den letzten Monaten Anzeichen für wachsende Reserven, auch Widerstand, in der AKP gegen die Präsidialdiktatur, den Führerkult und die Radikalisierung der islamofaschistischen Staatsdoktrin. Das wurde für Erdogan umso gefährlicher, je mehr sich diese Stimmen auf Zuspruch aus der Klein- und Großbourgeoisie stützen konnten.

Im Frühjahr 2013 haben die USA den türkischen Interventionsplänen in Syrien mit dem „Frieden von Serekaniye“ ein vorläufiges Ende gesetzt und seither hat die türkische Lira gegen den Dollar in steilem Abstieg nahezu 40% verloren, gegen den € knapp 30%. Natürlich gibt es keinen direkten, ursächlichen Zusammenhang, aber der Zusammenhang wird in der Summe von den ökonomischen Akteuren geschaffen und bildet in dieser Summe eine Kalkulations- und Urteilsgrundlage.

Das türkische BIP war nach scharfem Einbruch 2009 in den Jahren ’10 und ’11 wieder rund 9% jährlich gewachsen und brach mit Beginn der „heißen“ Phase des Syrienkrieges auf unter 3% ein. Die leichte Erholung seither geht auf Staatsverschuldung und Großprojekte zurück, auf die Gewinne aus dem illegalen Iran-Handel und aus einem starken Anstieg russischer Investitionen und des Außenhandels mit Russland und den übrigen GUS-Ländern, der nach dem Abschuß des russischen Bombers abbrach. Von diesem Wachstum kommt bei der Kleinbourgeoisie und im Mittelstand schon aufgrund des Währungsverfalles nichts an.
Wenn es also auch vielen Akteuren in der Türkei klar sein mag, daß die Außenpolitik Erdogans und der Kurdenkrieg nicht die Ursache dieser Krise sind, bleibt es unbestreitbar, daß beides diese Krise verschärft, und zwar massiv.

Ex-Präsident Gül ist in der AKP ein exemplarischer „Patron“ dieser Klientel, und in den vergangenen Monaten wurden wiederholt „inquisitorische“ Blicke auf Gül gerichtet, ob er sich nicht zum Anführer des innerparteilichen Widerstandes aufschwingen werde. Gül war natürlich klar, daß jede Bewegung in diese Richtung ein Todesurteil gewesen wäre, er stand unter strengster Überwachung.
Aber durch solche Focussierung werden die Dunkelzonen der Opposition dunkler, die Grauzonen verwaschener. Daß die Säuberungs- und Verhaftungswelle aktuell mehr Angehörige der zivilen Verwaltung, insbesondere Staatsanwälte und Richter trifft, als Militärs, ist nicht bloß ein Indiz, es ist ein klarer Beweis, daß der neue Coup vor allem auf die Formierung und Säuberung der eigenen Reihen zielt. Auch die praktisch beschlossene Wiedereinführung der Todesstrafe, und ihre Ankündigung noch vor abschließender Niederschlagung des LIHOP-Putsches , ist ein klares Indiz für das Ziel, das Führerprinzip in der AKP abschließend durchzusetzen, indem jeder Widerstand dagegen mit ultimaten Mitteln kriminalisiert wird. Dazu bedurfte es des Putsches, für dieses Säuberungsziel war er unentbehrlich.

Zur Frage der Inszenierung und der NATO-Beteiligung

Der MIT hat mitgeteilt, den Generalstab um 16:00 Uhr „gewarnt“ zu haben. Die Putschhandlungen im engeren Sinne begannen nicht vor 20:00 Uhr, die Scheinangriffe auf Erdogan (falls nicht auch die komplett erfunden sind) und die MIT-Zentrale mehr als 2 Std. später. Selbst wenn wir dem MIT glauben, daß seine „Warnung“ zum frühest möglichen Zeitpunkt kam, hätte er den angeblichen „Putschversuch“ einfach unterbinden können, indem er ihn an die breite Öffentlichkeit brachte, wie Erdogan es ca. 7-8 Stunden später via CNN tat.

Die mediengesteuerte Reaktion scheint ziemlich unisono so zu sein, wie ein User das in einem anderen Thread vorführte:

Selbstverständlich hat ein echter Putschversuch stattgefunden (…) Es ist davon auszugehen, dass Erdogan frühzeitig gewarnt wurde. Erst ab hier beginnt dann die Inszenierung. Die Putschisten, die es zweifellos gab, hat man ins offene Messer laufen lassen.

Es ist so weit Leute. Die demokratische Öffentlichkeit, und an ihr das Publikum, setzt den menschlichen Verstand unter das Niveau von Ringeltauben herab. Die können tatsächlich bis zwei zählen, eine Mehrheit der Menschen kann das nicht mehr, weil sie das moralische Urteil an die Stelle von Fakten setzen. So wird „es gab Leute, die zu einem Putsch bereit waren und ihn planten“ = „es gab einen Putschversuch“.

Übrigens ist es exakt deshalb so wichtig, daß „Putschisten“ gehenkt werden, denn so macht man seit Jahrhunderten – ja, diesen Übergang macht die herrschaftliche verfaßte Menschheit immer wieder neu – das „1+1 = 1“ zur WIRK – LICH – KEIT. Wenn man den Todeskult der „zivilisierten Menschheit“ nicht auch aus anderen Gründen bräuchte, so wäre dies Motiv schon hinreichend für ihn …

Da ist es schon egal, daß, wenn der MIT um 16:00 gewarnt hat, die NATO hätte tun können, was er unterließ, spätestens gegen 17:00 Uhr die breite Öffentlichkeit mobilisieren. Man darf auch annehmen, daß die NATO die Autorität und die Mittel hat, rd. 5 Std. später den Start von Tankflugzeugen, die angeblich Rebellenmaschinen versorgt haben, von der Basis Incirlik verhindern zu können, nachdem der MIT ein allgemeines Startverbot verhängt haben will.

RT hat Aufnahmen von Überwachungskameras in Ankara zusammengestellt:
https://www.rt.com/news/352218-turkey-academics-ban-travel/
Offenkundig keine „Putschisten“, sondern Terrorangriffe.

https://theaviationist.com/2016/07/18/exclusive-all-the-details-about-the-aerial-battle-over-turkey-during-the-military-coup/

Re: Empfehle, den Aviationist-Artikel genau zu lesen

Anderenfalls ist es fraglich woher man immer noch einen Angriff befürchtet wenn die Situation unter wieder unter Kontrolle ist.

Das ist überhaupt nicht fraglich, Cpt., denn der MIT hat ja offiziell angegeben, daß es sich um eine LIHOP-Operation handelte. Er hat sich nicht an die Öffentlichkeit gewandt, wie Erdogan über 7 Std später, um echten Putschwilligen klar zu machen, daß sie keine Chance haben. Deshalb gab und gibt es einen Haufen Armeeangehörige, die sich – zu Recht oder Unrecht – von Gefangennahme, Folter, Tod bedroht sehen, obwohl sie keine „Putschisten“ waren, sondern wissen oder annehmen, sie waren zur Aussäuberung vorgesehen.

Re: Es geht um USA, Russland und Europa

Putin, ach du liebe Güte.

Vor vielen, vielen Monaten habe ich Klaus Peter II auf dieselbe „schwangere“ Frage anläßlich der türkischen Anstalten zum Einmarsch in Syrien sinngemäß geantwortet, in Moskau und Berlin werde man sich zurück lehnen und Popcorn bestellen, weil Erdogan „schon fertig“ habe, angesichts der inneren Widerstände, die er provoziert, es sei nur eine Frage der Zeit, daß er sehr ernstlich Probleme kriege.

Jetzt konsolidiert sich Erdogan und seine umgestellte Gefolgschaft neu, nachdem in Syrien und Richtung Iran Fakten geschaffen sind, die auch Killary voraussichtlich nicht mehr umstoßen kann und wird. Der Irankrieg wird voraussichtlich wieder aufgenommen, aber das muß jetzt anders geschehen, als zuvor. Was geht es da „Putin“ an, daß in Ankara, Istanbul etx jetzt einige 10 Tausend Leute aus den Fenstern geschmissen werden?

Es hätte in Moskau (und auch Berlin) jemanden kümmern müssen, wenn die Vorzeichen darauf stünden, daß man in Ankara jetzt Richtung Krim, Armenien, Azerbaidschan, Tschetschenien und die restliche zentralasiatische (Turk-)welt Amok zu laufen gedenkt, um Killary gesonderte Rücksichten abzutrotzen. Doch dagegen hat Erdogan den Kreml mit einer diplomatischen Volte versichert, die jeden anderen „Großen Führer“ den Kopf hätte kosten können, er hat den „Hut in die Hand“ genommen und einen Diener gemacht. Schon dies ist ein ziemlich klares Indiz dafür, daß die Putschinszenierung fest eingeplant war.

Pünktlich zum „Putsch“

Die kurdischen Muslimbrüder, Gorran und der Barzani-Clan wollen nun die Unabhängigkeit vom Irak durchsetzen:
http://rudaw.net/english/kurdistan/180720161
Für dieses Szenario trainiert die Bundeswehr die Peschmerga:
http://waarmedia.com/english/21325-2/
http://ekurd.net/germany-kurdistan-top-arms-supplier-2016-01-25

Wie Elke Dangeleit berichtete, hat die türkische Armee vor Wochen bereits begonnen, kurdische Dörfer und Siedlungen auf dem Lande niederzubrennen. Nach dem Coup ist der Weg frei für Massenvertreibung nach Süd- und Westkurdistan. Die International Crisis Group bereitet die Journaille darauf vor:
http://rudaw.net/english/middleeast/turkey/200720162

Re: Pünktlich zum „Putsch“

Gewissermaßen einen „Deckel auf den Topf“ setzt das offizielle und öffentliche iranische Ersuchen an die irakische Regierung, die Terrorangriffe der von kurdischem Territorium aus operierende KDPI im Iran zu unterbinden, wozu Bagdad selbstredend nicht imstande ist.

Ich hatte schon vor Wochen berichtet, daß da eine neue Front aufgemacht wird. Unterdessen hat es bereits eine größere iranische Strafexpedition auf kurdischem Boden gegeben, über die in der internationalen Presse geschwiegen wurde. Das geschah natürlich nicht, um den Iran zu schonen, sondern weil „die Zeit noch nicht gekommen“ war.
Das iranische Ersuchen kündigt nun eine mehr oder minder formelle Strafexpedition an, die zu ignorieren schwer fallen wird, auch wenn die Zeit immer noch nicht reif scheint, und sei es nur, weil Killary noch nicht offiziell der kommende POTUS ist. Der iranischen Seite ist schwerlich ein Vorwurf zu machen, auch wenn die Form der Reaktion auf die Angriffe Gegenstand innerer Flügelkämpfe sein wird, reagieren muss man, wie jede Herrschaft, und dann ist denjenigen zuzustimmen, die sagen, ‚besser jetzt als später‘, denn je später, desto unkontrollierbarer die Folgen.

Wenn in Südkurdistan etwas „in der Mache“ ist, sollte man immer schauen, was Denise Natali schreibt. Und die titelte im letzte September:
Is Iraqi Kurdistan splitting apart … again?
http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2015/09/iraq-kurdistan-region-splitting-apart.html

Die „Internationale Koalition gegen IS“ hat das immanente Ziel eines autonomen „Sunnitistan“ mit Autoritäten, die dann offiziell nicht mehr „IS“ heißen sollen.
Dagegen „warnt“ Denise Natali, gemessen an ihrer Autrittsfrequenz in öffentlichen Medien, seit Anfang des Jahres geradezu „kampagnenhaft“:
http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2016/06/iraq-myth-tripartite-sunni-shia-kurd-stability-isis.html
http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2016/01/underestimate-iraq-nationalism.html

Schauen wir weiter zum Atlantic Council
http://www.atlanticcouncil.org/component/tags/tag/685-future-of-iraq

Dort finden wir an letzter Stelle (13.7) eine von Kawa Hassan, director of the Middle East and North Africa Program at the EastWest Institute’s Brussels office inspirierte herzergreifende Werbung für einen kurdischen Unabhängigkeitskrieg gegen Bagdad und die Versicherung, daß Canada, deren Berater Seite an Seite mit ihren Kollegen aus Holland und Deutschland die Peschmerga vorbereiten, das Nötige dafür tun werden:
https://www.opencanada.org/features/out-iraqs-ashes-kurdistan-grows/

Mittenmang, natürlich, Erdogan und Fidan: http://ekurd.net/turkish-military-bases-kurdistan-2016-07-20

According to the report a source in Turkey has told the daily that there are 18 military and intelligence bases in Iraqi Kurdistan that belong to Turkish army and the intelligence organization of MIT in Duhok and Badinan regions in the Kurdish region.

The report has added that there are at least 500 Turkish soldiers and officers with advanced heavy arms and ammunitions and spy tools in the 18 bases and they are busy conducting intelligence and military operations.

The report also reiterated that Peshmerga Secretary General, Jabbar Yawar, has refused to give any explanations about the bases and who has allowed the establishment of the bases and has reiterated that the force do not have any corporation with Peshmerga ministry.

Wer wird den Krieg bezahlen? Das Pentagon: http://ekurd.net/us-pay-kurdish-troops-mosul-2016-07-14

HEWLÊR-Erbil, Kurdistan region ‘Iraq’,— The salaries of Kurdish Peshmerga fighters who take part in an upcoming campaign to retake the Iraqi city of Mosul from Islamic State (IS) will be paid by the U.S. as part of a military protocol inked Tuesday between the U.S. Defense Department and Iraqi Kurdistan Regional Government (KRG), the KRG’s Ministry of Peshmerga Affairs said Wednesday.

Erste Tranche: Satte 400 Mio Dollar
http://ekurd.net/us-financial-aid-kurdish-peshmerga-2016-04-19

Wer von euch verfickten Hängern EIN GELD hat, kann zusätzlich das lesen:
http://www.worldpoliticsreview.com/trend-lines/19298/political-realities-leave-iran-s-kurds-divided-weak-and-ineffective
Da mischt sich Natali direkt in die laufenden Kampfhandlungen.

It’s all set – für die nächsten 2 Mio Toten, mit Option auf das 10 fache im Iran.

Unterdessen ist einigermaßen klar gestellt, wer Mitglieder des Gülen-Netzwerkes, die von der Beteiligung an einem Putsch zu überzeugen sicher nicht sonderlich schwer war, und andere Gegenspieler Erdogans mit dem nötigen Schmierstoff in die Falle gelockt hat:
US Commander Campbell: The man behind the failed coup in Turkey
http://www.yenisafak.com/en/news/us-commander-campbell-the-man-behind-the-failed-coup-in-turkey-2499245

Campbell war bis zu ihrem offiziellen Ende NATO-Kommandant der ISAF-Truppe und ist seither „im Ruhestand“.
Der Artikel, der sich auf Regierungsquellen beruft, ist zu detailreich, als daß seine Angaben als Erfindungen abgetan werden können, zumal sie offenbar zur „Munition“ gegen Weißes Haus und DoS vorgesehen sind, eine Auslieferung Gülens zu erzwingen. Zwei Mrd. Dollar soll eine Gruppe des CIA unter den Putschisten ausgeteilt haben. Campbell habe sie mit seiner Anwesenheit bei zwei Geheimtreffen in den Militärbasen Erzurum und Adana / İnicrlik von der Rückendeckung durch die NATO überzeugt.

Wer jetzt meint, der NATO-Putschversuch sei auf Erfolg berechnet gewesen, dem ist wohl nicht zu helfen.

Schau, es ist albern, der Versicherung Kerrys und Obamas zu glauben, die USA hätten mit dem angeblichen Putschversuch nichts zu tun, denn daß es hochrangige Militärs gab, die putschen wollten, es vielleicht – wahrscheinlich sogar – desinformiert versucht haben, ist kaum zu bestreiten. Dann haben sie aber auch bei der NATO nach Rückendeckung sondiert und sie – scheinbar – erhalten. Das zu wissen, brauchen wir keine „Enthüllungen“.

Übrigens spiegelt auch Obamas Dementi das.
Schauen wir zurück. Bis zum Frühjahr 2015 – genauer gesagt: bis zum formellen Inkrafttreten des Minsk2-Prozesses – hat er vehement bestritten („nonsense“), daß in der Ukraine ein Staatsstreich unter Vermittlung der USA, mit Hilfe der USA und im Interesse der USA statt gefunden hatte. Um es dann lapidar zuzugeben.
http://www.washingtonsblog.com/2015/02/obama-america-brokered-deal-transition-power-ukraine.html
Wahrscheinlich zu dem Zweck, daß Putin wieder mit ihm redet. Über Syrien nämlich.

Jetzt hat er gleichlautende Beschuldigungen „utterly false, unequivocally false“ genannt. „Unequivocally“ kann man übersetzen mit: An dieser Stelle gibt es nur eine Instanz, nämlich ihn, Obama, und nicht zwei, nämlich Obama einerseits und den „tiefen Staat“ und das von ihm weitgehend beherrschte DoS andererseits, die den Coup in der Ukraine gegen die europäisch-russisch-ukrainische Einigung ausführen ließen. Diese Klarstellung ist daher identisch mit der Aussage: „Natürlich haben ‚wir‘ den Coup Erdogans gebrokered, aber DAS werde ICH nie zugeben“.

Die wichtigste Information aus Yeni Safak ist die Behauptung, es gebe nachvollziehbare Kontenbewegungen, die der CIA zuzuordnen seien, denn das wäre gerichtsverwertbares Material, das Gülen-Leute zu Todfeinden der Amerikaner machen kann, und daher ein beträchtliches Druckmittel.

PS.: Das Druckmittel könnte auch zu einem Aufstand im Congress gegen den CIA führen, der nicht mehr so einfach abzubügeln geht, wie in der Vergangenheit.

Re: eher NATO-Falle

Wenn die NATO Erdogan hätte beseitigen wollen, wäre das geschehen, sie hätte eigene Piloten mobilisiert, die Präsidentenmaschine abzuschießen. Denn nur so hätten die verantwortlichen NATO-Generäle eine Garantie gehabt, nicht selbst in eine Falle zu gehen.

UseNetGhost schrieb am 26.07.2016 18:42:

Wir sollten auch nicht vergessen: Wir reden hier über die Türkei. Nicht über irgend einen hinterwäldlerstaat dritter oder vierter Ordnung. Ergo die größte nicht-US-Armee der NATO. da macht man nicht mal eben den Staatspräsi weg.

Na, gegen soviel Ehrfurcht vor der Macht vermag kein Argument etwas. Nach eurer Ansicht gab es ein Motiv. Dazu sage ich: Dann gab es aber auch die Gelegenheit zur Tat und beste Ausführungsbedingungen. Denn andere Führungsfiguren der AKP, als die Gefolgschaft Erdogans, die ihren Führer verloren hätte, hätten mit der Unterstützung der Anhängerschaft der AKP nix besseres anfangen können, als das, was Erdogan jetzt mit ihr anfängt: Sie unter Minimierung von Rücksichtnahmen auf irgend welche Eigeninteressen, Befindlich- oder Bedenklichkeiten gegen einen „inneren Feind“ mobilisieren.

NATO bedroht EU und USA mit türkischen Terror-Anschlägen

Schon am 19.Juli, geschrieben unmittelbar nach dem angeblichen „Putschversuch“ in der Türkei, nahm Jennifer Cafarella für das „Institute for the Study of War“ Ziele eines „Gegencoups“ vorweg, die eine direkte Bedrohung Europas und der USA mit Terroranschlägen im großen Maßstab einschließen
http://understandingwar.org/backgrounder/how-turkey-could-become-next-pakistan

Erdogan könnte in noch größerem Umfang, als das bislang schon geschah, Al Qaida als eine türkische Hausmacht kooptieren um seine nationalen und regionalen Ziele durchzusetzen, schrieb sie.

The U.S. must recognize the risk a NATO ally may become a safe haven for al Qaeda as Erdogan consolidates power.

Bewegungsfreiheit Al Qaidas von einer türkischen Basis aus werde Westeuropa und die USA in einer Weise bedrohen, die denkbare Bedrohungen durch den IS bei weitem in den Schatten stellten.

Cafarella schließt den Artikel mit einer unzweideutig erpresserischen Forderung:

Achieving American objectives in the region – and preventing a more dangerous future from emerging – will require creative thinking about how to incentivize Erdogan to choose policies that favor or do not undermine American interests while serving his own.

Die Ziele Erdogans sind bekannt: Zerschlagung der föderativen kurdischen Selbstverwaltung, Installation eines türkischen Proxyregimes unter „sunnitisch-islamischer Führung“ mindestens im Norden Syriens und, als ein Auftakt, eine türkische Militärintervention im Raum zwischen Azaz, Jarabulus und Manbij. Vgl.:
http://www.atlanticcouncil.org/images/publications/Turkey_s_Syria_Predicament.pdf
(Mai ’16)
http://warontherocks.com/2016/06/fear-and-loathing-in-the-levant-turkey-changes-its-syria-policy-and-strategy/
(Juni ’16)
Auch die Darstellung Aaron Steins für den Atlantic Council formuliert eine Erpressung der amerikanischen Regierung durch die NATO vermittels des NATO-Mitgliedes Türkei:

Despite differences with the United States over Syria, Turkey remains an important strategic US ally and a key NATO member. In the specific case of Syria. (…) Any armistice that threatens vital Turkish interests will be untenable, because it will carry an
ever-present risk of either Turkish proxy, or direct, intervention, against either the regime or Kurdish militants. At the same time (…) Turkey is the pro-opposition state bestsituated
(…) to support Sunni Arab forces in Syria, who are needed to inflict a lasting defeat on the jihadist groups

Mit anderen Worten: Die Jihadis im Zaum zu halten oder gar zu besiegen, sei unmöglich, wenn man Erdogan nicht gebe, was er verlangt.

Kritisch für das Verständnis des Vorganges ist, daß der Leser Abstand nimmt von einer lieb gewordenen „Binse“, mit der Semih Idiz für Al Monitor einen ehemaligen türkischen NATO-Botschafter ironisch zitiert:

… and everyone knows that the US means NATO

http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2016/07/turkey-united-states-nato-coup-attempt.html#ixzz4FhIKlpeR
Nein, das gilt spätestens seit dem Libyenkrieg nicht mehr den die damalige Außenministerin Killary mit Hilfe der NATO-Generäle gegen das Weiße Haus und einen anderen Flügel der Generalität durchsetzte.

Ich habe über diesen Fraktionskrieg und die Weise, wie er den Charakter einer militärischen Auseinandersetzung angenommen hat, die aus den USA in die sog. „Krisenregionen“ ausgelagert wird, schon viele Dutzend Postings geschrieben, die ich nicht wiederholen und zusammenfassen werde. Im vorliegenden Zusammenhang ist der wichtigste Punkt die Stellung des ISW in diesem Krieg, dazu ein paar Worte.

Das Institut wird von Kimberly Kagan geführt, Angehörige einer Dynastie der Neocons, die mit Victoria Nuland über einen Einfluß im State Department verfügt, der sich als schier unumgehbar erwiesen hat, weshalb Nuland seit einem Jahr direkte Verhandlungspartnerin Moskaus in allen den halbwegs eingefrorenen Ukrainekrieg betreffenden Angelegenheiten ist.
Daß ISW ein Organ derjenigen Generäle ist, die der Abkehr Obamas von der interventionistischen „Strategie des kreativen Chaos“ Widerstand leisten, und sie seit Obamas Amtsantritt sabotiert haben, wurde spätestens im August 2013 deutlich. Ende Juli hatte das ISW in einem hoch detaillierten Planungsentwurf einen begrenzten Bombenkrieg gegen Damaskus beworben. Drei Wochen später erfolgte die False-Flag-Attacke von Al Ghouta die, wie wir heute wissen, in der Türkei und unter Vermittlung des damaligen Geheimdienstchefs des KSA vorbereitet worden war. Am Folgetag legte Chief of Staff Dempsey einen von General James Mattis, der schon im Libyenkrieg Partner Killarys war und aus seiner Präferenz für einen Atomkrieg gegen den Iran nie ein Hehl gemacht hat, unterzeichneten Plan zur „Bestrafung“ Assads vor, der in allen Details mit der Veröffentlichung des ISW übereinstimmte.

Das o. zit Atlantic Council – Papier läßt unter dieser Voraussetzung erahnen, wie lange der Plan Erdogans und mit ihm verbündeter NATO-Generäle zu einem Staatsstreich, der die Kriegsgegner und die passiven Widerstände in der Türkei eliminiert, schon fest stand.
Jetzt erklärt sich auch einfach, warum bekennende Befürworter der US-Kriegspolitik in der US-Presse schon seit Monaten periodisch „Enthüllungen“ über die Instrumentalisierung des IS und Al Qaidas durch den türkischen Führerbunker veröffentlichen, einer davon wird im ISW-Papier exemplarisch zur Untermauerung der Drohung zitiert:
https://www.washingtonpost.com/world/national-security/double-game-even-as-it-battles-isis-turkey-gives-other-extremists-shelter/2016/07/10/8d6ce040-4053-11e6-a66f-aa6c1883b6b1_story.html
Ich hatte oben schon Semih Idiz zitiert, der in einem hoch verschleierten Artikel für Al Monitor, Will Turkey be expelled from NATO?, dasselbe Thema bearbeitet. Das Fazit:
Sollte die Allianz Erdogans mit maßgeblichen Kräften in der NATO auf Widerstand innerhalb der NATO treffen, habe Erdogan die Option, die NATO-Mitgliedschaft selbst zu kündigen und mit diesem Schritt seine Gegner in Washington hinter Killary und die mit ihr verbündeten Generäle zu bringen. Erdogan könne daher nicht verlieren.

Unterdessen hat sich bereits das FBI hinter Erdogan gestellt:
https://www.rt.com/usa/353654-isis-defeat-diaspora-west/
Dazu möchte ich daran erinnern, daß Erdogan die Luftwaffenbasis Incirlik erst für den „Krieg gegen den IS“ frei gab, nachdem es Obama gelungen war, im Gefolge der Pensionierung General Mattis Killarys Verbündete aus den Schlüsselstellungen im CENTCOM zu drängen, von denen aus sie den Bombenkrieg zu einem Manöver gestalteten, das teils Löcher in die Luft riß, teils den IS auf Syrien lenkte, teils einen unaufhörlichen Nachschubfluß für den IS aus Saudi Arabien gegen die irakische Armee deckte. Incirlik untersteht dem EUROCOM und damit dem SACEUR, seinerzeit Breedlove. Der US-Bombenkrieg gegen IS und insbesondere die Unterstützung der kurdischen Offensiven wurde erst wirksam, nachdem die dem CENTCOM unterstehenden Träger der 5. Flotte ins Mittelmeer beordert wurden, deren Marineflieger in direkter Zusammenarbeit mit der russischen Luftwaffe die EUCOM Kommandeure in Incirlik umgingen. Das könnte den Ausschlag für den Entschluß zum türkischen Staatsstreich gegeben haben.

NATO benutzt Erdogan zur Einfuhr des Kriegs um die Levante nach Deutschland

Wir gehen unseren Weg, geht ihr den euren„.
http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/erdogan-zu-eu-forderungen-wir-gehen-unseren-weg-geh-du-deinen-weg-14218637.html
Mit diesen Worten hat sich Erdogan vor drei Monaten von der sogenannten „Europäischen Wertegemeinschaft“ distanziert, in der Gewißheit, daß man weder in Brüssel, noch vor allem in Berlin, die vielfältigen Kündigungen diplomatischer Usancen zugunsten offener Drohungen und Erpressungen entgegen nehmen werde, die in den Wochen zuvor darin kulminierten, 10 tausende Flüchtlinge Richtung Bulgarien und Griechenland zu schleusen. Damals war die Beteiligung der NATO-Generäle und ihrer Marinekräfte an der Erpressung offenkundig, sie wurden unter dem Vorwand eines „fehlenden Abkommens“ mit der türkischen Regierung nicht tätig. Nachdem die EU etliche Mrd. ungebundene Euronen unter zahlreichen Kotaus ‚rübergereicht hatte, war die Kontrolle der türkischen Küste, von der NATO- und Soros-nahen „ESI-Stiftung“ zuvor „praktisch unmöglich“ genannt, plötzlich ein Klacks. Das weiß auch Thomas Pany sehr genau: http://www.heise.de/tp/artikel/47/47711/1.html .

Es war eine Episode in einem Krieg, den George Soros, stellvertretend für die US-Kriegsfraktion, der EU und besonders Merkel und Schäuble zur Jahreswende ’13/’14 in „Project Syndicat“ angekündigt hat und der im Abschuß von MH17 einen Höhepunkt gewann.
Daß die Begünstigung der Kölner Demonstration und ihres Potentials, den Auftakt zu bundesweiten schweren Unruhen zu geben, seitens der türkischen Regierung zu diesem Krieg zählt, erkennt man daran, daß die Türkei und ihre islamofaschistische Diktatur von solchen Unruhen nicht profitieren kann – nicht direkt profitieren. Dafür steht das Erdogan-Zitat, mit dem ich einstieg. Vorgänge in den Niederlanden bestätigen das. Dort ist man schon einen Schritt weiter, wenn wir unterstellen, daß die Polizei in Deutschland keine Nachrichtensperre über islamofaschistische Anschläge in Deutschland verhängt hat, nämlich bei Einbrüchen und Brandanschlägen.
https://www.rt.com/news/353976-netherlands-turkey-gulen-violence/
Die Niederlande gelten – inwieweit zu Recht, kann ich nicht beurteilen – als ein „Wackelkandidat“ der kerneuropäischen Pläne nach dem Brexit, türkische Unruhen vermögen nichts anderes, als das Land enger an eine europäische „Verteidigung“ an der Seite Frankreichs, Deutschlands und Italiens zu binden.

Zu einem Teil der Hintergründe habe ich mich vor zwei Tagen hier:
http://www.heise.de/forum/p-28973141/
ausführlich geäußert.
Das türkische Vorgehen steht im Zusammenhang mit einer Erpressung des Weißen Hauses und ihm nahestehender Generäle durch die NATO-Führung und ihrer Hinterleute in der US-Kriegsfraktion.
Seither wurde der Vorgang nur noch deutlicher. Erdogan beschuldigte den Oberkommandierenden des CENTCOM, General Votel, namentlich und direkt, es mit den Putschisten zu halten.
http://www.hurriyetdailynews.com/us-general-is-on-side-of-coup-plotters-erdogan–.aspx?pageID=238&nID=102242&NewsCatID=341
Votel – Pany und ich berichteten seinerzeit darüber – hatte vor Monaten eine vorerst abschließende Entscheidung zugunsten der Zusammenarbeit des Pentagon mit der kurdischen Selbstverwaltung Rojavas gefällt und sie mit einem Besuch in Syrien untermauert. Kurz darauf öffnete Barzani, wie von den syrischen Kurden gewünscht und von CENTCOM unterstützt, die südkurdische Grenze nach Rojava und nach einem eher symbolischen Vorrücken US-gestützter kurdischer Kräfte auf Raqqa begann der Angriff auf die Manbij-Tasche mit Luftunterstützung der Marineflieger des CENTCOM, die zu diesem Zweck eigens vor die syrische Küste verlegt wurden, um das EUCOM in Incirlik zu umgehen. Jetzt wurde, nach Votels Auskunft, mindestens ein großer Teil der türkischen Offiziere, mit denen das CENTCOM zusammengearbeitet hat, „eine exzellente Zusammenarbeit“, wie der General betonte, gefangen genommen.
Parallel zu den Anklagen gegen Votel hat ein türkisches Regierungsmitglied den morgigen Besuch des US-Generalstabschefs Joseph Dunford in der Türkei angekündigt.
http://www.worldbulletin.net/world/175592/top-us-general-to-visit-turkey-following-coup-attempt
Dunford gehörte zu den Partnern Killarys im Libyienkrieg und unterstützte Breedlove bei der Eskalation des Ukrainekrieges.
Während die semioffizielle türkische Behauptung, der ret. General Campbell sei direkt an der Vorbereitung des Putsches beteiligt gewesen, noch vom DoS zurück gewiesen wurde, blieb General Votel auf politischer Ebene ungedeckt:
http://www.reuters.com/article/us-turkey-security-usa-votel-idUSKCN10925Y
Nur Pentagon – Sprecher Cook ließ sich zu einer lauwarmen Verteidigung herab:
http://www.hurriyetdailynews.com/pentagon-says-us-generals-comments-on-coup-attempt-misunderstood.aspx?pageID=238&nID=102274&NewsCatID=358
Weitere Einzelheiten in einer Zusammenfassung von RT:
https://www.rt.com/news/353963-cia-fbi-turkey-coup/

Ich hoffe, vor diesem Hintergrund wird dem einen oder anderen deutlich, wie HIRNRISSIG Gegendemonstrationen gegen den islamofaschistischen Aufmarsch in Köln sind. Falls die deutsche Bevölkerung, einschließlich der Migrantenbevölkerung, etwas zu ihrer Verteidigung gegen den imperialistischen Weltkrieg und seine Folgen und Begleiterscheinungen unternehmen wollte, dann hätte sie Kundgebungen gegen die NATO und die US-EUCOM-Basen zu organisieren, die wenigstens ansatzweise machtvoll und entschlossen genug sind, eine künftige Kündigung des „Sozialen Friedens“ wenigstens anzudeuten.
Alles andere, besonders „physische“ Konfrontationen der nützlichen Idioten Erdogans, spielt den NATO-Strategen direkt in die Hände.

PS.: Ich vergaß, die Würdigung des „Putsches“ zählt natürlich auch zu den nötigen Verweisen:
http://www.heise.de/forum/p-28962249/

Logik ist unpopulär und Merkvermögen abgewrackt

Der türkische Geheimdienst MIT hat kurz nach dem „Putsch“ bekannt gemacht, daß es sich um eine Falle und LIHOP-Operation gehandelt hat (let it happen on purpose). Er teilte mit, den Generalstab um 16:00 Uhr vor dem bevorstehenden Putsch gewarnt zu haben. Wie also konnte der Generalstabschef Stunden später von den angeblichen Putschisten „festgesetzt“ werden? Warum mobilisierten Fidan und Erdogan die Öffentlichkeit erst 6 Stunden später, statt spätestens um 18:00 Uhr, was den angeblichen Putschversuch sicher unterbunden hätte, auch mit Blick auf das Ausland?

Doch niemand will die Tatsachen gelten lassen, weil alle maßgeblichen Mächte des Globus an einem „Starken Mann am Bosporus“ interessiert sind und aufgrund der Schlüsselstellung der Türkei im Krieg um die Levante, ums Schwarze Meer und um die Entmachtung / Zerlegung Russlands interessiert sein müssen. Das Territorium der Türkei bleibt in allen erdenklichen Szenarien Aufmarschgebiet der NATO, dafür garantieren, ähnlich Deutschlands, schon die dort gelagerten Atomwaffen. Russland, der Iran und China benötigen daher berechenbare Akteure in Ankara. In der Antizipation dieses Interesses lag das Motiv des MIT, die LIHOP-Operation bekannt zu machen. Die Gebärde demonstrierte die Handlungsfreiheit des türkischen Islamofaschismus im Inneren wie gegenüber dem Ausland und befestigte sie daher.

Die Putin-Jünger bei TP haben seit Tagen begonnen, ihre Parteinahme für Erdogans Führerdiktatur zu begründen, dazu brauche ich nichts mehr zu sagen. Daher nur noch ein Verweis auf die Stellungnahme der Vertreter der iranische Theokratie, der jemand mit einem gerüttelt Maß Naivität unterstellen könnte, gegen Erdogans an die Ideologien der Muslimbrüder angelehnte Führerdiktatur etwas unternehmen zu wollen. Mitnichten:
http://www.presstv.ir/Detail/2016/07/31/477806/Iran-Turkey-Ali-Akbar-Velayati-Riza-Hakan-Tekin

Derweil hat M.K. BHADRAKUMAR mit der ihm eigenen diplomatischen Vorsicht darauf hingewiesen, daß die Unfreundlichkeiten zwischen Washington und Ankara mindestens zur Hälfte Show sind:
http://atimes.com/2016/07/britain-calms-us-turkey-tensions/
und untermauert, was ich hier:
http://www.heise.de/forum/p-28982779/
zur Rolle General Dunfords sagte.

Just for the record weitere Erinnerungen an die Fakten:
http://www.heise.de/forum/p-28910718/
http://www.heise.de/forum/p-28913476/
http://www.heise.de/forum/p-28917281/
http://www.heise.de/forum/p-28937709/

Re: Logik ist unpopulär und Merkvermögen abgewrackt („maningi)

Daher nur noch ein Verweis auf die Stellungnahme der Vertreter der iranische Theokratie, der jemand mit einem gerüttelt Maß Naivität unterstellen könnte, gegen Erdogans an die Ideologien der Muslimbrüder angelehnte Führerdiktatur etwas unternehmen zu wollen.

An dieser Stelle sollte man sich an die geleakten US-Depechen erinnern, aus denen hervorgeht, dass die USA jahrelang trotz Wirtschaftssanktionen einen geheimen milliardenschweren Deal zwischen der Türkei und Iran (Gold gegen Erdöl) duldete …

Nüchterne Darstellungen der Lage –

gibt es vom Prof. emeritus Robert Olson, ehemals University of Kentucky:
https://lobelog.com/turkey-and-russia-soon-to-renew-relations/
https://lobelog.com/causes-and-consequences-of-the-coup-in-turkey/

Turkey and Israel first had to agree to exchange ambassadors so that Turkey and Russia could also mend relations. Russian President Vladimir Putin and Turkish President Recep Tayyip Erdogan will probably schedule a face-to-face meeting at the G20 summit meeting in China in September.

The main reasons for the reconciliation between Turkey and Israel, like the forthcoming restoration of ties between Turkey and Russia, are Syria’s collapse and Iraq’s fragmentation. Turkey and Israel have now agreed that they will share geopolitical strategies regarding Gaza, Hamas, and the Palestinian Authority. With this issue decided, both countries will be able to engage more fully on establishing their geopolitical dominance over Syria.

In order to establish that dominance, however, both Ankara and Tel Aviv have to deal with Russia, in both its fight against the Islamic State (ISIS or IS) and its support for the Bashar al-Assad regime. The major objective of Russia is to secure its geopolitical position by supporting the regime—and its Alawite, Christian, Druze, and Ismaili supporters—as well as its potential successors, with or without Assad. Russia must protect its position in Latakiya, Tartus, and Damascus if it is to remain a strong eastern Mediterranean power and not be confined to the Black Sea.

Russia may also be interested in exploiting oil and gas deposits in Syria’s Economic Exclusion Zone as would any regime or entities in Syria that seek Russian support. This could be done in cooperation with Turkey and Israel.

Russia might be able to play a significant but not a major role in Syria’s final disposition. After all, Russia faces various global challenges in Central Asia, the Caucasus, and Eastern Europe, not to mention vexed relations with the EU and the United States. It also suffers various weaknesses in the Middle East that will impede any challenge to the strong geopolitical postures of Turkey and Israel in the unfolding developments in the wider Middle East.

Because of the fragmentation of Syria, Israel will move inexorably to annex the West Bank and the Golan Heights. Russia and Turkey will likely acquiesce. Russia will do so because it needs Israeli support on a host of issues. Turkey’s major geopolitical concern is not Gaza, the West Bank, or the Golan Heights but its dealings with Israel over oil, gas, avionics, missiles, nuclear programs, trade, and tourism. Israel can supply a host of weapon systems, research, and intelligence to Turkey in its fight against Kurdish nationalist movements that the U.S. might not want to supply. And Israel will accept Turkey’s emerging position in northern Syria and its war against the Kurdistan Workers’ Party (PKK) and the Democratic Union Party (PYD) along with its armed force, the People’s Protective Units (YPG).

Both Israel and Turkey want good relations with the U.S., and Washington encourages their strong relations. And neither country needs fear any significant Arab nationalist backlash.

For Turkey and Israel to achieve their geopolitical goals, however, they need to work with Russia. Israel and Russia have already agreed on some of the larger parameters of the war in Syria. So have Turkey and Israel. And now Turkey and Russia are about to agree. By the time Erdogan and Putin meet in September most of the remaining salient issues should be addressed satisfactorily, if not resolved.

The emerging trilateral relationship among Turkey, Israel, and Russia cannot be consummated fully until the complete military defeat of IS and the further fragmentation of Syria. This should take place some time in 2017. By that time Erdogan and his party should have achieved their referendum on the presidential system, disenfranchised the MPs from the Peoples’ Democratic Party, and started a campaign for a new election. As a result of these developments, Turkey will likely be ready to assume an even large role in northern Syria.

The consequences of the attempted coup in Turkey on July 15 are already clear in terms of the government’s war against various Kurdish factions such as the Kurdistan Workers’ Party (PKK), the Kurdistan Communities Union (KCK), the Kurdish Syrian Nationalist Democratic Union Party (PYD) and its armed force, the People’s Protection Units (YPG), and the Iranian Kurdish nationalist Party for Free Life (PJAK). Turkey also has to be concerned with Kurdish nationalist movements in the Kurdish Regional Government (KRG) in Iraq in spite of good current relations between Ankara and Erbil.

Out of the some 9,000 military, gendarmerie, police, and judiciary personnel so far arrested or detained, it will be interesting to see how many have seen duty in the southeast and eastern provinces of the country. This is also true for the reported 30 provincial governors and 47 district governments where war between the PKK/KCK and the military and national police has been raging for the past year. I’d guess that most of those rounded up had been involved in the war in that part of the country.

One of the major reasons for the coup was the unhappiness of elements of the Turkish Armed Forces (TAF)—whether they sympathized with the Fethullah Gulen Hizmet Movement or not— who were opposed to the directions that the war against the PKK/KCK has taken during recent years. There was also considerable dissatisfaction around the decision by the Justice and Development Party (AKP) to support the Islamic State (IS) after the March 2011 outbreak of civil war in Syria.

Supporting the Islamic State

The state, AKP, and Turkey’s Intelligence Agency (MIT) decided sometime in late 2011 that it would support IS in its attempt to topple the Bashar al-Assad regime in Syria. Turkey and the AKP have continued this policy right up to the present. However, Ankara limited its support to IS after joining the U.S.-led “War against ISIL” in June 2015 when it begin to support other jihadist groups such as Jabhat al-Nusra and Arar al-Sham.

During the period from late 2011 to the present, the Turkish MIT may have sent up to 200 truckloads of weapons to various jihadist groups, allegations for which two prominent Turkish journalists, Can Dundar and Erdem Gul, received a sentence of five years in jail. It is unclear to what degree the armed forces were notified of this aid, but it must have been upset about the operation as well as its lack of involvement in its planning. Most members of TAF seemed to have been willing to rationalize the contradiction of the government’s overt opposition to terrorism and its covert supply of terrorists as long as the TAF commanders, AKP, and MIT were raging war against the PKK/KCK. The TAF as an institution was ardently opposed to the PKK/KCK and its demand for political autonomy.

The PKK/KCK challenge to the state increased after the Syrian civil war began in 2012 when the PYD declared autonomy in three cantons—Jezira, Kohane, Afin—and created a federated state in 2016. The unease of TAF members undoubtedly increased in 2015 when the PYD/YPG joined the U.S.-led “War against ISIL.” Some TAF members must have thought that the ill-considered policies of the AKP and MIT to support IS and jihadist groups in Syria and Iraq were, instead, strengthening Kurdish nationalist movements in both Turkey, Syria, and Iran.

The disaster of such polices became clear in 2015 when IS began to mount terrorist attacks within Turkey. Also, since 2011 more Kurds from Turkey were joining the ranks of IS. The usual number cited is around 5,000, mainly from the provinces of the southeast. But there could have been substantially more who fought intermittently with jihadist forces within Turkey and Syria.

Elements of the TAF must have been concerned that these Kurdish-IS fighters would return to Turkey to fight against the state. Although religious Kurds from Turkey generally do not like the PKK/KCK because they are not sufficiently religious and too Marxist for their taste, the PKK/KCK has modified its positions so that they are no longer as hostile to religion. However, just because a Kurd fights for IS does mean that s/he identifies with Kurdish nationalism.

Looking Ahead

In the wake of the coup, the state, AKP, and MIT will no doubt continue its war against the PKK/KCK, the People’s Democratic Party (HDP), PYD/YPG, and PJAK. Indeed, there could be increased resistance even from non-militant Kurdish nationalist groups. Meanwhile, the state and AKP refer to the Fethullah Gulen Hizmet Movement as the “Fetullah Gulen Terrorist Organization,” placing Hizmet into the same category as the PKK/KCK, PYD/YPG, and PJAK. Erdogan clearly wants to eliminate these major sources of opposition to his rule.

Erdogan had already started to purge the judiciary over the past two years, and the coup will accelerate the process. The day after the coup, 2,745 administrative judges and prosecutors were suspended from office by the order of Supreme Council of Judges and Prosecutors (HSYK). The HSYK was been in the hands of Erdogan sympathizers for some time.

HYSK’s support of Erdogan means that the courts will likely dismiss the immunity of parliamentary representatives of the Peoples’ Democratic Party and other parties, which means that most accused perpetrators will likely serve prison time. If Erdogan gets his way, and this now seems assured, the death penalty will be imposed despite the feckless opposition of the EU and U.S.

Indeed, the U.S. and EU will probably lend their full support to Turkey’s move to an even stronger authoritarian regime. Turkey is a pivotal partner of the EU, NATO, and now again, of Israel. When it comes to the reconfiguration of Syria, Russia, the US, Iran, and the EU will all play secondary roles. Turkey, on the other hand, will be the essential player. For the key powers to satisfy their national security imperatives in the Middle East and ensure the stability of the global economy, they will support a strong Turkish state, even if it is authoritarian, dictatorial, or fascist.

Bei aller vorbehaltlich zu unterstellenden „guten Absicht“ – eine Ablenkung

Auf der Tagesordnung der europäischen „Sicherheitspolitik“ steht nicht die Absicherung des kapitalistischen Herrschaftsverhältnisses gegen ihm inherente, es sprengende Momente. Dieser Punkt ist erledigt, und das teilt Novak unter Berufung auf seine Kronzeugin Kern selbst mit, welche den erreichten Stand der Architektur der polizeistaatlichen Betreuung des bürgerlichen Gewaltverhältnisses zum fetischisierten „Sicherheitsbedürfnis“ der Unterworfenen, zum „Fetisch“ verklärt (offenbar wissen weder Novak noch Kern, was ein „Fetisch“ ist, sie nehmen das Wort zur moralischen Hiroglyphe einer Beschuldigung der Unterworfenen für ihre Unterwerfung).

Wenn „Repression“ – das ist allerdings ein linker Fetisch zur Entschuldung der Adressaten von mangelndem revolutionären Willen – also nicht auf der Tagesordnung steht, was dann?

Eine Teilantwort hat vorgestern der amerikanische Kongress gegeben.

Zur Vorgeschichte verweise / erinnere ich euch an die Aussage des ehemaligen DIA-Chefs Michael Flynn, das US-State Department unter der Regentschaft von Hillary Clinton habe im Zusammenwirken mit dem CENTCOM unter der Führung von General James Mattis
https://en.wikipedia.org/wiki/James_Mattis
den Aufstieg des IS und der Al Qaida zur bestimmenden Kraft im Syrien- und Irakkrieg mindestens befördert, wenn nicht bewerkstelligt.
https://deutsch.rt.com/28567/international/ehemaliger-us-geheimdienstchef-aufstieg-von-is-war-eine-bewusste-entscheidung-der-usa/
Flynn redete insbesondere über das Jahr 2012. Hinzuzunehmen ist die Zusammenarbeit des State Department und des CENTCOM mit dem MI6 beim Einsatz der Al Qaida und der in der LIFG versammelten Takfiris und Muslimbrüder im Libyenkrieg 2011, zu der ich jetzt keinen Link parat habe, weil diejenigen, die ich hatte – insbesondere zur Rolle Noman Benotmans – komplett aus dem Netz gelöscht sind.
In diese Phase fällt auch der Biowaffenangriff des UK auf Norddeutschland (EHEC, bzw. korrekter die Chimäre EaggEC) als Antwort auf die Enthaltung Deutschlands an der Seite Russlands und Chinas bei der Sicherheitsratsresolution zu Libyen, zu dem ich mich schon mehrfach geäußert habe.

Hinzuzunehmen ist das launige Bekenntnis Joe Bidens zur Rolle Saudi Arabiens, Qatars – das in Libyen mit Infanterietruppen intervenierte – und der Türkei beim Aufbau der islamistischen Terror-Logistik:
http://www.thegatewaypundit.com/2014/10/turkish-president-erdogan-demands-joe-biden-apologize-for-blaming-turkey-for-rise-of-isis/
siehe auch vom Juli 2015:
http://www.businessinsider.com/links-between-turkey-and-isis-are-now-undeniable-2015-7?IR=T

Vor zwei Tagen gab es eine Fortsetzung:
http://intelligence.house.gov/news/documentsingle.aspx?DocumentID=685
Im dort verlinkten Dokument wird die Rolle von General James Mattis hervor gehoben und meine folgende, freie Darstellung der Vorgänge, erheblich gestützt. Wer sie darüber hinaus prüfen will, wird in meinem Text genügend Ansatzpunkte dazu finden.

Mattis wurde im März 2013 auf Weisung des Weißen Hauses seines Postens enthoben, blieb aber bis zur Übergabe an General Austin im Mai im Amt. Falls man im Weißen Haus von der geplanten False Flag Attacke mit Sarin in Damaskus
https://en.wikipedia.org/wiki/Ghouta_chemical_attack
Wind bekommen hatte und sie vereiteln wolte, kam die Notbremse zu spät. Im Juni 2013 begannen von türkischem Territorium aus entsandte Jihadis eine Offensive im bergigen Grenzland Latakias, die trotz ihres erheblichen Umfanges als ein militärisch sinnloses Massaker erschien, bis im Gefolge der Al Ghouta-False Flag eine Flut von Massaker-Pornos auf Youtube erschien, in denen aus Latakia entführte Zivilisten als unfreiwillige Darsteller und Statisten figurierten. Zwei Jahre später legte der türkische Abgeordnete Erem Erdem Dokumente vor, welche die türkische Verwicklung in die Sarin-Attacke dokumentierten.
https://www.rt.com/news/325825-sarin-gas-syria-turkey/
Die türkische Regierung bestätigte die Echtheit der Dokumente indirekt, indem sie Erdem wg. Hochverrats anklagte.
Schon eine Woche nach dem Sarin – Angriff hatte der bestens vernetzte ehemalige AP- und BBC-Korrespondent in Amman, Dale Gavlak, Zeugnisse angeblich Beteiligter veröffentlicht, die eine direkte Weisung und Beteiligung des saudischen Geheimdienstchefs Bandar bin Sultan behaupteten.
http://www.mintpressnews.com/witnesses-of-gas-attack-say-saudis-supplied-rebels-with-chemical-weapons/168135/
Gavlaks und Erdems Angaben fanden eine indirekte Bestätigung in der UN-Untersuchung zum Sarin-Angriff. Das verwendete Sarin war „Küchen-Sarin“, kein militärisches Produkt, über das die syrische Armee verfügte, und die UN-Inspekteure wurden vor Ort von Kämpfern der Liwa-al-Islam geführt, einer bekennenden saudischen Proxy-Armee
https://en.wikipedia.org/wiki/Jaysh_al-Islam
geführt von der Familie Alloush. Vater Mohammed Alloush lebt in Saudi Arabien, sein Sohn Zahran, Gründer der Liwa al Islam, war den syrischen Behörden als salafischer Aufrührer bekannt. Er wurde 2009 wegen Waffenbesitzes inhaftiert und kam im Laufe einer „Amnestie des guten Willens“ im Frühjahr 2011 frei. Nach dem Tod Zahrans Dez. 2015 nominierten die Saudis seinen Bruder Mohammed Mustafa zum Verhandlungschef des HNC.
http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/freedom-fighters-cannibals-the-truth-about-syria-s-rebels-8662618.html
http://carnegieendowment.org/syriaincrisis/?fa=62239
http://www.bbc.com/news/world-middle-east-35364114
Eine weitere Bestätigung lieferte Sahar Ghoussoub einen Tag nach der Sarin-Attacke für Al Monitor:
http://www.al-monitor.com/pulse/politics/2013/08/saudi-russia-putin-bandar-meeting-syria-egypt.html
Im Juli 2013 war Bandar bin Sultan ungewöhnlicherweise vom russischen Präsidenten zu umfänglichen Gesprächen empfangen worden. Zahlreiche russische und westliche „Leaks“ hatten von einem großangelegten Erpressungsversuch gesprochen und Ghoussoub stellte die Al Ghouta-False Flag nur schwach verschleiert als direktes Resultat der russischen Weigerung hin, der Regierung in Damaskus die Unterstützung zu entziehen.

Ich habe das relativ ausführlich dargestellt, weil erst vor diesem Hintergrund die Bedeutung der o.zit. Veröffentlichung des Kongresses zu würdigen ist. Das Untersuchungskommitee teilte mit, daß unter der Führung des Mattis-Nachfolgers Austin die Logistik der mittelbaren Unterstützung der Takfiris und Al Qaidas durch das CENTCOM intakt blieb. Bis zum Beginn der russischen Intervention im September vermochte sie den IS offenbar wirksam vor dem „totalen Krieg“ schützen, den Obama ihm im Sommer 2014 erklärt hatte. Ihre Zerschlagung scheint erst im Verlaufe der Ablösung Austins durch General Votel halbwegs gelungen zu sein, der das Oberkommando im März dieses Jahres übernahm, denn nur so ist zu erklären, daß die Untersuchung des Kongress-Kommitees, angestossen durch die Whistleblower-Initiative Michael Flynns im Sommer letzten Jahres, erst jetzt zu einem vorläufigen Ergebnis führte.

Wie wenig mit der Säuberung des CENTCOM erreicht worden ist, beweist andererseits die Rolle des State Department und des EUCOM, einschließlich der NATO-Führung, im Ukrainekrieg und bei der fortdauernden Unterstützung für Al Qaida, Jaish al Islam Ahrar al Sham / Jaish al Fatah aus der Türkei seit Beginn der russischen Intervention. Es ist schwerlich eine Zufall – um mich ganz vorsichtig auszudrücken – daß in die Zeit der Übernahme der Rolle des Centcom durch das Eucom die erneute Einfuhr tausender Kämpfer von Al Qaida und IS nach Libyen fiel nebst der parallel dazu stattfindenden großen Terror-Anschläge in Frankreich und Belgien, in der nach Auskunft lokaler Quellen (bitte bei Peter Lee nachschauen) eine „Benghazi-Connection“ eine prominente Rolle gespielt hat.

Indem die Bundesregierung kürzlich verlauten ließ, mit Notfallplanungen für „Katastrophen“szenarien befaßt zu sein, die eine Million und mehr Bundesbürger in Mitleidenschaft ziehen könnten
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49056/1.html
macht sie m.E. klar, wie bewußt sie sich „drohender Gefahren“ nach der Amtsübernahme Killary Clintons ist. Clinton, um nur einen Punkt heraus zu greifen, ist nicht gegen die amerikanischen „Freihandelszonen“ TPP und TTIP. Wenn Obama, und nach ihm Merkel, nicht müde werden, zu betonen, daß das „Fenster“ für ein Verhandlungsergebnis über TTIP mit der Amtsübernahme Clintons endet, dann geht es darum, daß die Liberal Hawks auf ein Diktat aus sind, daß sie allenfalls noch kosmetische Zugeständnisse an die Europäer dulden werden. Man muß in Europa mit amerikanischen Kriegshandlungen rechnen, mit chemischen, biologischen Angriffen, schlimmstenfalls auch mit einem Angriff auf ein AKW, um das neue, alte Gefolgschaftsverhältnis zwischen den USA und den europäischen Staaten zu erzwingen.

Das steht auf der Tagesordnung der europäischen „Sicherheitspolitik“ und „linke Kritiker“ der Staatsmacht können sich bei diesem Thema, so sehr es ihnen gegen den Strich gehen mag, schwerlich gegen einen Konsens der Staatsschützer und der im Aufbau befindlichen Staatspolizei mit Neuen Rechten und alten Faschisten stellen. Mag der Krieg auch eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sein, im Krieg hat die Politik Pause. Entweder die „Linke“ hört auf „kritisch“ zu sein, und bequemt sich dazu, den Krieg wahr zu haben und sich entsprechend aufzustellen, oder sie wird in einer „Querfront“ zu ihren Lasten spurenlos unter gehen

Alles, was man wissen muß (21.8.)

1) „Der 15. Juli ist unser 9/11“ – Yıldırım

http://www.hurriyetdailynews.com/turkey-restructures-intelligence-after-coup-attempt.aspx?pageID=238&nID=103055&NewsCatID=341
Derselbe hatte vor einigen Wochen im türkischen Fernsehen eingeräumt, der Chef des MIT, Fidan Hakan, habe „versagt“, indem er den Putschversuch nicht mit geeigneten Mitteln unterbunden habe, was möglich gewesen wäre, hätte der MIT am 15.7. um 16 Uhr nicht ausschließlich den militärischen Generalstab vom bevorstehenden Putsch informiert, statt auch die politische Führung, einschließlich Erdogan selbst. Yildirim kündigte „Konsequenzen“ nach den ersten Konsolidierungsanstrengungen an, „im Moment haben wir Wichtigeres zu tun“. Die Konsequenz bestand darin, daß Fidan vor einigen Tagen direkt hinter Erdogan im Kreml aufmarschiert ist und folglich die „Restrukturierung“, von der Yildirim jetzt spricht, leiten wird.

2) „Sobald Killary an der Macht ist, werden wir die kurdischen Terroristen in Rojava ausrotten“ – derselbe

Turkey to take more active role on Syria in next six months: PM
http://www.hurriyetdailynews.com/turkey-to-take-more-active-role-on-syria-in-next-six-months-pm.aspx?pageID=238&nID=103056&NewsCatID=510

Während „alle Welt“ außerhalb der NATO-Führung, gewisser „Kreise“ in Washington, des Barzani-Clans, der iranischen Revolutionsbrigaden nebst ihren Statthaltern bei der Hezbollah (NICHT aber Nasrallah – doch das dokumentiere ich jetzt nicht) sowie den Hardlinern der syrischen Militärdespotie (v.a. in der Luftwaffe) dafür ackern, vor der Wahl Killarys zu ihren jeweiligen Mindestbedingungen eine Waffenruhe herzustellen, deren Grenzregimes den Ausgangspunkt für Verhandlungen über irgend eine Art von Machtteilung / Föderalisierung sein können, weist die Türkei dieses Ansinnen kategorisch zurück. Damit ist vollkommen klar, wen die Türkei auf der politischen Ebene vertritt; Die Leute hinter Killary, Kerry, Nuland, Biden.
Lest die Ankündigungen und Mitteilungen über einige der anvisierten Umgebungsvariablen des Angriffs auf Rojava bitte selbst, ich habe keine Lust, sie zu kommentieren, ist eh für die Katz.

http://www.hurriyetdailynews.com/diplomatic-efforts-to-solve-syria-crisis-heat-up.aspx?pageID=238&nID=103037&NewsCatID=510
https://www.rt.com/news/356603-yildirim-assad-syria-transition/
http://bigstory.ap.org/article/ef6fa94895854d96abb111ccc11986d0/turkey-assad-can-be-part-transition-syria
http://www.hurriyetdailynews.com/turkish-pm-rules-out-dialogue-with-pkk-.aspx?pageID=238&nID=103057&NewsCatID=341
http://www.hurriyetdailynews.com/ex-pm-davutoglus-former-right-hand-man-detained-in-anti-gulen-probe.aspx?pageID=238&nID=103038&NewsCatID=341
http://www.hurriyetdailynews.com/turkish-parliament-approves-israel-deal-.aspx?pageID=238&nID=103052&NewsCatID=510

Ergänzung zu den Umgebungsvariablen

Namentlich bekannte Pentagon-Sprecher haben sich klar und deutlich vom saudischen Königshaus distanziert:
http://www.reuters.com/article/us-yemen-security-usa-saudiarabia-idUSKCN10U1TL

Für mich liegt der Nachrichtenwert darin, daß DoS UND Weißes Haus das Thema bislang unter den Teppich kehren, denn daraus schließe ich, daß sich die Vertreter der Killary- und Obama-Fraktion im Pentagon über den Schauplatz einig geworden sind. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil eine Reihe von Vorgängen und Verlautbarungen der letzten Monate angezeigt haben, das KSA ist seiner „Koalition“ verlustig gegangen. Die VAE haben sich aus ihr zurück gezogen, Qatar und Bahrein haben gegen die saudischen Eskalation öffentlich protestiert.

An der Basis der Pentagon-Entscheidung liegt also schlicht die Sorge um die künftige Rolle und Autorität der US-Stützpunkte am Golf. Daß die Sache auch darüber hinaus geht, ist an einer Pressekampagne zu bemerken:

http://www.reuters.com/article/us-yemen-security-idUSKCN10V0KO
http://world.einnews.com/article/340892336/FNRWEreim0-1vs4x
The Greatest Divorce in the Jihadi World
Die saudischen Proxies sind böse, die türkischen sollen es nicht länger sein. „Al Qaida“ / Nusra in Idleb und Aleppo Province werden von Ahrar al Sham etx. gezähmt, geschluckt, „umgedreht“ werden, verspricht Foreign Policy.
Es sieht danach aus, als solle Killary der potentiellen Last ihrer früheren Zusammenarbeit mit den saudischen Jihadi-Patronen ledig werden. Vom Standpunkt der zionistischen Hardliner ist das wünschenswert bis notwendig, denn die Saudis werden sich nicht einfach an Israels Seite stellen, wenn es an die Annektion weiterer syrischer Gebiete geht.

Nicht OT: Nachtrag zum türkischen Staatsstreich

https://www.rt.com/usa/357402-pilots-shadow-syria-jets/

Das beweist natürlich nichts, aber ich nehme es mal zur Gelegenheit, Leute, die glauben wollen, der „versuchte Putsch“ sei von maßgeblichen US-Kräften gewünscht gewesen, daran zu erinnern, daß Erdogan dann nicht mehr lebte. Erinnert euch an MH17.