Gender

Ein individuell geschaffenes soziales Feld

Es dürfte einleuchten, daß der soziale Geschlechtsdimorphismus in allen denkbaren Gesellschaften ein Bündel kultureller Dimensionen hat, von denen stets einige nah, andere fern des physiologischen Dimorphismus stehen. „Gender“ ist folglich eine populationsspezifische Feldstruktur über diese Dimensionen, in welche sich die Individuen einerseits einzuordnen haben, die sie andererseits sowohl einzeln für sich wie kooperativ füreinander erfinden. (…)
Nehmen wir die Sozialisation hinzu, ergibt sich elementar, daß individuelle Assimilation und Adaption an das Feld des Gender einen beträchtlichen Teil der Dimensionen erst ab der Vor- bis zur Spätpubertät einbegreifen und abschließen kann. Dazu gehört nicht nur die genitale Sexualität inklusive ihrer sozialen Konnotationen und Funktionen, sondern auch der Abschluß der intellektuellen und ethischen, heute also moralischen, Entwicklung, sprich individuellen Nach- und Neuerfindung der zu ihr gehörigen Kriterien und intellektueller wie sozialer Operationen, die über sie verlaufen. Alle drei genannten Elemente sind Grundbausteine dessen, was heute „soziale Intelligenz“ heißt und prägen die kommunikative Kompetenz aus.

Das Patriarchat auf der Basis des Privateigentums umfaßt keineswegs die geschichtlich ersten Gesellschaften mit einem starken Druck in Richtung geschlechtlicher Polarisierung. Patriarchate bzw. Mischgesellschaften, die auf einer Kultur der Wehrhaftigkeit beruhten, übten mindestens denselben Druck aus. Je polarischer aber das Gender-Feld innerhalb einer Population wird, desto umfangreicher und komplizierter die Aufgaben, die es an die geschlechtliche Arbeitsteilung und den Zusammenhalt des sozialen Gefüges stellt. Folglich kommt den frühen Geschlechtsbeziehungen unweigerlich die doppelte Aufgabe zu, die geschlechtliche Polarisierung abschließend herzustellen, zugleich aber sozialverträglich zu kompensieren. Eine solche Kopplung und Verschränkung der Pole wird stets Gegengewichte und Ausgleichsbewegungen über verschiedene Dimensionen einschließen. Die Ausdifferenzierung der geschlechtlichen Polarisierung dürfte in den individuellen Beziehungen beide Seiten der Pole individuell aufeinander ausprägen. Und das ist eine klassische Double-Bind-Situation. Was immer in solch stark geschlechtlich polarisierten Gesellschaften „Liebe“ konzeptionell ist, ihr wächst in Abhängigkeit von den sozialen Umgebungsbedingungen und – variablen – z.b. Gens- und Clanstrukturen, Geschlechtsbünden – in irgend einem Umfang die Aufgabe zu, das Geschlecht der Individuen in einem Teil seiner Betätigung zugleich auch aufzuheben! Beide Geschlechter müssen in einem fundamentalen Teil ihrer individuellen Beziehungen sowohl und zugleich Männer wie Weiber sein.

Zusätze

Gender vs. Sexus

Es ergab sich aus der Diskussion des Textes in einem Forum, daß eine Hauptschwierigkeit seiner Verdichtung in der unwillkürlichen Selbstreferentialität liegt. Man kann nicht über Geschlecht oder Gender reden und sich dabei an deren Konstruktion nicht beteiligen wollen …

Zur aktuellen Konstruktion zählt noch immer maßgeblich die Kontroverse, ob bzw. inwieweit Geschlecht ein Konstrukt sei bzw. in einer sozialer Konstruktion vorgegebenen Dinglichkeit gründe. Das ist ein selbständiges Thema: genitale Fetischisierung des Geschlechtes und der Sexualität. Mein knapper Text ist ein semiologischer Durchstich dieser Debatte, er impliziert, das soziale Feld der Geschlechtlichkeit, nicht allein der Begriff des Gender, bestehe aus Zeichen und Symbolen und deren Performanz, die man mit einem altertümlichen Wort Gebärden heißen könnte.
Dieser Durchstich schließt ebenso implizit aus der Debatte aus, was früher, und bei Sexualwissenschaftlern vom Schlage Sigursch dankenswerterweise noch immer, Sexus hieß. Das ist die im strengen Sinne biologische Komponente des Geschlechts, schlicht seine Organik, die so unnachahmlich (für „moderne“ Verhältnisse) treffend in dem Kinderspruch definiert ist, der zu meiner Zeit (frühe 60er) verbreitet war: Ficken ist gesund, das weiß sogar der Hund. Sexus schließt die Gebärfähigkeit ein und alles, was damit zusammenhängt, es ist das biologische Substrat der Geschlechtsbestimmung, ihr voraus gesetzt, hat mit ihr genau so viel zu tun, wie das Inventar der Zeichen und Gebärden in einer sexuellen Population physiologisch symbolisiert wird oder, um das Resultat meines Textes hier gleich einzuarbeiten, mithilfe von Elementen des physiologischen Geschlechtsdimorphismus codiert wird.
Die Moderne hingegen besteht zu etlichen Gelegenheiten auf dem Blick ins Chromosom, gelegentlich noch genauer, ins chromosomale Zellmosaik, um ein Ding zu identifizieren, das dann weiblich oder männlich heißen darf. In dem, was hier besprochen wird, sind männlich / weiblich hingegen Reflexionsbestimmungen, das eine gibt es nur mit unmittelbarem Bezug auf das andere.

„Matriarchat“ – ein Irrlicht am Rande des Abgrundes

(Forumsbeiträge aus dem Jahr 2008. Zwischenüberschriften habe ich nachträglich eingefügt. Das Zeug ist als Steinbruch zu betrachten. Die letzten Forumseinträge fielen mangels Resonanz schwach aus, ich belasse sie trotzdem, weil sie mich an Sachen erinnern, die ich vielleicht noch mal aufnehmen kann.)

Zum Beispiel: Geschlechtsbünde in tribalen Jägerpatriarchaten

Hör dir zum Beispiel die Rede der Lakotafrau an, die ich Dir verlinkt habe. Stelle als Erstes mal fest:
Das ist eine Matriarchin und „Zauberfrau“!
Diese jugendlich wirkende, reife Dame, die zugleich stolz und bis ins Mark verunsichert, verloren, gelegentlich fast kindlich wirkt, ist die Nachfolgerin ihrer Mutter und die war eine ‚weise Frau‘ – Kulturträgerin ihrer Stammesabteilung, geistiges Kraftwerk eines patriarchalen Stammeszusammenhanges.

Achzig Prozent dessen, was ein Lakota lernt, lernt er/sie von den Frauen, sagt sie. Wenn alle weiße Kultur um sie verschwände, sagt sie, könne sie zusammen mit den anderen Frauen und den Kindern hinaus gehen aus dem Reservat und überleben.
Vielleicht. Vermutlich ist das ein wenig großsprecherisch und wahrscheinlich hat sie wenig Ahnung, wie unkenntlich ihr die „Natur“ schon wäre, aber darauf kommt es hier nicht an. Sondern darauf, daß dies das ehemals viable Konzept der patriarchalen Jägerkultur der Lakota war, welche vermutlich eine unter dem Druck der Weißen degenerierte Abspaltung aus einer kombinierten Jäger-/Gartenbaukultur gewesen ist.

Der junge Mann wiederum führt idealtypisch einen der bedeutsamsten Beiträge der Männer zu dieser Kultur vor. Es ist: Stammesmythologie, Spiritualität, Magie.
Darin eingeschlossen – selbstverständlich – die Pflege und Hege des Zusammenwirkens der Stammesglieder – der Geschlechter wie der Clans und Familien.
Merke: Die Männer waren zuständig, den Frauen ihren bestimmenden Platz in der Stammmeskultur zu bewahren.

Wie, bitteschön, soll das auch anders gehen in einer halbnomadischen, von territorialer Rivalität der Stammesgruppen und benachbarter Stämme geprägten Kultur, die so vollständig auf die Beherrschung ihres Lebenszusammenhanges in einem oszillierenden Naturzusammenhang setzten, statt ihre Daseinsweise, wie Garten- und Ackerbaukulturen es tun, ein Stück weit aus der direkten Befangenheit in natürlichen Abläufen zu lösen? Nachdenken bitte!

Ein Teil der Erlärung folgt selbstverständlich direkt aus der Arbeitsteilung. Aber ist dies alles? Hierzu scheint mir ein Exkurs angebracht.

Elemente einer positiven Auflösung des Geschlechtsrassismus

Ihr wißt, wie vehement ich mich gegen Geschlechtsrassismus gestellt habe. Doch ist dies teilweise (absichtsvoll) so mißverstanden worden, als wolle ich leugnen, daß es Unterschiede zwischen Männern und Weibern gibt. Selbstverständlich leugne ich das nicht. Wie S. de Beauvoir sagt, werden wir zwar nicht als Männer und Weiber geboren, aber als Jungen und Mädchen. Letzteres ließ sie gern mal unter den Tisch fallen. In einem Umfang, der nur individuell halbwegs zu fassen ist, bleiben wir Jungen und Mädchen bis ins Greisenalter.

Es wäre – neues Moment – albern, anzunehmen, daß Frauen, die empfangen und geboren haben, nicht auch in einem biologischen Sinne „andere Menschen“ sind, als Männer und Frauen, die weder empfangen noch geboren haben. Veränderungen, die Frauen in einer Schwangerschaft erfahren bzw. auch nicht erfahren, haben eine große Bandbreite. Nicht selten scheint die Schwangerschaft nahezu spurlos an der körperlichen wie seelischen Verfassung der Mütter vorbei zu gehen, obwohl dies niemand, auch die Betroffenen selbst nicht, wirklich wissen können. In anderen Fällen meint man, es nahezu mit einem „neuen Menschen“ zu tun zu haben. Umgekehrt werden zahlreiche Männer als Großväter geradezu „weibisch“ anmutende Glucken und in selteneren Fällen lassen sich das auch junge Väter geschehen.

Was ist mit den anderen Unterschieden?
Der physische Dimorphismus ist, von den biologischen Geschlechtsmerkmalen und gewissen konstitutionellen Konstanten abgesehen, schon bei Individuen außerordentlich plastisch, wie man aus der Zwillingsforschung weiß. So ähnlich getrennt aufwachsende Individuen einander bei entsprechenden Voraussetzungen werden können, nicht zuletzt ihren Neigungen folgend, falls sie die Freiheit dazu haben, so deutlich können andererseits unter anderen Umständen die Phänotypen variieren.

Zusammenfassend will ich sagen, wenn man global die menschlichen Phänotypen in einem Pool versammelte und die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale ausklammerte, so ergäbe sich eine Menge, deren Varianz sicherlich über 80%, wahrscheinlich deutlich mehr, Männer wie Weiber umfaßte.
Allerdings gibt es Merkmale, die deutlich strenger geschlechtsspezifisch sind, weil sie im Zusammenspiel der hormonellen Steuerung von Stoffwechselprozessen zustande kommen (und sich entsprechend vorwiegend in der Pubertät ausprägen).

Geschlechtsrassistisch nenne ich nun nicht die Ansicht, daß in historischen Gesellschaften Eigenheiten der Arbeitsteilung und anderer Prozesse des Zusammenwirkens der Individuen an ihrer Geschlechtsnatur fest gemacht werden, sondern den „Schluß“, daß dies ein „natürlicher“, sprich nicht von den Subjekten selbst ins Werk gesetzter Prozess sei, bzw. (wenn die Rassisten einer Theorie des „Unbewußten“ und der „Archetypen“ folgen) daß die Subjekte eine Dynamik von in „Natur“ und „Genen“ angelegten Bauplänen exekutieren. Dabei verstehe ich unter „Subjekten“ das Zusammenspiel von Individuen in dem gesellschaftlichen Zusammenhang, den sie eingehen und gestalten.
Diese zweifelos unzureichenden Andeutungen zur Unterscheidung der Begriffe muß an dieser Stelle genügen.

Kehren wir nun zur erwähnten phänotypischen Varianz zurück und betrachten sie nicht länger statistisch, sondern qualitativ, so ergeben sich sofort Unterschiede, die soziale Daten setzen können – wenn die Subjekte das wollen.
Ich wähle hier pragmatisch aus.

Eine der trivialsten Quallen, die ich nur erwähne, um einen Einstieg in die Urteilsweise zu geben, ist die relative Größe der Lebern der Geschlechter, obwohl gerade in dem Punkt die rassische Varianz groß ist.
Die relativ größeren Lebern prädestinieren das männliche Geschlecht zu Vorkostern und Erkundern bzw. zu Expeditionen in unsicheres Terrain. Männer werden im Durchschnitt unter einer Reihe parasitärer Erkrankungen weniger zu leiden gehabt haben und sie werden sowohl schwerwiegende, wie auch eine Vielzahl kleinerer entzündlicher Verletzungen besser überstanden haben. Es ist anzunehmen, daß diese geschlechtsspezifische Erwerbung eine Folge der Lebensweise gewesen ist, aber schon die rassische Variation zeigt, daß die modernen Menschen (also der sapiens in der aufstrebenden Kulturgestalt, als die er Afrika verließ) darauf nicht angewiesen waren.

Die nächsttrivialste Qualle ist die Muskelkraft. Bestimmte Spitzenleistungen, vor allem solche, die auf Schnellkraft beruhen, sind Männern vorbehalten. Die Schnellkrafteignung der Muskulatur hat Rückwirkungen auf die Physiologie der Knochen, Knochenverbindungen, Sehnen und Bänder. Auch wenn man voraussetzt, daß die Belastung der Skelettmuskulatur eines Individuums nicht zu einseitig ist, wird man im Durchschnitt finden, daß der Verschleiß, den eine Frau bei bestimmten wiederholten Tätigkeiten erleidet, höher ist, als der des Mannes, weil ihm die Schnellkrafteignung seiner Muskulatur eine andere Bewegungsdynamik und Lastenverteilung erlaubt und er bei weniger beanspruchenden Tätigkeiten über größere Reserven verfügt (Dies ist medizinisch nicht blitzsauber, kann aber m.E. als statistische Verallgemeinerung durchgehen). Dies dreht sich erst wieder ins Gegenteil, wenn die Eignung von Männern sklavisch ausgereizt wird, sodaß die Abläufe im Einzelnen noch verschleißträchtiger werden, als bei Frauen, die der Sklaverei weniger ausgesetzt werden.
Aber:
Schon homo erectus ist in seinen fortgeschrittenen Formen nicht auf regelmäßige Ausreizung seiner muskulären Leistungsvarianz und -grenzen angewiesen gewesen. Die Heimstatt des sapiens, Afrika, bot eine Fülle von Habitaten, die einer intelligenten Spezies eine ziemlich bequeme Basisexistenz erlaubten, sodaß besondere Anstrengungen, besondere Leistungen, schon in einem frühen Stadium kulturellen Bedürfnissen geschuldet gewesen sein müssen.
Zu denen ist die Ausbreitung in weniger günstige Habitate ebenfalls zu zählen! Die ist nicht erzwungen, wie beispw. die statischen Kulturen der Südsee und des australischen Archipels gezeigt haben.

Die Ausnahme, die hier zu machen ist, betrifft die berüchtigte Proteinversorgung. Sie ist vor der Tierzucht- und Ackerbaukultur nur über Wild und Fisch auf das typisch hominide Niveau zu heben. Doch schon der erectus hinterließ ab einem Hirnvolumen von ca 900 ccm Kulturzeugnisse, die, wie auch seine Statur, darauf deuten, daß hohe tägliche Laufleistungen das wichtigste Mittel zur Sicherstellung einer ausreichenden Proteinversorgung gewesen sind. In der Evolution des Gehirns wie des Bewegungsapparates hinterließ dies offenkundig Spuren, die dem sapiens in Gestalt von Basisschichten erhalten blieben, auf die er jedoch gleichsam „eine ganze Welt“ ‚draufgesetzt hat. Diese „Welt“ ist unser Großhirn.

Die Kulturleistungen des erectus zeigen, daß die Grundstruktur dessen, was unser Gehirn zu seinen typischen sozialen und intellektuellen Leistungen befähigt, bereits vorgelegen haben muß. Nur so ist auch die schier atemberaubende Geschwindigkeit erklärlich, in der erectus-Varietäten binnen (wenn ich mich recht erinnere) maximal 500 TJ ein Hirnvolumen entwickelten, das mit 1100- 1200 ccm nahe an das moderner Menschen reicht. Man beachte hierzu, wie minimal die genetische Differenz des Schimpansen zum sapiens ist, obwohl seine Linie sich von der menschlichen Mio. Jahre vorher trennte.
Es ist hier übrigens von geringem Belang, in welchem Umfang erectus als direkter Vorfahre des sapiens anzusehen ist, denn die noch unklare Genealogie der modernen Menschen umfaßt diesen selbigen Kulturvorgang, sodaß für Erwägungen von der Art, die ich vorführe, in erster Instanz belanglos ist, welche Varietäten altertümlicher Menschenarten direkt im sapiens mündeten. Wichtig ist mir hier nur, daß das übliche Gequatsche über genetisch im Bereich der Instinkte (Klein- und Zwischenhirn) sedimentierte Geschlechtsunterschiede gegenstandslos ist, weil alles, was es da an Voraussetzungen gegeben haben mag, in der genannten kulturellen Entwicklung in die Großhirnentwicklung und in die damit einher gehenden Erwerbungen von Lebensräumen, Nahrunsspektren, Lebensweisen etx. integriert wurde.

Jetzt zu einer schwer fassbaren Qualität, die in den Debatten unter verschiedenen Bezeichnungen und Narrativen eine bevorzugte Rolle spielen.
Einen Einstieg könnte jeder finden, der sich ein wenig mit Frauen- und Männerfußball im Amateurbereich befaßt. Ich beanspruche mit dem Folgenden keine wissenschaftliche Autorität, mir geht es zwar durchaus um die Lehren, die ich gezogen habe, aber in erster Linie mal um die „abweichende“ Betrachtungsweise.
Man wird finden, daß eine Vielzahl von Mädchen, auch solche, die als kleinere Kinder keine schlechtere körperliche Ausbildung als die Buben hatten (in Großstädten ist das regelmäßig der Fall, weil die Umgebungsbedingungen für alle schlecht sind), aber andererseits nicht alle Mädchen, erhebliche Schwierigkeiten mit dem Tackling haben. Tackling ist verletzungsträchtig und oftmals wird diese Beobachtung damit erklärt, daß die Mädel halt weniger „aggressiv“ und bedenklicher gegenüber dem eigenen und fremden Verletzungsrisiko sind. Die unterschiedlichen „somatischen Kulturen“ spielen dabei eine Rolle, die ich in anderem Zusammenhang erwähnte, aber dieser Einfluß ist zweifellos geschwächt, indem fußballspielende Frauen sich just von dieser Kultur freizumachen suchen. Und mehr noch wird die psychologische Deutung meiner Beobachtung nach erschüttert, wenn man die Mädchen im Tackling trainiert. Dann stellt man nämlich fest, daß eine geringere Anzahl von Mädels, als Buben, ein sauberes Tackling rasch lernen, oder überhaupt hinkriegen.
Man verdeutliche sich, was die Leistung des Tackling ist.
Die Gegnerin führt den Ball und die Situationsanalyse gibt der Verteidigerin Daten über ihren Bewegungsspielraum und ihre Absichten. Wenn die Verteidigerin sich zum Tackling entschließt, setzt sie auf der Basis dieser antizipativen Bewegungsanalyse einen Prozess in Gang, der ihre träge Masse in mehreren dynamischen Schritten zum Instrument macht, der Gegnerin den Ball körpernah wegzunehmen und während sie diese Schritte vollzieht, muß sie sie anpassen, damit der Angriff nicht ins Leere geht bzw. zum knochenbrechenden Angriff auf die Gegnerin gerät. Sowohl die Antizipation wie der anschließende Vollzug sind ineinander übergehende, rückgekoppelte Steuerungsprozesse, die mit einer atemberaubenden Frequenz stattfinden müssen, damit die Sache nicht schief geht und – dies ist wichtig, schließt die Beobachtung mit der psychologischen Deutung zusammen – damit ggf der ganze Ablauf auch ABGEBROCHEN werden kann, um Schaden, und sei es nur den Schiedsrichterpfiff, zu vermeiden.
Diese Schnelligkeit und auch die dazu erforderliche Konzentration (hier ist der Begriff vom „Realitätstunnel“ mal angebracht) scheinen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Mädchen merklich schlechter zu bewältigen, als Buben.
Freilich ist zu beachten, daß, statistisch gesehen, ihre Voraussetzungen schlechter sind, nämlich eben in Form der Schnellkräfigkeit. Sie ist ein Parameter für Geschwindigkeit und Frequenz, mit der Steuerungsprozesse umgesetzt werden können. Umgekehrt erfordert aber das Zusammenspiel der mentalen mit der muskulären Leistung offensichtlich bei beiden Geschlechtern dieselben Koordinationsleistungen und wenn man hinzunimmt, daß aus demselben Grund die Bewegungsabläufe im Frauenfußball langsamer sind, dürfte dies für die Beobachtung keine wesentliche Rolle spielen.

Folgt man mir so weit, dann scheint die Crux der erwähnte „Realitätstunnel“ zu sein, nämlich erstens das Vermögen, zugunsten des Ablaufs alle anderen Wahrnehmungen und mentalen Prozesse auszublenden und dabei sowohl der Antizipation wie der Koordination neurologisch eine höhere „Rechenkapazität“ zur Verfügung zu stellen.
Der modernen Alltagssprache folgend kann man dies von mir aus „Killerinstinkt“ nennen – nur wäre das dann halt alles andere, als ein „Instinkt„!
Tatsächlich wurde von kompetenter Seite (nämlich von einer professionellen Schachspielerin) nach Analyse zahlreicher Schachpartien dieser „Killerinstinkt“, das Vermögen in kritischen Entscheidungssituationen extreme Konzentrations- und Rechenleistungen für EIN VORGEFASSTES ZIEL zu mobilisieren, als das wohlmöglich entscheidende Moment der irritierenden Überlegenheit der Männer im professionellen Schachspiel bezeichnet. Wie wenig das mit der Alltagsvorstellung von „Killerinstinkt“ zu zu tun hat, mag man sich an Figuren wie Lasker oder Tigran Petrosian vergegenwärtigen. Wer andererseits das Temperament von Figuren wie Hübner und Hort kennt, geniale „Verlierer“, wird ein wenig ermessen, was konkret gemeint ist.

 

Nachtrag

Ein Mediziner hätte mir den Halbsatz:

 … daß das übliche Gequatsche über genetisch im Bereich der Instinkte (Klein- und Zwischenhirn) sedimentierte Geschlechtsunterschiede völlig gegenstandslos ist

um die Ohren hauen können. Denn da gibt es immerhin einen Bereich, in dem Geschlechtsunterschiede gesichert sind: Den Hypothalamus / Hypophysen- Komplex. Ich hatte den vergessen.
Ein grober Überblick:
Diese Unterschiede, sogenannte weibliche bzw. männliche „Kerne“ im Hypothalamus werden, gesteuert durch embryonale Gonadenaktivität, im Zuge der geschlechtlichen Ausdifferenzierung, auch der primären, inneren Geschlechtsorgane, geschaffen. Man kann sie wohl mit Fug als „Steuerkanzeln“ geschlechtsspezifischer hormoneller Aktivität und ihrer Vernetzung mit dem somatischen und informationsverarbeitenden Nervenapparat verbildlichen.
Die Zusammenhänge sind noch weitgehend ungeklärt. Dennoch gibt es Erkenntnisse, die klare Aussagen erlauben, was da NICHT vorliegt.

Einerseits gibt es offenbar so etwas wie eine „geschlechtliche Basiskonstruktion“ und die ist, wie könnte es auch anders sein, weiblich. Erkennbar ist das an Phänotypen, die äußerlich sowohl männlich wie weiblich sein können, die auf Androgene nicht reagieren. Ihr Stoffwechsel ist rein „weiblich“.
Dies gilt jedoch für die „Normalform“ nicht. Frauen sind für Androgengaben gewöhnlich empfänglich und es gibt Abweichungen in der Embryonalentwicklung, die mit hoher Sicherheit auf Störungen des mütterlichen Gestagenstoffwechsels zurück zu führen sind und darauf beruhen, daß mindestens in der Embryonalentwicklung Gestagene als Androgene wirken bzw. in sie umgewandelt werden können.
Mit anderen Worten: somatische Vorgänge, die NICHT an die organische Funktion der ausgebildeten weiblichen Geschlechtsorgane geknüpft sind, haben Männer wie Weiber in individuell unterschiedlicher Ausprägung gemein.
Daß die Unterschiede in der Biochemie der Hormonstoffwechsel Unterschiede in der neuronalen Vernetzung erfordern und setzen, versteht sich von selbst. Doch unzweideutig sind diese Unterschiede bis auf den genannten Kernbereich plastisch. Außerhalb dieses physiologisch anscheinend noch nicht identifizierten weiblichen Kernbestandes variieren die Ausprägungen der Geschlechtskerne im Hypothalamus sowie der chemischen Rezeptoren, die sie steuern, auf ähnliche Weise, wie man das vom Geschlechtsdimorphismus insgesamt sagen kann, und – dies ist das Wichtigste – sie sind, wie man in Tierexperimenten bestätigen konnte, bei erwachsenen Individuen stark veränderlich. Es hätte dieser Tierquälerei nicht bedurft: Nachdem wir über die Rolle biochemischer Prozesse schon soviel wissen, ist es anhand der Lebenszyklen (Menopause, männliche „Wechseljahre“, sowie vorangehende erkennbare, erlebbare Veränderungen im geschlechtlichen Phänotyp von Erwachsenen) sowie weiteren Kenntnissen über psychosomatische Veränderungen und Abläufe nur selbstverständlich, daß Menschen auch über ihre Geschlechtsnatur in beträchtlichem Umfang kulturell gebieten. So werden mit Sicherheit etwa Produktion, Rezeption und Steuerungsfunktionen von Oxytocin bei einem sexuell aktiven Menschen (man nehme „aktiv“ bitte in einem weiten, psychosomatischen Sinne) anders aussehen, als bei einem sexuell Inaktiven.
Deshalb, meine ich, kann ich meine Fortsetzung des eingangs zitierten Halbsatzes:

 … weil alles, was es da an Voraussetzungen gegeben hat, in der genannten kulturellen Entwicklung völlig in die Großhirnentwicklung und in die damit einher gehenden Erwerbungen von Lebensräumen, Nahrunsspektren, Lebensweisen etx. integriert wurde.
stehen lassen.

„Männliche Irrationalität“

Dies war ein Vorspiel für das Kriterium, das ich vorstellen will.
Ich selbst habe kaum Zweifel daran, daß im mentalen Bereich das wirksamste Moment der sozialen Sortierung der Geschlechter in gemeinsamen kulturellen Prozessen etwas ist, was ich „männliche Irrationalität“ nenne, obwohl das Ding Frauen keinesfalls vorenthalten ist. Im Gegenteil, wenn Frauen diese männliche Irrationalität annehmen, dann werden sie nach meiner Beobachtung darin leicht mal sturer, als die meisten Männer.

„Männliche Irrationalität“ ist ein Begriff in vielen Debatten, mit ganz unterschiedlichen Narrativen und Vorstellungsgehalten. Ich will auf illustriernde Beschreibungen aus älterer und neuerer Überlieferung verzichten. Es liegt mir vielmehr daran, daß ein Jeder einmal anhand von Selbsterfahrung und -beobachtung zu evaluieren sucht, was denn wohl ‚dran sein könnte, an „männlicher Irrationalität“, dann erst sein interpretiertes, gedeutetes Erleben anderer hinzuzieht. Denn um Selbstbeobachtung und das Bemühen,  Erkenntnisse daraus kooperativ nutzbar zu machen, kann es an dieser Stelle vernünftigerweise nur gehen.

[Anmerkung 2018: Mehr oder minder präsent war den Teilnehmern des Forums, was ich Kit, meiner Angebeteten, der auch diese Texte gewidmet waren, im Vorjahr zu „männlicher Irrationalität“ geschrieben hatte, die ich mit einem Teil meines Verhaltens „ihr“ gegenüber – es handelte sich ja nur um einen Avatar! – illustrierte:
Es ist noch etwas geblieben, über die Jahrhunderttausende, davon, daß wir Kerle eure Zähne und Klauen sind, Weib.
Eure schnellen Muskeln. Eure scouts. Externe mentale Ausstattung – männliches Denken, männliche Irrationalitat. Der Wahn des sich unwidersprechlich setzenden Willens – irrationaler Liebe, irrationalen Hasses, der sich Bestien entgegen stellt, in Strudel stürzt, Flüssen ohne Wiederkeht anvertraut, den Beistand der Göttinnen anflehend um Wiederkehr. Sich selbst belohnend mit eurem Lohn.„]

Wie, warum und wozu „Männliche Irrationalität“ bei Männern wie Weibern bis zum Exzess ausgereizt wurde, darüber geben die sozialen Institutionen Auskunft die dazu Anlaß gaben bzw. es schließlich erzwangen, sowie deren Geschichte. Man lenkte ab, nähme man stattdessen Rückgriff auf scheinbar „natürliche“ Prozesse und Situationen, die in vergangener Zeit durch territoriale Rivalitäten entstanden sein könnten. Denn es deutet alles darauf hin, daß die Geschichte des kulturellen „take off“ der Varietät sapiens, die zu ihrer rasanten Ausbreitung über den Planeten führte, gerade mal 80 Tausend Jahre alt ist. Maximal in den letzten 12-15 Tausend Jahren kann es regional – keinesfalls global – zu Engpässen bei den Ressourcen dieser Ausbreitung gekommen sein, die Territorialkämpfe erzwangen. Auf diesen Zeitraum eine rassische Natur der Gattung oder gar der Geschlechter zu gründen, wäre aberwitzig, zumal nicht zu erklären wäre, wie es zu einem derartig homogenen Genpool in Bezug auf solche Merkmale hätte kommen können.

Soweit nun klar ist, daß „männliche Irrationalität“ uns Männer stets, wie schon zu den Anfängen der Hominisierung, in irgend einem kulturell wechselnden Umfang zu „Zähnen und Klauen“ unserer Weiber disponiert haben, zu Scouts und Genossen gefahrträchtiger Expeditionen zu Gunsten derer, die die gemeinsame Brut nicht nur trug, sondern vor allem aufzog, mit allen kulturellen Bedeutungen menschlicher Aufzucht, so ist nach dem im ersten Teil Gesagten klar, daß dies die Geschlechter einander nicht entfremdet, sie nicht gegeneinander gestellt haben kann, weil der Zusammenhang schon seit mindestens einer Million Jahren, wenn nicht länger, kulturell zu nennen wäre. (Ich wähle diese Zeitspanne mit Blick auf die erwähnte rasante Entwicklung des erectus) Er beruht auf Information, Informationsverarbeitung, Kommunikation, Überlieferung und – Liebe! Liebe in allen heute denkbaren Wortbedeutungen. [2018: Ausgenommen den bürgerlichen Idealismus. Das setzte ich im Forum voraus, weil umfänglich erklärt]

Was die Geschlechter trennte, habe ich sattsam geschrieben:
Der Verweis der generativen Reproduktion an die zweite Stelle hinter die ökonomische und das geschah – darüber geben allerdings die Spuren der Matriarchate hinreichend Auskunft – eben nicht mit der Erfindung des Frucht- und Ackerbaus, wie manche noch meinen, sondern, grob gesagt, mit dem Privateigentum.

Doch die darin einbegriffene Sklaverei der Frauen verdrängte sie keineswegs aus ihrem Status als Kulturträgerinnen des sozialen Zusammenhangs unterhalb der zusätzlichen Ebenen völkischer, staatlicher, religiöser Herrschaft, die das Privateigentum setzte. Im Gegenteil, ihre Rolle als Kulturträgerin wurde sklavisch, sie hatte den Domänen der männlichen Herrschaft das Menschenmaterial zu liefern und die Tauglichkeit dieses Menschenmaterials hing in Breite wie Tiefe vorzüglich an dem, was die Frauen ihm während der ersten 7-9 Lebensjahre mitgaben.
Dies schließt den Kreis zu dem Interview mit den Lakota. Denn diese Leistung beruht auf einem Gegensatz – der Tauglichkeit für „Staat und Kapital“ (und seine Vorläufer) einerseits, und für die kooperativen Lebensprozesse in Kommunen, Clans, Familien andererseits – und setzte ihn stets neu, bemessen an den Anforderungen der rasanten, kriegerischen Entfaltung des Privateigentums, versenkte ihn in die Seelen der Nachkommen. Den reinsten Ausdruck findet der in die Seelen gesetzte Gegensatz, wie ich im Forum schon rauf und runter zu zeigen versucht habe, in der Moral bzw, den moralistischen Charaktermasken. Das moralische Bewußtsein hat die Funktion von Gruppen- und Stammesethiken übernommen, steht aber in fundamentalem Gegensatz zu ihnen, was oft nicht leicht zu zeigen ist, weil die Leistungen von Moral und Ethik einander naturgmäß ähneln.

In dieser Situation auf die Idee zu verfallen, den Weibern als vermeintlich „besseren Menschen“ über diejenigen Funktionen der Kulturträgerschaft hinaus, die sie ohnehin haben, soziale Bestimmungsmacht konsensuell einzuräumen, ist abstrus. Es hat mit der Realität der durchaus freiwilligen Einsortierung der Frauen in herrschaftliche Funktionen von Staat und Kapital nichts zu tun. Es hat auch mit den hierzuland frei gewählten familiären Frauenrollen nichts zu tun, in denen eine Vielzahl von Weibern alles andere, als eine souveräne, liebevolle Figur machen. Es steht andererseits im Gegensatz zu dem Willen und den Bedürfnissen von Frauen, die sich dieser Einsortierung lieber widersetzen oder ihr ausweichen und ihr Heil in privaten Rückzugsräumen suchen. Davon legt dies Forum lebhaft Zeugnis.

Die Idee zerschellt auch an den elementarsten ökonomischen und ökologischen Voraussetzungen, die ein revolutionärer oder meinetwegen auch nachhaltig evolutionärer gesellschaftlicher Veränderungswille vorfände, weil der Umfang der nötigen Veränderungen die Kraft der Weiber schlicht überforderte. Die Idee des „Matriarchats“ bleibt in der Mythologie von archaischen Agrargesellschaften befangen und buchstäblich stecken. In dieser Funktion handelt es sich um einen Weibermythos und ist die zig-Tausenste Variante von Mythen ähnlicher Funktion, die uns seit den Legenden um Medea und Penthesilea überliefert blieben, weil sie diese Funktion hatten. Die „Modernität“ des Mythos liegt einzig in seinem Rassismus, der eine Funktion der Moral ist. Da steht dem hintergründigen, kaum verborgenen Prinzip nach eine diesseitige, „ökologische“ Gutartigkeit der Weiber gegen eine transzendentale, metaphysische Bösartigkeit der Männer.

Dies Märchen kennen wir andersherum in verschiedenen Variationen von den Gebrüdern Grimm. Ratet mal warum.
Ja, genau.
Weil nämlich vom Standpunkt eines sich völkisch, staatsmännisch, christlich, moraltheoretisch den kommunalen, familiären Lebensverhältnissen übergeordnet wähnenden Moralismus, den zu pflegen einst männliche Domäne war (heute nicht mehr), der pragmatische „Egoismus“ der Weiber, der Teil ihrer Funktion in diesem übergeordneten Zusammenhang war, als die Sündhaftigkeit, animalische Verworfenheit, als spirituelles Unvermögen per se erschien.
Logisch, nicht wahr?

Geld und Macht, Recht und Gewalt sind die Institute, die männliche Vorfahren über uns errichteten und die heute, in fortgeschrittenen Formen, antagonistische Gegensätze zu treibenden gesellschaftlichen Kräften machen, welche die Geschlechter einerseits auseinander treiben, aber sie in diesem Gegeneinander auch wieder zusammen zwingen; nach Maßgabe derselben Institute von Ökonomie und Rechtsgewalt zusammen zwingen.

Die Realität der Macht der Frauen in dieser Gesellschaft hat nix von den offenherzig religiösen, fast wahnhaft anmutenden Idealisierungen einer Göttner- Abenthrot. Also, Weiber, wenn ihr an diese Vergötterungen wirklich glauben wollt, dann findet ihr sie offenkundig nicht unter den Weibern hier, in Europa, in Deutschland. Von Nichts kommt Nichts!

Macht euch klar, daß, soweit und sofern wir Männer tatsächlich noch eure „Zähne und Klauen“ sind, wir in dieser Gesellschaft, die auf Unterwerfung beruht, nicht auf dem Zwang der Peitsche, der Tortur, der Galgen, der Massenerschießungen, kulturell, in einem großen Bereich ihrer Oberfläche, nach wie vor in eurem Auftrag stehen. Ihr sendet uns als Mütter aus und als Ehefrauen wie Alleinerziehende und Gepielinnen, als die ihr euch mit Kleidern und Schmuck behängt, um einander auszustechen, nehmt ihr unsere „Geschenke“ und die Produkte unserer Gewalttätigkeit als Bezahlung dafür entgegen, daß wir Männer, daß wir „Menschen“ sein dürfen. Von „uns“ erwartet ihr Voraussetzungen dafür, daß ihr gleich uns euer dienstbares Dasein im Lohn von Staat und Kapital mit allerlei Annehmlichkeiten schmücken dürft.
Als Propagandistinnen des „Matriarchats“ bietet ihr die in „Güte“ umgedeutete irrationale Leidensfähigkeit der Weiber (ach, wie GEWALTLOS!) als Abhilfe gegen unsere als „böse“ umgedeutete irrationale Neigung zur Selbstzerstörung an. Prachtvoll.

Aus der Debatte:

„Männlicher Minderwertigkeitskomplex“

Zitat:
Original von KvF

Du hast mal geschrieben, dass ich den Begriff Minderwertigkeitskomplex
vergessen soll. Dabei hast du übersehen, dass nicht ich sondern du und
deine Geschlechtsgenossen dafür sorge zu tragen haben.

Du hattest die „Minderwertigkeit“ naturalistisch mit der Unfähigkeit zu Gebären begründet; was selbstredend eine Metapher für den gesamten Komplex kulturell gültiger Differenz von Männlichkeit / Weiblichkeit ist.
Es gibt allerdings eine Quelle männlicher „Minderwertigkeit“, die liegt in dem unklaren männlichen Anspruch auf „Souveränität“, der den Männern üblicherweise schon von ihren Müttern, dann meist nicht weniger von ihren Geliebten eingeimpft / abverlangt wird. Selbstverständlich fühlt sich jeder Mann, der sich ein irrationales ästhetisch / funktionell / sexuell / intellektuell /emotional zusammengeschraubtes Bild von Souveränität zum Ideal und Maßstab nimmt – minderwertig. Und neigt dazu, periodisch seine Ansprüche an sich selbst mit wirklichen oder auch nur gewähnten weiblichen Ansprüchen an ihn zu verwechseln.
Diese Dummheit sollten Weiber sich nicht zu eigen machen.

Nebenthema: Irrationalität und Aberglaube

… Es gibt ein Phänomen, über das in Debatten über Männlichkeit und Weiblichkeit fast immer vornehm geschwiegen wird: Die statistisch über allen Zweifel erhabene Neigung einer Überzahl von Frauen zu klassischen Formen des Aberglaubens, wie zum Beispiel Astrologie, Handlesen und Ähnliches. Wo kommt der her?
Ich behaupte, dazu muß man sich die kindlichen Formen des Aberglaubens vornehmen, die sichtlich eine enge Verwandtschaft dazu aufweisen. Sie sind fester Bestandteil aller schlichten religiösen Kulte und Riten, nicht wahr?
Kindlicher Aberglaube, besonders der Animismus und seine Abkömmlinge sind, nach allem was wir wissen, ein obligatorisches Durchgangsstadium der Verstandesbildung. Nüchtern betrachtet erscheint das beinahe selbstverständlich: Es handelt es sich doch banal um eine Ordnungsstrategie, welche die Assimilation (Aneignung, das „sich selbst und dem eigenen Verstand gemäß – machen“) der belebten und unbelebten Umwelt der Entwicklung des Selbstbewußtseins des Kindes und seinen Erfahrungen mit seiner sozialen Einbettung beiordnet. In dieser Beiordnung verfährt das Kind so, daß es das (noch) nicht Gewußte, Erkannte, Beherrschte gleichsam im Bahnhof seines Verstandes auf Wartegleise schiebt, Gleise, die nach dem Muster des schon Bekannten gelegt sind.
Andererseits trifft das Bild nicht ganz, denn der Aberglaube spielt im Denken des Kindes eine Rolle, die man von einem Konglomerat von Wartegleisen mit später zu entladenden Waggons nicht erwartet.
Man hat sich zu vergegenwärtigen, daß Kinder, obwohl ihr logisches und kombinatorisches Repertoire bis in die Pubertät hinein unvollständig bleibt, spezifisch klüger sind, als Erwachsene, weil sie einen viel größeren Anteil ihres Hirns intensiv nutzen und dabei als Wissenschaftler unterwegs sind, denn sie schaffen sich erst das intellektuelle Repertoire, mit dem der Erwachsene später, und oft über lange Zeit auf anspruchslos bescheidene Weise, hauptsächlich umgeht, als ein fertiges Instrumentarium. Man denke nur an die Sprache – was heißt „nur“, das ist schon nahezu alles, und das Kind erfindet sie sich.
Dennoch bleibt und weiß sich das Kind auf allen Ebenen abhängig und borniert. Ist es nicht schon geistig angegriffen, wird dies Wissen aber das Selbstbewußtsein seines Verstandes in dem, was es kann und beherrscht nicht angreifen. Daran obstinat zu erinnern, ist das leider theoretisch stets zu wenig beachtete Verdienst Astrid Lindgrens gewesen. Das gesunde Kind ist sich des „heiligen“ Ernstes des „Unfugs“ bewußt, das es treibt, und es bemerkt die spezifische Borniertheit von Erwachsenen, die Logik, die Stringenz und die Schönheit seiner Spiele nicht recht nachvollziehen zu können.
Macht sich das Kind andererseits an den Grenzen seines Verstandes zu schaffen und stößt dabei auf schier unüberwindliche Hindernisse, wird es sich in den Grenzen dieser Überlegungen als dumm, borniert und hilflos erkennen – und was geschieht dann?
Der Instinkt des Verstandes rebelliert, Helo!
Denn dieser Instinkt sagt: Es gibt für mich keine Grenzen, ich bin universell, ich bin Gott, und zwar genauso, wie die anderen Verstandeswesen um mich herum. Es gibt nur einen Ausweg aus diesem Dilemma, nämlich dieses Selbstbild und diesen Anspruch des Verstandes in das Reich jenseits der wahrgenommenen Grenzen zu verschieben.
Ist das Kind dann aber dann nicht andererseits von einer unterwürfigen Ehrfurcht angegriffen, die es bei Erwachsenen bemerkt, dann ist dieser Gott, dann sind diese Götter und Geister keine Dämonen, sondern Freunde und Kameraden. Das Kind weiß sie als sein eigenes Produkt, auch wenn es an ihre selbständige Existenz glaubt. Es weiß sie ganz genau so (instinktiv) als sein eigenes Produkt, wie alles, was es lernt, ja wie sich selbst überhaupt. Nur haben die Geister und Götter als ein solches Produkt die Eigenart, daß sie dem Kind einen Anteil an ihnen zu haben erlaubten. Das sie ihm gleichsam die Tore aufmachten einen Blick auf sie zu erhaschen, der gleichwohl keinen deutlichen Eindruck erlaubt. Noch nicht!

Das ist die Rationalität des Aberglaubens. Ich kann für mich selbst sagen, daß es sehr selten, aber doch immer wieder einmal vorkommt, daß ich mich unvermutet an der Schwelle solch eines Übergangs zum Aberglauben finde. Daß die Grenzen meines Verständnisses mir in solcher Situation so präsent werden, so nahe auf den Pelz rücken, daß diese Rebellion des Instinktes aktiviert wird und die Kontur eines Jenseits entwirft. Ein Jenseits, an dem ich zwar gerade jetzt, im Bewußtsein meiner Grenzen und einer hilflosen Ahnung ihrer für mich nur theoretisch erscheinenden Überschreitbarkeit einen Anteil habe, doch praktisch nur als abhängiges und auf „höhere“, sprich höherer Einsicht fähige Mächte angewiesenes Subjekt.

Neu angesetzt:

Falls ein Kind aus irgend einer Vorgeschichte heraus einen Geist in einem Haus oder einen Dämon in einem Hain vermutet (Oder auch nur spielt, es könne einer da sein), dann ist auch der Dämon ein Freund.

Denn zunächst mal ist er unschädlich, so lang das Kind ihn nicht stört. Es wird den Ort generell oder zu bestimmten Stunden meiden, es wird sich nur im festen Willen, nicht zu stören, nähern und beim geringsten Anzeichen von Ungewöhnlichem die Weite suchen, in der es sich sicher weiß. Vielleicht ersinnt es Bannsprüche oder die Tradition der Kinder schlägt ihm welche vor. Viele Kinder entwickeln in einer gewissen Phase abergläubische Rituale. Zum Beispiel, indem sie sich auf einem bekannten Weg Orte oder Strecken wählen, die nur unter Einhaltung einer wohlbestimmten Vorschrift zu begehen sind. Sie wissen wohl, daß es ihnen nicht schaden wird, wenn sie das Ritual einmal vergessen oder brechen, aber sie spielen das Beruhigende und das Machtbewußtsein durch, das ihnen ein Wissen und die Einhaltung bestimmter Vorschriften und Verhaltensweisen verschaffen kann.
Genau darin wird der Dämon zum Freund, nämlich als ein Stellvertreter für Vorgänge, die sie nicht durchschauen, für Vorschriften und Anweisungen, auf die sie verpflichtet werden, ohne hinter ihre Gründe zu steigen. Beziehungsweise (denn m.W. ist das typisch für die Zeit, in der solche Spiele eine Rolle spielen) Weil sie bemerkt haben, daß die Gründe, die ihnen gesagt werden, nur vorgegeben werden, und oft auch schon deshalb, weil sie in ihrer nüchternen Rationalität bemerkt haben, daß viele Gründe, an welche die Erwachsenen selbst glauben, nicht „stimmen“, daß sie irrational im Sinne von widersprüchlich, inkonsequent und willkürlich sind.

Damit haben wir also eine Tradition der Irrationalität am Wickel, die sie nicht erklärt. Aber meine Behauptung, die damit natürlich nicht voll befriedigend begründet ist, lautet: Das Kind wehrt diese Irrationalität gerade im Aberglauben und zugehörigen Ritualen ab, es exiliert sie aus seinem praktischen Leben und der rationalen Arbeit seiner Verstandesbildung, indem es ihr aus eigener Macht spezifische Orte zuweist.

Für die Fortsetzung will ich mit allem Nachdruck darauf hinweisen, daß meine Argumentation eine zielbewußte Auslassung enthält: Die gesellschaftliche Verfasstheit spezifischer Glaubensinhalte, ja gesellschaftliche Bestimmtheit überhaupt. Ich tu das, um ein Modell vorzulegen, das es erlaubt, die gesellschaftliche Bestimmtheit von den Lernprozessen selbst und gewissen Formen des Umgangs mit ihnen zu trennen. Also:

Macht denn der Erwachsene etwas anders, als das Kind? Exiliert er nicht gleich dem Kind das Undurchschaute in ein Sonderabteil seines Geistes, das mittels gewisser Vorschriften und Verhaltensweisen eben dort gebannt bleiben soll?
Mit der Einschränkung der Zwischenbemerkung können wir wohl mit Fug sagen: Ja, formell gesehen verfährt der Erwachsene genau, wie das Kind.
Und dies gilt bis in die geheiligten Hallen der Wissenschaft! Von Ethik, Politik, Ökonomie, Philosophie und gewissen traditioneller „Lebensweisheiten“ ganz zu schweigen!
An Kausalität in der Weise zu glauben, wie das der materialistische Durchschnittsmensch, als der kleine Philosoph, der er ist, tut, unterscheidet sich auf dieser formellen Ebene kein Stück vom christlichen Glauben. Und vom Wunderglauben eines Christen unterscheidet ihn gerade und genau nur das, was er an Evidenz für seinen Glauben meint geltend machen zu können. Wenn man ihn auffordert, das, was er denn in eigener Person an solcher Evidenz vorzubringen hätte, gegen das zu halten, was er nicht weiß, was ihm unerklärlich ist, wofür er nur Namen und Mythen hat, wird er gewöhnlich höchst ärgerlich und schnell mal beleidigend. Denn dann wird er gewöhnlich bemerken, ob eingestanden oder nicht, daß er von der Wundergläubigkeit eines Christen – formell, ich betone es noch einmal – nur minimal entfernt ist, daß er sich im Grunde nur auf Autoritäten beruft, die sagen und meinen, mit seinen drei Beispielen und Denkfiguren habe es schon seine Richtigkeit, und sei es nur die Autorität der Gewohnheit des „on dit“.
Doch noch immer haben wir es, dank meines Kunstgriffes, modellhaft mit einem rationellen Aberglauben zu tun, der ordnet, sortiert und offen bleibt für bessere Erkenntnis. Nur die Verlegenheit, die Unsicherheit, die Scham, der Zorn, die Angst und die helle, mörderische Wut, die einem Menschen entgegenschlagen kann, der auf solche Art an gewissen Pfeilern der Überzeugungen gewisser Menschen rüttelt – das ist absolut irrational.

Und damit hätten wir schon einen, wenn natürlich auch noch nicht hinreichenden und nichts erklärenden Grund für den Übergang zur Irrationalität gefunden: Es muß daran beteiligt sein, daß so ein Mensch entweder das Bewußtseins der Rationalität und des Nutzens seiner Vorstellungswelten auch da, wo sie auf Glauben beruhen, verloren hat … und/oder daß es diesen Nutzen in Wahrheit nicht (mehr) gibt!

Irrationalität der Vernunft oder Vernunft der Irrationalität

Unser Thema waren aber Unterschiede in den Phänomenen von Irrationalität bei Männern und Frauen, laß uns jetzt also den Sprung dorthin machen.

Dann können wir, behaupte ich, die Beteiligung der Gebärfähigkeit der Frauen und alles, was ganz direkt an die Geschlechtsorgane und ihre Funktion geknüpft ist, an Unterschieden des Phänomens ausschließen.

Denn gerade in diesen Punkten haben wir die äußersten Pole der Geschlechtlichkeit am Wickel, sie trennen die Geschlechter absolut und kein rationaler Mensch, und deshalb erst recht kein Kind, macht sich daran, inkommensurables, Unvergleichbares zu vergleichen, oder vergleichend in Beziehung zu setzen.
Der Raum zwischen diesen Polen stellt einen Ausschnitt aus dem Sozialleben, aus dem Zusammenwirken der Geschlechter dar, und dies sind soziale Phänomene auch im Reich der Biologie, auch, zum Beispiel, bei denjenigen Pilzen, die sich geschlechtlich mittels Oosporen fortpflanzen. Nur erscheinen Analogien zur geschlechtlichen Fortpflanzung von Menschen bei Pilzen derart entfernt, daß man sie in kein Kinderbuch aufnehmen wird. Andere Formen tierischer Geschlechtlichkeit sind in jedem zweiten Kinderbuch als Bebilderung einer Natürlichkeit und Naturgesetzlichkeit des Eltern-Kind-Verhältnisses und der Geschlechtlichkeit vorgestellt. Diese Bücher sagen die integrale Wahrheit, sofern und so lange ihr Inhalt nicht allegorisch verstanden wird. Kein Schwein will diese elementare Wahrheit wahr haben, die Mehrheit der Menschen besteht darauf, die „höheren“ Wahrheiten des sozialen und mentalen Geschlechterverhältnisses machten aus der animalischen Sexualität etwas anderes.

Das ist schon mal Irrationalität Nr.2! 

Jede Verrätselung des funktionellen Zusammenwirkens der Geschlechter ist ein Humbug, der zu nichts anderem da ist, als die Beurteilung der wahrnehmbaren, analysierbaren Gründe des Geschlechtsrassismus, der Geschlechterkonkurrenz und dgl. zu meiden!

Von diesem Punkt an verfolge ich eine Doppelstrategie:
Können wir denn durchgreifende Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf der Ebene des Vergleichbaren angeben, die zugleich der Erfahrung und Beobachtung von Kindern frühzeitig präsent werden?

Na klar! Das ist immer noch die Tatsache, daß alle durchgreifenden, „weltbewegenden“ Fragen des Lebens ganz überwiegend Männersache sind, und zwar auf praktischer UND theoretischer Ebene.
Bis in die Erfahrungswelt der Kinder hinein.
Die Mütter haben im Durchschnitt und in der Masse die subalterne Stellung im Erwerbsleben, wenn sie erwerbstätig sind. Papa hat im Durchschnitt und in der Masse den „wichtigeren“ Job, und zwar qualitativ wie quantitativ und obendrein noch in der Priorität der Organisation von Familieneinkommen.

Das Kind wird mit Fragen, deren Beantwortung anspruchsvoll erscheint noch vielfach an die Väter verwiesen, nicht zwingend, weil die Mutter nicht Bescheid weiß oder ihr Bildungsnivieau geringer ist, sondern weil sie sich wenigstens damit Entlastung verschafft!
Noch immer lesen überwiegend die Väter die Zeitung und schauen die Tagesschau, sie wälzen die Fragen über Gott, die Welt, Angela Merkel und „die Ami’s“, wenn Besuch da ist, während die Mütter über Kindererziehung reden und über das, was „geht“ und was „nicht geht“, über Gefühle, Befindlichkeiten usw,usw.

Kurzum: Die Mädchen wie die jungen und die älteren Frauen, bis hin zu den Großmüttern, ordnen sich in eine Weiberwelt ein.
Und dabei kriegen, wie die Frauen, selbstverständlich auch die Mädchen, und sicherlich reichlich früh, mit, daß auch Papa, daß auch der Herr Lehrer und die übrigen Männer, die es kennenlernt, nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Ja, daß sie sich auf vielen Feldern spezifisch dumm und unbeholfen zeigen. Und trotzdem sind die Typen unzweifelhaft an erster Stelle zuständig für eine Vielzahl von Bereichen. Und trotzdem verhalten sich die Mütter und Frauen, die das Kind kennt, in einer Vielzahl von Situationen defensiv und subaltern, was gerade dann spürbar wird, wenn sie auch aufbegehren, wenn sie sich durchzusetzen trachten.

Wie sollte es da ausbleiben, daß eine Vielzahl von Frauen, die irgendwann aufgehört haben, aufzubegehren oder nie damit angefangen haben, die sich schicken und geschickt werden, auf die Muster des kindlichen Aberglaubens zurück greifen und diese höchst eigentümliche und nicht rational zu begreifende Ordnung der Welt in die Gestaltungen des Aberglaubens verschieben, die wir als typisch weiblich kennen?

Laß die Männer man reden!
Was kennzeichnete treffender, als dieser gedachte wie gesagte Spruch den Übergang zu weiblicher Subalternität in Gestalt von Zuflucht zu weiblicher Spiritualität? Mit, oder ohne Inanspruchnahme des allbereiten Angebotes an abergläubiger Erbauung.

Doch die Sache mit der Erbauung schiebe ich noch ein wenig nach hinten. Denn ich habe auf diese Seite der Medaille deshalb so viel Wert gelegt, weil in dem Übergang zu weiblicher Spiritualität noch das rationelle Motiv stark kenntlich und wirksam ist. Wie im Falle des Kindes dient die Scheidung noch immer der Aufrechterhaltung eines Urteilsbereiches, der ohne Abstrich verständigem (!), nüchternen, streng logischen und rationalem Urteilen vorbehalten bleibt. Das ist m.E. der Hauptpfeiler der Gründe, die zu der Beobachtung Anlaß geben, daß Frauen sich in einer Vielzahl von Entscheidungsprozessen, Urteilen, Gesprächen den Männern in der logischen Stringenz, im Differenzierungsvermögen, der Nüchternheit des Urteils, der Scheidung von Wesentlichem und Unwesentlichem, der Prioritätensetzung und wegen alledem auch in der Angemessenheit emotionaler Beteiligung klar und eindeutig überlegen zeigen, so lang die Männer sie nicht unter Druck setzen, oder nicht sie selbst sich unter den Druck der einschlägigen Geschlechtsmythen setzen.

Doch zugleich wird doch im Übergang zur Spiritualität und ggf. abergläubiger Erbauung das fragile Gleichgewicht, oder auch schon Ungleichgewicht in diesem rationellen Motiv erkennbar, das ihn in die Irrationalität zu kippen droht und regelmäßig kippt: Im Grund und in den Inhalten des Überganges steckt die Wendung gegen die eigenen vitalen Interessen und Bedürfnisse! Eben jenes Prinzipielle, das die Subalternität des Übergangs ausmacht und einerseits eine rationelle Methode des Umgangs mit den Verhältnissen darstellt und im selben Moment eine irrationale Unterwerfung, eine Wendung der Intellektualität und des Geistes gegen sich selbst. Die sich nicht zuletzt frontal gegen jenen Instinkt des Verstandes richtet, der im kindlichen Gemüt und Intellekt die Quelle des (Aber)Glaubens war!
Anders gesagt:
Die Frau wird dergestalt vernünftig!!
Vernunft ist bei Männern wie Weibern eine sich rationell gebende Anerkennung der Gewalt.

Was könnte besser Auskunft über die Trefflichkeit des am Ende des letzten Kapitels an einer typisch weiblichen Variante gewonnenen Begriffs der Irrationalität geben, als sein Rückbezug auf das Kind?
Und bei ihm finden wir ganz genau denselben Übergang!
Wenn der Aberglaube nicht mehr der Separierung des Unbegriffenen und ggf. Verunsichernden, Furchterweckenden gilt, nicht mehr der Freisetzung eines der Rationalität des Kindes im vollen Zugang zugänglichen Bereiches seiner Erfahrungswelt, dann wird er pathologisch. Das Kind wird furchtsam, verängstigt, es wittert Untiere und Dämonen unter seinem Bett, in der dunklen Ecke, im Busch, es bekommt irrationale Ängste vor der Dunkelheit, vor allem und jedem. Sein Aberglaube ist gegen die Verstandesarbeit gewendet. Die Erfahrungen, die das Kind mit Furcht und Schmerz hat, sind nicht länger freundlich. Das rationelle Kind kennt doch selbstverständlich die Freundlichkeit von Furcht und Schmerz als Hilfen der Orientierung, welche es vor schwererem Schaden bewahren. Es kennt die Lust, Dämonen, Furcht und Schmerz zu bannen mittels verständigen und klugen, aber auch furchtlosen und tapferen Verhaltens dann, wenn es gelehrt wird und selbst lernt, die Welt der Furchtlosikeit und der Macht seines Leibes wie seines Geistes beständig zu weiten. Im Übergang zur Irrationalität droht der kindliche Wille zur Selbstschöpfung, zur systematischen Erkundung, Ausweitung, Ausreizung seiner Kräfte zu erlahmen.
Das ist der simple Erfahrungsgrund, warum es bei „Natur“völkern so gut wie nicht vorkommt, daß Kinder geschlagen werden, von symbolischen Klapsen einmal abgesehen; mehr noch, bei Jagd- und Kriegerstämmen ist es ein Sakrileg, ein Kind zu schlagen, obwohl bei etlichen unter ihnen zugleich die systematische Marter, unter Zustimmung und Beteiligung des Kindes, Bestandteil der Erziehung der Jungen war. Ich werde noch darauf zurück kommen.

Um das nicht auszuufern setze ich:
Das geistige „sich der oder den Gewalt(en) fügen“, oder, im Falle eines Kindes, der hilflose Versuch, das zu tun, indem das Kind das Reich seiner Rationalität mit den Dämonen der Furcht und des Nichtwissens überschwemmt macht den Begriff der Irrationalität aus.

An der Stelle möchte ich einen Schritt zurück gehen, obwohl das ein wenig auf einen Nebenpfad führt, weil der mir wichtig ist.
Ich erwähnte weiter oben die notorische Bebilderung des Geschlechter- und Familienverhältnisses mit Tieren. In meiner Erfahrung findet sich eine deutliche Stufung der Beliebtheit dieses Zeuges bei Eltern und Verwandten, die von den Müttern über Großmütter hin zu einer merklichen Zurückhaltung, ja manchmal einem spürbaren Unbehagen bei Männern reicht.
Wenn diese Beobachtungen nicht isoliert und zufällig sein sollten, was könnten die Gründe sein? Ich behaupte nicht, das aufklären zu können, aber ich möchte hier einen von zwei Gedankensträngen dazu vorlegen, der andere folgt später.

Ich erwähnte schon, daß ich als Kind nicht weniger gern mit Mädchen, als mit Jungen spielte. Und ich erinnere mich ziemlich genau des ersten und wohl einzigen Males, daß ich mich mit vier Mädchen auf ein „Vater-Mutter-Kind“-Spiel einließ. Ich war sieben und ich wollte das Spiel, aber aus Interesse! Denn ich hatte nun mal weder Vater noch Geschwister, noch Großvater, noch Großmutter, noch Tante, noch Onkel. Daß es sowas wie Kusinen und Cousins auch noch gab, war mir womöglich strategisch entfallen, nachdem ich der Katastrophe bei meinem Großvater, an der eine Kusine beteiligt war, entronnen war.
Klar, daß ich binnen kürzester Zeit aus dem Spiel flog, weil ich mich
a) gegen jede Rolle verhielt
b) die Rollen gar nicht verstand
c) sie trotzdem ausgesprochen bescheuert fand
Mit einem Spielbedürfnis aber kam ich an, ich wollte Liebe spielen – doch auf welch zwiespältige Weise kam das an!
Ich muß dazu erwähnen, daß ich für das Liebesspiel kein bewußtes Vorbild hatte, aber es mich mächtig dahin zog, und zwar gezielt zu zwei Mädchen, mit klarer sexueller, aber vielleicht noch nicht genitaler Note (da bin ich nicht sicher). Soweit also kein Instinkt zum Umarmen, Küssen, Herzen, Streicheln beteiligt war, stammten die Vorbilder aus meinen ersten zweieinhalb Jahren, als mein Vater noch (zeitweise) da war, doch ich erinnerte mich nicht bewußt daran.
Die Folge: Ich ging ganz unbedarft freizügig an diese Seite des Spiels, erntete rote Köpfe, Gekicher und überschritt dann schnellstens die Grenzen, welche die Mädchen zu tolerierten bereit waren. Ich verstand das nicht!
Ich meine mich zu erinnern, daß ich am Abend verunsichert Barbara fragte, was denn da in Edith gefahren sei, die mich doch mochte, die meine Liebäugelei erwidert hatte. Ich weiß, daß ich sie fragte, aber das kann auch zu einer anderen Gelegenheit gewesen sein.
Die unvermeidliche Antwort: „Das tut man nicht“. Erklärung Fehlanzeige. Wie hätte mir Barbara, die mir im übrigen rituelle Schmusestunden gewährte, mir das bitteschön auch erklären sollen? Unmöglich!
Ein Geheimnis!
Dieses Geheimnis zu durchdringen, es zu beseitigen wurde fortan ein fester Bestandteil meines Trachtens und einer schon verflucht schmerzlichen Sehnsucht, denn meine Mutter konnte mir nicht genügen und ich konnte ihr nicht genügen. Und meine sexuellen und zärtlichen Bedürfnisse vereinigten sich zugleich mit einem theoretischen Konzept von Geschwisterlichkeit. Logisch, ne? Wenn Edith mir so nahe wäre, wie Barbara, dann gäbe es wohl dies Geheimnis, diese Schranke nicht, war doch klar!
Noch heute habe ich Ediths „Stallgeruch“ in der Nase. Ihr könnt nicht ahnen, warum.
Nach dieser Episode war mir Edith erstmal „böse“, aber das gab sich rasch auch wieder und dann lud sie mich zu sich nach Hause ein.
Ediths Geruch hatte mir ja gefallen, aber als ich in das winzige Häuschen kam, in dem sie mit ihren aus Ostpreußen stammenden Eltern lebte, da stank es durch und durch danach. Welch ein ernüchternder „Beweis“ der unüberwindlichen Fremdheit Ediths, die sich scharf neben ihre Anziehungskraft stellte.

Nun fordere ich euch auf, dieses Erleben gegen das zu stellen, was sich in der Masse der Elternhäuser wohlmöglich bis heute abspielt und worüber ihr wahrscheinlich mehrheitlich besser Bescheid wißt, als ich.
Es ist gar nicht nötig, lang an die Exzesse der Gewalt zu denken, die’s da gibt. Was ist denn mit der alltäglichen Spannung, der Überforderung, den Reibereien, den Phasen des sich Anschweigens, des Mürrischseins bis hin zur offenen aber stummen Feindseligkeit? Unterbrochen und untermalt von dagegen geradezu mystisch erscheinenden Phasen der Zärtlichkeit, der Anhänglichkeit, der einem Kind dann unverständlichen „Exzesse“ der Liebe – wohlmöglich dann auch der Liebedienerei?
Untermalt von dem gesetzlich erzwungenen Unbehagen, der Heimlichtuerei, der unmotiviert erscheinenden Zurückweisungen, kurz dem ganzen Geheimnis um die elterliche Sexualität? Wohlmöglich noch weiter vergeheimnist durch den inzwischen fast ubiquitären Verdacht gegen jeden Mann, ein potentieller Schänder seiner Kinder zu sein, nebst dem entsprechenden Verhalten beider Elternteile?

Ein Freund, der seit 10 Jahren in Japan lebt, berichtete vor einiger Zeit auf seinem blog von seinem Eindruck vom japanischen Familienleben.
Es sei, schrieb er, geprägt von einer für Europäer völlig irreal erscheinenden Förmlichkeit die, auch unter der Wirkung der extremen zeitlichen und nervlichen Beanspruchung der Männer in der Arbeitswelt, sehr rasch in ein gleichgültiges, in europäischen Augen grausam kaltes Dienstverhältnis übergehe. Worin die drangvolle Enge einer durchschnittlichen japanischen Behausung keine geringe Rolle spiele.

Womit muß denn all dies und manches mehr die tatsächliche und die auch bloß vermutete Sexualität der Erwachsenen in den Augen eines Kindes assoziieren?
Richtig. Mit Gewalt. Mindestens in der Form, daß es wohl ein mächtig-gewaltiges Geheimnis sein muß, das die Erwachsenen da wider ihre offenkundigen Konflikte und „Aggressionen“ antreibe und immer wieder zusammenzwinge !

Ich behaupte, dies allein reicht schon aus, das Kind seiner Sexualität und spezifisch seiner genitalen Komponente nachdrücklich zu entfremden, sobald es aus deren autoerotischer Phase herauswächst. Und solche Entfremdung überschreitet nach dem von mir entwickelten Begriff bereits die Grenze der Irrationalität – mehr oder minder ausgeprägt.
(…)
Ich weiß, im Grunde sind es Trivialitäten, die ich hier ausbreite, aber wie schnell sind diese Trivialitäten in drei Sätzen daher gesagt und sofort von der Selbstbetrachtung und dem Begriff, dem Empfinden der eigenen Sexualität auch weggeschoben!
Denn eben das ist ein hartnäckiger Bestandteil solcher Entfremdung und solcher Irrationalität! Wie könnten wir sonst so leben? Wie könnten wir sonst einander und unsere Kinder behandeln, wie wir’s tun?
Der nächste Hammer: Diese Irrationalität erwächst nicht nur dem Eltern-Kind Verhältnis, sie ist hochgradig infektiös unter Kindern!
(…)

Nachtrag zur Vernunft
(Er passt technisch nicht mehr an die entsprechende Stelle):
Auch bei Kindern gibt es die Paarung von Irrationalität und Vernunft, am deutlichsten in Gestalt eines unterwürfigen Gehorsams, oft in Form einer altersfremden „Bravheit“ und Altklugheit verbunden mit physischer Inaktivität.
In schwereren Fällen abgelöst von Anfällen regressiven Widerstandes, in noch schwereren Fällen gepaart mit teilweise bestialisch anmutenden Grausamkeiten gegen andere Kinder und Tiere. In leichteren Fällen mit notorischen Hinterhältigkeiten und Gemeinheiten, oder, in wieder anderen Varianten, mit schweren Symptomen der „Autoaggression“, die sich nicht selten in physiologischen Auffälligkeiten von Haltung und Gang zeigen.


Auf der Basis des bisher Gesagten läßt sich nun im Gedankenexperiment eine Liste einiger Grundzüge männlicher Irrationalität sowie, im prüfenden Kehrwertverfahren, weitere Differenzierungen der weiblichen Formen und vice versa entwickeln, deren Beschreibungshorizont und Erklärungskraft eine Prüfung der Ausgangspunkte darstellte.

Aber warum soll ich eigentlich alles allein machen?

Vieles, was ich hier geschrieben hab ist sicherlich verbreitet; wohl aber nicht in der Form, die, wenn ihr die Abgrenzungen weglaßt, den Vorzug einer Einfachheit hat, die nicht auf Kosten der Präzision geht:

Irrationalität = Wendung äußerer Gewalt nach innen

diese Gleichung erfordert im Gegenteil ein sehr genaues Hinsehen, den vordergründigen Gewinn einer Vorstellung, eines Verhaltens von seinem praktischen Nutzen zu scheiden; meist heißt das, das Phänomen und die Kalkulation mit ihm aus dem befangenen persönlich / privaten Bezugsrahmen zu lösen und auf seine Wirkungen im Zusammenwirken der Individuen zu prüfen.
Beispielsweise hält sich noch vielfach hartnäckig die Legende, die Männer seien das rationalere Geschlecht, eine Vorstellung, die allen praktischen Realitäten derart Hohn spricht, das sie schon eine recht gute Vorstellung von dem durchgreifenden, jedem Irrenhaus würdigen Wahn-Sinn der bürgerlichen Kultur gibt.
Außerhalb der Zentren des Weltmarktes sucht man sie im Übrigen vielerorts vergeblich, und dort, wo man sie findet, hat sie viel mit einem nicht ganz so wahnwitzigen Ursprung zu tun, den es auch in der europäischen Kultur gibt: Dem in der Geschichte des Privateigentums obligatorischen kulturellen Alleinvertretungsanspruch und -recht einer Priesterschaft, der immer, ohne Ausnahme, in einem Vernichtungskrieg gegen autochthone kommunale Kulturen hergestellt wurde und den Frauen eine untergeordnete Nische in den militärisch befestigten subalternen Kultdiensten zuwies.
Weiblicher Rationalität wurde damit buchstäblich der Boden unter den Füßen entzogen, bis auf den Kleingarten und die zu scheuernden Dielen.
Es ist daher gar nicht verwunderlich, daß diese Abteilung der Kultur gerade im Mutterland des modernen Sexismus, den USA, eine äußerst zwiespältige Gestalt hat. Das ist ein eigenes Thema, ich mache nur die eine Andeutung:
Von der weißen Elite sind die Frauen heute in einer Abteilung der politischen Kultur der USA auf eine ganz ähnliche Weise ausgegrenzt, wie das für die mittelalterlichen Eliten galt, bevor die Urbanisierung sie intellektuell und physisch angriff: Den heiligen Kriegern gelten die Frauen als spirituell minderwertig, sie halten sich auf ihre Irrationalität eine Menge zu Gute, und das prägt ihre Rede bis in den Altag. Waberigen Unfug zu reden, wie Reagan, Bush, Wolfowitz, Rumsfield aber auch in einigem Umfang Bill Clinton, um nur die hierzuland Bekannteren zu nennen, ist nur in den Augen derjenigen Amerikaner ein Makel, die an der noch immer jüdisch – europäisch inspirierten weißen Oberschicht des Nordostens orientiert sind. Für den Rest ist sowas eine dankbar empfundene Segnung jenes borderlinerartigen Syndroms, das sich „Pioniergeist“ schimpft und sich zu nicht geringen Bestandteilen in Whiskey-Flaschen findet.
Eine Frau aber, die ausnahmsweise in die heiligen Hallen der Weltführung aufgenommen wurde, würde sich mit Salbaderei, wie sie aus dem Munde der Herren der Schöpfung die Regel sind, binnen 10 Sekunden aus dem Job feuern. Von ihr wird strikte Rationalität und Präzision verlangt! Etwas, das Hilary nicht voll begriffen hat.
Hübsch irrational, nicht?

Bemerkung zum Patrarchat (fortzusetzen)

von TomGard @ 2011-02-08

Eine Reihe (leicht redigierter) Kommentare in einer Debatte, die sich an folgendem Posting einer Mitbloggerin entsponnen hatte:

Vatertochter
Das wort ist eine lüge.

Welcher mann hätte schon eine vater-tochter, wenn nicht um den preis, zuvor – und sei es nur in gedanken, im ‚gefühl’ – eine schwangere/zuweilen von ihm selbst geschwängerte/ frau verschlungen zu haben, um sich deren inneres anzueignen? Die ‚mutter’ bezahlt diese aktion mit dem leben, denn als verschlungene ist sie nicht mehr sie selbst.

Die tochter entspringt sodann seinem haupt. Das behauptet der mythos. Jedenfalls der griechische – aber dieser mythos ist schon keiner mehr. Denn er ist korrumpiert, hat sich auf die seite des vaterrechts geschlagen, also die seite der gewaltsamen aneignung einer produktivkraft, die anders als durch verschlingen sich nicht aneignen läßt.“

Wenn die Enteignung = die Eigentumslosigkeit = der Zwang, sich im Dienste an Zwecken und Interessen materiell wie kulturell zu reproduzieren, die eigenen Bedürfnissen, Zwecken und aus ihnen resultierenden Interessen zuwider laufen, gesellschaftlich zur Regel wird, kann das generative Produktionsverhältnis (die Zeugung und Aufzucht von Nachkommen) gegen das ökonomische Produktionsverhältnis (die Erzeugung der Gebrauchs- und Produktionsgüter, incl. der materiellen und kulturellen Quellen dieser Produktion) so heraus gehoben und grenzwertig getrennt erscheinen, daß es gesondert als ein Verhältnis generativer Partner verhandelt wird. Vorher ist es in die (Re)Produktion eines „arbeitenden“ (wie der Russe sagen würde) sozialen Verbundes eingebettet. Diese Einbettung kennen wir in der Gestalt von Übergangsriten, die traditionell erhalten blieben.

In einem solchen Verbund bilden generative Reproduktion und ökonomische (i.engen Sinn, im folg. nur so gebraucht) Reproduktion jeweils Voraussetzungen füreinander. Sie sind also integrativ verknüpft, sprich müssen so verbunden werden, wenn auch die Gliederung und Tradierung dieser Verbindung (bspw. über Familienverhältnisse) einem scheinbar unabhängigen Konstrukt folgen kann (Totemismus, patri- /matrilineare Clan- und Sippenbildung u.ä.)
Das Privateigentum reißt diese Einheit heillos auseinander, weil es dem Zweck der Herstellung von Gebrauchsgütern und der Erhaltung und Schaffung von Voraussetzungen dieser Produktion einen Produktionszweck zur Seite stellt, der in polemischem Widerspruch zu ihm steht: den wechselseitigen Ausschluß der Beteiligten vom Gesamtprodukt, der ihnen den Kampf um ausschließende Verfügung über Teile von ihm gebietet.

(Anm:
Infolgedessen ist heute auch diejenige integrative Verknüpfung zum größten Teil entfallen, die vor etwa vier Generationen in den bürgerlichen und bäuerlichen Schichten noch breit gegolten hat: Ein „Mann“ hatte vor der Heirat eine „Position“ oder eine „Zukunft“ zu haben. Diese Bedingung ist heute ins Belieben individueller Kalkulationen gestellt.

Der wechselseitige Ausschluß der Eigentümer vom Gesamtprodukt wird von den Zwecken und Funktionen der Güterproduktion, die ihrem arbeitsteiligen Zusammenhang entstammen, beschränkt, wenn auch diese Schranken nicht absolut gelten, sondern nur relativ zu und bedingt von Stellung und Erfolg der Eigentümer in der Konkurrenz.
Weil diese Schranken daher vermittels der Konkurrenz das individuelle Eigentumsverhältnis beständig angreifen, trachten die Eigentümer ihrerseits vermittels der Konkurrenz, sie zu verschieben, zu untergraben, zu überwinden.
Anm:
Eines der Mittel solcher Emanzipation der Wertproduktion von der Gebrauchswertproduktion ist die Produktion von Arbeitskräften, auch schon in der Gestalt von Kopfstärken teilunabhängiger Produktionseinheiten, wie sie z.b. Sippen und Familien darstellen, wenn sie ihr Eigentum als Sippen-, Familien- oder gar Genossenschaftseigentum behandeln.

Daher:
Das Privateigentum unterwirft die generative Reproduktion der ökonomischen Reproduktion, macht sie zu einer abhängigen Variablen.

Eine Grundform dieser Unterwerfung:
Die Produktion von Nachkommen wird Produktion von Erben und Nichterben , wobei die Nichterben aus einsichtigen Gründen den exogamen Teil der Bevölkerung stellen, und aufgrund einer Reihe geschichtlicher Bedingungen, die ich hier beiseite lassen will, ist nur eines der beiden Geschlechter überwiegend exogam.

Üblicherweise sind in patrilinearen Gesellschaften die nichterbenden Töchter das generative Bindeglied zu produktiv benachbarten und direkt oder indirekt verknüpften Gliedern der (Re)Produktion.
Folglich wird die Tradierung, die über (mögliche) Erben = Söhne verläuft etwas funktionell anderes, als die Überlieferung, die über die Töchter verläuft. Je einfacher die arbeitsteilige Gliederung, desto mehr wird die „immaterielle“ Kultur Sache der weiblichen Tradition, die „materielle“ Kultur Sache der männlichen.

In diesem einfachen Sinne sind unter solchen, hier sehr allgemein gefaßten Bedingungen, Töchter gleichsam bestimmungsgemäß „Kopfgeburten“ ihrer „Väter“ (wobei die Väter nicht identisch mit den „Erzeugern“ sein müssen), weil die männliche Tradition weit mehr über die praktische Verfügung über ein Eigentum arbeitet (Grund, Boden, Gewerke), daher eine teilweise verdinglichte Tradition darstellt.
(…)

Ein User kommentierte das Eingangsposting so:

„grundsätzlich läßt sich „einverleiben“ im sinne von aufnahme und/oder sich-einspeisen nicht männern oder frauen zuordnen oder? es findet auf „allen seiten“ statt als eine art „sich den anderen aneignen“ und das auf verschiedensten wegen…“

Der Zentralzahn im Schlüssel ist – abermals – das Produktionsverhältnis! Das ist keines zwischen „Mann“ und „Frau“ als gleichsam zwei Arten einer „Gattung“ Mensch, bebildert durch „Gebärfähigkeit“, weil dieser Titel halt heute populärer ist, als „Zeugungsfähigkeit“.
Das analogische Bild einer Artgrenze zwischen den Geschlechtern kann nur auf die Welt kommen, weil und sofern vor dem abstrakten Menschenbild die im praktischen Produktionsverhältnis gegebenen Differenzen, die der Geschlechtsdimorphismus nach sich zieht, keinen Bestand haben dürfen. Gegen ein abstraktes Menschenbild gehalten, bekommen alle gesellschaftlich bestimmten Unterschiede zwischen Menschen ein Nebenmaß – das bei Bedarf zum Hauptmaß erklärt wird – in der geschlechtlichen Differenz und erscheinen darin als Geschlechtsunterschiede.
(NB: Diese Erscheinungen sind nicht identisch mit den „Gendern“, liefern aber der Konstruktion der Gender Material)
Zu den Voraussetzungen dieses Naturalismus (der Kern und Keim aller bürgerlichen Rassismen ist):

Mann und Weib werden bereits zu Beginn der Herrschaft der Privateigentümer dem „Haus“ und dem „Acker“ auf die gleiche Weise zu- und untergeordnet, mit der der Lohnarbeiter vermittels des Lohns dem Kapital untergeordnet wird. Das Privateigentum kehrt gleichsam die „Richtung“ des kommunalen Eigentums um, dessen Bestandteile das außerleibliche Dasein des gesellschaftlichen Verbundes darstellen, über das jedes Gesellschaftsglied nach Maßgabe gemeinschaftlicher Arbeitsprozesse verfügt. Einer exklusiven Verfügungsmacht über einen Teil des gesellschaftlichen Eigentums korrespondiert eine gesellschaftliche Bedingtheit der Zwecke privater Verfügung. Im Maße, wie die Individuen an ihr Eigentum gebunden sind, besitzt das Eigentum die Eigentümer, indem es ihre Lebenszwecke individuell bestimmt.

Sie wird ein maßgeblicher Teil der Geschichte, die einfach eine Überlieferung der materiellen und immateriellen Bestandteile der Kultur darstellt, eine Geschichte der Eigentumsformen, die Geschichte der Eigentümer eine DES Privateigentums.

Das Eigentumsverhältnis ist halt kein Produktionsverhältnis, es ist dem Produktionsverhältnis übergeordnet. Aber es ist dazu verdammt, sich das Produktionsverhältnis, auf dem es beruht, einzuverleiben, obwohl es ihm entrückt und entzogen bleiben muß, weil die Gesamtheit der gesellschaftlichen Kooperation, auf die das einzelne Eigentumsverhältnis bezogen bleiben muß, schlechterdings nicht zu privatisieren ist, beim besten Willen der Beteiligten nicht.
Die Begründung für die letzte Behauptung bleib ich hier schuldig, aber im gg. Zusammenhang könnte ich sagen: Töchter und Söhne demonstrieren die Unmöglichkeit praktisch, in den Durchgangsstadien ihrer Willensbildung.

Der Herr ist Haus-Herr, aber im Produktionsverhältnis ist er das vielfach nur, indem er in Gestalt eines „Feld-Herrn“ subaltern gegen die Haus-Herrin wird.
Ermächtigung ist immer auch eine Entmachtung.
Der Wille des Herrn zählt im Maße, wie der Knecht Jaques ihn materiell zu realisieren imstande – und willens ist (Diderot).
Helena schenkt dem „weibischen“ Paris ihre Gunst, von den herrischen Vätern läßt sie sich (be)rauben.
Eine Ermächtigung enthält folglich stets Trennungen des Willens von seinem Material und Gegenstand. Solche Trennungen setzt auch die Vermittlung des Geschlechterverhältnisses durch die Eigentumsverhältnisse, wie sie in formellen Ehen, aber keinesfalls nur in ihnen zur Geltung kommen. Der poetische Topos des „Einverleibens“ ist insofern als eine hilflose Gebärde der Auflehnung zu verstehen, nämlich gegen die Unmöglichkeit, ein Eigentumsverhältnis in das oder die zugrundeliegenden Produktionsverhältnis(se) zu überführen, die ihm untergeordnet sind.

Eine verbreitetere Folge, gleichsam die männliche „Normalform“, ist die Homoerotik, die in der Konkurrenz der Männchen um Weibchen wirksam wird, wenn sie die Form eines wider Willen gemeinschaftlichen Vaganten-, Freibeuter-, Raubrittertums gegenüber den Weibchen annimmt, die in diesem Verhältnis zum „entrückten Geschlecht“ weden, zu einem jedem einzelnen Männchen „entrückten (Gemeinschafts)Gut“ einer Männergesellschaft.

Manche Tochter mag von ihrem Vater daher zur fiktiv erreichbaren Gestalt des entrückten Geschlechtes stilisiert werden.

Anm.: Daß die „Entrückung“ des anderen Geschlechtes für die bürgerlichen Weiber noch überwiegend andere Formen aufweist, hat etwas damit zu tun, daß sie sich im warenförmigen GEschlechts-Verkehr aus Gründen, die gesondert zu besprechen wären, noch überwiegend auf der Seite der Äquivalentform, statt der relativen Wertform halten (können oder müssen).
– – –
Geschichtlich ist die vernichtende Unterordnung weiblicher Traditionen ein zivilisatorischer Totalschaden, weil sie auch die männlichen Traditionen vernichtet, indem sie androzentrisch für beide Geschlechter, für „das Menschliche“ einstehen sollen und ihnen daher etwas auflastet, was sie nicht leisten können.

Mit der Biologie der Geschlechter hat all dies nichts zu tun, die ist bloß Voraussetzung der jeweils aktuellen gesellschaftlichen Produktionszusammenhänge.
Überwältigung ist gewiß ein sexuelles Motiv, das menschlicher Sozialität aus dem tierischen Phylum überkommen ist. Doch auf die Form kommt es hier, wie immer, an. So archaisch die Gebärde des Fressens und sich -fressen-lassens sein mag, so wenig hat diese Archaik mit den gesellschaftlichen Gründen und Zwecken zu tun, die ihr aufgeprägt werden, prägt sie sich ihnen ein!

(neuer Kommentar)
Konkurrenz!
… Die eine redet über „diversity“ und „all three + x sexes“, ohne einen Hinweis was denn die Grund- oder Urmuster (im Sinne von „pattern“, oder dergleichen)von „diversity“ sein sollen.

Die andern reden freiweg von „Geschlecht“, das sie als eine Art Bühnenfundus von Charakteren, Masken und Maskeraden, nebst Kostümen + Bühnenbildern behandeln, weil sie sich an die Pflicht eines Bürgers halten, sich eine „Geschlechtsidentität“ zuzulegen, zur Selbstbehauptung im Geschlechterkampf als einem integralen Bestandteil der Konkurrenz überhaupt.

Der dritten Partei fällt nach wie vor nix bessres ein, als jederman/frau in die Höschen zu schauen und zu rufen „aha“, auch wenn inzwischen Hirnschädel die Höschen, MRT-Kurven die Penisse und Mösen vorzustellen haben.

Alle drei reden von mit offensiver Ignoranz gegen „Geschlecht“ und der „Witz“ daran ist, daß sie sich genau so und deshalb gemeinsam daran zu schaffen machen, es für sich und ihre Mitmenschen zu konstruieren.

Sso schaffen sie Tat-Bestände des Geschlechtes, die sie nicht kennen, die sie im Gegeneinander der Positionen, in den Geschlechter- und anderen Kämpfen, verkennen. Und eben diese Verkennung ist Voraussetzung – nicht Grund, der liegt woanders – dafür, daß sie vermittels des Gegeneinander und scheinbar unverbundenem Nebeneinander gender konstruieren, jene gesellschaftlichen Geschlechtskontruktionen, die niemand „hat“, die aber gleichwohl die zweite Seite des biologischen Geschlechtes eines Jeden Gesellschaftsgliedes wird.

Denn als Mittel hat Geschlechtsidentität dazu zu taugen, daß jemand sich in der Konkurrenz bewährt, also auch sein Geschlecht bewährt – und dazu braucht er ein gender, weil es ihm von denjenigen Teilnehmern der Konkurrenz mit denen er es zu tun bekommt – jedenfalls den meisten von ihnen – zum Maß und also Gesetz gemacht wird.

Praktisch geht es dabei um einen Fundus von Titeln, welche die Beteiligten mobilisieren, um Ansprüche aneinander zu formulieren und durchzusetzen. Das geschieht in gleichgeschlechtlichem Verkehr nicht weniger, eher mehr, als in gegengeschlechtlichem Verkehr.
Und warum geht das? Woher beziehen die Titel ihre Autorität?

Einmal natürlich aus dem elementaren Charakter geschlechtlicher Bedürfnisse, klar.
Doch da wird buchstäblich etwas ‚draufgesetzt, etwas, das erklärt, warum die Geschlechterkonkurrenz im Durchschnitt so wenig spielerisch und so freudlos ist:

Mit aller Gewalt, gegen jeden Zweifel, besteht der Bürger auf „Identität“ und Identitätsbildung / -findung, auf der Behausung seines werten Selbst und Selbstbewußtseins, dem Organ seiner Tugenden, deren oberste der Erfolg von Ansprüchen an die Welt der Mitbürger, ggf. die vernichtende Relativierung entgegenstehender Ansprüche ist, egal, ob solche Ausschließlichkeit gegeben oder eingebildet ist.

Diese Identität, von der die Geschlechtsidentität nur ein Teil ist, welche aber nicht selten zum Leitmotiv und Paradigma einer individuellen Identität gewählt wird, ist heiliger als der heilige Gral, von dem immerhin nur ein paar Irre behaupteten, sie wüßten, wo er zu finden sei, während von diesem Gral jeder Franz und jede Liese behauptet, im Besitz davon zu sein, wenn die lieben Mitmenschen das doch bloß (an)erkennen könnten / würden.

Womit wir auf der Spur eingebildeter Gegensätze und daher von Ansprüchen wären, welche die fatale Eigenheit haben, daß ihr Urheber sie selbst einlösen muß, weil niemand anderes den Zugang geschweige die Autorität über Eingebildetes hat,
nämlich:

„Eigenheit“ ist das heimliche Thema aller Parteien.
Heimlich deshalb, weil jeder darauf bestehen will, dies feierlich Unbestimmte sei das, worüber er, ausschließlich und allein er selbst, die volle Macht habe und zugleich weiß, daß nichts auf der Welt imstande ist, ihm diese fromme Einbildung, er sei und bleibe neben dem, was er tue, zugleich immer ein jenseitig Anderes und Anderer, zu beglaubigen.

Stattdessen wählt sich der Bürger Gegenüber, die solche Zertifikate strategisch, gegenstandslos und verlogen aus- und unterschreiben, um ihrerseits komplementäre Unterschriften zu erhalten, und diese eigenartigen und stets brüchigen Pakte im Nirgendwo sind dann das Substrat von „Freundschaften“, die deshalb zumeist auf der Ebene des Bündnisses verbleiben, also bewährte Pakte darstellen.

„Es kann nur einen geben“ lautet der Diskurs der Macht, der auf diesem Schlachtfeld überwiegend methodisch ausgetragen wird, so daß nicht selten die Zwecke und Bedürfnisse der Leut untergehen in ihrem Zeichencharakter, in der Semantik eines Krieges, dessen Verlust für nahezu alle Beteiligten von vornherein feststeht. Kaum eine Schlacht ist da einmal zu gewinnen. Die Insignien und Standarten der Selbstbehauptung werden vom Feld geborgen, ob erobert oder gerettet, werden letztendlich in die Grabkammern der bürgerlichen Seele entführt und eingelagert, wo sie mit ihren Inhabern verrecken.

Der allgemeine Begriff davon zusammengefaßt:
Moral in ihrer gegenwärtigen und christlich geprägten Gestalt ist subjektiv eine Pflege von Individual(!)tugenden, welche einen rassistischen Kern in der modernen, alltäglichen wie psychologisch elaborierten Auffassung von „Fähigkeiten“ hat. Solche Fähigkeiten soll der Bürger als ein Potential von „eigentlichen“ Tugenden behandeln, welche er unter Strafandrohungen um „uneigentliche“ Tugenden zu ergänzen hat, die einem gültigen Wertekanon und den moralischen Vorschriften i.e.S. zu entnehmen sind, deren Gehalt wiederum in den Grenzziehungen des Gesetzes vorbestimmt ist. Mit diesen gedoppelten Tugenden (abstrakt und konkret), hat er sich um den Preis existentiellen Scheiterns in der Welt der Konkurrenz, des Kampfes um „Lebenschancen“ im institutionalisierten Gegeneinander der Mittel und Interessen, zu bewähren, mithin sich als Konkurrenzsubjekt zu bewähren.