Diverses

Selbstbewußtsein der moralischen Tugenden und Untugenden – Bravheit und Frechheit

(redigierter Forumsbeitrag v. 2008)

TomGard im Biergarten. Am Nebentisch eine Gesellschaft, Leute um die vierzig, Frauenüberschuß.
Eine Männerstimme beschwert sich:
Ich hab dir doch schon zweimal erklärt, wo Paderborn ist„.
Eine Weiberstimme, einen greinenden Tonfall andeutend:
Du weißt doch, Geografie, Kartenlesen und so weiter, da bin ich ganz schlecht drin. Ich kann mir sowas irgendwie nicht merken„.
An die Umsitzenden, im selben Tonfall:
Das war schon immer so. Aber wir hatten auch eine ganz fürchterliche Erdkundelehrerin (bla bla) und erst der Mathelehrer! bla bla …“.

Trat da eine peinliche Stille ein? Ließ sich vielleicht jemand einen milde zurechtweisenden Scherz einfallen, über den die Sprecherin vielleicht selbst hätte lachen können und der dem Typen eine Lehre gewesen wäre? Erinnerte jemand sie daran, daß sie schon eine Weile ein ziemlich „großes Mädchen“ sei und er nicht ihr Vater?

Nix da. Die Weiber überschlugen sich, in den Chor einzustimmen. Wahrscheinlich taten sie das allesamt berechnend – immerhin handelte es sich um einen ziemlich extremen Fall – aber was ist das für eine Berechnung! Sie übertrieben das Spiel mit dem Topos, den die Sprecherin aufgerufen hatte, nicht ins Absurde, doch es war merklich, daß sie sich, ihn bedienend, über das Paar erhoben.

Jeder kennt ähnliche Muster von Beschuldigung und Entschuldung, in Spiralen laufenden Metamophosen von Verfehlung in individuellen Mißerfolg, von individuellem Mißerfolg in gesellschaftliche Verfehlung, von gesellschaftlichem Mißerfolg in individuelle Tugend, von Tugend … in Erfolgswege.
Jeder macht die Erfahrung, daß diese Manöver gern die Gestalt von „Rollenspielen“ annimmt, die der behavioristischen Psychoanalyse, nach der sich ein „Ich“ aus „Eltern-Ich“, „Erwachsenen-Ich“ und „Kind-Ich“ zusammensetze, recht zu geben scheinen. Die erwähnte Frau – ich begegne ihr nicht zum ersten Mal – habe ich noch niemals als ein „Erwachsen-Ich“ sprechen hören, nur als Kinder- oder Eltern-Ich.

Sicher, ontisch ernst genommen ist diese Dreiteilung Quark, wie ihr Vorläufer, die freud’sche Instanzentheorie: „Es, Ich, Über-Ich“, doch phänomenologisch erscheint sie oft treffend.
Denn wenn es um Werte geht, geht es zwar um Absolutes, um gut und böse und so zu, aber in Gestalt des Verhältnisses der Subjekte zum Absoluten und umgekehrt, also um Absolutes im Material des Konkreten.
Die Werte sind das praktische Material des Idealismus und daher ist es geradezu naturnotwendig, daß ein Kind, das sich etwa ab dem 9. Lebensjahr Moralbegriffe in der erwachsenen Form anzueignen beginnt, diesen Aneignungsprozess mit seinem Zurichtungsprozess und folglich mehr oder weniger in der freudschen Form bebildert, weil der inneren Auseinandersetzung eine äußere mit den Eltern und Erziehern und den zunehmenden Abstrichen von kindlichen Privilegien voraus geht und entspricht. So weit ist das eigentlich trivial.

Aber es wäre verkürzend, wenn man den Vorgang auf Moral in einem engen Sinn, auf die Aneigung und den Umgang mit Werten und folglich auf die Fälle begrenzte, in denen es mehr oder minder direkt um Gehorsam und sich-Fügen geht. Das zeigt das Einleitungsbeispiel, wenn man es genauer „liest“. Es führt die Rolle der Selbstreferentialität des moralischen Bewußtseins, des „Selbstbewußtseins“ im psychologischen Sinne vor, die Moralität des „auf sich haltens“ und damit eine gänzlich abstrakte Tugend der Unterwerfung, in der es nicht um bestimmten Gehorsam, nicht um Apologie bestimmter Werte, Regeln, Maximen und so zu geht, sondern um Unterwerfung als Tugend an sich selbst. In das einschlägige Bild übersetzt: Um Bravheit.

Und, Leute, spätestens da kann man bemerken, wie die Bebilderungen des moralischen Bewußtseins die Sache und die Sachverhalte überwuchern, um die es in den Biographien und im gesellschaftlichen Verkehr, in dem Moralität erworben wird, einst gegangen ist und immer wieder geht.
Da wird „Bravheit“ als kindliche Tugend festgehalten, statt als die erwachsene Tugend wahr genommen, die sie immer gewesen ist. Dasselbe passiert mit der komplementären Tugend: „Frechheit„, nur, je nach Anwendungsfall, in komplementärer Form, das heißt, sie wird als erwachsene Tugend wahrgenommen und gefeiert, weil und obwohl sie eine kindliche Tugend ist. So erschufen sich die Sprecher im Beispiel spielerisch die „Kinder-Ichs“, „Erwachsenen-Ichs“ und „Eltern-Ichs“ füreinander. Die erste Sprecherin appellierte mit ihrem Kinder-Ich an die Eltern-Ichs der anderen. Indem diese vom Standpunkt des Eltern-Ichs versicherten, auch sie kennten und hätten allesamt so ein Kinder-Ich, stellten sie in zweiter Kommunikationsebene eine Verständigung zwischen den Erwachsenen-Ichs aller Beteiligten her, die einander versichern, sie alle hätten ihre Tugenden und Untugenden, ihre Erfolge und Mißerfolge, alles sei schön, nix sei passiert. und alle seien mal frech und mal brav. Es funktionierte da eine Weibergemeinschaft, welche die taktlose und dumme Bemerkung des Mannes einwickelte und entsorgte … Alles war gut.

Und ob TomGard sich nun gegen den Mann oder gegen die Weiber-Gemeinschaft gestellt hätte, er wäre in jedem Falle der Feind geworden, der Grobian, der Un-Mensch. Gegen beide sich zu stellen – das erlaubt der bürgerliche Diskurs an der Universität. Nicht im Biergarten.

„Sexuelle Selbstbestimmung“

(dito, mit Ergänzungen)

Das ist ein Wert. Das heißt, es ist eine semantisch in die „Seinsform“, einer Dinglichkeit analogen geistigen Form, gegossene Vorschrift.
Sie lautet erst einmal „nur“:

Du sollst bei diesem Wort nicht an Vergewaltigung, Nötigung, Erpressung sexueller Dienste denken, die kein halbwegs gesunder Mensch gutheißen wird, sondern an ein höheres oder tieferes GUT, das es in einer Gesellschaft, in der Vergewaltigung und Nötigung / Erpressung ein regelmäßiger Begleiter sexueller Verkehrsverhältnisse ist, hoch zu halten, zu schützen, bewahren gelte.

Ich halte einfach mal ein paar sachdienliche Bemerkungen zu Sexualität gegen diese Vorschrift.

Sexualität ist die Elementarform der Angehörigkeit (nicht Zugehörigkeit, die geht über Sexualität hinaus) eines Individuums zu einer Population. Dabei handelt es sich etwa ab der Stufe der Reptilien und Amphibien nicht länger um eine Artangehörigkeit. Denn etwa ab dieser Evolutionsstufe treten bei sexuellen Aktivitäten im weiteren Sinne Phänomene auf, die nicht unmittelbar mit Paarung zwecks Fortpflanzung verknüpft sind. Es sind Erscheinungsformen sexueller Zuchtwahl durch Signale im Paarungsverhalten auf der Ebene lokaler oder regionaler Populationen.

Spätestens ab dieser Stufe ist Überwältigung integrales Moment des Paarungsprozesses. Sexuelle Zuchtwahl legt Paarungen Widerstände in den Weg, deren Überwindung zum sexuellen Ziel wird. Sofern jemand nicht annehmen will, es gebe einen Gott der Evolution, der die Individuen zu Paaren bestimmt, wird er zugeben müssen, daß die Widerstände in der Balz nicht entfallen können, denn das setzte der Paarung einen Grad der Erfüllung von Zuchtwahlkriterien voraus, der den evolutionären Gewinn der Selektion auf einen negativen Wert setzen würde. Die Widerstände in der Balz wirken als Moment der sexuellen Zuchtwahl, wenn im Normalfall ein Rest von „Nichtübereinstimmung“ bleibt, der von einem oder beiden Beteiligten überbrückt werden muß, damit die Paarung stattfindet. Insofern ist sexueller Verkehr stets die sprichwörtliche Vergewohltätigung, als welche mancher Kulturmensch Vergewaltigung bzw. das Motiv zu ihr verniedlicht und ist es übrigens nach der männlichen wie weiblichen Seite, wenngleich nicht symmetrisch.

Halten wir uns streng an die Ebene des Sexus, ist ein rationeller Kern der Vorschrift, die mit „sexueller Selbstbestimmung“ ergeht der sexuelle Gewinn, den Beteiligte an einer Balz (das sind nicht zwingend nur Zweie!) erzielen, wenn Paarung ein Ergebnis ihres ungestört sexuellen Verkehrs ist. Mit anderen Worten: Der Wert „sexuelle Selbstbestimmung“ im menschlichen Verkehr ist nicht allein Anzeichen dafür, daß es der soziale Normalfall ist, wenn Momente, Motive, Zwecke, Bedingungen, whatsoever, mit dem sexuellen Verkehr interferieren, die ihm fremd sind, er ist im Maße der konkreten Funktionen, die ihm zugewiesen werden, übergeordnetes Moment dieser Fremdheit und Interferenz, und das heißt buchstäblich, nicht nur metaphorisch, Bestandteil einer Vergewaltigungskultur..

Gehen wir von dort die Kehrseite der Sache an. „Vergewaltigungskultur“ heißt im o.a. Zusammenhang ja keineswegs, das Moment der Überformung des sexuellen Verkehrs (edit, gestrichen: „Überwältigung“) durch sexualfremde Momente und Motive sei der Normalfall allen gesellschaftlichen Verkehrs, wie es viele Moralisten, nicht nur Feministen kurzschließen. „Sexuelle Selbstbestimmung“ ist ein praktisches Ideal, die beteiligten (Bürger) setzen sie ins Werk, und dann wird halt eine Selbstbestimmung ‚draus, wenn auch qua Voraussetzung keine sexuelle!

Das Ideal „selbstbestimmter“ Sexualität, um das jetzt etwas über’s Knie zu brechen, kennzeichnet eine Gesellschaft, in welcher der soziale Zusammenhang der Individuen bis in den Bereich der biologischen Elementarform sozialen Verkehrs hinein aufgetrennt erscheint. Der Zusammenhang bekommt die Verlaufsform, daß die Gesellschaftsglieder als Sachwalter einer „Individualität“ aufzutreten haben, die nicht zufällig identisch mit dem „Eigentümer von Arbeitskraft“ ist. Eine Gesellschaft von Onanisten, von frühester Kindheit sexuell auf sich selbst zurück geworfen und durch offenen wie stummen Zwang auf diesen Status festgelegt, zumindest in Teilbeständen.

Dasselbe in Kategorien des Seelenlebens ausgedrückt:
Das „Eigene“ an der „selbstbestimmten“ Sexualität ist das was von ihr bleibt, wenn sie von aller Gegenständlichkeit frei gedacht und also auch gefühlt wird:

Ein unbefriedigter Trieb.

Das ist genau die Sorte Energie, die Sklaven das Dasein selbstbewußter Sklaven erträglich werden läßt.

PS: Technisch ausgedrückt ist „sexuelle Selbstbestimmung“ Ausdruck der Warenform des sexualisierten Leibes.

Respekt statt Liebe

Karpov und Kasparov begreifen bis auf den heutigen Tag nicht recht, daß sie einander lieben – lieb gewonnen haben. Gleichwohl haben sie – natürlich – dieser Liebe Ausdruck gegeben. Umweghaft, über einen von ihrem Verhälntis zu Werten und Autoritäten abgeleiteten Respekt füreinander.

Natürlich bedürfte diese Diagnose einer ausführlichen Darstellung, Ableitung, Begründung, aber das kostet mich jetzt zu viel Zeit. (13. Dez. 2016)

Ein Bund aus Bünden

Vorbemerkung

Die Umstände, unter denen ich die untenstehende Mail an eine mir liebe Bekannte verfaßte, die mich in der Kneipe gefragt hatte „Was ist Sex für dich? Nein, sag jetzt nichts, schreib mir das mal auf„, waren ziemlich außergewöhnlich. Ich sage dazu ein paar Worte, denn ich kann mich dem Argument nicht verschließen, einige dieser Umstände gehörten dem Text an, weil ihre Kenntnis in die Textauffassung des Adressaten einfließen sollte. Persönlich halte ich die folgenden Bemerkungen für eher störend, doch in dem Punkt hat ein Autor keine ausschlaggebende Kompetenz.

Ich war knapp 50 Jahre alt und seit etwa zwei Wochen auf eine bis dato ungekannte Weise verknallt in eine Frau, die ich ob meines Zustandes die „Unaussprechliche“ nannte. Eine Lesbe – „nicht homosexuell“ – Hure, mir so fern stehend, wie der Mond „zu dem auch mein Schwanz hinauf wachsen kann, wenn ich das zulasse„, die mich nicht wollte und das merklich bedauerte.
Zugleich pflegte ich seit längerem eine Liebe mit einer sehr homosexuellen Lesbe, die, nach anfänglicher Zurückhaltung, im Begriff war, sich ähnlich in die Unaussprechliche zu verknallen, wie ich.
Kurz zuvor hatte ich mich in einen Text verliebt, und weil diese Begeisterung einige Berührungspunkte mit den vorgenannten hatte, nenne ich ihn: „Spieltrieb“, von Juli Zeh.
Im Übrigen war ich seit fünf Jahren ungefickt, nicht nur unfreiwillig, wie man obigen Worten entnehmen kann,  ein zunehmend ungesunder Zustand.
Der erste Satz der Mail nahm den Faden eines Berichtes auf, den ich von einer kürzlichen, flüchtigen Begegnung mit einer vergleichsweise sehr jungen Frau gegeben hatte, die gegen einschlägige Widerstände resolut und entsprechend offen bisexuell lebte.
Übrigens kam es dem Text meines Erachtens zu Gute, daß ich, halbtrunken und unter dem Eindruck der Gegenwart der Angebeteten, Stichworte für ihn noch in der Kneipe verfaßte und ihn am nächsten Morgen, kaum ernüchtert, mit fliegenden Fingern herunter schrieb.

Die Mail:

Was Marie und mir geschah, nennt Juli punktgenau „Annexionsstreben auf den ersten Blick“. Sex ist, was einfach und unzweideutig geschieht, Annektion, oder, mit dem schönen deutschen Wort: Ein- bzw. angliedern_wollen.
Unterstellen wir, was an/eingegliedert werden will, ist willkommen und was an/eingegliedert werden soll, hat Platz. Dann gibt es nur eine Quelle von Unfug, nämlich, wenn es das, was eingegliedert werden soll oder will, nicht gibt, was unter Menschen, die ihre fünf Sinne beisammen haben, nur dann kein rasch zu klärender Irrtum sein sollte, wenn eine Angliederung nicht einer Person, sondern einem ES gilt, dem eingegliedert werden soll.
In letzterem Fall werden Kopf und Glieder zu Werkzeugen einer /Eingemeindung/. Die Feier, die beim Sex stattfindet, muß dann genau genommen /neben/ ihm stattfinden, weil sie nicht den Beteiligten selbst, sondern dem ‚höheren‘ ,. sie willkürlich oder unwillkürlich verklammernden ES gilt. Obendrein sind die Beteiligten vor einem ES erstmal /gleich/, bevor sie unter dem /Gesichtspunkt/ der Gleichheit auch verschieden sein /dürfen/ und /sollen/.
Du ahnst: alles Häßliche, Widerwärtige, Gewaltsame, nicht zu vergessen das Langweilige und Banale, das es mit Sex verknüpft gibt, entstammt einem Willen zur wechselseitigen Eingemeindung der Begierden und Bedürfnisse unter ein ES.
Ein Bund freier Menschen räumt mit allem ES auf und beseitigt nach Kräften Gründe für das Neuentstehen von ES. Er wird, wenn er denn wird, ein Bund von Bünden sein, deshalb rede ich manchmal kokett vom „Return of the Indian Nation“.
Ein Bund besteht nur katastrophalerweise aus weniger als fünf Menschen. Vermutlich sollte er zwei Dutzend (excl. Kinder und Greise) nicht weit überschreiten. In einem Bund gibt es naturgegeben keine Gleichheit, allenfalls Ähnlichkeit als Form dessen, was einzig zählt: Verschiedenheit. Bei dem, was ein Bund und jeder darin so treibt, wird es zwanglos um möglichst viel mehr, als Sex gehen und eben drum, – siehe oben und q.e.d. – wird es um Sex /unentwegt/ gehen. Die in dieser Überlegung einbegriffene Wahrheit haben Mädchen wie Chris und Marie, die Sex offensiv zu ihrem wichtigsten, in unklar gefaßten Konzepten auch einzig zählenden Anliegen machen, für sich.
Abseits unmittelbarer Existenzgefährdung ist Sex das reichste Motiv für einen „Bund aus Bünden“ und in meinem Empfinden durchdringen sich diese Konzepte zunehmend.

Der junge Marx zu Sex und Gender

Die Notizen und Entwürfe des noch nicht 26jährigen Marx, bestimmt für ihn selbst und Engels, haben viele Macken, aber deswegen verdienen sie [Kits] Fälschung erst recht nicht.
Der Abschnitt aus den Frühschriften, aus denen sie zitiert, hier das Original, ist eine Auseinandersetzung mit den Vorstellungen Proudhons, St. Simons und Fouriers, im Zitat besonders mit Fourier, der bei retrospektiv ersonnenen, urchristlichen Motiven „gelandet“ war, in denen schwer patriarchalische Vorstellungen von „freier Liebe“ eine gewichtige Rolle spielten.
Dem setzt Marx, methodisch noch Hegel folgend, das Konzept einer historisch „sich“ entfaltenden „Idee“ des Kommunismus entgegen, in dem er „Idee“ nach von Feuerbach inspirierten Motiven „materialistisch“ zu denken versucht.

Anstelle einer schwerblütigten Auseinandersetzung fälsche ich Marx nun einfach auf meine Weise, indem ich ein paar Worte ersetze, andere weglasse, ein paar Worte hervor hebe und hier und da Formulierungen kongenial verändere:

(Die Idee des) Kommunismus ist der positive Ausdruck des negierten Privateigentums, das allgemeine Privateigentum. Indem er dies Verhältnis in seiner Allgemeinheit faßt, ist er

1. in dieser Gestalt nur Verallgemeinerung und Vollendung desselben; als solche zeigt er sich in doppelter Gestalt:

einmal ist die Herrschaft des sachlichen Eigentums so groß ihm gegenüber, daß er alles vernichten will, was nicht von jedermann als sein Privateigentum beansprucht werden kann; er will auf gewaltsame Weise von Talent etc. abstrahieren.
Der physische Besitz und das Kommando über denselben gilt ihm als allgemeiner Daseinszweck; die Bestimmung des Arbeiters wird nicht aufgehoben, sondern auf alle Menschen ausgedehnt; das Verhältnis des Privateigentums bleibt das Verhältnis der Gemeinschaft zur dinglichen Welt; endlich gibt sich die ideelle Bewegung, dem Privateigentum das allgemeine Privateigentum entgegenzustellen, die kreatürliche Gestalt, der Ehe (welche allerdings eine Form des exklusiven Privateigentums ist) den gemeinschaftlichen Besitz der Männer an den Weibern gegenüber zu stellen, das Weib zu einem gemeinschaftlichen und gemeinen Eigentum der Männer zu erklären.

Man darf sagen, daß diese Idee der Weibergemeinschaft den Witz dieses noch ganz rohen und gedankenlosen Kommunismus verrät. Die ganze Welt des Reichtums, d.h. das gegenständliche Wesen jedes Menschen, soll auf dieselbe Weise dem allgemeinen Privatbesitz anheim fallen, wie das Weib, aus dem Eheverhältnis exklusiver Angehörigkeit fallend, der allgemeinen Prostitution preisgegeben wird.

Diese Idee des Kommunismus – indem sie die Persönlichkeit des Menschen überall negiert – ist eben nur der konsequente Ausdruck des Privateigentums, welches diese Negation ist.

Zwischenbemerkung:
Ich mag mir nicht verkneifen, mich öffentlich zu fragen, warum Kit folgenden Absatz weggelassen hat:
Wie wenig diese Aufhebung des Privateigentums eine wirkliche Aneignung ist, beweist eben die abstrakte Negation der ganzen Welt der Bildung und der Zivilisation, die Rückkehr zur …Einfachheit des armen, rohen und bedürfnislosen Menschen, der nicht über das Privateigentum hinaus, sondern noch nicht einma1 bei demselben angelangt ist.
Weiter mit dem tomgardisierten Marx:

In dem Verhältnis zum Weib, als dem Raub und der Magd der gemeinschaftlichen Wollust, ist die Degradation ausgesprochen, in welcher „der Mensch“ in der Gestalt des Mannes existiert …

Mit „In der Gestalt des Mannes“ ersetzte ich das originale „für sich selbst“ – eine notwendige Ersetzung, weil dem „Verhältnis zum Weib“ andernfalls das Subjekt fehlt. Marx wechselt hier schludrig von der naturalistisch /soziologischen Rede in die philosophische Redeweise Hegels, indem er „Mann“ und „Weib“ als Erscheinungsform des Menschen anspricht.

 … denn das Ganze und verborgen bleibende Wesen (Geheimnis) eines bestimmten gesellschaftlichen Verhältnisses (statt „Verhältnis des Menschen zum Menschen“, TG) kommt unzweideutig und notwendig im Geschlechtsverhältnis zum Ausdruck, d.i. in der Weise, wie das Gattungsverhältnis aufgefaßt und verfaßt wird.

Dieser genialische Bengel gibt hier tatsächlich nichts Geringeres, als einen freilich sehr allgemeinen Begriff des Androzentrismus, in einer Zeit, da … Naja. Ist eh schon tot.

Das unmittelbare gesellschaftliche Verhältnis ist das Geschlechtsverhältnis. Im Gattungsverhältnis ist das Verhältnis eines Menschen zu der ihm äußeren, dinglichen Welt unmittelbar sein Verhältnis zu einem anderen Menschen und daher, indem dies ein Verhälnis zu seiner eigenen Natur, zu seiner geschlechtlichen Bestimmung ist, zu sich selbst als menschlich. In diesem Verhältnis, im Verhältnis zu einem Gatten, erscheint sinnlich, nämlich anschaulich und handgreiflich, die Gestalt, die das gesellschaftliche Dasein eines Menschen für ihn selbst annimmt (i.e. „das Menschliche“ das für „natürlich“ geltende).
Dies Verhältnis erweist und bestimmt die jeweilige geschichtliche wie gesellschaftliche Bildung eines Menschen.“

Ab hier beginnt Marx zu schwimmen, weil er halt nicht TomGard war :>>.
Besonders: „[In diesem Verhältnis zeigt sich] inwieweit ihm der andre Mensch als Mensch zum Bedürfnis geworden ist…“ – das war unterstellt, das ist ein christlich-humanistischer Zungenschlag – “ …inwieweit er in seinem individuellsten Dasein zugleich Gemeinwesen ist.“ – Das war Ausgangspunkt! nicht Resultat! Hier wollte der Bengel wohl gleich noch Rousseau hegelsch „aufheben“!
Schließlich die Zusammenfassung der Kritik, die der ganze Abschnitt leisten sollte:

Die erste positive Aufhebung des Privateigentums, der rohe Kommunismus, ist also nur eine Erscheinungsform von der Niedertracht des Privateigentums, das sich als das positive Gemeinwesen setzen will.