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Bloggte und kommentierte seit 2007 unter den Namen „TomGard“, „Quana“, „Jeanne Barefoot“, „Thomas A. Grün“ und „JaGl“ auf verschiedenen Plattformen, Spuren finden sich noch bei „Ciao“, „der Freitag“, in veröffentlichten RSS-Feeds von Blog.de und dem Telepolis-Forum.

Ein Nutzer hat mich gefragt, was es mit dem Label „hermit tribalist“ auf sich habe, das ich mir im Twitter-Account zugelegt habe.
Ich könnte das als „launige Idee“ abtun, z.T. ist es das. Es hat andererseits mit meinen Plänen zu tun, eine halbwegs systematische „Kritik des Patriarchats“ zu schreiben und in diesem Zusammenhang eine lange Geschichte, aus der ich ein wenig erzählen will.

„Ich als Kommunist, denn so einer bin ich nun mal …“

So hat einmal Karl Held ein Argument begonnen. Ausgerechnet er, federführender Autor der „Psychologie des bürgerlichen Individuums“ und unentwegter Kritiker des semiologischen und logischen Schindluders, das zumeist getrieben wird, wenn die Konjunktion „als“ benutzt wird, wie eine Kopula. Oder: „… als Kopula gebraucht wird“, so ist die Verwendung der Konjunktion sauber, weil sie das Subjekt mit einem bestimmenden Prädikat verbindet.
Doch in Helds Satz arbeitet die Kopula, wie so oft,  als eine willkürliche Distinktion. Die Distinktion bestimmte er in der Fortsetzung des Satzes – die ich nicht mehr erinnere – und machte dergestalt das Prädikat „Kommunist (sein)“ zur Berufungsinstanz, d.h. zu einem Institut zwischen ihm und den Adressaten. Das Motiv der Formulierung jedoch – die Distinktion zeigt es auch ohne Inhalt an – war die Wahrnehmung, daß dies Institut in Gestalt von geteilten Urteilen und / oder Überzeugungen nicht (länger) existierte, falls es das denn überhaupt je gegeben hätte.

Das ist eine gesellschaftliche Lage, die ich in einem Kommentar zur „Psychologie …“ einmal wie folgt charakterisiert habe:

Mit der Verfügung über und der Verpflichtung auf privaten Reichtum ist den Subjekten eine Verfügung über ihr Zusammenwirken im Gemeinwesen, das über die Modi der Gesetzlichkeit (Rechtschaffenheit) hinaus gestaltend wirken wollte, entzogen, weil solches Ansinnen die institutionalisierten Gegensätze blutig aufbrechen muß. Gesellschaft, welche die Menschen, ist sie einmal da, nicht länger herstellen, sondern als deren Glieder sie sich gebärden. Das Zusammenleben der Menschen ist nicht Teil ihres persönlichen Lebens, sondern das persönliche Leben wird besondere Daseinsform eines allgemeinen Lebens (der Fetisch der Psychologie: Individualität als Charakter, statt Seele).

Ja, ich weiß, das ist überabstrakt, diente auch nur als ein gliedernder Auftakt zu Erläuterungen, die ich hier auslasse, um stattdessen auf den Begriff „Urkommunismus“ zu verweisen.
Das ist eine merkwürdige Erfindung von Marx und Engels gewesen, nicht wahr?

Ihre Logik ist einfach. Marx und Engels hatten, gleich älteren Gesinnungsgenossen, vor näheren politökonomischen Untersuchungen, die noch folgen sollten, verstanden, „Kapitalismus“ ist der Begriff einer Produktionsweise, die geschichtliche Vorläufer und Restbestände in anderen Herrschaftsformen von Privateigentümern hat. Das Privateigentum sei folglich ein Institut, das frühere Generationen einmal geschaffen hatten und bis in die Gegenwart überliefert wurde. Rissen rezente oder folgende Generationen es ab, kehrten sie folglich – so die Logik – nach der Seite der Bestimmung gesellschaftlichen Eigentums zu einem Zustand zurück, den es schon gegeben hatte: Kommunistmus – Urkommunismus.

Das einfach Unzureichende dieser Logik ist die dergestalt negativ bleibende Bestimmung des Zustandes, der mit Kommunismus bzw. Urkommunismus bezeichnet ist. Die Negation überträgt den institutionellen Charakter des Privateigentums auf die Vorstellung eines Zustandes, in dem das Institut fehlt.

So lange mit der Vorstellung „Kommunismus“ keine positiven Merkmale verknüpft werden, kann das Unzureichende der logischen Begriffsbestimmung zu keinem Fehler führen. Anders herum bekommt jedoch jede bestimmte Vorstellung darüber, was „Kommunismus“ einmal war oder werden solle, über die Logik der Negation des Privateigentums eine Prägung durch Vorstellungen und Gewohnheiten, die Bestandteil des Instituts des Privateigentums und seiner Begleit- und Folgeinstitute sind. Dieser Prägung habe ich im o.a. Zitat den denkbar allgemeinsten Ausdruck gegeben. Sie bestimmt „Gesellschaft“ zugleich, im selben Atemzug, zum Objekt (der Begierde und Gestaltung) UND Subjekt, etwas, das mit dem Zweck und Ziel „bestimmt“, gestaltet sein / werden soll, das (Zusammen-)Leben der Subjekte zu bestimmen / gestalten.

Trivial gesagt: Die Prägung schreibt das politische Subjekt privateigentümlicher Herrschaftsformationen fort, und dies Subjekt nenne ich, ohne das an dieser Stelle näher zu begründen, patriarchal. Es ist, um es wenigstens zu illustrieren, das Subjekt, als das jeder Familienvorstand angesprochen wird, wenn er von irgend einer Seite eine Verantwortung vor einem übergeordneten Subjekt – weltlich, göttlich, spirituell – wahr nimmt oder an solche gemahnt wird.

Das ist, abstrakt benannt, der Grund, warum ich das Label „Kommunist“, das ich in der Vergangenheit immer wieder mal für mich in Anspruch genommen habe, launig durch „hermit tribalist“ ersetzt habe.

Mehr zum Patriarchat in den kommenden Tagen und Wochen auf einer gesonderten Seite.